Feierliche Grundsteinlegung für VTG-Instandhaltungswerk in Freienhufen — auf ehemaliger LMBV-Fläche
Großräschen/Freienhufen. Das Hamburger Unternehmen "Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH" (VTG) hat am 29.06.2023 in Freienhufen den Grundstein für ein Instandhaltungswerk für Güterwagen gelegt.
Das 1.700 Quadratmeter umfassende Werk im Industrie- und Gewerbegebiet "Sonne" wird künftig eine Instandhaltungskapazität von rund 2.000 Güterwagen pro Jahr besitzen. VTG investiere am Standort einen zweistelligen Millionenbetrag in den Neubau, so der Investor bei der Grundsteinlegung. Bereits Anfang 2024 solle das Instandhaltungswerk in Betrieb gehen, so die VTG.
Bereits im Jahr 2021 hatte die LMBV dafür eine Industriebaufläche im Lausitz-Industriepark Sonne/Großräschen mit einer Größe von ca. 6,5 Hektar an die VTG Maintenance Assets GmbH zur Ansiedlung eines Instandsetzungswerkes für Güterwagen verkauft. Es gehört zu den grundsätzlichen Aufgaben des Bergbausanierers, Flächen des vormaligen Braunkohlenbergbaus aus der Zeit von 1949 bis 1989 für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe vorzubereiten und zu veräußern.
Blick auf den Lausitz-Industriepark Sonne in Freienhufen (Foto: LMBV/Radke 2019)
Der Industriepark Sonne ist in den zurückliegenden Jahren aus dem ehemaligen Braunkohleveredlungskomplex Sonne durch die Sanierungsmaßnahmen der LMBV und einer Standortneuerschließung unter Einsatz von Fördermitteln gemeinsam mit der Stadt Großräschen entwickelt worden. Im Rahmen der Grundsanierung durch den Bergbausanierer wurden zwei der drei Gleisanschlüsse zurückgebaut. Während die Gleisverbindung zu den Tagebauen Greifenhain und Meuro nun nicht mehr existiert, steht der Anschluss zur Bundesbahn der VTG weiterhin zur Verfügung und war eines der wichtigsten Ansiedlungskriterien.
V.l.n.r.: VTG-Geschäftsführer Sven Wellbrock, Infrastrukturminister Guido Beermann, Bürgermeister Thomas Zenker, VTG-Projektleiter Gerd Steinbock und LMBV-Abteilungsleiter Jörg Lietzke (Foto: LMBV/Dix)
Jörg Lietzke überreichte zur Feierlichkeit ein Bild mit historischen Ansichten des auf diesem Areal ursprünglichen Fabrikstandortes „Grube Renate“. (Lithografie aus dem Jahr 1902 im Privatbesitz von J. Lietzke)
30 Jahre Forschungsinstitut FIB e.V. – Wissensfortschritt für Bergbaufolgelandschaften
Finsterwalde. Am 23. Juni 2023 hatte sich das FIB e.V. Gäste eingeladen, um gemeinsam das 30jährige Bestehen des Forschungsinstitutes für Bergbaufolgelandschaften (FIB) zu begehen. Seit drei Jahrzehnten erarbeitet das Forschungsinstitut von Finsterwalde aus Lösungen für die Sanierung und die Nachnutzung der durch die Rohstoffgewinnung genutzten Landschaften, insbesondere in Braunkohle- sowie Erz- und Salzabbaugebieten.
Das FIB habe durch langjährige Forschung und mit praxisnahen Pilotprojekten in der Lausitz wertvolle Erkenntnisse zur „Heilung von Landschaften“ gewonnen, wie es der zuständige Referatsleiter Dr. Carsten Leßner für das zuwendungsgebende MLUK des Landes Brandenburg i.V. von Sts. Anja Boudon am Rednerpult betonte. „Sie tragen dazu bei, Antworten auf Fragen zu zukunftsfähiger Land- und Forstwirtschaft, zum Naturschutz und Wasserhaushalt, zur Gewässerökologie, Landschaftsplanung und Klimaanpassung zu finden.“
Das FIB sei Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, dessen Erkenntnisse stets auch den Betrieben und der Region zu Gute kommen, lobte das MLUK. „Es reiht sich ein in eine auch deutschlandweit herausragende Forschungslandschaft in Brandenburg. Im Doppelhaushalt ist es gelungen, die Förderung auf eine institutionelle Förderung umzustellen und das FIB dauerhaft abzusichern.“ Das MLUK fördere daher, oftmals im Verbund mit anderen Partnern, Projekte, die vor allem auf die Anwendung und somit auf das Zusammenspiel zwischen Forschung, Wissenstransfer und Praxis ausgerichtet sind. In diesem Jahr konnte die Grundfinanzierung in eine institutionelle Förderung für das FIB von mehr als 650.000 Euro umgewandelt werden.
In einer Presse-Erklärung des Agrar-Umweltminister Axel Vogel hieß es weiter: „Der jahrhundertelange Eingriff durch den Menschen hat seine Spuren hinterlassen – sei es im Wasserhaushalt, in der Natur, der Kulturlandschaft und nicht zuletzt in der Beschäftigung der Menschen vor Ort. Diese umfassende, derzeit stattfindende Transformation zu begleiten und zu fördern, ist ein Kernanliegen der Brandenburger Landesregierung und meines Ressorts. Unterstützung dabei bietet seit 30 Jahren das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften, das mit viel wissenschaftlichem, aber stets praxisnahem Know-How mithilft, nachhaltige Lösungen für aktuelle Fragen zu erarbeiten.“
Diesem schloss sich auch der sächsische Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft Wolfram Günther mit seinem persönlichen Grußwort vor Ort an. Die Landesgrenze in der Lausitz verbinde beide Länder und auch die Arbeit des FIB erfolge länderübergreifend. Darüber sei er froh. Mit dem Klimawandel, dem bevorstehenden Kohleausstieg kommen mehr und neue Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Wasserhaushalt und den Erneuerbaren Energien auch in der Lausitz dazu. Dazu sei der Beitrag des FIB nötiger denn je. „Die Lausitz ist eine wunderschöne Region und Vieles bereits Nachnutzbares hat dort schon ihren eigenen Reiz.“
Die Veranstaltung wurde vom FIB-Forscher Dr. Dirk Knoche hervorragend moderiert. Institutsleiter Dr. Michael Haubold-Rosar ging in seinem Festvortrag auf das Thema „Forschung in Bergbaufolgelandschaften – alte und neue Herausforderungen“ ein und ließ die insgesamt mehr als 70 Jahre Forschungen zu forstlichen und landwirtschaftlichen Rekultivierung angemessen Revue passieren. Schon seit den 1960er Jahren wird in Finsterwalde Rekultivierungsforschung betrieben. Mit der Neugründung des FIB e.V. im Jahr 1992 als gemeinnützige außeruniversitäre Einrichtung wurden die wissenschaftlichen Arbeiten zur Wiedernutzbarmachung der ehemaligen Bergbauflächen für die Land- und Forstwirtschaft erweitert durch Forschungen zur Gewässerökologie und Renaturierung naturschutzfachlich wertvoller Bereiche. Das FIB ist damit die einzige Einrichtung in Deutschland, die sich so umfassend und interdisziplinär mit diesem besonderen Landschaftstyp beschäftigt – ein Alleinstellungsmerkmal auch im internationalen Vergleich.
Das 1992 gegründete Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften in Finsterwalde ist eine der insgesamt acht Forschungseinrichtungen, die vom Brandenburger Agrar-Umweltministerium gefördert werden. Die enge Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen – national und international – ermöglicht die komplexe anwendungsorientierte Forschung, die den Brandenburger Betrieben unmittelbar zugutekommt. Auch die Lausitzer Bergbau- und Sanierungsunternehmen wie LEAG und LMBV arbeiten eng mit dem FIB zusammen und kooperieren bei Pilotvorhaben und Praxisversuchen.
Derzeit läuft im FIB ein vom Agrar-Umweltressort in Auftrag gegebenes Projekt „Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe“, das zur Stärkung der Bioökonomie in Brandenburg, zur Vernetzen von Akteurinnen und Akteuren und zum Wissenstransfer als Teil der kommenden Landesstrategie Bioökonomie dienen soll. Im Projektzeitraum 2021 bis 2024 fördert das Agrar- und Umweltministerium das Vorhaben mit rund 983.000 Euro aus den Klimamitteln des Landes. Pünktlich zum Jubiläum ging dazu die Webseite „neuwerg - Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe im Land Brandenburg“ an den Start.
Elbe-Elster-Landrat Christian Jaschinski und der Finsterwalder Bürgermeister Jörg Gampe würdigten in Grußworten ebenfalls die erfolgreiche Arbeit des Instituts. Unter den Gästen der Veranstaltung waren auch ehemalige und aktive Forschende wie Praktiker, darunter Dr. Gerhard Gunschera, Dr. Karl Preußner, Dipl.-Forstwirt Jörg Schlenstedt (LMBV), Dipl.-Forstwirt Dr. Michael Rösler (LEAG), Dr. Anita Kirmer, Franziska Uhlig-Mey (Leiterin Genehmigungen Green Business bei LEAG) Dipl. Biologe Ingmar Landeck, Dipl.-Ing. (FH) Antje Lorenz, Dr. Frank Rümmler, Dr. Dietmar Wiedemann, Prof. Dr. rer. pol. Stefan Zundel (BTU), Ingolf Arnold (WCL), Dr. Uwe Steinhuber (LMBV) und viele andere.
Modern ausgestattetes Institut – hier: ein “Forschungsmobil”
Das FIB ist die einzige Einrichtung in Deutschland, die sich umfassend und interdisziplinär mit Bergbaufolge-Landschaften befasst
Grußworte des sächsischen Staatsministers für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft Wolfram Günther
Institutsleiter Dr. Michael Haubold-Rosar ging in seinem Festvortrag auf das Thema „Forschung in Bergbaufolgelandschaften – alte und neue Herausforderungen“ ein
Unter den Gästen waren auch ehemalige und aktive Forschende wie Praktiker Podiumsdiskussion - mit Fachreferent Jörg Schlenstedt von der LMBV
Schulleiter und Schulleiterinnen informieren sich an MWBA Neustadt zu Gewässergüte
Neustadt/Spree. Auf Einladung des Bürgermeisters der Gemeinde Spreetal, Manfred Heine, besuchte eine Gruppe von Schulleitern am 14. Juni 2023 die Modulare Wasserbehandlungsanlage (MWBA) der LMBV in Neustadt/Spree.
Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz, informierte die Teilnehmer ausführlich über die Funktionsweise der Reinigungsanlage und die Lösungen der LMBV für eine saubere Spree im Spreegebiet Südraum.
Im Anschluss an den Fachvortrag wurden die Besucher über das Gelände der Wasserbehandlungsanlage geführt und zahlreiche Fragen u.a. zur Entsorgung des Eisenhydroxidschlammes beantwortet. Abschließend ging es für alle an die Spree, um das Ergebnis der Reduzierung der Eisenfracht aus nächster Nähe zu begutachten.
Die MWBA Neustadt gehört neben den Anlagen in Burgneudorf und an der Ruhlmühle zu den umgesetzten Mittelfristmaßnahmen, um dem Problem der „Braunen Spree“ im südlichen Spreegebiet an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg entgegenzuwirken.
Die drei containergestützten Anlagen fangen eisenhaltiges Wasser in besonders belasteten Bereichen (sogenannten Hotspots des Eiseneintrags) über den Grundwasserpfad im Anstrom von Spree und Kleiner Spree ab. Das eisenhaltige und saure Wasser wird in den Anlagen durch Zugabe von Kalkprodukten und Flockungshilfsmitteln von über 90 Prozent des Eisens befreit. Das eisenreduzierte und pH-neutrale Wasser gelangt anschließend zurück in das Fließgewässer.
Vor der Installation der MWBAs in Burgneudorf, Neustadt und am Altarm der Ruhlmühle wurde die Eisenfracht aus dem Grundwasseranstrom des pleistozänen Grundwasserleiters „Spreewitzer Rinne“ direkt in die Spree bzw. Kleine Spree eingetragen. Dies bedeutete vor Inbetriebnahme dieser Anlagen eine Eisenfracht von bis zu 8.000 kg pro Tag am Gütepegel Zerre an der Landesgrenze von Brandenburg zu Sachsen. Dieser Wert wurde im ganzjährigen Regelbetrieb aller, von 2015 bis Mitte 2021 geplanten und fertiggestellten Anlagen, im Jahr 2022 halbiert und sorgt somit für eine relevante Eisenminderung in der Spree.
Fotos: LMBV/R. Kaltschmidt
An der WBA Neustadt
Scheinbar voller Großräschener See: Baden noch nicht erlaubt – Wasserstand dort sinkt wieder
Pumpen bzw. Heber stützen den Wasserstand in der Schwarzen Elster und im Restloch Sedlitz
Senftenberg/Großräschen. Im Frühjahr hat die LMBV-Flutungszentrale so viel Wasser wie möglich aus den Vorflutern entnommen und in die Restlöcher der Region eingeleitet. So konnte über den Oberen Landgraben Neiße- und Spreewasser an den Sedlitzer See herangeführt werden. Vom Jahresanfang bis zum Frühjahr 2023 konnte der Wasserstand im Restloch Sedlitz mit 5,5 Mio. Kubikmeter aus den Vorflutern und 5,9 Mio. Kubikmeter aus den beiden benachbarten Seen bis auf das Niveau von 98,44 m NHN angestaut werden. Parallel laufen derzeit Aushubarbeiten zum Bau eines Ableiters im Auftrag der LMBV, die noch keinen höheren Wasserstand in diesem Restloch erlauben.
Um diesen Wasserstand möglichst für noch anstehende Sanierungsarbeiten am Sedlitzer See – es sind noch Sprengverdichtungen in der Brückenfeldkippe nötig - weiter zu halten, wurden zusätzlich rund 9,3 Mio. Kubikmeter in den rund 800 ha großen Großräschener See als Zwischenpuffer eingestapelt, um bei einem heißen und trockenen Sommer und erwarteten Verdunstungsverlusten dieses Zusatzwasser in den rund 1.200 ha großen Sedlitzer See überführen zu können.
Dieses im Restloch des vormaligen Tagebaus Meuro vorgehaltene Wasser – derzeit liegt der Wasserstand bei etwa 100,66 m NHN - steht nun dem Bergbausanierer LMBV zur Verfügung, um die Abstrom-, Abschlags- und Verdunstungs-Verluste im benachbarten Restloch Sedlitz auszugleichen. Dazu wurde ein dreistrangiger Heber im Ilse-Kanal installiert und seit Anfang Juni vom Bergbausanierer betrieben. Die Kapazität der Überleitungsmengen vom Restloch Meuro zum Restloch Sedlitz ist bis auf 1,5 m³/s geplant.
Das Wasser wird dabei völlig ohne Energieaufwendung, lediglich getrieben durch die Erdbeschleunigung, von RL Meuro nach RL Sedlitz übergehoben. Nur zum Starten des Hebevorganges wird kurzzeitig Energie benötigt, um mittels Vakuumpumpe die Leitungen zu evakuieren. Sind diese gefüllt und der Heber läuft, ist keine Energiezufuhr mehr nötig. Um ein Abreißen des Hebers zu verhindern, ist gelegentlich eine Nachevakuierung notwendig.
Trotz des temporären Erreichens des Zielwasserstandes (100,00 – 101 m NHN) im Großräschener See ist dort die Wasserfläche nach wie vor gesperrt und insbesondere das Baden noch untersagt. Alle 25 Meter weist ein Sperrschild der LMBV auf diesen Umstand hin. Im Sommer 2023 sind zudem noch bergbaulich hinterlassene Überhöhen im Gewässer mit schwimmender Technik zu beseitigen, um eine sicher nutzbare Wasserlamelle von zwei Metern zu erzeugen. Die LMBV weist daher erneut auf die Gefahren einer illegalen Badenutzung hin. Erst mit dem geplanten Ausspiegeln des Sedlitzer Sees mit dem Großräschener See im Zeitraum 2025/2026 wird voraussichtlich auch eine Badenutzung auf Antrag im Großräschener See organisiert werden können.
Auf Initiative der Stadt Großräschen wird derzeit ein Antrag eines Wassersportvereins für eine Zwischennutzung durch Kutter und Rettungsboote für diesen Sommer von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises OSL geprüft. Die LMBV als bergrechtlich verantwortliches Unternehmen für das noch nicht völlig fertige Restloch hat dazu eine positive Stellungnahme abgegeben. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass für einen klar abgrenzten Teilbereich auf dem Bergbaufolgesee temporär und gefahrlos die angefragte Bootsnutzung ermöglicht werden soll. Dafür waren im Vorfeld noch Auflagen von den Antragstellern zu erfüllen bzw. Unterlagen beizubringen wie z.B. ein Rettungswerk.
Die Schwarze Elster wird derzeit parallel dazu aus der LMBV-Grubenwasser-Reinigungsanlage Rainitza durch eine vorgelagerte Wasserentnahme am Restloch Sedlitz über die Pumpstation Bahnsdorf von der LMBV gestützt – auch entsprechend den Juni-Absprachen in der Ad hoc-AG „Extremsituation Schwarze Elster“. Das Wasser wird aus der Pumpstation Bahnsdorf in die Rainitza abgeschlagen und mündet dann in die Schwarze Elster oberhalb des Stadtgebietes Senftenberg. Aktuell werden zu diesem Zweck bis zu 500 l/s abgegeben. Am Partwitzer See und Geierswalder See besteht zudem für die FZL die Möglichkeit, Wasser in den Sedlitzer See überzuleiten. Damit besteht indirekt auch die Möglichkeit, über diese beiden „Flachspeicher“ die Schwarze Elster zeitweilig mit zu stützen. In den vergangenen Jahren ist dies auch praktiziert worden. Das Wasser allein aus diesen beiden Restseen reicht allerdings nicht aus, die Wasserverluste im Sommer in den Seen selbst und den Stützungsbedarf der Schwarzen Elster zu decken. (Neue Textfassung v. 16.06.23 - Ergänzungen zum Überheben eingefügt)
Noch ist das Baden verboten am Großräschener See.
Temporär gut gefüllter Grossräschener See
Die Heberanlage zum Ableiten aus dem gut gefüllten “Zwischenpuffer”.
Blick auf den Hafen am Großräschener See. 500 l/s Stützungswasser für die Schwarze Elster kommen derzeit von der LMBV.
LMBV steht der Großen Lausitzrunde Rede und Antwort – Kommunalvertreter fordern mehr Speicherräume
Lausitzrunde verabschiedet Positionspapier Wasserproblem in der Lausitz
Forst. Auf Einladung der sogenannten Großen „Lausitzrunde“ gab LMBV-Sanierungsbereichsleiter Gerd Richter am 8. Juni 2023 Einblicke in die derzeitigen Aufgaben der Bergbausanierer und beantwortete eine Vielzahl von Fragen der Teilnehmer zu einzelnen Vorhaben der LMBV.
Die Große Lausitzrunde ist ein kommunales Bündnis aus Vertretern von 56 Lausitzer Städten und Gemeinden Brandenburgs und Sachsens unter Leitung der Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier und des Weißwasseraner Oberbürgermeisters Torsten Pötzsch. Ein weiteres der in der Runde behandeltes Thema war, dass mit dem bevorstehenden Ende der Braunkohlenförderung in der Lausitz der Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht kommen werde. Die Kommunen fordern daher einmal mehr Lösungen von Bund und Land. Auch Wasserimporte geraten daher ins Blickfeld.
Um das Wasserproblem in der Lausitz in den kommenden Jahrzehnten in den Griff zu bekommen, fordern die Kommunen der Region den Ausbau und die Ertüchtigung der bisherigen Speicherräume. Damit sollen Vorräte aus den feuchten Monaten vorgehalten werden können. Die vorhandenen Speicherkapazitäten für Wasser müssten auf ein Gesamtvorratsvolumen im Spreegebiet von mindestens 180 Millionen Kubikmeter weiter ausgebaut werden, heißt es in dem am Donnerstag in Forst verabschiedeten Positionspapier der Lausitzrunde. Auch die Speicher Lohsa II und der Speicher Bärwalde wurden neben dem entstehenden Cottbusser Ostsee als Speicherräume aufgeführt.
Die Lausitzrunde nimmt mit ihren Forderungen Bezug auf eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die am 12. Juni 2023 veröffentlicht werden soll. Die Studie komme zu dem Schluss, dass der Wasserhaushalt im Spree-Flussgebiet nach dem erwarteten Aus der Kohleförderung einen strukturellen Wasserdefizit-Ausgleich brauche.
Den Untersuchungen zufolge werde es nach dem Ende des Braunkohlebergbaus deutlich weniger Wasser in der Region geben als heute. So sei im sächsischen Teil der Spree mit einem Defizit von jährlich rund 95 Millionen Kubikmetern zu rechnen, im brandenburgischen Teil der Spree mit einem Defizit von bis zu 126 Millionen Kubikmeter p.a. Durch eine weitergehende Nutzung von geeigneten Bergbaufolgeseen als Wasserspeicher könnte dieses Defizit ausgeglichen werden. Die Studie empfehle zudem, die Deckung der Wasserdefizite durch Wasserüberleitungen aus benachbarten Flussgebieten wie Elbe, Lausitzer Neiße und Oder abzusichern. Daher dringen die Bürgermeister und Wasserexperten bei Letzterem auf eine zügige Diskussion und Entscheidung von Bund und Ländern über Varianten des „Wasserimports“ in die Region.
„Es gehe um Tempo bei diesen großen wasserwirtschaftlich notwendigen Grundsatzentscheidungen“, sagte Wasserexperte Ingolf Arnold vom Verein Wasser Cluster Lausitz. Er wies darauf hin, dass bereits vor 30 Jahren festgehalten wurde, dass das Spreesystem kollabiere, wenn nichts getan werde. Die Kommunen forderten darüber hinaus eine schnelle Einigung über die Finanzierung und die künftige Lastenverteilung. Selbst wenn Behörden und Unternehmen wie die LMBV und die LEAG ihre Hausaufgaben gemacht haben, werde das Spreesystem ohne Ergänzung trotzdem nicht funktionieren, warnte Wasserfachmann Arnold. Die Zivilgesellschaft habe sich über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren an die höheren Wassermengen in der Spree gewöhnt - bis hin zur Trinkwasserversorgung in Berlin. Getoppt werde alles vom Klimawandel. „Deshalb müssen die drei Bundesländer Berlin, Brandenburg und Sachsen aber auch der Bund bei Beratungen in einem Boot sitzen“. Denn die Wasserversorgung der Metropolregion Berlin-Brandenburg hänge maßgeblich von der Wasserführung der Spree ab. Mit dem Braunkohlebergbau in der Lausitz wurde durch die Grundwasserhebung der Wasserhaushalt der Spree über Jahrzehnte gestützt. Mit dem Ende der Kohle werde sich dies verändern.
Blick in der Lausitzrunde am 8.6.23 in ForstLMBV-Sanierungsbereichsleiter Lausitz, Gerd Richter in der LausitzrundeVortrag vom Präsidenten der Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Torsten Safarik vor der LausitzrundeLMBV-Vertreter Gerd Richter in Forst im Interview mit RBB-Reporter Nico van CapelleDr. rer. nat. Klaus-Peter Schulze warb für ein gemeinsames Postionspapier zum Wasserhaushalt
Bergbausanierer auf Karrieremesse in Cottbus
Senftenberg/Cottbus. Gemeinsam mit über 100 regionalen, nationalen und internationalen Unternehmen sowie Forschungsinstituten präsentierte sich die LMBV am 6. Juni 2023 am Zentralcampus Cottbus der BTU Cottbus-Senftenberg auf Brandenburgs größter Recruitingmesse für akademische Fachkräfte.
Zahlreiche Studierende und Absolventen nutzten auf der campus-X-change die Gelegenheit, sich am Stand der LMBV über Praktikumsplätze, Abschlussarbeiten oder einen Jobeinstieg nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums zu informieren.
Vor allem Studierende des Bauingenieurwesens, der Wasserbewirtschaftung und des Umwelt- und Ressourcenmanagements waren an den Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten des Bergbausanierers interessiert.
Zusätzlich zu den Ausstellern bot die Karrieremesse allen Interessierten ein umfangreiches Rahmenprogramm.
Foto: LMBV/R. Kaltschmidt
Anne-Katrin Matschke vom Personalwesen im Gespräch mit einem Studenten
Braunkohlentag 2023: Braunkohleunternehmen arbeiten am Wandel
Transformation und Energiesicherheit – Diese beiden großen Themen bestimmten den Braunkohlentag 2023
Köln. Eingeladen vom Deutschen Braunkohlen-Industrie-Verein e. V. (DEBRIV), dem Bundesverband Braunkohle, trafen sich am 1. und 2. Juni 2023 Vertreterinnen und Vertreter aus den Mitgliedsunternehmen, der Politik, den Behörden und Kommunen sowie der Wissenschaft, um die Transformation der deutschen Braunkohleindustrie in Zeiten der Energiekrise zu diskutieren.
Beim Braunkohlentag 2023, dem Jahrestreffen des DEBRIV ging es in diesem Jahr um den fortschreitenden Wandel in den Revieren: Wie gestalten die Unternehmen die Transformation? Wie lässt sie sich beschleunigen? Wie gestaltet sich der Strukturwandel? Welche Wiedernutzbarmachungskonzepte werden verfolgt? Und wie können die Regionen weiterhin zu einer sicheren Stromversorgung in Deutschland beitragen? „Denn auch wenn 2022 die Braunkohle in der Krise dringend benötigt wurde: Der Kohleausstieg ist gesetzlich fixiert. Wir setzen ihn um und sorgen dafür, dass der Kohleausstieg und vor allem die Transformation der Energiesysteme, Unternehmen sowie Regionen funktionieren“, betont Dr. Philipp Nellessen, Vorstandsvorsitzender des DEBRIV, in seiner Rede vor den über 400 Gästen der Veranstaltung.
Die deutschen Braunkohle gewinnenden Unternehmen RWE, LEAG, MIBRAG und ROMONTA investieren massiv in den Ausbau der erneuerbaren Energien, Speicherkapazitäten sowie H2-ready-Gaskraftwerke. Bis 2030 sollen allein in den Braunkohleregionen gut weitere 9 GW installierte Leistung an erneuerbaren Energien entstehen. Zusätzlich sind 6 GW wasserstofffähige Gaskraftwerke geplant. Die anderen Mitgliedsunternehmen stellen sich ebenfalls auf den Wandel in ihrer Branche ein. So werden neue Wertschöpfungsketten erschlossen, Geschäftsfelder ausgebaut und in die Weiterbildung investiert. Die Ziele: Der Aufbau einer nachhaltigen Energieerzeugung und die Sicherung der Arbeitsplätze in den Regionen. Bereits heute sind auch die Fragen der späteren Wiedernutzbarmachung der noch aktiven Tagebaue zu klären, für die die LMBV als Bergbausanierer bereits vielfältige nachnutzbare Erfahrungen vorweisen kann.
„Für den laufenden bergbaulichen Betrieb, seinen Abschluss, eine gute Wiedernutzbarmachung sowie für die Investitionen in die Energieversorgung außerhalb der Braunkohle brauchen die Unternehmen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen“, stellt DEBRIV-Hauptgeschäftsführer Dr. Thorsten Diercks fest. „Vor allem das Umweltrecht und das Bergrecht müssen die notwendigen zügigen Entscheidungen ermöglichen. Leistungsfähige und fachlich gut besetzte Genehmigungsbehörden bleiben für den Bergbau und seine Transformation unverzichtbar.“
Über den DEBRIV: Der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein e. V. (DEBRIV) fördert die technischen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der Braunkohleindustrie. Mit Blick auf den gesetzlich beschlossenen Kohleausstieg bis 2038 arbeitet der DEBRIV gemeinsam mit seinen Mitgliedern daran, die Transformation der Braunkohleindustrie, den Strukturwandel in den Revieren und die Energiezukunft Deutschlands aktiv mitzugestalten. Die LMBV ist eines der Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes.
Über den Braunkohlentag: Der Braunkohlentag ist zentrales Forum und wichtige Austauschplattform zu aktuellen Themen rund um die deutsche Braunkohle. Er wird vom DEBRIV jährlich an wechselnden Orten in den Revieren ausgerichtet. Im Rahmen des Braunkohlentags finden Fachvorträge und Podiumsdiskussionen statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft informieren und beziehen Stellung zu aktuellen energie- und umweltpolitischen Themen.
LR-Radtour mit Halt an der Wasserbehandlungsanlage in Eichow
Eichow/Senftenberg. Die Lausitzer-Rundschau-Sommertour stand am Samstag, den 13. Mai 2023 unter dem Motto „Zwischen Spreewald und Seenland“ und so führte die Tour die 25 Teilnehmenden, die in Vetschau gestartet waren, u.a. zur Wasserbehandlungsanlage (WBA) der LMBV nach Eichow. Helmut Ziehe, Tour-Guide und als Diplom-Ingenieur u. a. im damaligen VEB Kraftwerke Lübbenau-Vetschau für die Wasserwirtschaft mitverantwortlich, gab zunächst einen historischen Abriss zum Standort am ehemaligen Kraftwerk Vetschau und verdeutlichte die Bedeutung der vormaligen Fischteiche für die Konsumgüterproduktion in einem DDR-Großbetrieb, wo über 30 Jahre lang Fischzucht betrieben wurde. Die Teiche wurden dabei mit Brauchwasser aus dem Kraftwerk befüllt und konnten bspw. durch die ganzjährige Wärme des Wassers, die Fischproduktion entsprechend unterstützen bzw. sogar beschleunigen.
Seit 2014 werden die Erdbecken als LMBV-Wasserbehandlungsanlage nachgenutzt, um die eisenbelasteten Wässer aus dem Eichower Fließ zu reinigen und somit den Eiseneintrag in das Greifenhainer Fließ deutlich zu reduzieren sowie letztlich die Eisenfrachten vom UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald fernzuhalten. Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV, informierte die Teilnehmer ausführlich über die Funktionsweise der Reinigungsanlage mit der Wasserfassung im Eichower Fließ mittels Pumpstation sowie Förderung per Druckrohrleitung in drei nachgeschaltete Absetzbecken. Zudem ging er auf die weiteren Kenndaten der Anlage ein.
Die aus dem Einzugsgebiet Eichower Fließ stammenden, aktuell vergleichsweise geringeren Abflussmengen (ca. 10-80 l/s) mit jahreszeitlich erhöhten Eisen-gesamt-Konzentrationen (ca. 50-110 mg/l) werden seit Mai 2014 mit einem jahresdurchschnittlichen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent in der naturräumlichen WBA reduziert. Durch die passive Wasserbehandlung von rund 6 Mio. Kubikmeter seit Mai 2014 konnten in den drei Absetzbecken insgesamt etwa 360.000 Kilogramm Eisen zurückgehalten werden. Hierdurch wird das Greifenhainer Fließ um circa 50 Prozent seiner Eisenfracht reduziert und somit der Südumfluter der Spree entlastet.
Im Anschluss an den Vortrag wurden zahlreiche Fragen gestellt. Von großem Interesse war für die Teilnehmer u.a. die Frage der Entsorgung bzw. die Möglichkeiten der Verwertung des Eisenhydroxidschlammes (EHS) sowie weitere LMBV-Maßnahmen, zur Verbesserung der Wasserbeschaffenheit im Einzugsgebiet der Spree.
Die Sommertour führte die Teilnehmer anschließend weiter über Wüstenhain zum Gräbendorfer See und zurück nach Vetschau.
Raddusch/Senftenberg. Am 9. Mai 2023 lud das Aktionsbündnis Klare Spree e. V. (ABKS) zum Festakt nach Raddusch ein. Hier gründete sich im Saal des Hotels am gleichnamigen Radduscher Naturhafen am 10. Dezember 2012 aus verschiedensten Akteuren der Zivilgesellschaft das ABKS, um auf das Problem der Verockerung (Eisenbelastung) der Fließgewässer, insbesondere (damals) aus den südlich gelegenen, bergbaulich beeinflussten Zuflüssen in das UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald, aufmerksam zu machen. Diese Schaffung von Öffentlichkeit für das Thema der Gefahr der Verockerung von Gewässern sowie das Hineinwirken in den politischen Raum, um dieses (damals) akute Problem auf die Agenda der Verantwortungsträger zu setzen, ist der historische und bleibende Verdienst der Akteure im ABKS.
Die LMBV, als wichtiger Dialogpartner des ABKS und Projektträgerin von Maßnahmen gegen die bergbaubedingte Eisenbelastung der Gewässer, wurde zum Festakt ebenfalls eingeladen und durch den Kaufmännischen Geschäftsführer Gunnar John sowie den Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz Sven Radigk vertreten.
Die Jubiläumsrede zum Festakt hielt der Vereinsvorsitzende Dieter Perko, bei der er insbesondere auf die noch anstehenden Aufgaben im Südraum der Spree verwies. Im Anschluss wurden Grußworte vom ehemaligen Vereinsvorsitzenden Peter Stephan, vom Lausitzbeauftragten der brandenburgischen Landesregierung und vormaligen Präsidenten des LBGR Dr. Klaus Freytag sowie vom langjährigen Präsidenten des Landesumweltamtes in Brandenburg Prof. Dr. Matthias Freude an das ABKS und seine Gäste gerichtet. Alle Redner blickten auf die Anfangsjahre von 2013 bis 2017 zurück. In diesen wurde durch pragmatisches Handeln der Entscheidungsträger in den zuständigen Ministerien und Verwaltungen sowie infolgedessen, durch die Umsetzung von Sofortmaßnahmen durch den Bergbausanierer LMBV, insbesondere die Verockerung des „Inneren Spreewaldes“ erfolgreich abgewehrt.
Gastredner Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt (UBA) hielt einen Fachvortrag in Bezugnahme auf die aktuelle Studie zu den „Wasserwirtschaftlichen Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz“ und hat in diesem Zusammenhang auf die zukünftig anstehenden, wasserwirtschaftlichen Herausforderungen im Dreiklang von Kohleausstieg, Klimawandel und Gütesteuerung (Eisen und Sulfat) im Einzugsgebiet der Spree, nachdrücklich hingewiesen.
Der Vorsitzende des ABKS Dieter Perko, der auch den Abend moderierte, versicherte den Anwesenden das bisher gezeigte Engagement von Vereinsvorstand und Mitgliedern, bezüglich der zukünftigen Herausforderungen zum nachhaltigen Schutz des Spreewaldes, zum Wassermanagement und zur Güteentwicklung der Spree sowie aller betroffenen Gewässer in der Lausitz, aufrecht zu erhalten.
v.l.n.r.: Dr. Klaus-Peter Schulze (ehem. MdB und Beisitzer im Vorstand des ABKS e.V.), Sven Radigk (Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz, LMBV), Dieter Perko (Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree und Vorsitzender des ABKS e.V.) - Foto: ABKS/Bettina Schoradt
Fotos: LMBV
Blick auf die Talsperre Spremberg
Blick auf die Vorsperre Bühlow
LMBV-Bekalkungsanlage Wilhelmsthal
Zu- und Ablauf der MWBA Ruhlmühle
Feierliche 100. Sitzung des Brandenburger Braukohlenausschusses — mit LMBV-Beitrag
Cottbus. Am 30. März 2023 waren die Mitglieder des Braukohlenausschusses des Landes Brandenburg und Gäste zur feierlichen 100. Sitzung im Stadthaus in Cottbus zusammengekommen. Der Braunkohlenausschuss (BKA) ist ein Gremium der Raumordnung auf der Ebene der Regional- und Landesplanung, welches z. B. in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Brandenburg im Auftrag der jeweiligen Landesregierung die Rahmenbedingungen für den Abbau von Braunkohle erarbeitet und die dazugehörigen Braunkohlen- und Sanierungspläne entwirft. Kernpunkt ist hierbei die Mitwirkung und Willensbildung der betroffenen und beteiligten Bürger, von involvierten Institutionen und Beteiligten, darunter Kirchen, Landkreise, Naturschutz-, Bauern- und Unternehmerverbände sowie Gewerkschaften. Zur Mitwirkung und regionalen Willensbildung bei der Braunkohlen- und Sanierungsplanung wurde der Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg schon sehr früh am 27.09.1990 mit Sitz in Cottbus gebildet. Die LMBV ist - ebenso wie die LEAG - ein aktiv beratendes und berichtendes Mitglied. Als Rechtsgrundlagen wurden dafür ein Gesetz zur Regionalplanung und zur Braunkohlen- und Sanierungsplanung sowie eine Verordnung über die Abgrenzung der Braunkohlen- und Sanierungsplangebiete im Land Brandenburg 1996 verabschiedet.
Vorsitzende ist derzeit die Cottbuser Politikerin Kerstin Kircheis, die die vergangenen 33 Jahre BKA-Arbeit würdigte. Mit ihr hätten bereits insgesamt sieben Vorsitzende den Ausschuss geleitet und acht zuständige Minister diesen fachlich begleitet. Unter anderem wurden 15 Sanierungspläne verabschiedet. Oberstes Ziel war ein gemeinsames Einstehen für die Zukunft der Region, was sich u.a. auch in der Gemeinsamen Erklärung v. 14.12.2021 zum Fortsetzen der Braunkohlesanierung an das BMF dokumentierte. Zur 100. Sitzung im dreiundreißigsten Jahr des Wirkens des BKA waren auch ehemalige Vorsitzende wie Werner Schaaf, Wolfgang Schossig, Holger Bartsch und Dr. Dietmar Woidke eingeladen. Der Brandenburgische Ministerpräsident war daher auch zu einem ersten Grußwort gebeten worden. Er betonte, dass das Ringen um bestmögliche Entscheidungen oft den Charakter des Findens von Kompromissen getragen hatte und erinnerte an die Anfangsjahre. Immer an einem Donnerstag fanden die Sitzungen damals statt. Da er selbst fast an der Tagebaukante groß geworden ist, seien ihm die heftigen Diskussionen um den Erhalt der Arbeitsplätze in den Tagebauen und Kraftwerken noch bewusst, wie auch beim Blick in alte Protokolle klar wird. Was alles entstanden ist, sei heute gut auf Luftbildern zu sehen.
Dr. Woidke, geboren in Naundorf bei Forst, war seit 1998 als Mitglied des Kreistages Spree-Neiße und später auch als Vorsitzender des Braunkohlenausschusses des Landes Brandenburg an den Planungen des Braunkohleabbaus und der Sanierungsarbeiten mit beteiligt. Es gab auch Kritik: Brandenburgs Braunkohleplanung sei „keine ruhmreiche Geschichte. Zweimal stoppte das Verfassungsgericht Pläne, die der Braunkohlenausschuss durchgewunken hatte“ sagte René Schuster von der GRÜNEN LIGA, der seit 1999 die Umweltverbände im Ausschuss vertritt. Schuster sprach auch über seine Erfahrungen im Ausschuss: „Über viele Jahre ging es im Ausschuss nicht um ergebnisoffene Diskussionen, sondern um die Durchsetzung der Wünsche des Kohleunternehmens gegen alle Bedenken. Zahlreiche dieser Entscheidungen haben sich im Nachhinein als falsch erwiesen.“
Dr. Philipp Nellessen, Vorstandsmitglied der LEAG, der erstmals im BKA dabei war, blickte auf bewegende drei Jahrzehnte zurück. Er erinnerte daran, dass für das Unternehmen vor allem auch die Versorgungssicherheit mit bezahlbarem, günstigen Strom im Vordergrund stand. LEAG konnte auch in Krisenzeiten stabil und zu konstanten Preisen produzieren. Künftig solle mit der GIGAWatt-Idee eine kohlefreie Stromerzeugung als Ziel erreicht werden. Dafür blieben dem Unternehmen nur noch 15 Jahre, um neben der Kohleförderung auch neue Angebote für Grünstrom zu entwickeln. Seien es 1990 noch 17 Tagebaue mit 200 Mio. t Kohle-Förderung durch 60.000 Mitarbeiter gewesen, sank dieses Zahl 2022 auf vier Tagebaue mit 50 Mio. t Förderung mit 7.000 Beschäftigten. LEAG müsse weiter um Akzeptanz für seine Tagebaue kämpfen, da die Eingriffe in die Landschaft weithin sichtbar und tiefgehend seien. Er äußerte den Dank für die Arbeit im Ausschuss: diese war oft konstruktiv und lösungsorientiert. Auch künftig brauche dieser Ausschuss gemeinsam zu tragende Kompromisse - LEAG ihrerseits wolle auch fürderhin Verantwortung für die Region übernehmen.
Für die LMBV gab Bernd Sablotny als Sprecher der Geschäftsführung neben einem kurzen Rückblick vor allem einen Ausblick auf kommende Herausforderungen. Die LMBV betreue über 50 inaktive Tagebaue mit etwa 400 Mitarbeitern in der Region. Nach den Strukturveränderungen von den Länderbereichen zu Sanierungsbereichen und der räumlichen Konzentration mit dem Umzug 2007 nach Senftenberg sei das Unternehmen fest in der Region verankert. Die Bergbausanierer hätten bereits viel erreicht, aber es läge noch viel vor ihnen, da die Arbeiten unterschiedlich weit vorangekommen seien. Rund 700 Mio. Euro stünden bis 2027 für aktuelle Leistungen in der Brandenburgischen Lausitz zur Verfügung, so wie im VA VII vereinbart. Es sei kein einheitliches Agieren unternehmensweit mehr möglich – es gäbe phasenverschobene Aufgaben hinsichtlich des mitteldeutschen Reviers. Zudem lägen die größeren baulichen Sanierungsmaßnahmen bereits hinter der LMBV – vor ihr stünden viele kleinteilige Aufgaben. Der Wandel vom Restloch zu Jedermann-Gewässern bedürfe entsprechender Verfahren – wobei viele Einzelfragen zu lösen seien. Nur 4.000 ha LMBV-Abschlussbetriebsplan-Flächen seien bisher aus der Bergaufsicht entlassen, so Sablotny, daher wolle die LMBV mehr Rückzug aus der Fläche organisieren. Hinzu komme ein Kostendrittel nicht mehr steuerbarer Aufgaben als Sockelbelastung im Sinne von Ewigkeitslasten. Auch die Sanierung der Innenkippen bleibe eine noch zu schulternde Last – die flächendeckenden Sperrungen ab 2010 hätten 30.000 ha, davon 20.000 ha Landflächen in der Lausitz, erfasst. Zum Umgang mit diesen erfolge ein Priorisieren, welches noch in der Bund-Länder-Geschäftsstelle für die Braunkohlesanierung (GS StuBA) abzustimmen sei. Welche dies sein sollen, mit welchen Zielen, dies sei noch in der Diskussion, auch im BKA. Bernd Sablotny wünschte dem Ausschuss auch künftig ein „gutes Händchen“ beim Finden von tragfähigen Kompromissen.
Fotos: Dr. Uwe Steinhuber / LMBV
Ministerpräsident Dr. D. Woidke bei seinem Grußwort
Festliche 100. Sitzung des Braunkohlenausschusses im Stadthaus
Blick in den Tagungssaal – Sitzung mit musiklischer Begleitung von Mario Heß
Ehemalige Ausschussvorsitzende wie Werner Schaaf, Holger Bartsch sowie der ehem. GS-Stellenleiter Karl-Heinz Rademacher waren Ehrengäste
Bernd Sablotny, LMBV-Geschäftsführer, bei seinem Statement