Baustart zum Grabenaushub am Ableiter Sedlitz mit offiziellem Spatenstich
Senftenberg. Mit einem symbolischen Spatenstich wurde am heutigen 29. März 2023 der offizielle Auftakt für die Hauptarbeiten am Ableiter Sedlitz gegeben. Das 2,8 Kilo-meter lange Bauwerk ist künftig der „Überlauf“ der so genannten erweiterten Restlochkette. Mit ca. 5.600 Hektar Fläche werden die Bergbaufolgeseen Großräschener, Sedlitzer, Geierswalder, Partwitzer, Neuwieser, Spreetaler und Blunoer Südsee untereinander verbunden und über den Ableiter Sedlitz an das Gewässernetz – hier die Schwarze Elster – angeschlossen sein.
Für das Lausitzer Seenland ist der Bau des Ableiters Sedlitz somit besonders bedeutsam. Mithilfe der bereits vorhandenen Überleiter zwischen den Seen und dem Ableiter Sedlitz wird künftig ein koordiniertes Wassermanagement möglich sein. Die LMBV ist bestrebt, bis 2026 die Restlochkette, zu der der Sedlitzer, der Geierswalder und Partwitzer See gehören, sowie den Großräschener See zu fluten und fertigzustellen.
Die vorbereitenden Arbeiten für den Ableiter und der Erstaushub des Bodens sind weit vorangeschritten. Nun folgen die Arbeiten auf den unteren zwei Ausbauebenen. Für die Herstellung des Gerinnes sind im Baufeld Aushubtiefen von bis zu sieben Metern erforderlich, wodurch eine zusätzliche temporäre Grundwasserabsenkung notwendig ist. Die Bauwasserhaltung ist in Vorbereitung und soll nach Ostern in Betrieb gehen, um die endgültige Tiefe des Grabens trockenen Fußes auszubaggern und profilieren zu können. Neben der Bauwasserhaltung ist auch ein Grenzwasserstand von 98,5 m NHN im Sedlitzer See einzuhalten.
Die Gewässerverbindung ist ca. 2.800 Meter lang und hat eine Sohlbreite von ca. sieben Metern und eine Weite von ca. 30 Metern. Das Profil wird ausgebaggert und mit Bentonitmatten gedichtet. Abschließend erfolgt die Böschungsendgestaltung.
Für die nicht touristisch nutzbare Wasserverbindung wurde in den Vorjahren bereits die Trasse geotechnisch vorbereitet, das Auslaufbauwerk am Sedlitzer See sowie das Sielbauwerk am Zufluss zur Schwarzen Elster errichtet. Im Zuge der folgenden Maßnahmen wird ein Trogbauwerk unterhalb der B 96 sowie eine Wildbrücke ergänzt. Parallel zum Ableiter soll ein sandgeschlemmter Wirtschaftsweg zur Unterhaltung und Bewirtschaftung der Anlage entstehen.
Der Ableiter Sedlitz wird eine Ausleitkapazität aus dem Sedlitzer See von durchschnittlich drei Kubikmetern Wasser pro Sekunde haben. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf rund 55 Millionen Euro einschließlich der vorlaufenden Verdichtung des Kippenbodens. Die Bergbaufolgeseen der so genannten erweiterten Restlochkette entstehen aus den einstigen Braunkohletagebauen Sedlitz, Scado, Koschen, Meuro, Spreetal und Bluno.
Offizieller Spatenstich (v.l.): Jörg Frisch (Technischer Bereichsleiter Strabag), Andreas Pfeiffer (Bürgermeister Senftenberg), Gerd Richter (Sanierungsbereichsleiter Lausitz LMBV), Daniel Just (Geschäftsführer ZVLSS) und Henry Kleinstück (Geschäftsführer ABG)
Fotos: LMBV/Menzel und LMBV/Horn
Großes Interesse am Spatenstich zum Bau des Ableiters
Blick auf die Baustelle Ableiter Sedlitz
Interview auf der Trasse
Zweite Wasserkonferenz Lausitz: Erfahrungen – Perspektiven – Handlungsoptionen
Hoyerswerda. Am 20. März 2023 hatte die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung (SAS) und der Wasser-Cluster-Lausitz e.V. anlässlich des Weltwassertages 2023 zu einem Erfahrungsaustausch zum Thema „KOHLEAUSSTIEG = WASSERMANGEL?“ Politiker und Fachleute eingeladen. Rund 150 Tagungsteilnehmer, darunter neben den Umweltministern von Brandenburg und Sachsen der Chef des Bergbausanierers LMBV, Bernd Sablotny, der Brandenburger Lausitzbeauftragte Klaus Freytag oder auch die Bürgermeister Torsten Ruban-Zeh aus Hoyerswerda, Frank Lehmann aus Lauta und Manfred Heine aus Spreetal.
Erneut habe das Trockenjahr 2022 gezeigt, welche Bedeutung die vom Braunkohlenbergbau in die Spree eingeleiteten Sümpfungsmengen für die Spreewasserführung besitzen. Der mit einem künftigen Kohleausstieg verbundene Wegfall der Sümpfungswasser-Einleitungen auf Null führe zu vollkommen neuen wasserwirtschaftlichen Randbedingungen für das Wassermanagement der Spree. Zugeschaltet wurde u.a. die Parlamentarischen Staatsekretärin im BMUVDr. Bettina Hoffmann, die betonte, dass das Thema Wasser und Kohle in keiner Region in Deutschland so intensiv diskutiert werde, wie in der Lausitz. „Es gilt, Bedarfe und Angebot langfristig in eine Balance zu bringen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin. Das werde sehr schwierig, betonte ihr Brandenburger Kollege Axel Vogel.
Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt wurden erste vorläufige und richtungsweisende Hauptergebnisse der Forschungsstudie „Wasserwirtschaftliche Folgen des Kohleausstieges“ durch die Arbeitsgemeinschaft WAFl vorgestellt. Eine Erweiterung des Wasserdargebots in der Region sei unerlässlich. Allein mit Optimierungen gehe es nicht, so Jörg Frauenstein vom UBA. Insbesondere zur Frage, wie hoch der künftige Wassermangel in den Flüssen vermutlich ausfallen wird und welche Maßnahmen zur Vermeidung von wasserwirtschaftlichen Stresssituationen aus gutachterlicher Sicht geeignet erscheinen, stellte die Forschungsstudie dar. Dies sei zugleich der Beginn einer breiten fachlichen wie politischen Diskussion.
Die Auswirkungen von 160 Jahren Braunkohlenbergbau auf den Wasserhaushalt von mindestens drei Bundesländern und auf den Grenzbereich zur Republik Polen lassen sich nicht mit übereilt entwickelten Lösungen ungeschehen machen. Demnach werde das verfügbare Wasserdargebot in der Region künftig nicht ausreichen, um alle Bedarfe ohne Anpassungen decken zu können. Sowohl eine Verstärkung des Wasserdargebots als auch die Einschränkung der Nutzungen durch Begrenzung von Wasserentnahmen berühren vielfältigste Interessen und sind umsichtig gegeneinander abzuwägen.
Die Schaffung notwendiger Reserven in der komplexen Wasserbewirtschaftung sei zunächst ergebnissoffen und im Dialog mit allen betroffenen Anrainern weiterführend zu betrachten. Welche der Lösungen tatsächlich umgesetzt würden, bedarf angesichts des notwendigen zeitlichen Vorlaufs für Planung, Genehmigung und Realisierung allerdings zeitnaher Entscheidungen der zuständigen landespolitischen Institutionen und Gremien, um den Kohleausstieg nicht zu gefährden
Neben dem Impulsvortrag zur UBA-Wasserstudie war auch die LMBV mit einem Fachbeitrag von Dr. Oliver Totsche zu den „Herausforderungen für die weit vorangeschrittene Bergbausanierung“ vertreten. Die wasserwirtschaftlichen Aufgaben im Sanierungsbergbau der LMBV konnten bereits zu rund 90 Prozent umgesetzt werden. Die Endphase im LMBV-Bereich wird nunmehr stärker als bisher durch den Kohleausstieg beeinflusst werden. Hinzu kommt ein verstärkt wahrnehmbarer Einfluss der Folgen des Klimawandels auf die Erreichung von Zielstauhöhen einiger Bergbaufolgeseen. Diese ei der LMBV gesammelten Erfahrungen werden künftig bei der Rekultivierung der aktuell noch betriebenen Tagebaue einfließen müssen
Die vom Umweltbundesamt im Auftrag gegebene Studie komme u.a. zu dem Ergebnis, dass es Überleitungen aus der Elbe, der Neiße oder der Oder bräuchte, um die Wasserprobleme in der Lausitz und Berlin zu beherrschen. Kritische Worte gab es auch von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel zum angedachten Elbeüberleiter in die Lausitz, da auch für die Elbe die Wasserrahmenrichtlinie der EU gälte. Der Fluss habe in Trockenzeiten zudem zu wenig Wasser. „Wir werden Sparsamkeit zu einem langfristigen Ziel machen müssen“, unterstrich Minister Vogel. Brandenburg habe schon ein Niedrigwasserkonzept für den Spreewald erarbeitet. Nicht mehr ausgeschlossen sei demnach, künftig im Sommer einzelne Fließe trockenfallen zu lassen.
Sachsens Umweltminister Wolfram Günther stellte klar, dass die Probleme mit dem Wasserhaushalt in der Lausitz nicht mit dem Kohleausstieg begründet seien, sondern deren Ursachen im damaligen Braunkohleabbau-Einstieg lägen. „Es wird noch viele Jahre dauern bis der Lausitzer Wasserhaushalt den neuen geänderten Anforderungen gerecht werden kann“, so Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel: „Dabei gilt zunächst das Verursacherprinzip. Deshalb müssen bei allen Vorhaben die verantwortlichen Bergbauunternehmen an den Kosten und den zu ergreifenden Maßnahmen zur Wiederherstellung eines funktionierenden Wasserhaushaltes entsprechend beteiligt werden.“
Umweltminister Axel Vogel unterstrich: „In der niederschlagsarmen Lausitz ist Wasser eine der zentralen Ressourcen für den Strukturwandel. Nur durch ein strategisches Wassermanagement sind die ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen beim Kohleausstieg und bei den voranschreitenden Klimaveränderungen zu bewältigen. Brandenburg arbeitet für die zukünftige Entwicklung der Region und den Spreewald mit seiner einzigartigen Gewässerlandschaft daran, dass auch weiter das notwendige Wasser zur Verfügung steht.“
Aus Sicht des MLUK gehöre die Kohleindustrie zu den größten Wasserverbrauchern im Land. Durch den jahrzehntelangen Abbau der Braunkohle haben sich die Landschaft und der Wasserhaushalt im Grund- und Oberflächenwasser in der Lausitz stark verändert. Jedes Jahr würden durch die Tagebaue hunderte Millionen Kubikmeter Grundwasser gehoben und in die Gewässer – hauptsächlich die Spree, aber auch die Schwarze Elster und die Lausitzer Neiße – geleitet. Mit dem bevorstehenden Kohleausstieg, dem Strukturwandel sowie der Klimaveränderung ändern sich aktuell die Rahmenbedingungen für den Wasserhaushalt in der Lausitz.
Ein wichtiger Schritt für das strategische Wassermanagement sei der Aufbau des Grundwassermodells Lausitz. Zusammen mit dem Bund und dem Freistaat Sachsen werde bis 2027 ein großräumiges Grundwassersimulationsmodell aufgebaut, das die Grundlage für die länderübergreifende Grundwasserbewirtschaftung in der Lausitz darstellt, so das MLUK. Mit dem Grundwassermodell Lausitz könnten perspektivisch Prognosen zu allen wichtigen Kenngrößen und Entwicklungen im Grundwasser in der Lausitz getroffen werden. Der Bund, Sachsen und Brandenburg haben sich gerade auf die Finanzierung eines Grundwassermodells für die Lausitz geeinigt. 9,3 Millionen Euro solle die Ermittlung des Ist-Standes kosten. „Wir sollten alles daransetzen, frühzeitige Lösungen zu erarbeiten“, forderte die Parlamentarischen Staatsekretärin Dr. Hoffmann.
Auch im Oberflächenwassermanagement arbeiten Brandenburg, Sachsen und Berlin bereits länderübergreifend eng zusammen. Die länderübergreifende Ad-hoc-AG steuere die Oberflächenabflüsse von Spree und Schwarzer Elster in Trockenzeiten. Gemeinsam werden die nächsten wichtigen Untersuchungen zum Wasserhaushalt in der Lausitz angestoßen. Ziel sei es, die Erweiterung des Simulationsmodells für das Oberflächenwasser, die Erarbeitung eines Wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzeptes, Untersuchungen zu Wasserspeichermöglichkeiten sowie Wasserüberleitungen bis zum Jahr 2026 zu erarbeiten.
Darüber hinaus unterstütze Brandenburg das Land Berlin auch dabei, selbstständig die Wasserversorgung für die fast 3,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zu sichern. „Ohne Trinkwasser kein erfolgreicher Strukturwandel“ – dazu wurden auf der Konferenz auch praktikable Wege aufgezeigt, wie auf freiwilliger Basis Wasserversorgungsunternehmen länder- und verbandsübergreifend die Zeichen der Zeit erkannt haben. Zur länderübergreifenden Trinkwasserversorgung referierten u.a. LWG Lausitzer Wasser GmbH und EWAG-Vertreter (EWAG Kamenz Energie und Wasserversorgung AG).
Nach 60 Jahren enger Verflechtung der kommunalen Trinkwasserversorgungssysteme mit dem von Bergbauwasser lebenden Trinkwasserwerk Schwarze Pumpe, konnte zum Jahresanfang 2023 dieser Verbund planmäßig gelöst werden. Dies ist jedoch erst der Anfang für den Prozess einer länder- und verbandsübergreifenden Zusammenarbeit verbunden mit dem weiteren Ausbau der Netzinfrastruktur sowie einigen Wasserwerken. Für die Beteiligten Verbände und Unternehmen stellt dies eine große Herausforderung für mindestens eine Dekade dar.
Bernd Sablotny unter den Gästen
Beitrag von Minister Axel Vogel
Vortrag von Jörg Frauenstein (UBA)
Dr. Oliver Totsche (LMBV) beim Vortrag
Dr. Oliver Totsche (LMBV) beim Vortrag
Umweltminister Axel Vogel (MLUK) und Jörg Frauenstein (UBA)
Beitrag von Minister Wolfram Günther
Erfahrungaustausch zum Thema „KOHLEAUSSTIEG = WASSERMANGEL?“
2. Wasserkonferenz Lausitz: Austausch zu Erfahrungen und Handlungsoptionen
Wasser aus der Neiße kommt über den Oberen Landgraben zum Sedlitzer See
Ingolf Arnold vom WCL im Interview mit A. Anders-Lepsch (RBB)
„Leinen los“ am Berzdorfer See! — Vorrang der Sanierung bleibt gewährleistet
Allgemeinverfügungen der Landesdirektion Sachsen zur Nutzung des Berzdorfer Sees mit Wasserfahrzeugen ab sofort verbindlich
Dresden/Görlitz. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 16. März 2023 ihre Widersprüche zurückgenommen, die gegen die Allgemeinverfügungen der Landesdirektion Sachsen (LDS) eingelegt wurden.
Diese waren bereits im letzten Jahr zur Nutzung des Berzdorfer Sees von der LDS erlassen worden. Damit ist der Berzdorfer See ab sofort in weiten Teilen zum Befahren mit Wasserfahrzeugen für jedermann nutzbar.
Lediglich einige Beschränkungen, die aus Naturschutzgründen erforderlich sind, bleiben erhalten. Das Verfahren zur Feststellung der Fertigstellung des Sees für die Schifffahrt ist damit abgeschlossen.
»Ich freue mich, dass die Anlieger und Nutzer des Berzdorfer Sees – ganz besonders die Freizeitkapitäne – nun Rechtssicherheit haben und sich entspannt auf die Sommersaison auf dem See vorbereiten können.« äußert sich Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion Sachsen. »Die Attraktivität der Region gewinnt noch einmal ganz erheblich, denn von dieser Allgemeinverfügung wird auch der Tourismus nochmals kräftig profitieren können.«
Die Rücknahmen der Widersprüche sind das Ergebnis zahlreicher Gespräche zwischen der LMBV und der Landesdirektion Sachsen. Hierbei wurde u. a. vereinbart, dass der Allgemeinverfügung vom 9. August 2022 zur Feststellung der Fertigstellung von Gewässerstrecken des Berzdorfer Sees eine Präambel vorangestellt wird.
Diese Präambel betont nochmals den sich aus berg- und wasserrechtlichen Verpflichtungen ergebenden Vorrang der Sanierung durch die LMBV.
Die Allgemeinverfügung kann im Internetportal der Landesdirektion Sachsen (http://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung) in der Rubrik Umweltschutz/Wasserwirtschaft eingesehen werden.
Zusätzlich wird die Öffentlichkeit über Aushänge in den Seeanliegerkommunen Görlitz und Markersdorf sowie im Amtsblatt der Gemeinde Schönau-Berzdorf unterrichtet. Herausgeber: Landesdirektion Sachsen v. 17.03.2023
Fotos: LMBV-Archiv / P. Radke
Berzdorfer See 2020LMBV
Luftaufnahmen Bereich OstsachsenLMBV
Luftaufnahmen Bereich Ostsachsen
Einblicke in die Arbeit der Flutungszentrale Lausitz — Unternehmer und Gewerbetreibende des BVMW bei LMBV zu Gast
Senftenberg. Der Einladung des BVMW-Regionalbüros der Wirtschaftsregion Brandenburg Süd-Ost zu einem Vortrag der LMBV am Abend des 14. März 2023 folgten rund 50 Unternehmer und Gewebetreibende. Den Gästen waren besondere Einblicke in die Arbeit der Flutungszentrale Lausitz versprochen worden. Sie wurden zunächst herzlich vom Sprecher der Geschäftsführung der LMBV, Bernd Sablotny, im Barbarasaal begrüßt, der die Idee von Organisator Ralf Henkler vom Mittelstands-Verband für einen solchen beginnenden Austausch positiv bewertete.
Der Verband hatte mit der Fragestellung geladen, ob man wissen wolle, „…wie der größte Wasserhahn Deutschlands, vielleicht sogar Europas“ funktioniere? Die besondere geographische Lage, geologische Beschaffenheit sowie die mehr als 100jährige Inanspruchnahme durch den Bergbau machen die Lausitz zu einem Reallabor für ein außergewöhnlich anspruchsvolles Wassermanagement“, so der BVMW. Bereits im Jahr 2000 veranlassten diese außergewöhnlichen Randbedingungen die Bundesländer Brandenburg, Berlin und Sachsen dazu, ein umfassendes Wasser-Monitoring im Rahmen der Braunkohlesanierung zu aktivieren. “Mit der in Senftenberg ansässigen Flutungszentrale Lausitz entstand eine in dieser Form einzigartige Institution, die einen sowohl vielfältigen als auch komplexen Aufgabenbereich übernommen hat.“
Maik Ulrich, Leiter der Flutungszentrale Lausitz, stellte in seinem Vortrag dann seine Arbeit zum Fluten und Bewirtschaften von Bergbaufolgeseen vor. Nach dem Vortrag gab es noch die Möglichkeit zu Fragestellungen und Diskussionen sowie zum Besuch des Leitstandes der Flutungszentrale. (Zitate aus Einladung | Der Mittelstand. BVMW e.V.)
Fotos: Dr. Uwe Steinhuber (2023)
Begrüßung der BVMW-Gäste durch Bernd SablotnyZu Gast im Leitstand der FZL
Silbersee-Testfeld wird derzeit vor Friedersdorfer Strand gerüttelt
Senftenberg/Lohsa. Auf dem sächsischen Silbersee, auch als Restloch Friedersdorf oder Speicher Lohsa I bekannt, werden derzeit Untersuchungen zum Seegrund und Uferbereich bei Friedersdorf im Rahmen des § 3 des VA Braunkohlesanierung angestellt. Von Ende 2022 bis April 2023 hat der Bergbausanierer LMBV ein Testfeld für einen 200 Tonnen schweren seegestützten Seilbagger LR 1300 eingerichtet und trifft damit vorbereitende Maßnahmen für eine vorgesehene Sanierung des Südufers. Mit den Ergebnissen des Testfeldes und der Nachsondierungen soll die weitere LMBV-Planung für die dann umzusetzende uferparallele Sanierung präzisiert werden.
Zunächst wurde auf dem 340 Hektar großen Altgewässer ein Rüttel-Testfeld auf einer 105 x 31 Meter großen Fläche nahe dem Ufer gestartet. Dort werden nun verschiedene Zugabematerialien für die Rüttelverdichtung bis Ende März 2023 getestet. Bis zu 315 Rüttelsäulen sollen in dem Testareal im Bergbaufolgesee zunächst von einem pontonbasierten RDV-Seilbagger bis in 30 Meter Tiefe eingebracht werden. Den Auftrag dafür hat die Firma V.C. Metzner von der LMBV übernommen. Zum 6. April 2023 soll der derzeitige Sperrbauzaun wieder zurückgebaut werden.
Nachdem bereits mit der Kommune Lohsa und regionalen Medien das Vorhaben vorgestellt worden war, informierte die LMBV auf Wunsch des MDR am 7. März 2023 auch live in der Sendung MDR um Zwei. Hierfür stand LMBV-Abteilungsleiter Karsten Handro gemeinsam mit MDR-Reporterin Pauline Vestring vor der Kamera. Ab Oktober 2023 bis April 2025 soll nun voraussichtlich die uferparallele Sanierung des Südufers mittels RDV und LRV erfolgen und dafür auch der See bzw. der Strand vorübergehend gesperrt werden. Im Jahr 2024 wird der See gesperrt bleiben. Ab der Saison 2025 soll der Silbersee dann wieder nutzbar sein, wenn die Sanierungsarbeiten wie geplant durchgeführt werden können. Diese Zeitschiene beruht auf dem aktuellen Stand der Planungen.
Hintergrund: Für das Testfeld war bereits in den Jahren 2021/22 am Ostufer des Restloches eine Einsatzstelle für die Rüttel- und Pontontechnik errichtet worden. Bei Lohsa führt zudem die Bahnstrecke über die östliche Abraumkippe des Alttagebaus am Rande des Silbersees entlang. Der nach Einstellung des großräumigen Braunkohlebergbaus ansteigende Grundwasserspiegel verschlechterte auch die Baugrundeigenschaften des östlichen Abraumkippenkörpers derart, dass die Standsicherheit dieser Uferböschung gefährdet schien. Die Gefahr des Fließrutschens oder eines Grundbruchs erforderte eine permanente geotechnische Überwachung der Eisenbahnstrecke, die zeitweise nur mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden durfte.
Um einen weiteren Betrieb der Niederschlesischen Eisenbahnmagistrale zu gewährleisten, wurde im Rahmen eines Vorhabens i.A. der LMBV zur Bergbausanierung der schlecht tragfähige Baugrund des östlichen Kippenkörpers stabilisiert und verbessert. Die Sicherung selbst erfolgte ab März 2011 auf einer Dammlänge von 1.640 Meter. Der sogenannte Sicherungskörper wurde bis zu 34 Meter tief und bis zu 65 Meter breit verdichtet. Insgesamt mussten damals dafür ca. 3.500.000 Kubikmeter Dammvolumen verdichtet und auch zwischenzeitlich kleinere abgegangene Bereiche aufgefüllt werden.
Nach Rückbau der alten Bahnanlagen ab 2010 war die Kippenstabilisierung entlang der etwa 2,5 km langen Trasse mittels Rüttelstopf- und Rütteldruckverdichtung (RSV/RDV) sowie im Bereich der Innenkippe oberflächennah mit dem HEIC-Verfahren der britischen Firma Landpac erfolgt. Zeitweise waren dabei bis zu vier Tiefenrüttler gleichzeitig im Einsatz. Im Anschluss wurden erdbautechnisch die Seeuferböschung und der Bahndamm wiederhergestellt. Nach fast fünfjähriger Bauzeit konnte am 01.03.2016 die gesicherte Bahntrasse in Lohsa von der LMBV an die DB Netz AG offiziell zurück übergeben werden.
Der Silbersee selbst ist kein LMBV-Gewässer. Der Silbersee ist ein Speichergewässer der sächsischen Landestalsperrenverwaltung, der inmitten eines waldreichen Gebietes gelegen und in den 60er Jahren durch Flutung des ehemaligen Braunkohletagebaus Werminghoff II entstanden ist. Seit Anfang der 1970er Jahre wird er vor allem auch für die Naherholung und zum Angeln genutzt. Am Friedersdorfer Ufer des Silbersees befindet sich ein Badestrand und angrenzend ein privat geführter Campingplatz. Derzeit ist die Wasserfläche aufgrund der noch notwendigen bergtechnischen Sanierung temporär gesperrt.
Fotos: Gernot Menzel f. LMBV (2023)
Live-Schalte von Pauline Vestring für MDR um Zwei vom Silbersee am 07.03.23
LMBV-Abteilungsleiter Karsten Handro steht für ein Interview mit MDR um Zwei zur Verfügung
LMBV: Rütteldruckverdichtung-Testfeld Silbersee
Test zur Rütteldruckverdichtung am Silbersee – Einbringen des Rüttlers
Weitere Eisenminderung in der Spree durch LMBV umgesetzt — Jahresbericht erschienen
Senftenberg/Spremberg. Der Jahresbericht 2022 zum "Monitoring der Eisenbelastung der Spree und in der Talsperre Spremberg" – erstellt durch den Fachgutachter Klare Spree der LMBV Dr. Uhlmann vom Institut für Wasser und Boden (IWB Dresden) – liegt vor.
Die Wasserbehandlung durch den bedarfsgerechten Betrieb der Konditionierungsanlage im Zulauf der Spree zur Talsperre Spremberg zeigte auch im Jahr 2022 ihre positive Wirkung. Die Konditionierungsanlage, bestehend aus der Bekalkungsanlage in Spremberg-Wilhelmsthal sowie nach ca. 1,5 km Fließweg der Flockungshilfsmittelzugabe am Einlaufbauwerk der Vorsperre Bühlow, erzielte eine deutliche Erhöhung des Eisenrückhaltes. Circa 52 Prozent der Eisenfracht der Spree wurde in der Vorsperre zurückgehalten und somit die Hauptsperre der Talsperre, d. h. der Spremberger Stausee, entlastet.
Gleichzeitig wird somit die Einhaltung der Ablaufwerte aus der Talsperre am Pegel Bräsinchen gesichert. Die Eisen-gesamt-Konzentration lag hier 2022 jahresdurchschnittlich bei 0,5 mg/L sowie ganzjährig < 2 mg/L und somit stabil unterhalb der Sichtbarkeitsschwelle für partikuläres Eisen in der Spree. Bei Einhaltung einer jahresdurchschnittlichen Eisen-gesamt-Konzentration von ≤ 1,8 mg/L gilt gemäß der „Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer“ (OGewV) in Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL), der gute ökologische Zustand bzw. bei stark anthropogen (hier: bergbaulich) beeinflussten Fließgewässern, das gute ökologische Potential bezogen auf den chemischen Einzelparameter (ACP) Eisen, als erfüllt. Die Talsperre Spremberg (Vor- und Hauptsperre) erzielte dabei insgesamt einen Eisenrückhalt von ca. 90 Prozent bezogen auf die Immission, d. h. die Eisenfracht in der Spree.
Der durch die Konditionierung (hier: Kalkung und Flockung) geförderte Eisenrückhalt in der Vorsperre Bühlow hat bei vergleichsweise moderaten Durchflussmengen der Spree von ca. 9 m³/s in 2022 sowie kontinuierlichen Teilberäumungsleistungen mittels Saug-/Spülbaggerung im Vorstaubecken wiederum gut funktioniert. In 2022 wurden die Einzelmaßnahmen zur Entnahme, Entwässerung und fachgerechten Entsorgung von eisenhydroxidbelasteten Schlämmen (EHS) in Projektträgerschaft der LMBV fortgeführt.
Die gravitative EHS-Entwässerung als Regeltechnologie erfolgte regulär in Verbindung mit den drei Sedimentationsbecken an der Vorsperre Bühlow. Der in 2022 an der Vorsperre angefallene EHS wurden beprobt, analysiert und ausnahmslos als nicht gefährlicher Abfall einer stofflichen Verwertung mit einer Gesamtmenge von ca. 75.000 t zugeführt. Die Rückführung des EHS in den Wirtschaftskreislauf gemäß dem „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“ (KrWG) erfolgte in 2022 mit zwei Dritteln der Gesamtmenge überwiegend als rohstoffliche Verwertung, d. h. für die Herstellung von Produkten zur Entschwefelung in Biogasanlagen. Etwa ein Drittel der Gesamtmenge wurde baustofflich verwertet, d. h. als Zuschlagstoff zur Herstellung mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB).
Der Einsatz von Flockungs- und Flockungshilfsmitteln (Weißfeinkalk und Koaret PA 3230 T) wird im Hinblick auf die aquatischen Lebewesen durch ein fischereibiologisches Monitoring in der Talsperre Spremberg überwacht, um eventuelle Auswirkungen der Wasserbehandlung auf Fische und Großmuscheln sowie auf das Makrozoobenthos festzustellen bzw. auszuschließen. Mit dem Einsatz der Flockungs- und Flockungshilfsmittel wurden die Umweltbedingungen für die aquatische Fauna durch die erfolgreiche Erhöhung des Eisenrückhaltes in der Vorsperre Bühlow verbessert, wodurch auch in 2022 die Stabilität des Fischbestandes und der Benthosdichte zu erklären ist.
Im Einklang mit den Vorjahresergebnissen kann der Schluss gezogen werden, dass die Vorteile einer verbesserten Eisenrückhaltung, die mit den Wasserkonditionierungsmaßnahmen eventuell noch vorhandenen Restrisiken für Fische und andere aquatische Organismen bei weitem aufwiegen (siehe dazu den Monitoringbericht 2022 zum Fischbestands- und Benthosmonitoring in der Talsperre Spremberg vom Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow).
Fotos: LMBV/Steffen Rasche (2022)
Talsperre Spremberg
Blick auf die Vorsperre Bühlow
Sedimentationsbecken an der Vorsperre Bühlow
LMBV-Bekalkungsanlage Wilhelmsthal
Modulare Wasserbehandlungsanlage (MWBA) Neustadt der LMBV
Neue Publikationen
Bodenreinigung im Industriepark Schwarze Pumpe abgeschlossen
Senftenberg/Schwarze Pumpe. Die Bodenaustauschmaßnahme mittels Vakuumthermischer Bodenreinigung im Industriepark Schwarze Pumpe ist am 9. Februar offiziell durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) sowie die beteiligten Firmen und Behörden abgeschlossen worden. Zur feierlichen Veranstaltung fanden sich an diesem Tag rund 100 Gäste im Klubhaus in Schwarze Pumpe ein. Gerd Richter, Sanierungsbereichsleiter Lausitz, hob in seinem Einführungsvortrag hervor, dass die ausgetragene Schadstoffmenge nachweislich mindestens 764 Tonnen umfasst habe und die behördlichen Vorgaben für alle Schadstoffarten übererfüllt wurden. „Im Zeitraum der Arbeiten, von Mitte 2017 bis Ende 2022, ist es erfreulicherweise und trotz der anspruchsvollen Aufgaben zu keinen relevanten Unfällen gekommen“, erklärte Gerd Richter dankbar. Insgesamt 147 Spundwandkästen Boden wurden während der Maßnahme ausgehoben. Der aus den sechs Bauabschnitten entnommene kontaminierte Boden wurde in der Vakuumthermischen Reinigungsanlage (VTRA) im Industriepark behandelt und aufbereitet. Der gereinigte Boden konnte am Entnahmestandort wieder eingebracht werden. Ausführender Auftragnehmer war die ARGE VTRA und Bodenaustausch Schwarze Pumpe, bestehend aus den Firmen Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG und Bauer Resources GmbH.
Seit 2017 lief die Maßnahme der Bodensanierung im Industriepark. Etwa 1,3 km Spundwände wurden als Primärspundwände für die Baugrubensicherung bis in eine Tiefe von 20 Metern eingebracht. Danach wurde eine tiefer liegende Arbeitsebene hergestellt, von der aus weitere 147 Einzelspundwandkästen mit einer Grundfläche von jeweils 10 x 11 Metern eingerammt wurden, um den Bodenaushub bis in 14 Metern Tiefe vorzunehmen. Insgesamt sind ca. 13.000 m³ Bausubstanz abgebrochen, ca. 400.000 Tonnen Boden bewegt und davon ca. 286.000 Tonnen kontaminierter Boden gereinigt worden. Allein die Kosten für die Tiefbauarbeiten und die vakuumthermische Bodenreinigung belaufen sich auf insgesamt etwa 57 Mio. Euro.
Hintergrund:
Das einstige Gaskombinat Schwarze Pumpe war das Herzstück der Energieversorgung in der DDR. Von 1955 bis 1990 wurden rund 900 Millionen Tonnen Rohbraunkohle zu Briketts, Elektroenergie, Koks und Gas verarbeitet. Der Betriebskomplex bestand aus drei Brikettfabriken, drei Kraftwerken, einer Kokerei, einem Druckgaswerk sowie den Nebenanlagen Entphenolung, Extraktion und Destillation. Insbesondere in diesen Nebenanlagen verursachte die Produktion Schadstoffemissionen in den Untergrund. Der Boden und das Grundwasser wurden teilweise stark mit Kohlenwasserstoffen, BTEX, PAK und Alkylphenolen aus der Braunkohleveredlung belastet. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft erhielt den Auftrag, die stillgelegten Anlagen zurückzubauen, die Altlasten im Untergrund zu erkunden, weitgehend zu sanieren und die Flächen im Rahmen von Abschlussbetriebsplänen für eine industriell-gewerbliche Nachnutzung herzustellen. Nicht nur Boden wurde in den vergangenen fünf Jahren gereinigt, auch kontaminiertes Grundwasser wurde und wird einer Reinigung und Aufbereitung unterzogen: Mehrere Haltungsbrunnen fördern das mit Schadstoffen belastete Grundwasser in die Abwasserbehandlungsanlage im Industriepark Schwarze Pumpe, wo die Schadstoffe biologisch abgereinigt werden.
Fotos: LMBV/Steffen Rasche
Gerd Richter (LMBV) bedankt sich bei Corina Fiskal von der ARGE VTRA
Zufriedene Gesichter: Joachim Schmidt, Karsten Handro, Dr. Thomas Daffner (UBV), Gerd Richter (v.l.)
Erinnerungsstücke zum Mitnehmen
Blick auf die Vakuumthermische Reinigungsanlage (VTRA)
Vorläufige Flutungsergebnisse der LMBV für 2022: 108 Mio. m³ eingeleitet und 98 Mio. m³ abgegeben
Senftenberg/Leipzig. Nach vorläufigen Zusammenstellungen konnte die LMBV im Jahr 2022 108 Mio. m³ in ihre Bergbaufolgegewässer einleiten und bis zu 98 Mio. m³ im gleichen Zeitraum an die Vorflut u.a. zur Stützung in Niedrigwasserzeiten und zum ökologischen Erhalt abgegeben.
In Mitteldeutschland konnten im Jahr 2022 rund 22 Mio. m³ von der LMBV für die Flutung und Nachsorge aus den Vorflutern herangezogen werden. Mit einer Flutungswassermenge von rund 9 Mio. m³ aus der Weißen Elster bildet der Zwenkauer See den Einleit-Schwerpunkt in Mitteldeutschland. In den Geiseltalsee konnten rund 5,6 Mio. m³ und in den Haselbacher See rund 3,5 Mio. m³ eingeleitet werden.
Die LMBV-Ausleitungsmengen der Bergbaufolgeseen in Mitteldeutschland betragen in Summe für das Jahr 2022 rund 33,5 Mio. m³.
Mit rund 86 Mio. m³ reiht sich das Jahr 2022 hinsichtlich der Flutungswassermenge der LMBV in der Lausitz eher unterdurchschnittlich ein, so Maik Ulrich. Leiter der LMBV-Flutungszentrale Lausitz. Allerdings hebt sich das Jahr im Vergleich zu den zurückliegenden Trockenjahren positiv ab, so Dr. Oliver Totsche, zuständiger LMBV-Abteilungsleiter.
Der „Hauptspender“ für die Lausitzer Flutungsprozesse war 2022 erneut wieder die Spree mit rund 62,5 Mio. m³ - während die Schwarze Elster etwa 15, 9 Mio. m³ und Neiße (nur) 7,6 Mio. m³ im Jahr beisteuern konnten. Hauptsächlich im I. und IV. Quartal des Jahres 2022 konnte geflutet werden.
Hauptabnehmer waren der Speicher Lohsa II mit 17,8 Mio. m³, der Bärwalder See (Speicher Bärwalde) mit etwa 16,6 Mio. m³ und das Speicherbecken Burghammer mit etwa 10 Mio. m³. Schwerpunkt der Flutungen war im Brandenburgischen Teil der Lausitz der Sedlitzer See, dem rund 36 Mio. m³ - darunter auch aus Überleitungen aus den Restlöchern Skado und Koschen – erhalten hatte. Etwa 9,3 Mio. m³ konnten für den Großräschener See zur Stabilisierung verfügbar gemacht werden.
Die Ausleitungen der LMBV aus den Lausitzer Bergbaufolgeseen summierten sich im Jahr 2022 auf rund 64 Mio. m³; dies entspräche in etwa dem Mittelwert der letzten 10 Jahre, so Ulrich. Abnahmen und Abgaben halten sich in der zurückliegenden Dekade - in der Summe der Jahre - etwa im Gleichgewicht.
Die Schwarze Elster war auch 2022 wegen ausbleibender Niederschläge und die Auswirkung der zurückliegenden Trockenjahre durch geringe Abflüsse geprägt. Im Juni fiel die Schwarze Elster zum wiederholtem Male trocken. Eine Stützung der Schwarzen Elster aus der Restlochkette über die Rainitza erfolgte ab Anfang April 2022 durchgehend bis zum Jahresende. Insgesamt wurden zur Stützung der Schwarzen Elster aus der Restlochkette rund 6 Mio. m³ über die Rainitza von der LMBV abgegeben.
Foto: St. Rasche für LMBV 19.01.2023
Lausitzer Seenland: LMBV-Gewässer Großräschener See im Winter – Ufer mit Schnee Autor Steffen Rasche 2023
LMBV präsentiert sich auf Karrieremesse ORTE in Freiberg
Senftenberg/Freiberg. Gemeinsam mit über 70 regionalen und überregionalen Unternehmen sowie Institutionen präsentierte sich die LMBV am 12. Januar 2023 auf der 28. Karrieremesse ORTE der TU Bergakademie Freiberg.
Zahlreiche Studierende und Alumni nutzten die Gelegenheit, sich am Stand der LMBV über Praktikumsplätze, Abschlussarbeiten oder einen Jobeinstieg nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums zu informieren.
Aktuelle Stellenangebote wurden näher besprochen und die Tätigkeiten des Bergbausanierers in den Revieren der Lausitz und Mitteldeutschlands erläutert. Das Interesse am Unternehmen war vor allem bei Studierenden der Geo-, Ingenieur- und Naturwissenschaften groß.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm, u.a. mit einem Bewerbungsmappencheck, rundete die Messe ab.
Foto: LMBV
Bodenreinigung im Industriepark Schwarze Pumpe kurz vor Abschluss
Senftenberg. Am 13.12.2022 wurde der letzte der insgesamt 147 Spundwandkästen im Rahmen der Quellstärkereduzierung mittels Bodenaustausch im Industriepark Schwarze Pumpe im Auftrag der LMBV ausgehoben. Der aus den sechs Bauabschnitten entnommene kontaminierte Boden wird in der Vakuumthermischen Reinigungsanlage (VTRA) im Industriepark behandelt und aufbereitet. Der gereinigte Boden wird am Entnahmestandort wieder eingebracht. Ausführende Firma ist die ARGE VTRA und Bodenaustausch Schwarze Pumpe.
Seit 2017 läuft die Maßnahme der Bodensanierung im Industriepark. Etwa 1,3 km Spundwände wurden als Primärspundwände für die Baugrubensicherung bis in eine Tiefe von 20 Metern eingebracht. Danach wurde eine tiefer liegende Arbeitsebene hergestellt, von der aus weitere 147 Einzelspundwandkästen mit einer Grundfläche von jeweils 10 x 11 Metern eingerammt wurden, um den Bodenaushub bis in 14 Metern Tiefe vorzunehmen. Ende des 1. Quartals 2023 soll diese Bodensanierungsmaßnahme am Standort Schwarze Pumpe beendet sein. Zum Abschluss werden dann insgesamt ca. 13.000 m³ Bausubstanz abgebrochen, ca. 400.000 Tonnen Boden bewegt und davon ca. 286.000 Tonnen kontaminierter Boden gereinigt worden sein. Allein die Kosten für die Tiefbauarbeiten und die vakuumthermische Bodenreinigung belaufen sich auf insgesamt etwa 57 Mio. Euro.
Hintergrund:
Das einstige Gaskombinat Schwarze Pumpe war das Herzstück der Energieversorgung in der DDR. Von 1955 bis 1990 wurden rund 900 Millionen Tonnen Rohbraunkohle zu Briketts, Elektroenergie, Koks und Gas verarbeitet. Der Betriebskomplex bestand aus drei Brikettfabriken, drei Kraftwerken, einer Kokerei, einem Druckgaswerk sowie den Nebenanlagen Entphenolung, Extraktion und Destillation.
Insbesondere in diesen Nebenanlagen verursachte die Produktion Schadstoffemissionen in den Untergrund. Der Boden und das Grundwasser wurden teilweise stark mit Kohlenwasserstoffen, BTEX, PAK und Alkylphenolen aus der Braunkohleveredlung belastet. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft erhielt den Auftrag, die stillgelegten Anlagen zurückzubauen, die Altlasten im Untergrund zu erkunden, weitgehend zu sanieren und die Flächen im Rahmen von Abschlussbetriebsplänen für eine industriell-gewerbliche Nachnutzung herzustellen. Nicht nur Boden wurde in den vergangenen fünf Jahren gereinigt, auch kontaminiertes Grundwasser wurde und wird einer Reinigung und Aufbereitung unterzogen: Mehrere Haltungsbrunnen fördern das mit Schadstoffen belastete Grundwasser in die Abwasserbehandlungsanlage im Industriepark Schwarze Pumpe, wo die Schadstoffe biologisch abgereinigt werden.
Fotos: LMBV/Steffen Rasche
Bodensanierungsmaßnahme am Standort Schwarze Pumpe
Blick auf die Vakuumthermische Reinigungsanlage (VTRA)