Bundestagsabgeordnete A. Baerbock besuchte LMBV-Großbaustelle bei Plessa

Senftenberg | Plessa. Am Nachmittag des 27. Juni 2022 besuchte das Mitglied des Bundestages Annalena Baerbock eine Baustelle der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Brandenburg. Die über die Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg in den Bundestag gewählte Potsdamer Politikerin wurde herzlich von der Geschäftsführung der LMBV vor Ort auf dem Gelände der künftigen Wasserbehandlungsanlage (WBA) Plessa begrüßt. Die noch im Bau befindliche Anlage zur künftigen Eisenminderung soll nach Inbetriebnahme die Schwarze Elster vor einem Eiseneintrag und einer damit einhergehenden Versauerung schützen.

Der Sprecher der LMBV-Geschäftsführung Bernd Sablotny informierte die Abgeordnete über den Stand der Bergbausanierung in der Lausitz und das konzipierte technische Vorhaben zur Reduzierung der mineralischen Bestandteile der dem Hammergraben und Floßgraben zulaufenden bergbaulichen Wässer. Diese Überschusswässer gelangen vom Norden her über verschiedene bergbauliche Hohlformen, beginnend am Bergheider See über die Seeteichsenke und weitere 14 miteinander verbundene Restlöcher nach Süden über Gräben zum Flussbett der Schwarzen Elster.

Bevor sie in diesen Fluss gelangen, werden sie in der WBA weitestgehend von Eisen befreit. Dabei wird die Eisenkonzentration von anfänglich über 60 mg/l entsprechend den behördlichen Vorgaben auf unter 3 mg/l gesenkt. Das Bauende der rund 4,5 Hektar großen Anlage ist voraussichtlich für das Jahresende 2022 geplant. Sie soll anschließend in einen mehr als einen einjährigen Test- und Probebetrieb gehen. Von der Planung seit ca. 2010 bis zum Regelbetrieb der Anlage sind Investitionskosten in Höhe von etwa 80 Millionen Euro veranschlagt, allein für Bau und Ausrüstung werden rund 40 Millionen Euro investiert, so Sablotny.

„Der Bund lasse die Lausitz bei der Beseitigung der Folgen des Braunkohleabbaus“ nach Worten der grünen Brandenburger Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock in einem Statement gegenüber begleitenden Medienvertretern „nicht im Stich. Demnächst wird das neue milliardenschwere Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung der DDR-Tagebaue bis 2027 unterschrieben werden“, sagte sie bei ihrem Besuch in Plessa. Das Abkommen solle sicherstellen, dass auch in den nächsten Jahrzehnten in der Region das Wasser gereinigt wird, um es kleineren Flüssen wieder zuzuführen.

Gerade mit Blick auf den zunehmenden Tourismus in der Lausitz sei die Wasserqualität wichtig, sagte Baerbock. „Wir machen uns aber auch jetzt schon Gedanken über die Zeit danach beziehungsweise über die langfristigen Folgen der Braunkohleförderung auf den Wasserhaushalt. Hier wurden Ewigkeitskosten verursacht, die es zu managen gilt“, so die Abgeordnete und Bundesaußenministerin. Mit Blick auf die Trockenheit durch den Klimawandel sei es wichtig, das Wasser in der Landschaft zu halten, auch für nachfolgende Generationen. Eine Maßnahme sei, das Wasser wieder zu reinigen.

„Wir spüren in der Lausitz seit langem, dass die Folgen des Braunkohletagebaus nicht mit dem Fingerschnips zu lösen sind“, betonte die Grünen-Politikerin. Deshalb sei es wichtig, dass die Bundesregierung die Region weiter unterstütze. Hieran knüpfte auch der Kaufmännische Geschäftsführer der LMBV, Gunnar John, an und erläuterte die auf Nachhaltigkeit angelegte Bergbausanierung. Im ersten Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens werden bereits für zehn der strategischen Nachhaltigkeitsziele erste Aussagen getroffen.

Bei einem Baustellenrundgang erläuterten Geschäftsführer Bernd Sablotny und Sanierungsbereichsleiter Lausitz Gerd Richter den derzeitig erreichten Bautenstand und das geplante Zusammenwirken der Komponenten der WBA. Das Oberflächenwasser aus dem Floß- und Hammergraben wird künftig oberhalb der Wehranlage über das Entnahmepumpwerk zur Eisenoxidation in die Reaktionsbecken geleitet. Durch die Zugabe von Kalkmilch wird dort die Eisenoxidation angeregt. Ein dem oxidierten Oberflächenwasser zugegebenes Flockungshilfsmittel sorgt dafür, dass der Eisenhydroxid-Rohschlamm (EHS) sich anschließend in den am Hammergraben entlang angeordneten Sedimentationsbecken absetzt. Über eine Ablaufleitung wird das an der Oberfläche abgezogene Klarwasser über eine Ablaufturbine zur Energierückgewinnung wieder in den Hammergraben eingeleitet.

Nach einem Aufstieg auf die Reaktionsbecken zur Eisenoxydation ging es zunächst an die Wehranlage mit Ablaufturbine. Danach folgte ein Stopp an einem der Sedimetationsbecken. Ein EHS-Pumpwerk befördert zuvor den zurückgebliebenen Rohschlamm zur EHS-Aufbereitung. Dieser wird in den drei stationären Schlammeindickern durch die erneute Zugabe von Flockungshilfsmitteln konzentriert. Anschließend erfolgt die Schlammentwässerung und abschließend dessen Konditionierung. Der dadurch hinsichtlich seiner Konsistenz transportfähige EHS wird schließlich auf LKWs verladen und einer Verwertung oder Entsorgung zugeführt.

Die Bundestagsabgeordnete A. Baerbock wurde von der Brandenburger MdL Isabell Hiekel, umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion B90/ Die Grünen Brandenburg und den Mitarbeitern ihres Lausitzer Büros Mike Kess und Markus Pichlmaier begleitet. Ihrer Einladung war auch Dr. Gero von Daniels, Leiter der Bund-Länder-Geschäftsstelle (des Steuerungs- und Budgetausschusses) für die Braunkohlesanierung (GS StuBa), gefolgt.

Die im Bau befindliche LMBV-Wasserbehandlungsanlage Plessa (Juni 2022)


Informationen zur LMBV-Baustelle der Wasserbehandlungsanlage Plessa in der Lausitz

Senftenberg | Plessa. Mit dem offiziellen Spatenstich in Plessa begannen am 10. Juli 2020 die Arbeiten für die neue Wasserbehandlungsanlage der LMBV. Mit ihrer Errichtung am Zusammenfluss von Floß- und Hammergraben, am östlichen Ortseingang in Plessa an der B 169, wurde Anfang April 2020 eine Bietergemeinschaft von WKS Technik GmbH und Otto Heil GmbH & Co. KG beauftragt.

Zuvor erfolgte das Setzen einer 955 Meter langen Dichtwand um die Anlage durch die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) WBA Plessa, bestehend aus den Firmen BAUER Spezialtiefbau GmbH, AMAND Bau Sachsen GmbH & Co. KG und BERGER Grundbautechnik GmbH. Diese schützt die Baustelle und später die WBA Plessa vor aufsteigendem Grundwasser aus dem feuchten Niederungsgebiet der Schwarzen Elster.

Bernd Sablotny, Sprecher der Geschäftsführung der LMBV, verwies in seinem Grußwort auf die lange Bergbaugeschichte des Großraumes Lauchhammer‒Plessa. Damit verbunden ist auch der vor über 150 Jahren beginnende Eingriff in den Wasserhaushalt. „Mit dem offiziellen Baustart für die Errichtung der Wasserbehandlungsanlage Plessa setzen wir einen ganz wesentlichen Meilenstein für die Bewältigung der bergbaulichen Hinterlassenschaften in der Region.“ 

Die rund 4,5 Hektar große Anlage wird nach ihrer Inbetriebnahme die Schwarze Elster vor einem Eiseneintrag, insbesondere aus dem Hammergraben und Floßgraben, und einer damit einhergehenden Versauerung schützen. Eine Wasserbehandlung der einzelnen kleinen Gewässer in der sogenannten Kleinen Restlochkette wäre technisch zu aufwendig und erzielt durch weiter zuströmendes Grundwasser nur kurzfristig einen Erfolg. Während des Anlagenbaus wird das Wasser aus dem Hammergraben über eine insgesamt 430 Meter lange Rohleitung umgeleitet.

In der dreistraßigen Anlage werden künftig bis zu 1,6 Kubikmeter Wasser pro Sekunde behandelt. Der pH-Wert wird dadurch von circa drei auf 6,5 bis 8,5 angehoben. Die Eisenfracht soll zukünftig so von durchschnittlich 60 mg/l auf unter drei mg/l reduziert werden. Von der Planung seit ca. 2010 bis zum Regelbetrieb der Wasserbehandlungsanlage Plessa sind über alle Planungen und Baulose ca. 80 Millionen Euro veranschlagt. Für den Bau und die Ausrüstung der WBA werden rund 40 Millionen Euro investiert. Das Bauende ist - ursprünglich für Ende 2022 - in 2025 anvisiert. In 2025 laufen die Vorbereitungen zur Gesamtinbetriebnahme und dem dreimonatigen Probebetrieb. Danach schließt sich ein einjähriger Einfahrbetrieb an.

Am 21. Juli 2021 erfolgte das Richtfest – verbunden mit Baustellenrundgängen für Interessierte und Anrainer. Die bereits entstandenen Bauwerke, darunter die etwa 48 mal 18 Meter großen, dreistraßig gestalteten Reaktionsbecken – gut am blauen Geländer erkennbar – sind weithin sichtbar.

Das Oberflächenwasser aus dem Floß- und Hammergraben wird künftig oberhalb der Wehranlage über das Entnahmepumpwerk zur Eisenoxidation in das Reaktionsbecken geleitet. Durch die Zugabe von Kalkmilch wird die Eisenoxidation angeregt. Ein dem oxidierten Oberflächenwasser zugegebenes Flockungshilfsmittel sorgt dafür, dass der Eisenhydroxid-Rohschlamm (EHS) sich anschließend in den am Hammergraben entlang angeordneten Sedimentationsbecken absetzt. Über eine Ablaufleitung wird das an der Oberfläche abgezogene Klarwasser über eine Ablaufturbine zur Energierückgewinnung wieder in den Hammergraben eingeleitet.

Das EHS-Pumpwerk befördert den zurückgebliebenen Rohschlamm zur EHS-Aufbereitung. Dieser wird in den drei stationären Schlammeindickern durch die erneute Zugabe von Flockungshilfsmitteln konzentriert. Anschließend erfolgt die Schlammentwässerung und abschließend dessen Konditionierung mithilfe weiterer Flockungshilfsmittel und/oder Flugasche. Der dadurch hinsichtlich seiner Konsistenz transportfähige EHS wird schließlich auf LKWs verladen und einer Verwertung oder Entsorgung zugeführt. (UST) mit Update v. 11.07.25

Die im Bau befindliche LMBV-Wasserbehandlungsanlage Plessa (Juni 2022)


Sächsischer Umwelt-Staatsminister Günther auf Exkursion mit LTV und LMBV

Zwenkau. LMBV-Geschäftsführer Bernd Sablotny hatte den sächsischen Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft Wolfram Günther zum Info-Besuch in den Südraum Leipzig eingeladen. Er kam zusammen mit Dr. Regina Heinecke-Schmitt, Leiterin der Abteilung Technischer Umweltschutz und Wasser, als weitere Vertreterin des sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL). 

Ebenfalls beim Termin anwesend waren Experten der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen: Vom Hauptsitz in Pirna angereist war Geschäftsführer Eckehard Bielitz. Aus Rötha kamen Axel Bobbe, LTV-Betriebsleiter Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster, sowie Betriebsteilleiter Markus Freygang. 

Von Seiten der LMBV waren zugegen Bernd Sablotny als Sprecher der Geschäftsführung, Grit Uhlig als Bereichsleiterin Sanierungsbereich Mitteldeutschland, Dr. Oliver Totsche als Abteilungsleiter Grundsätze Geotechnik/Wasserwirtschaft, Jens Konschak vom Projektmanagement Westsachsen/Thüringen und Claudia Hermann von der Unternehmenskommunikation des Bergbausanierers.

Expertenrunde mit Minister und LMBV-Chef vor dem Hafenbecken

An insgesamt drei Stationen entlang des Zwenkauer Sees tauschten sich die Fachkollegen aus. Treffpunkt war der Hafen am Kap Zwenkau, wo es Erläuterungen zum Sanierungstagebau Zwenkau/Cospuden und zu den Sanierungsschwerpunkten am Zwenkauer See gab. Daneben standen die Bewirtschaftungsmöglichkeiten des Zwenkau-Cospudener Seenverbundes mit Zu- und Ausleitung, auch für die Niedrigwasserbewirtschaftung mit Blick auf den unteren Bereich des Leipziger Auwaldes im Fokus. 

Diskussion im schattigen Wald der Imnitzer Lachen
Erinnerungsfoto am Einlaufbauwerk Zitzschen

In der abschließenden Diskussionsrunde in einem Tagungsraum waren sich die Vertreter von SMEKUL, LTV und LMBV einig, dass es einen Paradigmenwechsel in der Wasserwirtschaft gibt, dass Kompetenzen sowie Fachverstand künftig gebündelt werden sollten und dass ein wasserwirtschaftliches Gesamtkonzept für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt erstellt werden muss. Außerdem seien „naturschutzfachliche Diskussionen offen zu führen“, wie Wolfram Günther betonte. 

Zusätzlich wurde die Renaturierung und die Restrukturierung der so genannten „Betonelster“ als wichtiger Baustein der nachhaltigen Gewässer- und Auenentwicklung im Südraum Leipzig genannt. Es wurde gemeinsam nach Lösungsansätzen für die Umsetzung eines Sanierungsprojektes für die Weiße Elster gesucht, die einst für den Bergbau aber nicht durch den Bergbautreibenden verlegt und zur Sicherung des Tagebaues vor Grundbrüchen mit einer Asphaltdichtung versehen worden ist

Impressionen von der Exkursion: LMBV / Claudia Hermann


Umweltminister von Sachsen und Brandenburg zu Infobesuch beim Bergbausanierer LMBV in der Lausitz

Senftenberg. Die Umweltminister von Sachsen und Brandenburg, Wolfram Günther und Axel Vogel besuchten im Anschluss an eine gemeinsame Kabinettsitzung der Landesregierungen auf dem Lausitzring auch den Bergbausanierer LMBV. Sie wurden dazu am Nachmittag des 21. Juni 2022 herzlich vom LMBV-Geschäftsführer Bernd Sablotny in Senftenberg begrüßt.

Im Mittelpunkt des Informationsbesuches stand die Arbeit der Flutungszentrale Lausitz (FZL) an der Landesgrenze in Senftenberg sowie die Speicherfunktionen von Braunkohle-Restlöchern wie des Bärwalder Sees (LMBV-Speicher Bärwalde) und des LMBV-Speichersystems Lohsa II. Aus diesen beiden bergbaulichen Speichern werden derzeit jährlich bereits bis zu 45 Mio. m³ p.a. zur Niedrigwasser-Aufhöhung der Spree im Verbund mit den Talsperren der LTV und des LfU beigetragen.

Die #Lausitz hat zu wenig Wasser. Doch ohne Wasser kein Strukturwandel. Deshalb arbeiten wir eng und gut mit #Brandenburg und #Berlin zusammen“, betonte anschließend Staatsminister Günther in einem Tweet. In der Diskussion wurden auch Maßnahmen zur Bewältigung der aktuellen Trockenheit und der länderübergreifenden Wasserbewirtschaftung angesprochen.

Die LMBV berichtete über ein erfolgreiches 2021er Jahr des Flutens der Restlöcher und Bergbauspeicher: 136 Mio m³ konnten aus den wenigen Lausitzer Flüssen zielführend genutzt und eingeleitet werden. Dem standen 2021 in der Lausitz aber auch Wasserausleitungen der LMBV, z. B. zur Niedrigwasser-Aufhöhung der Spree, von insgesamt 94 Mio m³ gegenüber.

In 2022 wurden bereits 54 Mio m³ für die Flutungen durch die FZL aus den Vorflutern verfügbar gemacht. Rund 10 Mio m³ wurden dazu aus der Spree in den LMBV-Speicher Bärwalde und rund 20 Mio m³ in den LMBV-Speicher Lohsa II eingeleitet und zwischengespeichert. Weitere vier Mio m³ gingen in das Restloch Burghammer. Flutungsschwerpunkt 2022 war zudem der Sedlitzer See in Brandenburg, der rund 21 Mio m³ aufgenommen hat und seit Ende Dezember 2021 bisher um rund einen weiteren Meter angestiegen war.

Hinsichtlich des Zielstellung zum Speichersystem Lohsa II (WSS) erläuterte B. Sablotny das Ziel der LMBV, über den Probestau mit derzeitigen Nutzungsmöglichkeiten hinaus die volle Funktionstüchtigkeit des WSS Lohsa II bis Ende der 2020er Jahre zu erreichen. Dazu seien zunächst noch folgende Bau- und Sanierungshauptleistungen im Rahmen der Bergbausanierung nötig:

  • Beendigung des Ausbaus der Kleinen Spree mit Brückenbau bis Ende 2025
  • Beseitigung der Rutschungsmassen aus dem Einlaufbereich des Tunnels Lohsa II Richtung Speicherbecken Burghammer ab 2026
  • Sichern und Erweitern der provisorischen Einsatzstellen im Speicher Lohsa II.

Parallel dazu soll der Planfeststellungsantrag Teil 3 – Wasserrechtliches Verfahren zur Bewirtschaftung des WSS Lohsa II erarbeitet werden, dessen Genehmigungsprozess dann noch weitere Zeit benötigen wird.



LMBV-Workshop geplant: Reaktivität von Kalkprodukten bei der Gewässerbehandlung

Senftenberg. Die LMBV plant einen Workshop für die Anwender von Kalkprodukten bei der Konditionierung von Bergbaufolgeseen. Dieser wird am 06.07.2022 in der Zeit von 9:00 bis 11:30 Uhr als LMBV-Webkonferenz stattfinden.

Für die objektive Vergleichbarkeit der Wirksamkeit von carbonatischen Kalkprodukten für die Wasserbehandlung von Bergbaufolgeseen ist eine Charakterisierung hinsichtlich der Alkalinitätsfreisetzung unter neutralen pH-Wert-Verhältnissen für die LMBV unabdingbar. Diese ist auf der Basis der derzeit in Produktdatenblättern verfügbaren Informationen nicht ableitbar.

Aufgrund dessen wurde im Auftrag der LMBV eine Verfahrensvorschrift zur Ermittlung der Reaktivität von carbonatischen Kalkprodukten bei einem pH-Wert von 6,5 entwickelt. Die Reaktivität ist sowohl für die Beschaffung von Produkten als auch für die Bewertung von Maßnahmen für die LMBV maßgeblich. Der Bergbausanierer plant zukünftige Sanierungsmaßnahmen zur Wasserbehandlung auf Grundlage dieser Methodik auszuschreiben.

Um potenziellen Auftragnehmern und wissenschaftlichen Partnern die Herangehensweise zukünftiger Ausschreibungen sowie die praktische Durchführung der dafür notwendigen Analysenmethode näher zu bringen, führt die Abteilung Grundsätze der Geotechnik/Wasserwirtschaft diesen Workshop durch.

Hinweis: Für die Durchführung des Verfahrens ist ein pH-Stat-Titrator erforderlich.

Folgende Aspekte sollen beim Workshop erläutert werden:

  1. Einführung, Veranlassung und Zielstellung der LMBV
  2. Theoretische Grundlagen und Anforderungen
  3. Vorstellung der praktischen Umsetzung der Verfahrensvorschrift inklusive der Datenbereitstellung
  4. Fragen/Diskussionen
  5. Vorstellung der Durchführung einer Vergleichsuntersuchung

Die Veranstaltung findet als Web-Konferenz statt.

Für die Teilnahme fallen für Sie keine Teilnahmegebühren an.

Bitte teilen Sie uns Ihr Interesse an diesem Workshop per E-Mail an katja.kunze@lmbv.de mit. Die Einwahldaten werden Ihnen vor Beginn der Veranstaltung zur Verfügung gestellt.

LMBV-Bergbaufolgesee: Einleiten von Kalkmilch zur Konditionierung
Fotos: LMBV/Symbolbilder


Verein Kohlebahnen e.V. feiert 25-jähriges Jubiläum mit Festwochenende

Meuselwitz. Am 17. Juni 2022 lud der Verein Kohlebahnen e. V. mit einem Jahr Verzögerung zur Jubiläumsveranstaltung in den Lokschuppen auf dem Kulturbahnhof Meuselwitz. Der Vereinsvorsitzende Dr. Karsten Waldenburger blickte auf die 25-jährige bewegte Geschichte im Bereich des Bahnen- und Schienennetzes zurück und gab einen Ausblick auf künftige Vorhaben.

Jubiläumsschild des thüringischen Vereins

Mit einem großen Bahnhofsfest feierte der Verein sein Jubiläum am 18. Und 19. Juni mit zahlreichen Besuchern. Neben den Fahrten nach Regis-Breitingen mit der historischen Schöma-Diesellok CFL-200 V von 1962 auf 900 mm Spurweite wurden den Besuchern vielfältige Aktivitäten geboten. Bergbautypische Ausstellungen im Original und im Modell, die Herstellung von Briketts mit einer historischen Presse, Führerstands- und Draisinefahrten sowie eine Echtdampfeisenbahn für Kinder gehörten zu den Programmpunkten am Wochenende. Zudem präsentierten sich verschiedene Eisenbahnvereine und Tourismusverbände. Zu den Ausstellern zählten die Bergbrüderschaft Meuselwitz-Rositzer Braunkohlerevier e.V., der Bergbau-Technik-Park Leipzig, die Brikettfabrik Herrmannschacht, die Mansfelder Bergwerksbahn und der Modellbahnclub Hoyerswerda e. V.

Aussteller Hagen Jurczok vom Modellclub Hoyerswerda e. V.

Im Bahnhof Meuselwitz befindet sich neben historischen Zügen ein technisches Museum mit großem Freigelände, vielen Geräten, Anlagen, bergmännischen Exponaten und Dokumenten. Die Ausstellung zeigt die mehr als einhundertjährige Geschichte des Braunkohlenbergbaus in der Region an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen. 

Impressionen: LMBV/Claudia Hermann und Kathrin Murvai


Bergbausanierer auf Karrieremessen in Cottbus und Freiberg vertreten

Senftenberg/Cottbus/Freiberg. Gemeinsam mit über 70 regionalen, nationalen und internationalen Unternehmen sowie Forschungsinstituten präsentierte sich die LMBV am 14. Juni 2022 am Zentralcampus Cottbus der BTU Cottbus-Senftenberg auf Brandenburgs größter Recruitingmesse für akademische Fachkräfte.

Eröffnet wurde die Messe mit einer Ansprache durch den Hauptberuflichen Vizepräsidenten der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Dr.-Ing. Michael Hübner, sowie mit einem Grußwort durch den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg, Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach.

Anschließend öffneten sich die Messezelte für alle Interessierten. Zahlreiche Studierende und Absolventen nutzten auf der campus-X-change die Gelegenheit, sich am Stand der LMBV über Praktikumsplätze, Abschlussarbeiten oder einen Jobeinstieg nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums zu informieren.

Zudem waren Schüler und Schülerinnen eingeladen, einen Überblick zu den Angeboten von Schülerpraktika zu erhalten und gezielt Fragen zum Berufsalltag zu stellen.

In Freiberg fand am 9. Juni 2022 die Karrieremesse ORTE der TU Bergakademie Freiberg statt. Auch hier nutzten neben der LMBV über 50 regionale und überregionale Unternehmen sowie Institutionen die Möglichkeit, ihre Jobangebote zu präsentieren und zahlreiche Fragen der Studierenden zu beantworten.

Zahlreiche Interessierte auf der ORTE in Freiberg
Fotos: LMBV/R. Kaltschmidt


LMBV war Gastgeberin der Sommer-Befahrung des Brandenburger Braunkohlenausschusses

Senftenberg/Cottbus. Die Sommer-Befahrung des Braunkohlenausschusses des Landes Brandenburg führte dessen Mitglieder am 9. Juni 2022 in den Süden des Landes zum Lausitzer Seenland. Am Großräschener See, dem vormaligen Tagebau Meuro, begrüßte im Namen der LMBV der Sanierungsbereichsleiter Lausitz, Gerd Richter, die Ausschussmitglieder im Sanierungs-Revier. Beim Blick von der Victoriahöhe wurden Vergangenheit und Gegenwart der Bergbausanierung von Prokurist Richter vorgestellt. Dabei wurden von ihm Zusammenhänge zwischen von zu schaffenden sicheren Bergbaufolge-Landschaften, Flutungswasser-Verfügbarkeiten und kommenden Herausforderungen in der sogenannten Restlochkette erläutert.

Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker gab einen kurzen Abriss zur Entwicklung der Kommune unter den besonderen Bedingungen des angrenzenden Tagebaus und des entstehenden Bergbaufolgesees. Durch frühzeitige kommunale Flächensicherung und langfristige Entwicklungspläne u.a. an der Seestraße, am Hafen, im Siedlungsgebiet Alma, und an den IBA-Terrassen konnten in den zurückliegenden Jahren, auch unter Einsatz von Mittel der Braunkohlesanierung, bereits viel Vorzeigbares entwickelt und gebaut werden. Das künftige Welcome- und Info-Center unmittelbar am Hafen sei derzeit im Bau und im Wachsen.

Aufgrund des noch ausreichenden Wasserüberdeckung ist eine langfristig sichere Nutzung des künstlichen Gewässers erst ab 2025/26 mit der dann erfolgte Ausspiegelung des Nachbarsees in Aussicht. An einer saisonalen und temporären Teilnutzung des Gewässers, für die u.a. noch Anträge der Kommune zur Haftungsfreistellung und Wassernutzung erarbeitet werden, wird von der LMBV positiv begleitet.

Am Sedlitzer See wurde dem Ausschuss die geplanten Sicherungsarbeiten der LMBV in den kommenden drei Jahren an der Brückenfeldkippe und für den Ausbau des Ausleiters aus dem künftigen Sedlitzer See vorgestellt. Bei einem Halt am bereits wasserführenden Ilse-Kanal wurde der Werdegang einer solchen Investition für den künftigen Wassertourismus und für das Flutungsgeschehen dargestellt. Durch die gezielte Flutung des Restloches Sedlitz in den zurückliegenden Monaten konnte der Wasserspiegel bereits auf 99,43 m NHN aufgefüllt werden, welcher dann u.a. die Folgesanierungsarbeiten ermöglicht. Allein seit Dezember 2021 stieg der Wasserspiegel um fast einen Meter an.

Am Südufer des künftigen Sedlitzer Sees stellte die LMBV die errichtete Kaimauer und ihren neuen Sanierungsstützpunkt vor. Letzte Station der diesjährigen Infotour war der Seestrand Lieske, der vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg entwickelt worden ist. Hier nutzte Altdöberns Amtsdirektor Frank Neubert die Gelegenheit, neue Pläne eines privaten Investors, die auch in der Gemeindevertretung alsbald behandelt werden, vorzustellen. So könnten bis zu 80 Ferienhäuser bei Lieske entstehen, wenn die Pläne genehmigt und umgesetzt werden können.

Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg zu Gast am Großräschener See der LMBV


Sanierung des Gremminer Sees im Fokus von internationalen Künstlern

Gräfenhainichen. Die Bergbaufolgelandschaft des ehemaligen Tagebaus Golpa-Nord und der strukturelle Wandel in der Region Dübener Heide stand am 7. Juni 2022 im Mittelpunkt künstlerischen Interesses. LMBV-Projektmanager André Schönberg führte zusammen mit seiner Kollegin Claudia Hermann die Photokünstlerin Mika Sperling, die aus Norilsk, einer Bergbaustadt in Nordsibirien stammt, und den bolivianischen bildenden Künstler Daniel Mebarek an zentrale Orte der Sanierungstätigkeit von der Halbinsel mit den ehemaligen Tagebaugroßgeräten über den Mühlgraben und den Kunstpfad bis zum Gräfenhainicher Stadtbalkon. Neben der Tagebauhistorie und den einzelnen Arbeitsschritten vom Restloch bis zur Entstehung eines Sees wurden vor allem Aufforstung, Naturschutz, Überschusswasserableitung und Filterbrunnenverwahrung thematisiert.

Denn die Ressourcennutzung und der Umgang mit den Folgen rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt künstlerischer Auseinandersetzung, wobei das Dokumentationspotenzial der Fotografie eine große Rolle spielt. Der Informationsaustausch war für alle Beteiligten inspirierend. Während sich Mika Sperling u. a. mit Traumatabewältigung in "unverbrauchten" Wäldern  auseinandersetzt, arbeitet Daniel Mebarek mit Cyanotypie, einem Verfahren zur Herstellung fotografischer Bilder. Er interessierte sich besonders für Pflanzen, die zur Renaturierung von Tagebauen eingesetzt werden. Fortführend sind ein Informationsaustausch mit dem BUND in der Goitzsche-Wildnis sowie ein Besuch bei MIBRAG im Südraum Leipzig geplant. 

Der sachsen-anhaltinische Kultur- und Kunstverein Kemberg hatte die beiden Künstler für die zweite Artist-in-Residence-Runde für Juni 2022 ausgewählt. Die Jury, die aus den Bewerbungen die Residenzkünstler ausgewählt hat, bestand in diesem Jahr unter anderem aus Jule Schaffer, Kustodin der Sammlung Fotografie des Kunstmuseums Moritzburg Halle, und Milena Carstens, leitende Fotoredakteurin des ZEIT Magazins. Das 2021 begonnene Projekt läuft unter der künstlerischen Leitung von Jan Stradtmann.

Projektmanager André Schönberg gibt einen ersten Überblick über das Sanierungsgebiet.

Hintergrund: Der Kultur- und Kunstverein Kemberg e.V. bei Wittenberg richtet in diesem und nächsten Jahr eine Künstlerresidenz unter dem Titel „Passage“ aus. Für vier Wochen sind eine Künstlerin und ein Künstler eingeladen, sich mit der Region der Dübener Heide vor Ort zu beschäftigen. Der Verein möchte damit nicht nur den Austausch zwischen Künstlern und Bewohnern fördern, sondern auch den Blick auf die Region lenken und den strukturellen Wandel aufzeigen. Denn die Änderung des Landschaftsbildes in den letzten Jahrzehnten sind maßgeblich geprägt von den sichtbaren Folgen des Braunkohleabbaus am westlichen Rand der Heide, die in Kontrast zum heutigen postindustriellen Landschaftsbild mit renaturierter Natur stehen.

Die ersten beiden Künstler waren Laura Pannack (Großbritannien) und Bert Villa (Belgien). Letzterer interessierte sich als Architekt im Besonderen für den Umbau der Landschaft in Folge des Tagebaus. Beide waren im November 2021 in der Region. Das Projekt wird durch das LEADER-Programm in der Dübener Heide unterstützt und erhält Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds.

Impressionen von der Befahrung: LMBV/Claudia Hermann


„GRAS DRÜBER …“: Sonderausstellung zu Umweltpolitik und Rekultivierung

Bochum. Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Bergbau-Museums Bochum widmet sich eine Sonderausstellung dem Thema Umweltpolitik und Rekultivierung: „Gras drüber … Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ möchte aus einer historischen Perspektive kommend zu einem reflektierten Umgang mit Umweltfragen in Gegenwart und Zukunft beitragen. Anhand der drei Bergbaureviere Ruhrgebiet, Lausitz und Wismut-Gebiete und der dort gewonnenen Bodenschätze werden Einblicke in die deutsch-deutsche Geschichte geboten.

In der Pressemitteilung zur Ausstellung heißt es:

„Erstmals in der Geschichte des Deutschen Bergbau-Museums Bochum widmet sich eine Sonderausstellung dem Thema Umweltpolitik und Rekultivierung: „Gras drüber … Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ möchte aus einer historischen Perspektive kommend zu einem reflektierten Umgang mit Umweltfragen in Gegenwart und Zukunft beitragen. Anhand der drei Bergbaureviere Ruhrgebiet, Lausitz und Wismut-Gebiete und der dort gewonnenen Bodenschätze werden Einblicke in die deutsch-deutsche Geschichte geboten. Die Sonderausstellung zeigt dabei auch Objekte, die erstmals in Museen präsentiert werden. Die Ausstellung wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und ist vom 11. Juni 2022 bis zum 15. Januar 2023 im Museumserweiterungsbau DBM+ zu sehen. Der Eintritt zur Sonderausstellung kostet 3 Euro.

Die Sonderausstellung „Gras drüber … Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum will im wahrsten Sinne unter die Grasnarbe schauen. Sie beleuchtet drei Bodenschätze und zwei Staaten: den Steinkohlenbergbau in der BRD sowie in der DDR den Lausitzer Braunkohlentagebau und die Gewinnung von Uranerz in den Wismut-Gebieten. Dabei werden die wechselseitigen Verflechtungen auf politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene dargestellt. „Gras drüber …“ ist Teil eines durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundvorhabens zur Stärkung der DDR-Forschung.

Zwei Staaten – drei Reviere – eine Geschichte

Die Ausstellung beginnt „Hier und jetzt“ und empfängt die Besuchenden mit einer Foto- und Klanginstallation aus den drei renaturierten Landschaften sowie einer Gegenüberstellung von zwei Kunstwerken, mit denen das Spannungsverhältnis von Bergbau und Umwelt verdeutlicht wird. Es folgt ein Einblick in die ehemaligen Bergbaureviere anhand von Film- und Fotoaufnahmen. Weiter geht es im Ausstellungsbereich „Glückauf ohne Grenzen“, der neben den Grundlagen zu den drei Bergbausparten auch die Einflüsse auf die Umwelt und den Alltag der drei Reviere im Rückblick vermittelt. Auf Basis dieser Grundlagen geht die Reise dann in „Kein Zurück zur Natur“ in die Reviere nach dem Bergbau. Dieser Bereich führt in wissenschaftliche und politische Rahmenbedingungen ein, die geschaffen werden müssen, damit aus den Revieren Folgelandschaften als Natur aus zweiter Hand werden können.

Die Ausstellung bietet dabei spannende Erkenntnisse in bislang wenig bekannte Forschungsvorhaben der BRD und der DDR und legt offen, dass Umweltschutz in Deutschland keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist. Deutlich wird dies im Teil „Auf zur Umweltunion“, in dem politische Entscheidungsprozesse in beiden Staaten ebenso erläutert werden wie Bewegungen aus der Bevölkerung heraus, die besonders ab den 1980er-Jahren zu einem Umdenken in der Politik geführt haben. Zum Abschluss der Ausstellung steht die Frage „Und nun?“, wobei Umweltpolitik, Proteste und Bergbau in Gegenwart und Zukunft anhand von Objekten mit hohem Gegenwartsbezug vermittelt werden.

„Unsere Arbeit an ‚Gras drüber ...‘ hat gezeigt, dass wir Haltungen und Thesen zu Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich korrigieren und teilweise neu bewerten müssen. Mit ‚Gras drüber …‘ wollen wir unsere Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit tragen und sie mit den Besuchenden teilen. Diese Sonderausstellung zeigt damit auch die Aufgabe eines Leibniz-Forschungsmuseums: Wir übersetzen Forschung mit Exponaten in Bilder und unmittelbares Erleben und wollen mit unserem Tun einen Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Themen bieten“, sagt Dr. Michael Farrenkopf, Deutsches Bergbau-Museum Bochum.

Vielfalt der Objekte

Gezeigt werden insgesamt rund 800 Objekte, die aus dem Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) sowie von rund 140 leihgebenden Institutionen stammen. Die Bandbreite reicht von Gemälden, Fotografien und Plakaten, Maschinenteilen und Modellen, Film- und Tonaufnahmen bis hin zu Objekten aus dem vergangenen Alltag in den Revieren und solchen mit hohem Gegenwartsbezug. In der Ausstellung werden einige Objekte erstmals überhaupt in einem Museum ausgestellt. Dazu gehören neben einer Replik der ältesten Jagdwaffen der Welt, den Schöninger Speeren, auch Leihgaben aus dem Privatbesitz von Rekultivierungswissenschaftler und GRÜNEN-Gründungsmitglied Wilhelm Knabe…

Ausstellungsgestaltung & Szenografie

„Gras drüber …“ ist im Museumserweiterungsbau DBM+ über zwei Ebenen angelegt und wurde durch die GfG / Gruppe für Gestaltung GmbH, Bremen, gemeinsam mit dem Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) umgesetzt. Die Szenografie nimmt den Gedanken von „unter die Grasnarbe schauen“ auf und arbeitet mit Kulissenbauelementen sowie natürlichen, größtenteils wiederverwendbaren Materialien. Die einzelnen Bereiche der Ausstellung erhalten ein individuelles Design und bieten vielfältige Einblicke in Themen und Objekte. Die Besuchenden sind immer wieder eingeladen, ihre Perspektive zu verändern, Ansichten zu hinterfragen.

Das Spannungsverhältnis von Bergbau und Umwelt wird auch in das Ausstellungserleben überführt. In der Sonderausstellung werden immer wieder Perspektiven, Haltungen und Ereignisse gegenübergestellt. Ähnlich wie die Komplexität von gesellschaftlichen und politischen Prozessen nimmt auch die Verdichtung von Elementen und Exponaten mal ab und mal zu. Rund 20 Leitobjekte werden aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und in geschichtliche, zeitgenössische, museale oder objektgeschichtliche Zusammenhänge gesetzt.

„Die Komplexität historischer Ereignisse und der hohe Bezug zu unserer Gegenwart hat uns bei der Arbeit an ‚Gras drüber ...‘ immer wieder überrascht. Wir möchten den Besuchenden mit der Szenografie und den Vermittlungsebenen Impulse bieten. Es gibt bei den Themen Bergbau und Umwelt nie nur eine Perspektive. Wir möchten dazu einladen, im wahrsten Sinne an der Oberfläche zu graben, um eine eigene Meinung zu entwickeln“, sagt Carsten Dempewolf, GfG / Gruppe für Gestaltung.

Vermittlungsaspekte & Begleitprogramm

Die durchgehend zweisprachige Ausstellung wird auf Vermittlungsebene durch Multimediastationen sowie Persona-Dialoge unterstützt. Sie bieten aus unterschiedlichen Positionen Impulse wie Reibungsfläche. Zur Ausstellung wird auch ein Multimediaguide angeboten. Er ist ab Juli unter „Gras drüber ... Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ in der CultwayApp erhältlich. Die App kann im AppStore oder im Google Play Store kostenlos heruntergeladen werden. Das Angebot kann als Audioguide in der Ausstellung, vor oder nach dem Museumsbesuch genutzt werden. Zudem wird die Sonderausstellung durch ein diverses Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm ergänzt.

Begleitband

Der Katalog zu „Gras drüber ... Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ erscheint im Verlag De Gruyter | Oldenbourg. Die Publikation ist als Begleitband konzipiert: Sie enthält neben einem Teil über die Inhalte und Konzeption der Sonderausstellung auch einen Teil mit Beiträgen von externen Forschenden zu Umweltpolitik, Bergbaufolgelandschaften, Genderstudies und Naturschutz, Technikgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Gesundheitsaspekten, Kulturwissenschaften und Vermittlungstheorie. Er ist im Museumsshop sowie im Buchhandel für 34,95 Euro erhältlich, er wird zudem als Open Access Publikation veröffentlicht.“ Quelle: PM des Deutschen Bergbau-Museum v. 08.06.2022

Deutsches Bergbau-Museum Bochum Am Bergbaumuseum 28 44791 Bochum +49 234 5877-141

01_Gras drüber_Willi Sitte und Eberhard Göschel (c) H. Kandalowski