LMBV steht der Großen Lausitzrunde Rede und Antwort – Kommunalvertreter fordern mehr Speicherräume
Lausitzrunde verabschiedet Positionspapier Wasserproblem in der Lausitz
Forst. Auf Einladung der sogenannten Großen „Lausitzrunde“ gab LMBV-Sanierungsbereichsleiter Gerd Richter am 8. Juni 2023 Einblicke in die derzeitigen Aufgaben der Bergbausanierer und beantwortete eine Vielzahl von Fragen der Teilnehmer zu einzelnen Vorhaben der LMBV.
Die Große Lausitzrunde ist ein kommunales Bündnis aus Vertretern von 56 Lausitzer Städten und Gemeinden Brandenburgs und Sachsens unter Leitung der Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier und des Weißwasseraner Oberbürgermeisters Torsten Pötzsch. Ein weiteres der in der Runde behandeltes Thema war, dass mit dem bevorstehenden Ende der Braunkohlenförderung in der Lausitz der Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht kommen werde. Die Kommunen fordern daher einmal mehr Lösungen von Bund und Land. Auch Wasserimporte geraten daher ins Blickfeld.
Um das Wasserproblem in der Lausitz in den kommenden Jahrzehnten in den Griff zu bekommen, fordern die Kommunen der Region den Ausbau und die Ertüchtigung der bisherigen Speicherräume. Damit sollen Vorräte aus den feuchten Monaten vorgehalten werden können. Die vorhandenen Speicherkapazitäten für Wasser müssten auf ein Gesamtvorratsvolumen im Spreegebiet von mindestens 180 Millionen Kubikmeter weiter ausgebaut werden, heißt es in dem am Donnerstag in Forst verabschiedeten Positionspapier der Lausitzrunde. Auch die Speicher Lohsa II und der Speicher Bärwalde wurden neben dem entstehenden Cottbusser Ostsee als Speicherräume aufgeführt.
Die Lausitzrunde nimmt mit ihren Forderungen Bezug auf eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die am 12. Juni 2023 veröffentlicht werden soll. Die Studie komme zu dem Schluss, dass der Wasserhaushalt im Spree-Flussgebiet nach dem erwarteten Aus der Kohleförderung einen strukturellen Wasserdefizit-Ausgleich brauche.
Den Untersuchungen zufolge werde es nach dem Ende des Braunkohlebergbaus deutlich weniger Wasser in der Region geben als heute. So sei im sächsischen Teil der Spree mit einem Defizit von jährlich rund 95 Millionen Kubikmetern zu rechnen, im brandenburgischen Teil der Spree mit einem Defizit von bis zu 126 Millionen Kubikmeter p.a. Durch eine weitergehende Nutzung von geeigneten Bergbaufolgeseen als Wasserspeicher könnte dieses Defizit ausgeglichen werden. Die Studie empfehle zudem, die Deckung der Wasserdefizite durch Wasserüberleitungen aus benachbarten Flussgebieten wie Elbe, Lausitzer Neiße und Oder abzusichern. Daher dringen die Bürgermeister und Wasserexperten bei Letzterem auf eine zügige Diskussion und Entscheidung von Bund und Ländern über Varianten des „Wasserimports“ in die Region.
„Es gehe um Tempo bei diesen großen wasserwirtschaftlich notwendigen Grundsatzentscheidungen“, sagte Wasserexperte Ingolf Arnold vom Verein Wasser Cluster Lausitz. Er wies darauf hin, dass bereits vor 30 Jahren festgehalten wurde, dass das Spreesystem kollabiere, wenn nichts getan werde. Die Kommunen forderten darüber hinaus eine schnelle Einigung über die Finanzierung und die künftige Lastenverteilung. Selbst wenn Behörden und Unternehmen wie die LMBV und die LEAG ihre Hausaufgaben gemacht haben, werde das Spreesystem ohne Ergänzung trotzdem nicht funktionieren, warnte Wasserfachmann Arnold. Die Zivilgesellschaft habe sich über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren an die höheren Wassermengen in der Spree gewöhnt - bis hin zur Trinkwasserversorgung in Berlin. Getoppt werde alles vom Klimawandel. „Deshalb müssen die drei Bundesländer Berlin, Brandenburg und Sachsen aber auch der Bund bei Beratungen in einem Boot sitzen“. Denn die Wasserversorgung der Metropolregion Berlin-Brandenburg hänge maßgeblich von der Wasserführung der Spree ab. Mit dem Braunkohlebergbau in der Lausitz wurde durch die Grundwasserhebung der Wasserhaushalt der Spree über Jahrzehnte gestützt. Mit dem Ende der Kohle werde sich dies verändern.
Blick in der Lausitzrunde am 8.6.23 in ForstLMBV-Sanierungsbereichsleiter Lausitz, Gerd Richter in der LausitzrundeVortrag vom Präsidenten der Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Torsten Safarik vor der LausitzrundeLMBV-Vertreter Gerd Richter in Forst im Interview mit RBB-Reporter Nico van CapelleDr. rer. nat. Klaus-Peter Schulze warb für ein gemeinsames Postionspapier zum Wasserhaushalt
Bergbausanierer auf Karrieremesse in Cottbus
Senftenberg/Cottbus. Gemeinsam mit über 100 regionalen, nationalen und internationalen Unternehmen sowie Forschungsinstituten präsentierte sich die LMBV am 6. Juni 2023 am Zentralcampus Cottbus der BTU Cottbus-Senftenberg auf Brandenburgs größter Recruitingmesse für akademische Fachkräfte.
Zahlreiche Studierende und Absolventen nutzten auf der campus-X-change die Gelegenheit, sich am Stand der LMBV über Praktikumsplätze, Abschlussarbeiten oder einen Jobeinstieg nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums zu informieren.
Vor allem Studierende des Bauingenieurwesens, der Wasserbewirtschaftung und des Umwelt- und Ressourcenmanagements waren an den Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten des Bergbausanierers interessiert.
Zusätzlich zu den Ausstellern bot die Karrieremesse allen Interessierten ein umfangreiches Rahmenprogramm.
Foto: LMBV/R. Kaltschmidt
Anne-Katrin Matschke vom Personalwesen im Gespräch mit einem Studenten
Braunkohlentag 2023: Braunkohleunternehmen arbeiten am Wandel
Transformation und Energiesicherheit – Diese beiden großen Themen bestimmten den Braunkohlentag 2023
Köln. Eingeladen vom Deutschen Braunkohlen-Industrie-Verein e. V. (DEBRIV), dem Bundesverband Braunkohle, trafen sich am 1. und 2. Juni 2023 Vertreterinnen und Vertreter aus den Mitgliedsunternehmen, der Politik, den Behörden und Kommunen sowie der Wissenschaft, um die Transformation der deutschen Braunkohleindustrie in Zeiten der Energiekrise zu diskutieren.
Beim Braunkohlentag 2023, dem Jahrestreffen des DEBRIV ging es in diesem Jahr um den fortschreitenden Wandel in den Revieren: Wie gestalten die Unternehmen die Transformation? Wie lässt sie sich beschleunigen? Wie gestaltet sich der Strukturwandel? Welche Wiedernutzbarmachungskonzepte werden verfolgt? Und wie können die Regionen weiterhin zu einer sicheren Stromversorgung in Deutschland beitragen? „Denn auch wenn 2022 die Braunkohle in der Krise dringend benötigt wurde: Der Kohleausstieg ist gesetzlich fixiert. Wir setzen ihn um und sorgen dafür, dass der Kohleausstieg und vor allem die Transformation der Energiesysteme, Unternehmen sowie Regionen funktionieren“, betont Dr. Philipp Nellessen, Vorstandsvorsitzender des DEBRIV, in seiner Rede vor den über 400 Gästen der Veranstaltung.
Die deutschen Braunkohle gewinnenden Unternehmen RWE, LEAG, MIBRAG und ROMONTA investieren massiv in den Ausbau der erneuerbaren Energien, Speicherkapazitäten sowie H2-ready-Gaskraftwerke. Bis 2030 sollen allein in den Braunkohleregionen gut weitere 9 GW installierte Leistung an erneuerbaren Energien entstehen. Zusätzlich sind 6 GW wasserstofffähige Gaskraftwerke geplant. Die anderen Mitgliedsunternehmen stellen sich ebenfalls auf den Wandel in ihrer Branche ein. So werden neue Wertschöpfungsketten erschlossen, Geschäftsfelder ausgebaut und in die Weiterbildung investiert. Die Ziele: Der Aufbau einer nachhaltigen Energieerzeugung und die Sicherung der Arbeitsplätze in den Regionen. Bereits heute sind auch die Fragen der späteren Wiedernutzbarmachung der noch aktiven Tagebaue zu klären, für die die LMBV als Bergbausanierer bereits vielfältige nachnutzbare Erfahrungen vorweisen kann.
„Für den laufenden bergbaulichen Betrieb, seinen Abschluss, eine gute Wiedernutzbarmachung sowie für die Investitionen in die Energieversorgung außerhalb der Braunkohle brauchen die Unternehmen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen“, stellt DEBRIV-Hauptgeschäftsführer Dr. Thorsten Diercks fest. „Vor allem das Umweltrecht und das Bergrecht müssen die notwendigen zügigen Entscheidungen ermöglichen. Leistungsfähige und fachlich gut besetzte Genehmigungsbehörden bleiben für den Bergbau und seine Transformation unverzichtbar.“
Über den DEBRIV: Der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein e. V. (DEBRIV) fördert die technischen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der Braunkohleindustrie. Mit Blick auf den gesetzlich beschlossenen Kohleausstieg bis 2038 arbeitet der DEBRIV gemeinsam mit seinen Mitgliedern daran, die Transformation der Braunkohleindustrie, den Strukturwandel in den Revieren und die Energiezukunft Deutschlands aktiv mitzugestalten. Die LMBV ist eines der Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes.
Über den Braunkohlentag: Der Braunkohlentag ist zentrales Forum und wichtige Austauschplattform zu aktuellen Themen rund um die deutsche Braunkohle. Er wird vom DEBRIV jährlich an wechselnden Orten in den Revieren ausgerichtet. Im Rahmen des Braunkohlentags finden Fachvorträge und Podiumsdiskussionen statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft informieren und beziehen Stellung zu aktuellen energie- und umweltpolitischen Themen.
LR-Radtour mit Halt an der Wasserbehandlungsanlage in Eichow
Eichow/Senftenberg. Die Lausitzer-Rundschau-Sommertour stand am Samstag, den 13. Mai 2023 unter dem Motto „Zwischen Spreewald und Seenland“ und so führte die Tour die 25 Teilnehmenden, die in Vetschau gestartet waren, u.a. zur Wasserbehandlungsanlage (WBA) der LMBV nach Eichow. Helmut Ziehe, Tour-Guide und als Diplom-Ingenieur u. a. im damaligen VEB Kraftwerke Lübbenau-Vetschau für die Wasserwirtschaft mitverantwortlich, gab zunächst einen historischen Abriss zum Standort am ehemaligen Kraftwerk Vetschau und verdeutlichte die Bedeutung der vormaligen Fischteiche für die Konsumgüterproduktion in einem DDR-Großbetrieb, wo über 30 Jahre lang Fischzucht betrieben wurde. Die Teiche wurden dabei mit Brauchwasser aus dem Kraftwerk befüllt und konnten bspw. durch die ganzjährige Wärme des Wassers, die Fischproduktion entsprechend unterstützen bzw. sogar beschleunigen.
Seit 2014 werden die Erdbecken als LMBV-Wasserbehandlungsanlage nachgenutzt, um die eisenbelasteten Wässer aus dem Eichower Fließ zu reinigen und somit den Eiseneintrag in das Greifenhainer Fließ deutlich zu reduzieren sowie letztlich die Eisenfrachten vom UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald fernzuhalten. Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV, informierte die Teilnehmer ausführlich über die Funktionsweise der Reinigungsanlage mit der Wasserfassung im Eichower Fließ mittels Pumpstation sowie Förderung per Druckrohrleitung in drei nachgeschaltete Absetzbecken. Zudem ging er auf die weiteren Kenndaten der Anlage ein.
Die aus dem Einzugsgebiet Eichower Fließ stammenden, aktuell vergleichsweise geringeren Abflussmengen (ca. 10-80 l/s) mit jahreszeitlich erhöhten Eisen-gesamt-Konzentrationen (ca. 50-110 mg/l) werden seit Mai 2014 mit einem jahresdurchschnittlichen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent in der naturräumlichen WBA reduziert. Durch die passive Wasserbehandlung von rund 6 Mio. Kubikmeter seit Mai 2014 konnten in den drei Absetzbecken insgesamt etwa 360.000 Kilogramm Eisen zurückgehalten werden. Hierdurch wird das Greifenhainer Fließ um circa 50 Prozent seiner Eisenfracht reduziert und somit der Südumfluter der Spree entlastet.
Im Anschluss an den Vortrag wurden zahlreiche Fragen gestellt. Von großem Interesse war für die Teilnehmer u.a. die Frage der Entsorgung bzw. die Möglichkeiten der Verwertung des Eisenhydroxidschlammes (EHS) sowie weitere LMBV-Maßnahmen, zur Verbesserung der Wasserbeschaffenheit im Einzugsgebiet der Spree.
Die Sommertour führte die Teilnehmer anschließend weiter über Wüstenhain zum Gräbendorfer See und zurück nach Vetschau.
Raddusch/Senftenberg. Am 9. Mai 2023 lud das Aktionsbündnis Klare Spree e. V. (ABKS) zum Festakt nach Raddusch ein. Hier gründete sich im Saal des Hotels am gleichnamigen Radduscher Naturhafen am 10. Dezember 2012 aus verschiedensten Akteuren der Zivilgesellschaft das ABKS, um auf das Problem der Verockerung (Eisenbelastung) der Fließgewässer, insbesondere (damals) aus den südlich gelegenen, bergbaulich beeinflussten Zuflüssen in das UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald, aufmerksam zu machen. Diese Schaffung von Öffentlichkeit für das Thema der Gefahr der Verockerung von Gewässern sowie das Hineinwirken in den politischen Raum, um dieses (damals) akute Problem auf die Agenda der Verantwortungsträger zu setzen, ist der historische und bleibende Verdienst der Akteure im ABKS.
Die LMBV, als wichtiger Dialogpartner des ABKS und Projektträgerin von Maßnahmen gegen die bergbaubedingte Eisenbelastung der Gewässer, wurde zum Festakt ebenfalls eingeladen und durch den Kaufmännischen Geschäftsführer Gunnar John sowie den Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz Sven Radigk vertreten.
Die Jubiläumsrede zum Festakt hielt der Vereinsvorsitzende Dieter Perko, bei der er insbesondere auf die noch anstehenden Aufgaben im Südraum der Spree verwies. Im Anschluss wurden Grußworte vom ehemaligen Vereinsvorsitzenden Peter Stephan, vom Lausitzbeauftragten der brandenburgischen Landesregierung und vormaligen Präsidenten des LBGR Dr. Klaus Freytag sowie vom langjährigen Präsidenten des Landesumweltamtes in Brandenburg Prof. Dr. Matthias Freude an das ABKS und seine Gäste gerichtet. Alle Redner blickten auf die Anfangsjahre von 2013 bis 2017 zurück. In diesen wurde durch pragmatisches Handeln der Entscheidungsträger in den zuständigen Ministerien und Verwaltungen sowie infolgedessen, durch die Umsetzung von Sofortmaßnahmen durch den Bergbausanierer LMBV, insbesondere die Verockerung des „Inneren Spreewaldes“ erfolgreich abgewehrt.
Gastredner Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt (UBA) hielt einen Fachvortrag in Bezugnahme auf die aktuelle Studie zu den „Wasserwirtschaftlichen Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz“ und hat in diesem Zusammenhang auf die zukünftig anstehenden, wasserwirtschaftlichen Herausforderungen im Dreiklang von Kohleausstieg, Klimawandel und Gütesteuerung (Eisen und Sulfat) im Einzugsgebiet der Spree, nachdrücklich hingewiesen.
Der Vorsitzende des ABKS Dieter Perko, der auch den Abend moderierte, versicherte den Anwesenden das bisher gezeigte Engagement von Vereinsvorstand und Mitgliedern, bezüglich der zukünftigen Herausforderungen zum nachhaltigen Schutz des Spreewaldes, zum Wassermanagement und zur Güteentwicklung der Spree sowie aller betroffenen Gewässer in der Lausitz, aufrecht zu erhalten.
v.l.n.r.: Dr. Klaus-Peter Schulze (ehem. MdB und Beisitzer im Vorstand des ABKS e.V.), Sven Radigk (Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz, LMBV), Dieter Perko (Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree und Vorsitzender des ABKS e.V.) - Foto: ABKS/Bettina Schoradt
Fotos: LMBV
Blick auf die Talsperre Spremberg
Blick auf die Vorsperre Bühlow
LMBV-Bekalkungsanlage Wilhelmsthal
Zu- und Ablauf der MWBA Ruhlmühle
Feierliche 100. Sitzung des Brandenburger Braukohlenausschusses — mit LMBV-Beitrag
Cottbus. Am 30. März 2023 waren die Mitglieder des Braukohlenausschusses des Landes Brandenburg und Gäste zur feierlichen 100. Sitzung im Stadthaus in Cottbus zusammengekommen. Der Braunkohlenausschuss (BKA) ist ein Gremium der Raumordnung auf der Ebene der Regional- und Landesplanung, welches z. B. in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Brandenburg im Auftrag der jeweiligen Landesregierung die Rahmenbedingungen für den Abbau von Braunkohle erarbeitet und die dazugehörigen Braunkohlen- und Sanierungspläne entwirft. Kernpunkt ist hierbei die Mitwirkung und Willensbildung der betroffenen und beteiligten Bürger, von involvierten Institutionen und Beteiligten, darunter Kirchen, Landkreise, Naturschutz-, Bauern- und Unternehmerverbände sowie Gewerkschaften. Zur Mitwirkung und regionalen Willensbildung bei der Braunkohlen- und Sanierungsplanung wurde der Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg schon sehr früh am 27.09.1990 mit Sitz in Cottbus gebildet. Die LMBV ist - ebenso wie die LEAG - ein aktiv beratendes und berichtendes Mitglied. Als Rechtsgrundlagen wurden dafür ein Gesetz zur Regionalplanung und zur Braunkohlen- und Sanierungsplanung sowie eine Verordnung über die Abgrenzung der Braunkohlen- und Sanierungsplangebiete im Land Brandenburg 1996 verabschiedet.
Vorsitzende ist derzeit die Cottbuser Politikerin Kerstin Kircheis, die die vergangenen 33 Jahre BKA-Arbeit würdigte. Mit ihr hätten bereits insgesamt sieben Vorsitzende den Ausschuss geleitet und acht zuständige Minister diesen fachlich begleitet. Unter anderem wurden 15 Sanierungspläne verabschiedet. Oberstes Ziel war ein gemeinsames Einstehen für die Zukunft der Region, was sich u.a. auch in der Gemeinsamen Erklärung v. 14.12.2021 zum Fortsetzen der Braunkohlesanierung an das BMF dokumentierte. Zur 100. Sitzung im dreiundreißigsten Jahr des Wirkens des BKA waren auch ehemalige Vorsitzende wie Werner Schaaf, Wolfgang Schossig, Holger Bartsch und Dr. Dietmar Woidke eingeladen. Der Brandenburgische Ministerpräsident war daher auch zu einem ersten Grußwort gebeten worden. Er betonte, dass das Ringen um bestmögliche Entscheidungen oft den Charakter des Findens von Kompromissen getragen hatte und erinnerte an die Anfangsjahre. Immer an einem Donnerstag fanden die Sitzungen damals statt. Da er selbst fast an der Tagebaukante groß geworden ist, seien ihm die heftigen Diskussionen um den Erhalt der Arbeitsplätze in den Tagebauen und Kraftwerken noch bewusst, wie auch beim Blick in alte Protokolle klar wird. Was alles entstanden ist, sei heute gut auf Luftbildern zu sehen.
Dr. Woidke, geboren in Naundorf bei Forst, war seit 1998 als Mitglied des Kreistages Spree-Neiße und später auch als Vorsitzender des Braunkohlenausschusses des Landes Brandenburg an den Planungen des Braunkohleabbaus und der Sanierungsarbeiten mit beteiligt. Es gab auch Kritik: Brandenburgs Braunkohleplanung sei „keine ruhmreiche Geschichte. Zweimal stoppte das Verfassungsgericht Pläne, die der Braunkohlenausschuss durchgewunken hatte“ sagte René Schuster von der GRÜNEN LIGA, der seit 1999 die Umweltverbände im Ausschuss vertritt. Schuster sprach auch über seine Erfahrungen im Ausschuss: „Über viele Jahre ging es im Ausschuss nicht um ergebnisoffene Diskussionen, sondern um die Durchsetzung der Wünsche des Kohleunternehmens gegen alle Bedenken. Zahlreiche dieser Entscheidungen haben sich im Nachhinein als falsch erwiesen.“
Dr. Philipp Nellessen, Vorstandsmitglied der LEAG, der erstmals im BKA dabei war, blickte auf bewegende drei Jahrzehnte zurück. Er erinnerte daran, dass für das Unternehmen vor allem auch die Versorgungssicherheit mit bezahlbarem, günstigen Strom im Vordergrund stand. LEAG konnte auch in Krisenzeiten stabil und zu konstanten Preisen produzieren. Künftig solle mit der GIGAWatt-Idee eine kohlefreie Stromerzeugung als Ziel erreicht werden. Dafür blieben dem Unternehmen nur noch 15 Jahre, um neben der Kohleförderung auch neue Angebote für Grünstrom zu entwickeln. Seien es 1990 noch 17 Tagebaue mit 200 Mio. t Kohle-Förderung durch 60.000 Mitarbeiter gewesen, sank dieses Zahl 2022 auf vier Tagebaue mit 50 Mio. t Förderung mit 7.000 Beschäftigten. LEAG müsse weiter um Akzeptanz für seine Tagebaue kämpfen, da die Eingriffe in die Landschaft weithin sichtbar und tiefgehend seien. Er äußerte den Dank für die Arbeit im Ausschuss: diese war oft konstruktiv und lösungsorientiert. Auch künftig brauche dieser Ausschuss gemeinsam zu tragende Kompromisse - LEAG ihrerseits wolle auch fürderhin Verantwortung für die Region übernehmen.
Für die LMBV gab Bernd Sablotny als Sprecher der Geschäftsführung neben einem kurzen Rückblick vor allem einen Ausblick auf kommende Herausforderungen. Die LMBV betreue über 50 inaktive Tagebaue mit etwa 400 Mitarbeitern in der Region. Nach den Strukturveränderungen von den Länderbereichen zu Sanierungsbereichen und der räumlichen Konzentration mit dem Umzug 2007 nach Senftenberg sei das Unternehmen fest in der Region verankert. Die Bergbausanierer hätten bereits viel erreicht, aber es läge noch viel vor ihnen, da die Arbeiten unterschiedlich weit vorangekommen seien. Rund 700 Mio. Euro stünden bis 2027 für aktuelle Leistungen in der Brandenburgischen Lausitz zur Verfügung, so wie im VA VII vereinbart. Es sei kein einheitliches Agieren unternehmensweit mehr möglich – es gäbe phasenverschobene Aufgaben hinsichtlich des mitteldeutschen Reviers. Zudem lägen die größeren baulichen Sanierungsmaßnahmen bereits hinter der LMBV – vor ihr stünden viele kleinteilige Aufgaben. Der Wandel vom Restloch zu Jedermann-Gewässern bedürfe entsprechender Verfahren – wobei viele Einzelfragen zu lösen seien. Nur 4.000 ha LMBV-Abschlussbetriebsplan-Flächen seien bisher aus der Bergaufsicht entlassen, so Sablotny, daher wolle die LMBV mehr Rückzug aus der Fläche organisieren. Hinzu komme ein Kostendrittel nicht mehr steuerbarer Aufgaben als Sockelbelastung im Sinne von Ewigkeitslasten. Auch die Sanierung der Innenkippen bleibe eine noch zu schulternde Last – die flächendeckenden Sperrungen ab 2010 hätten 30.000 ha, davon 20.000 ha Landflächen in der Lausitz, erfasst. Zum Umgang mit diesen erfolge ein Priorisieren, welches noch in der Bund-Länder-Geschäftsstelle für die Braunkohlesanierung (GS StuBA) abzustimmen sei. Welche dies sein sollen, mit welchen Zielen, dies sei noch in der Diskussion, auch im BKA. Bernd Sablotny wünschte dem Ausschuss auch künftig ein „gutes Händchen“ beim Finden von tragfähigen Kompromissen.
Fotos: Dr. Uwe Steinhuber / LMBV
Ministerpräsident Dr. D. Woidke bei seinem Grußwort
Festliche 100. Sitzung des Braunkohlenausschusses im Stadthaus
Blick in den Tagungssaal – Sitzung mit musiklischer Begleitung von Mario Heß
Ehemalige Ausschussvorsitzende wie Werner Schaaf, Holger Bartsch sowie der ehem. GS-Stellenleiter Karl-Heinz Rademacher waren Ehrengäste
Bernd Sablotny, LMBV-Geschäftsführer, bei seinem Statement
Baustart zum Grabenaushub am Ableiter Sedlitz mit offiziellem Spatenstich
Senftenberg. Mit einem symbolischen Spatenstich wurde am heutigen 29. März 2023 der offizielle Auftakt für die Hauptarbeiten am Ableiter Sedlitz gegeben. Das 2,8 Kilo-meter lange Bauwerk ist künftig der „Überlauf“ der so genannten erweiterten Restlochkette. Mit ca. 5.600 Hektar Fläche werden die Bergbaufolgeseen Großräschener, Sedlitzer, Geierswalder, Partwitzer, Neuwieser, Spreetaler und Blunoer Südsee untereinander verbunden und über den Ableiter Sedlitz an das Gewässernetz – hier die Schwarze Elster – angeschlossen sein.
Für das Lausitzer Seenland ist der Bau des Ableiters Sedlitz somit besonders bedeutsam. Mithilfe der bereits vorhandenen Überleiter zwischen den Seen und dem Ableiter Sedlitz wird künftig ein koordiniertes Wassermanagement möglich sein. Die LMBV ist bestrebt, bis 2026 die Restlochkette, zu der der Sedlitzer, der Geierswalder und Partwitzer See gehören, sowie den Großräschener See zu fluten und fertigzustellen.
Die vorbereitenden Arbeiten für den Ableiter und der Erstaushub des Bodens sind weit vorangeschritten. Nun folgen die Arbeiten auf den unteren zwei Ausbauebenen. Für die Herstellung des Gerinnes sind im Baufeld Aushubtiefen von bis zu sieben Metern erforderlich, wodurch eine zusätzliche temporäre Grundwasserabsenkung notwendig ist. Die Bauwasserhaltung ist in Vorbereitung und soll nach Ostern in Betrieb gehen, um die endgültige Tiefe des Grabens trockenen Fußes auszubaggern und profilieren zu können. Neben der Bauwasserhaltung ist auch ein Grenzwasserstand von 98,5 m NHN im Sedlitzer See einzuhalten.
Die Gewässerverbindung ist ca. 2.800 Meter lang und hat eine Sohlbreite von ca. sieben Metern und eine Weite von ca. 30 Metern. Das Profil wird ausgebaggert und mit Bentonitmatten gedichtet. Abschließend erfolgt die Böschungsendgestaltung.
Für die nicht touristisch nutzbare Wasserverbindung wurde in den Vorjahren bereits die Trasse geotechnisch vorbereitet, das Auslaufbauwerk am Sedlitzer See sowie das Sielbauwerk am Zufluss zur Schwarzen Elster errichtet. Im Zuge der folgenden Maßnahmen wird ein Trogbauwerk unterhalb der B 96 sowie eine Wildbrücke ergänzt. Parallel zum Ableiter soll ein sandgeschlemmter Wirtschaftsweg zur Unterhaltung und Bewirtschaftung der Anlage entstehen.
Der Ableiter Sedlitz wird eine Ausleitkapazität aus dem Sedlitzer See von durchschnittlich drei Kubikmetern Wasser pro Sekunde haben. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf rund 55 Millionen Euro einschließlich der vorlaufenden Verdichtung des Kippenbodens. Die Bergbaufolgeseen der so genannten erweiterten Restlochkette entstehen aus den einstigen Braunkohletagebauen Sedlitz, Scado, Koschen, Meuro, Spreetal und Bluno.
Offizieller Spatenstich (v.l.): Jörg Frisch (Technischer Bereichsleiter Strabag), Andreas Pfeiffer (Bürgermeister Senftenberg), Gerd Richter (Sanierungsbereichsleiter Lausitz LMBV), Daniel Just (Geschäftsführer ZVLSS) und Henry Kleinstück (Geschäftsführer ABG)
Fotos: LMBV/Menzel und LMBV/Horn
Großes Interesse am Spatenstich zum Bau des Ableiters
Blick auf die Baustelle Ableiter Sedlitz
Interview auf der Trasse
Zweite Wasserkonferenz Lausitz: Erfahrungen – Perspektiven – Handlungsoptionen
Hoyerswerda. Am 20. März 2023 hatte die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung (SAS) und der Wasser-Cluster-Lausitz e.V. anlässlich des Weltwassertages 2023 zu einem Erfahrungsaustausch zum Thema „KOHLEAUSSTIEG = WASSERMANGEL?“ Politiker und Fachleute eingeladen. Rund 150 Tagungsteilnehmer, darunter neben den Umweltministern von Brandenburg und Sachsen der Chef des Bergbausanierers LMBV, Bernd Sablotny, der Brandenburger Lausitzbeauftragte Klaus Freytag oder auch die Bürgermeister Torsten Ruban-Zeh aus Hoyerswerda, Frank Lehmann aus Lauta und Manfred Heine aus Spreetal.
Erneut habe das Trockenjahr 2022 gezeigt, welche Bedeutung die vom Braunkohlenbergbau in die Spree eingeleiteten Sümpfungsmengen für die Spreewasserführung besitzen. Der mit einem künftigen Kohleausstieg verbundene Wegfall der Sümpfungswasser-Einleitungen auf Null führe zu vollkommen neuen wasserwirtschaftlichen Randbedingungen für das Wassermanagement der Spree. Zugeschaltet wurde u.a. die Parlamentarischen Staatsekretärin im BMUVDr. Bettina Hoffmann, die betonte, dass das Thema Wasser und Kohle in keiner Region in Deutschland so intensiv diskutiert werde, wie in der Lausitz. „Es gilt, Bedarfe und Angebot langfristig in eine Balance zu bringen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin. Das werde sehr schwierig, betonte ihr Brandenburger Kollege Axel Vogel.
Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt wurden erste vorläufige und richtungsweisende Hauptergebnisse der Forschungsstudie „Wasserwirtschaftliche Folgen des Kohleausstieges“ durch die Arbeitsgemeinschaft WAFl vorgestellt. Eine Erweiterung des Wasserdargebots in der Region sei unerlässlich. Allein mit Optimierungen gehe es nicht, so Jörg Frauenstein vom UBA. Insbesondere zur Frage, wie hoch der künftige Wassermangel in den Flüssen vermutlich ausfallen wird und welche Maßnahmen zur Vermeidung von wasserwirtschaftlichen Stresssituationen aus gutachterlicher Sicht geeignet erscheinen, stellte die Forschungsstudie dar. Dies sei zugleich der Beginn einer breiten fachlichen wie politischen Diskussion.
Die Auswirkungen von 160 Jahren Braunkohlenbergbau auf den Wasserhaushalt von mindestens drei Bundesländern und auf den Grenzbereich zur Republik Polen lassen sich nicht mit übereilt entwickelten Lösungen ungeschehen machen. Demnach werde das verfügbare Wasserdargebot in der Region künftig nicht ausreichen, um alle Bedarfe ohne Anpassungen decken zu können. Sowohl eine Verstärkung des Wasserdargebots als auch die Einschränkung der Nutzungen durch Begrenzung von Wasserentnahmen berühren vielfältigste Interessen und sind umsichtig gegeneinander abzuwägen.
Die Schaffung notwendiger Reserven in der komplexen Wasserbewirtschaftung sei zunächst ergebnissoffen und im Dialog mit allen betroffenen Anrainern weiterführend zu betrachten. Welche der Lösungen tatsächlich umgesetzt würden, bedarf angesichts des notwendigen zeitlichen Vorlaufs für Planung, Genehmigung und Realisierung allerdings zeitnaher Entscheidungen der zuständigen landespolitischen Institutionen und Gremien, um den Kohleausstieg nicht zu gefährden
Neben dem Impulsvortrag zur UBA-Wasserstudie war auch die LMBV mit einem Fachbeitrag von Dr. Oliver Totsche zu den „Herausforderungen für die weit vorangeschrittene Bergbausanierung“ vertreten. Die wasserwirtschaftlichen Aufgaben im Sanierungsbergbau der LMBV konnten bereits zu rund 90 Prozent umgesetzt werden. Die Endphase im LMBV-Bereich wird nunmehr stärker als bisher durch den Kohleausstieg beeinflusst werden. Hinzu kommt ein verstärkt wahrnehmbarer Einfluss der Folgen des Klimawandels auf die Erreichung von Zielstauhöhen einiger Bergbaufolgeseen. Diese ei der LMBV gesammelten Erfahrungen werden künftig bei der Rekultivierung der aktuell noch betriebenen Tagebaue einfließen müssen
Die vom Umweltbundesamt im Auftrag gegebene Studie komme u.a. zu dem Ergebnis, dass es Überleitungen aus der Elbe, der Neiße oder der Oder bräuchte, um die Wasserprobleme in der Lausitz und Berlin zu beherrschen. Kritische Worte gab es auch von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel zum angedachten Elbeüberleiter in die Lausitz, da auch für die Elbe die Wasserrahmenrichtlinie der EU gälte. Der Fluss habe in Trockenzeiten zudem zu wenig Wasser. „Wir werden Sparsamkeit zu einem langfristigen Ziel machen müssen“, unterstrich Minister Vogel. Brandenburg habe schon ein Niedrigwasserkonzept für den Spreewald erarbeitet. Nicht mehr ausgeschlossen sei demnach, künftig im Sommer einzelne Fließe trockenfallen zu lassen.
Sachsens Umweltminister Wolfram Günther stellte klar, dass die Probleme mit dem Wasserhaushalt in der Lausitz nicht mit dem Kohleausstieg begründet seien, sondern deren Ursachen im damaligen Braunkohleabbau-Einstieg lägen. „Es wird noch viele Jahre dauern bis der Lausitzer Wasserhaushalt den neuen geänderten Anforderungen gerecht werden kann“, so Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel: „Dabei gilt zunächst das Verursacherprinzip. Deshalb müssen bei allen Vorhaben die verantwortlichen Bergbauunternehmen an den Kosten und den zu ergreifenden Maßnahmen zur Wiederherstellung eines funktionierenden Wasserhaushaltes entsprechend beteiligt werden.“
Umweltminister Axel Vogel unterstrich: „In der niederschlagsarmen Lausitz ist Wasser eine der zentralen Ressourcen für den Strukturwandel. Nur durch ein strategisches Wassermanagement sind die ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen beim Kohleausstieg und bei den voranschreitenden Klimaveränderungen zu bewältigen. Brandenburg arbeitet für die zukünftige Entwicklung der Region und den Spreewald mit seiner einzigartigen Gewässerlandschaft daran, dass auch weiter das notwendige Wasser zur Verfügung steht.“
Aus Sicht des MLUK gehöre die Kohleindustrie zu den größten Wasserverbrauchern im Land. Durch den jahrzehntelangen Abbau der Braunkohle haben sich die Landschaft und der Wasserhaushalt im Grund- und Oberflächenwasser in der Lausitz stark verändert. Jedes Jahr würden durch die Tagebaue hunderte Millionen Kubikmeter Grundwasser gehoben und in die Gewässer – hauptsächlich die Spree, aber auch die Schwarze Elster und die Lausitzer Neiße – geleitet. Mit dem bevorstehenden Kohleausstieg, dem Strukturwandel sowie der Klimaveränderung ändern sich aktuell die Rahmenbedingungen für den Wasserhaushalt in der Lausitz.
Ein wichtiger Schritt für das strategische Wassermanagement sei der Aufbau des Grundwassermodells Lausitz. Zusammen mit dem Bund und dem Freistaat Sachsen werde bis 2027 ein großräumiges Grundwassersimulationsmodell aufgebaut, das die Grundlage für die länderübergreifende Grundwasserbewirtschaftung in der Lausitz darstellt, so das MLUK. Mit dem Grundwassermodell Lausitz könnten perspektivisch Prognosen zu allen wichtigen Kenngrößen und Entwicklungen im Grundwasser in der Lausitz getroffen werden. Der Bund, Sachsen und Brandenburg haben sich gerade auf die Finanzierung eines Grundwassermodells für die Lausitz geeinigt. 9,3 Millionen Euro solle die Ermittlung des Ist-Standes kosten. „Wir sollten alles daransetzen, frühzeitige Lösungen zu erarbeiten“, forderte die Parlamentarischen Staatsekretärin Dr. Hoffmann.
Auch im Oberflächenwassermanagement arbeiten Brandenburg, Sachsen und Berlin bereits länderübergreifend eng zusammen. Die länderübergreifende Ad-hoc-AG steuere die Oberflächenabflüsse von Spree und Schwarzer Elster in Trockenzeiten. Gemeinsam werden die nächsten wichtigen Untersuchungen zum Wasserhaushalt in der Lausitz angestoßen. Ziel sei es, die Erweiterung des Simulationsmodells für das Oberflächenwasser, die Erarbeitung eines Wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzeptes, Untersuchungen zu Wasserspeichermöglichkeiten sowie Wasserüberleitungen bis zum Jahr 2026 zu erarbeiten.
Darüber hinaus unterstütze Brandenburg das Land Berlin auch dabei, selbstständig die Wasserversorgung für die fast 3,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zu sichern. „Ohne Trinkwasser kein erfolgreicher Strukturwandel“ – dazu wurden auf der Konferenz auch praktikable Wege aufgezeigt, wie auf freiwilliger Basis Wasserversorgungsunternehmen länder- und verbandsübergreifend die Zeichen der Zeit erkannt haben. Zur länderübergreifenden Trinkwasserversorgung referierten u.a. LWG Lausitzer Wasser GmbH und EWAG-Vertreter (EWAG Kamenz Energie und Wasserversorgung AG).
Nach 60 Jahren enger Verflechtung der kommunalen Trinkwasserversorgungssysteme mit dem von Bergbauwasser lebenden Trinkwasserwerk Schwarze Pumpe, konnte zum Jahresanfang 2023 dieser Verbund planmäßig gelöst werden. Dies ist jedoch erst der Anfang für den Prozess einer länder- und verbandsübergreifenden Zusammenarbeit verbunden mit dem weiteren Ausbau der Netzinfrastruktur sowie einigen Wasserwerken. Für die Beteiligten Verbände und Unternehmen stellt dies eine große Herausforderung für mindestens eine Dekade dar.
Bernd Sablotny unter den Gästen
Beitrag von Minister Axel Vogel
Vortrag von Jörg Frauenstein (UBA)
Dr. Oliver Totsche (LMBV) beim Vortrag
Dr. Oliver Totsche (LMBV) beim Vortrag
Umweltminister Axel Vogel (MLUK) und Jörg Frauenstein (UBA)
Beitrag von Minister Wolfram Günther
Erfahrungaustausch zum Thema „KOHLEAUSSTIEG = WASSERMANGEL?“
2. Wasserkonferenz Lausitz: Austausch zu Erfahrungen und Handlungsoptionen
Wasser aus der Neiße kommt über den Oberen Landgraben zum Sedlitzer See
Ingolf Arnold vom WCL im Interview mit A. Anders-Lepsch (RBB)
„Leinen los“ am Berzdorfer See! — Vorrang der Sanierung bleibt gewährleistet
Allgemeinverfügungen der Landesdirektion Sachsen zur Nutzung des Berzdorfer Sees mit Wasserfahrzeugen ab sofort verbindlich
Dresden/Görlitz. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 16. März 2023 ihre Widersprüche zurückgenommen, die gegen die Allgemeinverfügungen der Landesdirektion Sachsen (LDS) eingelegt wurden.
Diese waren bereits im letzten Jahr zur Nutzung des Berzdorfer Sees von der LDS erlassen worden. Damit ist der Berzdorfer See ab sofort in weiten Teilen zum Befahren mit Wasserfahrzeugen für jedermann nutzbar.
Lediglich einige Beschränkungen, die aus Naturschutzgründen erforderlich sind, bleiben erhalten. Das Verfahren zur Feststellung der Fertigstellung des Sees für die Schifffahrt ist damit abgeschlossen.
»Ich freue mich, dass die Anlieger und Nutzer des Berzdorfer Sees – ganz besonders die Freizeitkapitäne – nun Rechtssicherheit haben und sich entspannt auf die Sommersaison auf dem See vorbereiten können.« äußert sich Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion Sachsen. »Die Attraktivität der Region gewinnt noch einmal ganz erheblich, denn von dieser Allgemeinverfügung wird auch der Tourismus nochmals kräftig profitieren können.«
Die Rücknahmen der Widersprüche sind das Ergebnis zahlreicher Gespräche zwischen der LMBV und der Landesdirektion Sachsen. Hierbei wurde u. a. vereinbart, dass der Allgemeinverfügung vom 9. August 2022 zur Feststellung der Fertigstellung von Gewässerstrecken des Berzdorfer Sees eine Präambel vorangestellt wird.
Diese Präambel betont nochmals den sich aus berg- und wasserrechtlichen Verpflichtungen ergebenden Vorrang der Sanierung durch die LMBV.
Die Allgemeinverfügung kann im Internetportal der Landesdirektion Sachsen (http://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung) in der Rubrik Umweltschutz/Wasserwirtschaft eingesehen werden.
Zusätzlich wird die Öffentlichkeit über Aushänge in den Seeanliegerkommunen Görlitz und Markersdorf sowie im Amtsblatt der Gemeinde Schönau-Berzdorf unterrichtet. Herausgeber: Landesdirektion Sachsen v. 17.03.2023
Fotos: LMBV-Archiv / P. Radke
Berzdorfer See 2020LMBV
Luftaufnahmen Bereich OstsachsenLMBV
Luftaufnahmen Bereich Ostsachsen
Einblicke in die Arbeit der Flutungszentrale Lausitz — Unternehmer und Gewerbetreibende des BVMW bei LMBV zu Gast
Senftenberg. Der Einladung des BVMW-Regionalbüros der Wirtschaftsregion Brandenburg Süd-Ost zu einem Vortrag der LMBV am Abend des 14. März 2023 folgten rund 50 Unternehmer und Gewebetreibende. Den Gästen waren besondere Einblicke in die Arbeit der Flutungszentrale Lausitz versprochen worden. Sie wurden zunächst herzlich vom Sprecher der Geschäftsführung der LMBV, Bernd Sablotny, im Barbarasaal begrüßt, der die Idee von Organisator Ralf Henkler vom Mittelstands-Verband für einen solchen beginnenden Austausch positiv bewertete.
Der Verband hatte mit der Fragestellung geladen, ob man wissen wolle, „…wie der größte Wasserhahn Deutschlands, vielleicht sogar Europas“ funktioniere? Die besondere geographische Lage, geologische Beschaffenheit sowie die mehr als 100jährige Inanspruchnahme durch den Bergbau machen die Lausitz zu einem Reallabor für ein außergewöhnlich anspruchsvolles Wassermanagement“, so der BVMW. Bereits im Jahr 2000 veranlassten diese außergewöhnlichen Randbedingungen die Bundesländer Brandenburg, Berlin und Sachsen dazu, ein umfassendes Wasser-Monitoring im Rahmen der Braunkohlesanierung zu aktivieren. “Mit der in Senftenberg ansässigen Flutungszentrale Lausitz entstand eine in dieser Form einzigartige Institution, die einen sowohl vielfältigen als auch komplexen Aufgabenbereich übernommen hat.“
Maik Ulrich, Leiter der Flutungszentrale Lausitz, stellte in seinem Vortrag dann seine Arbeit zum Fluten und Bewirtschaften von Bergbaufolgeseen vor. Nach dem Vortrag gab es noch die Möglichkeit zu Fragestellungen und Diskussionen sowie zum Besuch des Leitstandes der Flutungszentrale. (Zitate aus Einladung | Der Mittelstand. BVMW e.V.)
Fotos: Dr. Uwe Steinhuber (2023)
Begrüßung der BVMW-Gäste durch Bernd SablotnyZu Gast im Leitstand der FZL