SächsOBA: Änderung des Sperrbereiches zur Gefahrenabwehr an der lnnenkippe Lohsa Il

Umsetzen der Maßnahmen zur Gefahrenabwehr obliegt der Projektträgerin LMBV

Freiberg. Das Sächsische Oberbergamt erließ am 03.12.2019 eine Allgemeinverfügung über Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Tagebau Ill Werminghoff/ Lohsa: lnnenkippe Lohsa Il, wobei der räumliche Umfang des Sperrbereiches geändert wurde. Das Sächsische Oberbergamt ist die gemäß § 3 SächsPolG i.V.m. §§ 1 und 3 SächsHohlrVO sachlich zuständige Polizeibehörde für die zur Gefahrenabwehr erforderliche Durchführung der Maßnahmen an dem nicht mehr unter Bergaufsicht stehenden Restloch des ehemaligen Tagebaus Lohsa. Die Umsetzung der Maßnahmen zu der Gefahrenabwehr obliegt der hierfür bestimmten Projektträgerin, der LMBV mbH.

Hintergrund: Die Kippenflächen und Restlöcher in dem Gefahrenbereich entstanden durch den Braunkohlenbergbau im Tagebau III Werminghoff (Baufelder Ill bis V), später Tagebau Lohsa genannt, und den Tagebau Scheibe südöstlich und nordöstlich von Lohsa. lm Tagebau Lohsa wurde im Zeitraum 1950 bis 1984 in den Baufeldern III bis V das 2. Lausitzer Flöz abgebaut. Der angefallene Abraum wurde entsprechend der technologischen Entwicklung ab 1960 als lnnenkippe aufgefahren. lm gesamten Bereich ist die AFB - Kippe vorhanden.

Die AFB-Kippe bildet die heutige Geländeoberfläche, welche planiert und rekultiviert wurde. Die Verkippung erfolgte in den Jahren 1965 - 1967. Die Kippenmächtigkeit beträgt 40 - 45 m. Unmittelbar nordwestlich des Tagebaus Lohsa wurde ab dem Jahr 1982 der Tagebau Scheibe aufgeschlossen. Die Aufschlussmassen wurden in den Jahren 1984 bis 1987 im Nordwesten des Restloches des Tagebaus Lohsa als Hochkippe Scheibe aufgeschüttet. Die Kippenmischböden weisen lockere bis sehr lockere Lagerungsverhältnisse auf und sind verflüssigungs- und grundbruchgefährdet. Die Flächen sind durch den Grundwasserwiederanstieg betroffen.

Mit Schreiben vom 31. Januar 2011 erließ das Sächsische Oberbergamt eine Allgemeinverfügung für den Bereich des ehemaligen Tagebaus Ill Werminghoff/ Lohsa, die anschließend unter der Bezeichnung „Geotechnischer Sperrbereich lnnenkippe Lohsa II" geführt wurde. Das Ziel war der Schutz der Öffentlichkeit vor möglichen Auswirkungen der Sanierung sowie der vorliegenden geotechnischen Gefährdungen.

Die Allgemeinverfügung wurde mit Schreiben vom 6. März 2017 räumlich angepasst. Insgesamt wurden 400 ha freigegeben. lm Herbst 2018 und im Frühjahr 2019 ereigneten sich im Bereich der Hochfläche Nordmarkscheide Geländeeinbrüche und Rutschungen mit großflächigen Geländeabsenkungen von bis zu 6 m. Die Rutschung reicht bereichsweise an den Stützkörper der Außenkippe Scheibe heran (Rütteldamm), wobei der Stützkörper eine weitere Ausbreitung des Ereignisses verhindert hat. Der Stützkörper ist funktionell unbeschädigt.

Die Rutschungsmassen breiteten sich nach Westen, Norden und Osten in den Speicher Lohsa aus. Im Ergebnis der Rutschung und dem Abrutschen des Vorlandes liegt die Bruchkontur innerhalb des Rütteldammes, der damit dem Wind- und Wellenschlag ausgeliefert ist (Staulamelle). Das erforderliche Ausgleichsprofil im Stützkörper und dessen Vorland ist nicht mehr gegeben.

Mittel- bis langfristig ist hier mit selbstständigen bzw. windwellenbedingten Umbildungen zu rechnen. Im Falle einer raumgreifenden Verflüssigung der wassergesättigten, unverdichteten Kippe ist die hinter dem Stützkörper befindliche Böschung der Hochkippe nicht ausreichend sicher gegen ein Versagen. Bei einem ausreichend ausgedehnten Böschungsbruch der Hochkippe kann es zudem zu einem „Überströmen“ des Stützkörpers kommen.

Gemäß Festlegung vom 22.10.2010 verläuft die Geotechnische Sperrbereichsgrenze im Stützkörperbereich und dabei im Abschnitt mit vorgelagerter Hochfläche an der Vordergrenze des Stützkörpers. Im Ergebnis der Ereignisse im Herbst 2018 und im Frühjahr 2019 wurde nun die Hochkippe der Außenkippe Scheibe in den Geotechnischen Sperrbereich einbezogen. Die Geotechnische Sperrbereichsgrenze verläuft nunmehr westlich der Hochkippe Scheibe. Die LMBV mbH wurde vom Sächsischen Oberbergamt angewiesen, die Beschilderung entlang der neu definierten Sperrgrenze aufzustellen.

Hochkippe Scheibe (gelb) nun im Sperrbereich

LMBV-Luftbilder vom Speicher Lohsa II | Fotos: Peter Radke 2019


Neiße-Wasser kommt über Oberen Landgraben heran und hilft bei Seenland-Flutung

Bis zu ein Kubikmeter pro Sekunde Neißewasser für den Sedlitzer See

Senftenberg. Auf Anfrage bestätigte die Leiterin der Flutungszentrale der LMBV, Doris Mischke, dass derzeit bis zu ein Kubikmeter pro Sekunde Neißewasser über die Neißewasserüberleitung der Bergbausanierer zur Seenland-Flutung herangeführt werden kann, da im Grenzfluss momentan bis zu 22 Kubikmeter pro Sekunde im mittleren Durchfluss unterwegs sind. Dieses Wasser wird im letzten Abschnitt über den Oberen Landgraben in den Sedlitzer See eingeleitet.

An dem rund 1.400 Hektar großen Bergbaufolgesee laufen derzeit noch verschiedene Ufersicherungsarbeiten, die einen temporären Grenzwasserstand von 95,00 m NHN benötigen. Bis dahin kann das Restloch, dessen Pegel sich derzeit auf einem Niveau von 94,16 m NHN bewegt, weiter gefüllt werden. Rund 400.000 Kubikmeter gutes Vorflutwasser konnten so bisher seit Anfang Februar 2020 dort eingeleitet werden.

Die Rahmenbedingungen für das Fluten im Einzugsgebiet von Spree und Schwarzer Elster bleiben kompliziert. Nach den Entscheidungen der zuständigen Adhoc-Arbeitsgruppe der Länder wird gegenwärtig aus der Schwarzer Elster vorrangig der Speicher Niemtsch wieder aufgefüllt. Am 12.02.2020 konnte dort vom LfU bereits ein ansteigender Pegel von 98,72 NHN verzeichnet werden. Die Bergbausanierer geben flussabwärts im Rahmen ihrer bergrechtlichen Verpflichtungen bis zu 0,5 Kubikmeter pro Sekunde aus der GWRA Rainitza über die Rainitza in die Schwarze Elster bei Buchwalde hinzu.

Die LMBV schlägt derzeit bis zu 1,8 Kubikmeter pro Sekunde aus der Spree in den bergbaulichen Speicher Bärwalde ab. Weitere 0,2 Kubikmeter pro Sekunde können aus der Kleinen Spree in das Restloch Dreiweibern abgenommen werden. Rund 0,3 Kubikmeter pro Sekunde nimmt das Restloch Burghammer auf - bei gleichzeitiger Abgabe von 1,0 Kubikmeter pro Sekunde in das Flussgebiet.

Hintergrund für die komplizierten Flutungsbedingungen sind die beiden Trockenjahre 2018 und 2019. Konnten in den Vorjahren noch größere Mengen aus den Lausitzer Vorfluter genutzt werden, überstiegen die Abgaben 2018 mit 64 Mio. Kubikmeter erstmals die Abnahmen in die Restlöcher mit 58 Mio. Kubikmeter. 2019 sah diese Bilanz bereits wieder besser aus: 78 Mio. Kubikmeter Entnahmen aus den Flüssen standen 30 Mio. Kubikmeter Ausleitungen aus den Bergbaufolgeseen gegenüber.

Fotos vom 12.02.2020: Steffen Rasche für LMBV

Oberer Landgraben / Sedlitzer See 2020


Unbekannte beschädigten am 02.02.2020 das Wehr im Sornoer Kanal

Die auf der Seite des Sedlitzer Sees liegende derzeitige LMBV-Baustelle wurde dabei zeitweise geflutet

Senftenberg. Am Sonntag, dem 02.02.2020, gegen 13:45 Uhr, wurde der Diensthabende der LMBV informiert, dass Wasser durch das Wehr am Sornoer Kanal läuft. Es lag eine Sachbeschädigung am Wehr vor: Die Abdeckung vom Steuerteil des automatischen Antriebs (Oberschütz) war aufgebrochen. Die auf der Seite des Sedlitzer Sees liegende derzeitige Baustelle der LMBV wurde dabei zeitweise geflutet. Zeitgleich wurde bereits die zuständige Polizeidienststelle und die Leitstelle Cottbus informiert, welche die Feuerwehr alarmierte.

Der Diensthabende der LMBV hat daraufhin den Bereitschaftsdienst der Bewirtschaftung Überleiter RLK Sedlitz, Skado, Koschen angefordert. Gegen 15:00 Uhr traf dann der Diensthabende der LMBV am Ereignisort ein. Die Feuerwehr hatte das Wehr bereits wieder hochgefahren. Durch den Bewirtschafter wurde das Wehr freigeschalten. Im Anschluss kontrollierte die LMBV den auf der Baustelle befindlichen Bagger und stellte keine Unregelmäßigkeiten fest. Die LMBV hat wegen Fremdeinwirkung und Sachbeschädigung des Wehrs eine Strafanzeige gestellt.

Archivfoto vom Wehr am Sornoer Kanal | P. Radke 2019


WCL: 1. Wasserkonferenz Lausitz „Bergbau-Wasser-Klima“ am 19. März 2020 geplant

Wassercluster Lausitz plant Fachtagung im Großen Hörsaal auf dem Campus Senftenberg

Cottbus/Senftenberg. Die BTU Cottbus-Senftenberg und der Wasser-Cluster-Lausitz e.V. laden anlässlich des Weltwassertages 2020 zu einer 1. Wasserkonferenz Lausitz „Bergbau- Wasser-Klima“ am 19. März 2020 auf dem Campus in Senftenberg ein.

Wasserfachleute aus Berlin, Brandenburg und Sachsen werden mit Vertretern aus Politik, Kommunen, Wirtschaft und Behörden die mit dem bevorstehenden Kohleausstieg verbundenen Herausforderungen im Wasserhaushalt der Schwarzen Elster und der Spree und den sich daraus ergebenden Handlungsoptionen thematisieren.

War es seit 1990 gelungen, mit den stetig vom aktiven Braunkohlenbergbau bereit gestellten Wassermengen eine allen Nutzern genügende Flussgebietsbewirtschaftung inklusive der Flutung der LMBV-Bergbaufolgeseen durchzuführen, wird diese wasserwirtschaftliche Leitplanke künftig allmählich schwächer werden und mit dem Kohleausstieg wegfallen.

Von dieser rückläufigen Entwicklung der Wassermengen wird nicht nur die ganze Lausitzer Region betroffen sein, sondern die Wirkungen werden bis in die Metropolregion Berlin spürbar werden und dies über einen langen Zeitraum. Dank der bisher vorbildlichen Arbeitsweise und Zusammenarbeit der Landeswasserbehörden, Bergverwaltungen und den beiden Bergbauunternehmen LEAG und LMBV liegt umfangreiches Wissen über die Zusammenhänge von Bergbau und Wasserhaushalt der Flussgebiete vor, welches es für die Zukunft zu nutzen und weiter zu entwickeln gilt.

Zur Veranstaltung in Senftenberg werden die beiden Umweltminister von Sachsen und Brandenburg in der Lausitz von den Organisatoren erwartet. Der LMBV-Bereichsleiter Technik, Eckhard Scholz wird im geplanten „Bergbaublock“ zu Erfahrungen aus dem LMBV Bereich sprechen und einen Rückblick vornehmen und einen Ausblick aus Sicht der Bergbausanierer geben. Im „Wasserblock werden u.a. die LTV und Dr. Wilfried Uhlmann vom IWB Dresden sprechen. Im „Klimablock“ sind u.a. das LfULG und ein Cottbusser Ingenieurbüro für Renaturierung vertreten. Symbolfotos: P. Radke für LMBV

Symbolfotos von Spree und Schwarzer Elster / LMBV-Archiv


Im Juni 2020 könnten die Bauwerke am künftigen Überleiter 3 schon fertig sein

910 m³ Beton werden für das Bauwerk benötigt und 160 t Betonstahl verbaut

Senftenberg/Bluno. Bei einem Reportage-Vorort-Termin lobte der zuständige LMBV-Projektmanager Steffen Kowalick den bisher erreichten Baufortschritt auf der Bergbausanierungsbaustelle am Überleiter 3 im Lausitzer Seeland.

Hier errichtet die Firma Strabag derzeit für die Bergbausanierer zwei Widerlager für eine Stahlbetonrahmenbrücke, die einmal den Überleiter 3 überspannen wird. Der geplante Baukostenrahmen für das gesamte Bauwerk liegt bei knapp 5 Mio. Euro.

Die lichte Weite zwischen den beiden schon fertig betonierten Widerlagern beträgt 24,4 Meter und schafft so den Raum für die künftig schiffbare Verbindung zwischen dem Sabrodter See und dem Blunoer Südsee. Der Einbau des biegesteifen Stahlbetonrahmens folgt in den kommenden Wochen – derzeit entsteht schon die Verschallung dafür. Der Wirtschaftsweg über diese Brücke wird einmal 5,50 Meter breit sein sowie insgesamt 450 Meter lang und schafft künftig eine südliche Anbindung an das derzeit noch geotechnisch gesperrte Spreetaler Innenkippengebiet.

Auf der Baustelle erfolgt derzeit auch ein Auffüllen mit Bodenmassen von der extra errichteten Baustellen-Umfahrung aus. Für diese temporäre Umfahrung waren zuvor Stahlbohlen in den Boden eingepresst worden. Bereits 2004 war der Blunodamm mit der Rüttelstopfverdichtung für diese Arbeiten vorverdichtet worden. Um die Baustelle wasserfrei zu halten sowie den Druckausgleich zwischen den Restlöchern gewährleisten zu können, wurde zudem eine temporäre Druckleitung südlich der Widerlager eingerichtet, die bis zu 80 Liter in der Sekunde zwischen den Restlöchern überleiten kann.

An den Widerlagen und Fundamenten sind derzeit gut sichtbar die verbauten schwarzen Betonschutzmatten, die einen Bautenschutz vor den derzeit noch sauren Wässern in den Restlöchern gewährleisten. Insgesamt werden rund 910 Kubikmeter Beton für das Bauwerk benötigt sowie rund 160 Tonnen Betonstahl verbaut werden. Zudem werden rund 23.000 Kubikmeter Boden umgesetzt bzw. wieder eingebaut.

Impressionen vom Vorort-Termin auf der Baustelle / Fotos: U. Steinhuber


Reger Winter-Sanierungs-Schiffsverkehr auf dem Senftenberger See

Spezialgerät auch zum Totholzbergen auf dem See aktiv

Senftenberg. Auf dem Senftenberger See ist derzeit ein reger Sanierungs-Schiffsverkehr zu beobachten. Im Rahmen der von der LMBV beauftragten Sofortmaßnahme sind mehrere Schiffseinheiten auf dem Bergbaufolgesee unterwegs. Mehrere Schubeinheiten transportieren dazu die von drei Geräten ausgebaggerten Massen.

Derzeit laufen die Arbeiten mit jeweils drei Pontoneinheiten und Baggern sowie bis zu sieben Schubeinheiten. Diese auf dem Senftenberger See tätigen Baggerplattformen und Schubeinheiten sind auch vom Ufer aus zu sehen.

In der 3. KW erfolgte zudem die Lieferung eines „Eisbrechers“. Das vormalige Bugsierschiff Renate II wurde dazu vom Auftragnehmer als Eisbrecher umgerüstet und im Senftenberger See gewassert. Während der Sofortmaßnahme im Winter 2019/2020 erfolgt auch ein baubegleitendes Monitoring u.a. zur Trübungsmessung sowie zu weiteren Parametermessungen. Nach Vorlage der Ergebnisse aus der Kartierung und aus dem Monitoring werden die naturschutzfachlichen Unterlagen ergänzt.

Fotos: Marian Ehrt/LMBV

Totholzbergung mit Spezialgerät auf dem Senftenberger See 01/2020

LMBV-Sofortmaßnahme II im Winter 2019/2020 - Fotos: M. Ehrt


AGH-Monographie zum 4. Polnisch-deutschen Forum in Brehna liegt vor

Zu Planungs-, Natur- und Kulturvoraussetzungen für die Rekultivierung und Revitalisierung von Bergbaufolgelandschaften in Polen und Deutschland

Senftenberg/Krakau. Ende 2019 konnte eine gemeinsam von der LMBV und der Bergakademie Krakau AGH editierte Monographie vorgelegt werden. Diese Publikation fasst vor allem den Stand und das Wissen vom 4. Polnisch-Deutschen Forum zur Wiedernutzbarmachung vom September 2017 in Brehna bei Leipzig zusammen. Es knüpft damit an die Monographie über „Geotechnische und Umweltaspekte bei der Rekultivierung und Revitalisierung von Bergbaufolgelandschaften in Polen und Deutschland“ an, die bereits durch die Wydawnictwa [Verlage] der AGH im Jahr 2014 herausgegeben wurde.

Bergbau, insbesondere im Tagebau, ist eine die Landschaft tiefgreifend verändernde und im heutigen Verständnis neugestaltende Tätigkeit des Menschen. Die Bergbautätigkeit wird in Mitteleuropa je nach Region mit unterschiedlicher Intensität geführt und in manchen Fällen abrupt oder allmählich eingestellt. Die Gestaltung der Hinterlassenschaften des Bergbaus ist Pflicht der Unternehmen und Gegenstand von Gesetzen und Planungen in den jeweiligen Ländern.

Im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen werden die Funktionen der Landschaft für den Naturhaushalt und den Wirtschaftsraum neu geordnet und wiederhergestellt. Beziehungsnetze müssen auf allen Ebenen neu geknüpft werden. Dies betrifft auf ökologischer Ebene die Wiederbesiedlung der Kippen und Halden oder die Erstbesiedlung von Tagebaurestseen und Wasserspeichern und auf ökonomischer Ebene die Einbindung der ehemaligen Tagebaustandorte in die lokalen, regionalen und darüber hinaus reichenden Wirtschaftsnetzwerke. Daneben gibt es auch soziale und kulturelle Funktionen, die neugeordnet und entwickelt werden müssen.

Die Planung von Bergbauvorhaben erfordert die Berücksichtigung und angemessene Bewertung sämtlicher Funktionen der Landschaft für den Menschen und den Naturhaushalt. Das Bergbauunternehmen als Vorhabensträger einerseits und die staatlichen und kommunalen Verantwortlichen der Region andererseits sind hierzu gesetzlich verpflichtet.

Beispiele aus dem Lausitzer und dem mitteldeutschen Braunkohlenrevier und aus den polnischen Bergbauregionen thematisieren diese zentrale Aufgabe der Berücksichtigung der Landschaftsfunktionen für Bergbaufolgelandschaften. Insbesondere durch die Raumplanung sind hier frühzeitig entscheidende Entwicklungsrichtungen vorzugeben.

Die Umwidmung und Wiedereingliederung von ehemaligen Anlagen der Bergbauindustrie in sinnvolle ökonomische Kreisläufe und Funktionsbeziehungen ist in den Bergbauregionen beider Länder eine wichtige, bisher nur teilweise erfolgreich gelöste Aufgabe. Eine nüchterne Analyse mit definierten Parametern, wie im Projekt INKULA aus der Lausitz vorgestellt, unterstützt, insbesondere bei angestrebter touristischer Nachnutzung, die Entscheidungsfindung. Industrielle Zeugnisse des untertägigen Bergbaus eignen sich ebenso für die anspruchsvolle touristische Neuausrichtung.

Am Beispiel des konkreten Projektes Tarnower Seenland zeigt sich die Übertragbarkeit des Wissens und der Erfahrungen in der Gestaltung von großen Bergbaufolgelandschaften auch auf Sandtagebaue, Anlagen zwar einzeln von geringeren Dimensionen, aber in beiden Ländern mit in Summe großen Flächen und zahlreich vertreten.

Bergbaufolgelandschaften bieten vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und der Erholung. Kleinere Restlochseen und ehemalige Auffangbecken können zu interessanten Angelgewässern entwickelt werden. Dies wurde anhand der erfolgreichen Beispiele aus Polen gezeigt. Im viel größeren Maßstab werden Bergbaufolgelandschaften zu sehr wertvollen Flächen für den Arten- und Biotopschutz und die Umweltbildung. Vergleiche mit der gewachsenen Kulturlandschaft und naturnahen Landschaften zeigen die hohe Bedeutung der Bergbaufolgelandschaften für den Arten- und Biotopschutz sowohl in Polen als auch in Deutschland. Sie geben aber auch wichtige Hinweise für die erfolgreiche Rekultivierung und Revitalisierung von Bergbauhalden und ganzen Bergbaufolgelandschaften.

Einer Phase monostrukturierter, alle anderen Landschaftsfunktionen und Güter verhindernder Nutzung folgt eine Phase der Neuordnung und der Wiederherstellung der Landschaft, ihrer Funktionen und Güter. Diese Phase setzt mit der ordnenden Raumplanung ein und begleitet bei langfristigen Bergbauvorhaben die Phase der Rohstoffgewinnung. Die Zerstörung der historischen, aber auch modernen Veränderungen unterliegenden Kulturlandschaften, mit gewachsenen Feld-Waldverteilungen, Dörfern und Fließgewässern, ist eine zwangsläufige Folge großflächiger Materialgewinnung. Diese Zerstörung ist für die Verursacher Verpflichtung und zugleich Chance, neue, vielfältige Lebensräume für den Menschen und das natürliche Leben zu gestalten. Freiräume für menschliche Freizeitaktivitäten gehören ebenso wie Freiräume für weitestgehend unbeeinflusste und nicht regulierte natürliche Entwicklungen dazu. Die beiden Länder Polen und Deutschland verfügen über eine reiche, wissenschaftlich fundierte Erfahrung in der Wiederherstellung von durch den Bergbau massiv beeinflussten Landschaften, die auch dieser Tagungsband dokumentiert.

Publikationen


Spree-Vorsperre Bühlow wird vom Bergbausanierer auch 2020 von EHS beräumt

Aufgrund der bergbaubedingten Eisenbelastung der Spree erfolgt auch in 2020 die Entnahme von Eisenhydroxidschlamm (EHS)-haltigen Sedimentablagerungen in der Vorsperre Bühlow

Senftenberg/Bühlow. Die Beräumung der Spree-Vorsperre Bühlow unter Ägide der LMBV läuft im Januar 2020 erneut an. Die Vorbereitungen dazu erfolgten bereits Ende Dezember 2019.

Die LMBV betreibt seit 2014 eine Konditionierungsanlage im Zulauf der Spree zur Talsperre Spremberg.

Mit dem ganzjährigen Betrieb der Anlage wurde und wird der Eisenrückhalt in der Vorsperre Bühlow signifikant verbessert. Damit die zielgerichtete Eisenausfällung in der Vorsperre funktioniert, müssen die Ablagerungen regelmäßig bedarfsgerecht beräumt werden. Deshalb beräumt die LMBV nach 2015, 2017, 2018 und 2019 nun auch im Jahr 2020 den sedimentierten Eisenhydroxidschlamm (EHS) in der Vorsperre als sanierungsbergbaubedingten Mehraufwand zur regulären Gewässerunterhaltung.

Nach einer planmäßigen Außerbetriebnahme der mobilen Anlage zur Schlammseparation (Dekanter) 2019 konnte am 20.12.2019 die Funktionsprobe für das Wiederbefüllen des Sedimentationsbeckens II gemeinsam mit dem Auftragnehmer der Maßnahme Fa. TWB erfolgreich durchgeführt werden. Als Vorleistung erfolgte zudem die komplette Becken-Beräumung der in den Jahren 2017/2018 eingespülten EHS-Sedimenten mit einem Volumen von etwa 45.000 m³. Voraussichtlich in der 2. Kalenderwoche 2020 wird dann durch den Auftragnehmer der reguläre Betrieb zur Entnahme des EHS begonnen.

Die Vorsperre Bühlow mit einer Fläche von mehr als 100.000 Quadratmetern hat ein Einstau-Volumen um die 300.000 Kubikmeter und ist aktuell etwa zu 50 Prozent gefüllt. Entsprechend hat die LMBV planmäßig die Teilberäumung in 2020 vorbereitet. Ziel der LMBV-Maßnahme ist es, mit einem großen Saug/-Spülbagger über eine schwimmende Leitung den abgesaugten EHS - rund 70.000 Kubikmeter an ca. 100 Arbeitstagen mit einem Feststoffanteil von ca. 10 Prozent - in ein zuvor geräumtes Absetzbecken einzuspülen.

Ein Abschluss der Entnahme ist witterungsabhängig für das Frühjahr 2020 geplant. Anschließend erfolgt das Nachentwässern, Beräumen und Entsorgen bzw. Verwerten der dann noch ca. 25.000 t des eingespülten EHS bis ins IV. Quartal 2020. - Alle Fotos: Marius Schösser / LMBV

Impressionen vom Spültest Ende Dez. 2019 | Autor: M. Schlösser


Assessor des Bergfachs Bernd Sablotny ist neuer Technischer Geschäftsführer der LMBV

Planmäßiger Führungswechsel beim Bergbausanierer

Senftenberg. Am 2. Januar 2020 hat der vom Gesellschafter neu berufene Technische Geschäftsführer der LMBV, Dipl.-Ing. und Assessor des Bergfachs Bernd Sablotny, in Senftenberg seine Arbeit aufgenommen.

Der 56-Jährige Bergbau-Experte folgt auf Klaus Zschiedrich, der zum Jahresende 2019 in den Ruhestand getreten war. Gemeinsam mit dem Kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Hans-Dieter Meyer leitet Bernd Sablotny nun den Bergbausanierer.

Bernd Sablotny studierte von 1984 bis 1990 Bergbau an der RWTH Aachen. Nach dem Referendariat und der großen Staatsprüfung startete er 1993 im Sächsischen Oberbergamt ins Berufsleben. Nach verschiedenen Stationen im Sächsischen Oberbergamt sowie im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, unter anderem als Stellvertreter des Präsidenten des Sächsischen Oberbergamtes, war Sablotny zuletzt von 2010 bis 2019 Abteilungsleiter Verkehr im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.

Aus meiner beruflichen Vergangenheit kenne ich die LMBV als starken Partner in der Bergbausanierung“, so Sablotny. „Hier aktiv Verantwortung u.a. für die sichere Gestaltung von Böschungen und Kippen, bei der Flutung und Gütebehandlung als auch der Verwahrung untertägiger Grubenbaue zu übernehmen, sind eine große Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Mich in die Gestaltung und Wiedernutzbarmachung der Bergbaufolgelandschaften einbringen zu können, freut mich sehr,“ so der neue Geschäftsführer. 

Foto: LMBV/Rasche