Medieneinladung — Neue Infotafeln am Werbeliner See
Vor-Ort-Termin mit Kai Emanuel und Grit Uhlig
Sehr geehrte Damen und Herren,
Mensch und Natur in Einklang zu bringen, ist das Ziel in der Bergbaufolgelandschaft „Naturschutzgebiet Werbeliner See“. Dabei setzen die Partner Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) und Landratsamt (LRA) Nordsachsen vor allem auf Information und Aufklärung beim behutsamen Entdecken und Erleben des Naturparadieses mit seinen mehr als 500 Tier- und 270 Pflanzenarten. Zu einem Vor-Ort-Termin mit Foto- und Interview-Möglichkeiten möchten wir Sie hiermit herzlich einladen.
WAS
Neue Informationstafeln an den Zugängen zum Werbeliner See:
„Vom Tagebau Delitzsch-Südwest zum Werbeliner See“ (LMBV)
„Herzlich Willkommen im Naturschutzgebiet Werbeliner See“ (LRA)
WANN
Montag, 16. Mai 2022, 11.30 Uhr
WO
Treffpunkt ist der Parkplatz am Werbeliner See in Brodenaundorf am Ende der Kattersnaundorfer Straße.
Hinweis:
Die Zufahrt aus Richtung Leipzig über die B 184 ist trotz der in Brodau folgenden Baustelle frei, aus Richtung Delitzsch ist Brodenaundorf über Zschortau erreichbar.
WER
Kai Emanuel, Landrat des Landkreises Nordsachsen
Grit Uhlig, Leiterin Sanierungsbereich Mitteldeutschland der LMBV
weitere Vertreter aus den jeweiligen Fachbereichen des Landratsamtes und der LMBV
Vielen Dank für Ihr Interesse. Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Schachtanlage Paul II ist Gegenstand eines bundesweiten Architekturwettbewerbes
Studenten sollen Konzepte zur Nutzung des denkmalgeschützten Objektes entwerfen
Leipzig/Theißen. Über 80 Studierende und ihre Professoren aus 18 Universitäten und Fachhochschulen besuchten am 26. April 2022 die Schachtanlage Paul II in Naundorf bei Zeitz. Das zur Sicherung abgesperrte Gelände konnte nicht betreten werden. Dennoch erhielten die Teilnehmer einen guten Eindruck von dem Areal und dem Zustand der Gebäude. Andreas Ohse und Luise Schier vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt informierten über die Entstehungsgeschichte der Anlage, den Stellenwert des Braunkohlenabbaus für die Entwicklung der Region und die für den Denkmalschutz relevanten Aspekte. Seitens der LMBV waren Benjamin Ulrich, Fachbearbeiter Planung Sachsen-Anhalt PG Altbergbau Thüringen, und Kerstin Müller, Öffentlichkeitsarbeit, vor Ort. Sie verteilten Infomaterial und beantworteten fachliche Fragen der Teilnehmer. Die LMBV stellte zudem relevante Unterlagen wie Pläne und Fotos zum Objekt zur Verfügung. Die Schachtanlage Paul II mit ihren Nebengebäuden steht seit 1961 unter Denkmalschutz und befindet sich im Besitzt der LMBV.
Die Referenten v. l. n. r.: Andreas Ohse (LDS), Benjamin Ulrich (LMBV), Luise Schier (LDA) und Ulrike Kalteich (Kultustiftung Hohenmölsen)
Anlass der Exkursion ist die 12. Auflage der Messeakademie 2022, ein bundesweiter studentischer Architekturwettbewerb. In dessen Rahmen entwickeln die Studentinnen und Studenten Ideen für eine künftige Nutzung des Geländes und der denkmalgeschützten Gebäude. Zum Thema „Entwerfen im historischen Umfeld – Altbau. Umbau.Neubau“ werden überzeugende Konzepte und Lösungen zur Nutzung wertvoller denkmalgeschützter Bausubstanz gesucht. Die Schachtanlage Paul II ist dabei eines von vier Objekten, die zur Auswahl stehen. Gestaltet wird die Messeakademie 2022 in Zusammenarbeit mit den Landesämtern für Denkmalpflege Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Veranstalter ist die Leipziger Messe GmbH. Die zehn besten Entwürfe werden dann vom 24.-26. November 2022 an der denkmal, der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung der Öffentlichkeit präsentiert.
Impressionen der Exkursion, Fotos: LMBV, Kerstin Müller
Blick zur Schachtanlage, die im Zuständigkeitsbereich der LMBV liegt.
Informationsrunde für alle Teilnehmer.
Die Studenten sind gut vorbereitet und stellen Fragen an die Experten.
Erläuterungen zum historischen Kontext von Andreas Ohse.
Wasserbau-Studenten erkunden Bauwerke im Störmthaler Kanal
Leipzig/Markkleeberg. 15 Studenten des Instituts für Wasserbau und Technische Hydromechanik der Technischen Universität Dresden besuchten am 8. April 2022 den Störmthaler Kanal während einer Tagesexkursion im Großraum Leipzig.
Die Studierenden des Bauingenieurwesens mit einem Schwerpunkt im Wasserbau wurden von den LMBV-Mitarbeitern Falk Bräuer (Abteilung Projektmanagement Westsachsen-Thüringen), Marcus Schmidt (Planung Westsachsen-Thüringen), Ulrike Klein (Geotechnik Mitteldeutschland) und Claudia Hermann (Unternehmenskommunikation Mitteldeutschland) in Empfang genommen. Sie erläuterten fachkundig die Transformation der Tagebaulandschaft am Beispiel des Tagebaus Espenhain im mitteldeutschen Braunkohlervier, die Abläufe während der Gefahrenabwehrmaßnahme, die aufgrund der Risse und Erosionserscheinungen im Bereich des Störmthaler Kanals umgesetzt worden war, und die wasserbaulich interessanten Aspekte zwischen den Bergbaufolgeseen Markkleeberger und Störmthaler See.
Nach der Besichtigung der neu entstandenen Querbauwerke entlang der Gewässerverbindung besuchten die Studenten als nächste Station der Exkursion die Wasserstadt Leipzig, insbesondere den Lindenauer Hafen. Am Vortag waren sie im Erzgebirge bei der sächsischen Landestalsperrenverwaltung.
Falk Bräuer berichtet kurzweilig von den Herausforderungen während der Gefahrenabwehrmaßnahme.
Fotos: LMBV/Claudia Hermann
Marcus Schmidt gibt Informationen zu Historie und Sanierungsplanung.
Ulrike Klein beschreibt die geotechnische Situation auf der Mischbodenkippe.
Bereich von Erosionen und Rissen am Störmthaler Kanal
Erläuterungen am Querbauwerk oberhalb der Kanuparkschleuse
Aktuelle § 4‑Maßnahmen im mitteldeutschen Revier
Leipzig/Pegau/Böhlen. Im Jahr 2022 werden im Freistaat Sachsen weitere § 4-Projekte zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards umgesetzt werden. Dabei agiert die LMBV als Projektträgerin, während die Kommunen die Bauherren sind. Im Südraum Leipzig handelt es sich um zwei größere Projekte: die Errichtung eines neuen Aussichtsturmes bei Pegau sowie die weiterführende Sanierung des Kulturhauses Böhlen.
Neuer Aussichtsturm Stöntzsch entsteht südlich des Werbener Sees
Westlich der Stadt Pegau auf der ehemaligen Kippe Profen-Nord ist die Errichtung des Aussichtsturmes Stöntzsch auf dem Hügel der vorhandenen Aussichtsfläche geplant. Die Gemeinde Stöntzsch wurde in den 1960er Jahren abgebaggert. Ein Großteil der Bevölkerung wurde nach Pegau umgesiedelt. Der geplante Turm soll an die Gemeinde Stöntzsch erinnern.
Der Aussichtsturm ist als offene Stahlkonstruktion geplant. In das Traggerüst des Turmes sollen drehbare Aluminiumtafeln eingesetzt werden. Ein Teil der drehbaren Tafeln wird Informationen über die Historie und das Umfeld erhalten. Der Turm soll einen quadratischen Grundriss mit 5,25 m Seitenlänge haben und in seiner Form an eine ursprüngliche Turmsilhouette erinnern, als Sinnbild für Gemeinde, Gemeinschaft und Siedlung. Die Gesamthöhe des Turmes ab der Geländeoberkante wird 29,50 m betragen. Neben der Errichtung des Turmes sollen auch die Zuwegung und das unmittelbare Turmumfeld, u. a. Fahrradbügel und Parkstellflächen, gestaltet werden.
Nach erfolgreicher Ausschreibung können die Erdarbeiten nun Mitte 2022 starten. Danach wird das Turmfundament hergestellt. Der vormontierte Turm soll im Sommer aufgestellt und im IV. Quartal 2022 fertiggestellt werden. Voraussichtlich im Frühjahr 2023 werden die Arbeiten an den Außenanlagen und Pflanzmaßnahmen sowie die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme (Abbruch ehemaliges Bahnhäuschen östlich von Pegau südlich der B2) beendet sein. Bauherr für diese Maßnahme ist die Stadt Pegau. Auftragnehmer für Erdarbeiten, Freianlagen und Abbrucharbeiten ist Baggerbetrieb Burkhardt GmbH, für Stahlarbeiten und Gründung ist Hornschuh GmbH & Co. KG im Einsatz.
Sanierung des Kulturhauses Böhlen kann weiterlaufen
Des Weiteren kann die Sanierung des Kulturhauses Böhlen nun weitergeführt werden, da die Gesamtfinanzierung der § 4-Mittel durch den Freistaat Sachsen gesichert ist. Die Vergabe für die Sanierung des Gebäudes inklusive der Erneuerung der Abdichtung, der Sanierung des Sockelputzes und der Erneuerung der Bühneneingangskonstruktion ist abgeschlossen. Baubeginn ist Mai 2022. Als Bauzeit werden ca. sieben bis acht Monate veranschlagt. Die Bauarbeiten werden durch die Firma Baumbach Bau GmbH & Co. KG ausgeführt.
Die Planung für die Erneuerung und Erweiterung der Außenanlage läuft noch. Hierfür ist als Baubeginn Herbst 2022 geplant, der Bau dauert wahrscheinlich ein Jahr.
Die ursprünglich veranschlagten Baukosten haben sich infolge ständig steigender Baupreise und durch Erweiterung der Parkplatzanlage erhöht. Es werden zusätzliche Parkplätze nördlich des Kulturhauses gebaut. Bauherr für diese Maßnahme ist die Stadt Böhlen.
Hintergrund
Maßnahmen nach § 4 des Verwaltungsabkommens Braunkohlesanierung kommt besondere Bedeutung zu, denn sie stehen für infrastrukturelle Maßnahmen wie den Bau von Radwegen, Bootsanlegern, Schleusen oder Anlagen für eine touristische Nutzung oder Schiffsanleger für Fährverbindungen zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden ausschließlich durch Landesmittel und Gelder der Kommunen finanziert.
Planungsunterlage für den Aussichtsturm Stöntzsch
Fotos vom Vorhabensbereich: LMBV/Ilka Sedlacek und Christian Herrmann
Auf dem Aussichtspunkt Stöntzsch nahe der Coburger Straße bei Pegau soll die Landmarke gebaut werden (Herrmann)Ein Muster der drehbaren Informationstafeln für den Aussichtsturm stand zwischenzeitlich auf der Erhebung (Sedlacek)Gedenkstein für die devastierte Ortslage Stöntzsch (Sedlacek)
Aktueller Stand zum Harthkanal
Leipzig. Auf Anfrage von Medienvertretern informierte die LMBV kürzlich zum Stand des Projekts Harthkanal. Die LMBV ist bergrechtlich verpflichtet, südlich von Leipzig eine hydraulische Verbindung zwischen dem Zwenkauer See und dem Cospudener See zu errichten. Darüber hinaus soll die Verbindung - als Harthkanal - auch touristisch genutzt werden können. Die Mehrkosten für die Schiffbarkeit des Kanals und die Errichtung einer Schleuse sollen durch den Freistaat Sachsen getragen werden.
Mit dem Bekenntnis der Finanziers zum Harthkanal als §2/§4-Schnittstellenprojekt im Rahmen der Braunkohlesanierung konnten die Planungen und zwei vorgezogene Maßnahmen bereits umgesetzt werden. Vorrangiges Leistungsziel ist die Erlangung der Plangenehmigung zum Vorhaben, für die sich neue Erkenntnisse aus dem Artenschutz, dem Hochwasserschutz und dem Klimawandel ergeben haben.
In die Planung ist auch die Landestalsperrenverwaltung als zukünftiger Betreiber des Hochwasserspeicherraumes Zwenkauer See eng eingebunden. Im Rahmen der Planung gilt es auch belastbare Gesamtkosten zu ermitteln. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Gesamtkosten gegenüber der ursprünglichen Planung auf über 150 Mio. Euro erhöhen werden. Zu Fragen der Finanzierung finden regelmäßige Abstimmungen zwischen Bund und Ländern in den Gremien der Braunkohlesanierung statt. Die bisherigen Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 35 Mio. Euro.
Bislang wurden:
die Kanaluntergrundverdichtung auf der Kippentrasse bis vor und nach der Autobahnbrücke umgesetzt sowie
die Dichtwand für das Hochwasserschutztor hergestellt; Leistungszeitraum 28.09.2020 – 30.06.2021; Auftragnehmer war: Berger Grundbautechnik GmbH / Berlin | Grundlage: Zulassung vorzeitiger Baubeginn durch die Landesdirektion Sachsen vom 21.08.2018 und
die Probebohrpfähle hergestellt – einschließlich von Pfahlprobebelastungen im Bereich des Schleusenbauwerks: Leistungszeitraum 21.10.2020 – 30.04.2021; Auftragnehmer war: Stump-Franki Spezialtiefbau GmbH / Berlin | Grundlage: Zulassung vorzeitiger Baubeginn durch Landesdirektion Sachsen vom 21.08.2018.
Weitere Bauschritte werden erst nach Vorliegen einer bestandskräftigen Plangenehmigung begonnen werden können. Vorher werden auch keine weiteren Bauarbeiten beauftragt bzw. sichtbar werden.
Das Erreichen des planfestgestellten Endwasserstandes ist vom Fortschritt der noch durchzuführenden Sanierungsverpflichtungen der LMBV abhängig. Derzeit ist der Zwenkauer See für die vorgezogene touristische Folgenutzung vollumfänglich nutzbar.
Archivfotos von 2021: LMBV/Sylvia Große
Herstellung von Probebohrpfählen | 2021
Herstellung von Probebohrpfählen | 2021
Gewässernachsorge Störmthaler See
Leipzig/Großpösna. Zur Steuerung der Gewässerbeschaffenheit wurden von Januar bis Mitte Februar 2022 täglich 100 Tonnen Kalksteinmehl in den Störmthaler See eingebracht. Mithilfe eines Schubverbandes verteilte die Dresdner Firma Anlagen-, Bau- und Betriebsgesellschaft mbH (ABG) insgesamt 1.600 Tonnen Kalkmehl großflächig über den See. Damit wird das Wasser neutralisiert.
Die LMBV ist entsprechend dem Planfeststellungsbeschluss verpflichtet, den ph-Wert im Störmthaler See zwischen sechs und acht zu halten. Dazu wird das Wasser regelmäßig kontrolliert und nahezu jährlich mit Kalkmehl oder - wie in diesem Jahr - mit Kreide behandelt, die einen sehr guten Wirkungsgrad hat. Die letzte Gewässerbehandlung fand Ende 2020 statt.
Hinter der Vineta ist die Austragungseinheit bei der Arbeit.
Eindrücke von der Bekalkung des Störmthaler Sees im Februar 2022 Fotos: Christian Horn
Buchpremiere „Bergbau und Umsiedlungen im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier“
Leipzig/Hohenmölsen. Das Lausitzer und das Rheinische Braunkohlenrevier besitzen schon jeweils eins – seit Februar 2022 gibt es auch für Mitteldeutschland ein breit angelegtes Nachschlagewerk, das sich der bergbaubedingten Inanspruchnahme von 147 Ortslagen und der damit einhergehenden Umsiedlung von 54.137 Menschen seit 1925 widmet. Die systematische Zusammenschau wurde herausgegeben von Prof. Dr. Andreas Berkner und der Kulturstiftung Hohenmölsen.
Über acht Jahre lang haben mehr als 30 Autoren und Fachberater mit Texten, Veranschaulichungen, Hinweisen und Recherchen zum Gelingen des 528 Seiten starken Werkes beigetragen. Im Mittelpunkt stehen die Profile der umgesiedelten Ortslagen in den Teilrevieren Bitterfeld-Gräfenhainichen, Nachterstedt, Röblingen/Amsdorf, Halle-Ost, Geiseltal, Nordraum Leipzig, Südraum Leipzig, Altenburger Land und Zeitz-Weißenfelser Revier. Des Weiteren finden sich Informationen zu den jeweiligen Tagebaubereichen mit Karten und Zeitleisten, zu Sachzeugen und Traditionspflege sowie zahlreiche Themenspecials wie Zeitzeugeninterviews, Gedenksteine oder Kirchenglocken. 1.750 Abbildungen lockern die Texte auf. Erschienen ist das drei Kilogramm schwere und fünf Zentimeter dicke Buch im Querformat in einer Auflage von 3.000 Stück beim Sax-Verlag Markkleeberg.
Die erste Vorstellung des Kompendiums fand als gemeinsame Veranstaltung der Kulturstiftung Hohenmölsen und des Dachvereins Mitteldeutsche Straße der Braunkohle e. V. am 25. Februar 2022 vor etwa 90 Gästen im Bürgerhaus Hohenmölsen statt. Die sachsen-anhaltinische Stadt im Bereich der ehemaligen Tagebaue Pirkau und Profen stehe als neue Heimat für umgesiedelte Einwohner, so Bürgermeister Andy Haugk in seinem Grußwort, exemplarisch für die durch den Bergbau verlorenen Orte. Und für die hier ansässige 1998 gegründete Kulturstiftung sei die Veranstaltung „ein absoluter Höhepunkt“. Denn die Erstellung des Buches war ein „Premiumprojekt“ – ebenso wie die jährlich stattfindenden Sommerakademien.
Die Buchpremiere war gleichzeitig die aus den letzten Jahr nachgeholte 25-jährige Festsitzung des Dachvereins Mitteldeutsche Straße der Braunkohle e. V. Aus diesem Grund würdigte Walter Christian Steinbach, der ehemalige Regierungspräsident von Leipzig, in seinem Grußwort dessen „unglaublich mühevolle, aber erfolgreiche Arbeit“ seit 1996 und war sich gewiss, dass der neue Band „das Zeug [hat], sich zum Standardwerk des Reviers zu entwickeln“.
Im Anschluss stellte der Schriftleiter Andreas Berkner das Werk im Einzelnen vor. Weil es in Mitteldeutschland keine bergbaubedingten Umsiedlungen mehr geben würde, bezeichnete er die umfassende Sammlung als „abschließende Bilanz“. Gleichzeitig verwies er aber auf weiterhin bestehende Umsiedlungsgründe wie Stadtumbauten, Hochwasserschutz oder Militärnutzung. Anhand vieler Anekdoten, Fotos und Übersichten berichtete er unterhaltsam über die einzelnen Meilensteine von seinem ersten Aufsatz zu diesem Thema 1985 während der Promotion an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg (1989 veröffentlicht in Petermanns Geographische Mitteilungen) über die erste Konzeptskizze und das erste Netzwerktreffen 2013 bis hin zum Buchdruck in der Slowakei.
Dabei ging er auch auf die inhomogene Daten- und Quellenlage hinsichtlich Altunterlagen oder Ortschroniken sowie auf vereinzelte Rückschläge ein. Eingebunden in die Präsentation wurden im wieder Statements von Betroffenen oder Netzwerkpartnern, z. B. Heimatforschern, Wissenschaftlern oder Bergleute. Zu Letzteren zählt Bernd-Stephan Tienz. Der Bergingenieur und ehemalige LMBV-Planungsleiter Mitteldeutschland war einer der beiden Hauptbearbeiter und erinnerte an die „sehr produktive Zusammenarbeit“ in der Zeit der Manuskripterstellung.
In Zusammenarbeit mit der LMBV-Markscheiderei unter Leitung von Marco Schade und dem externen Berater Andreas Kadler entstanden aus dem vorhanden Kartenmaterial anschauliche Grafiken, die im direkten Vergleich den vorbergbaulichen Zustand der verlorenen Ortslagen und den aktuellen Zustand dokumentieren. Ebenfalls als Mitautorin aktiv war die Ingenieurin Annelies Weigert für den Bitterfelder Raum. Einst gehörte sie zu den Einwohnern von Döbern – einem Ort an der Goitzsche, der 1984 abgerissen und überbaggert worden ist – und war ehemals für die Öffentlichkeitsarbeit der LMBV tätig.
Das Buchprojekt bietet neben Daten und Fakten zum Mitteldeutschen Braunkohlenrevier jeweils Exkurse zu weiteren bergbaubedingten Umsiedlungen im Rheinischen, im Lausitzer, im Helmstedter und im Oberpfälzer Revier.
01.04.2022, 19.00 Uhr – Espenhain, Haus der Zukunft, Wolfschlugener Weg 1,
27.04.2022, 19.00 Uhr – Markkleeberg, Weißes Haus (Verein für Erdgeschichte Südraum Leipzig),
14.06.2022, 18.00 oder 19.00 Uhr – Altenburg, Mauritianum.
Weitere Lesungen in FERROPOLIS, Bitterfeld, Delitzsch, Borna, Meuselwitz und im Geiseltal sind vorgesehen, aber noch nicht terminlich fixiert.
Erfolgreiche Unterstützung des Buchprojekts durch Bernd-Stephan Tienz und Andreas Kadler (postmining)
Impressionen von der Veranstaltung, Fotos: LMBV/Claudia Hermann
Buchpremiere im Bürgerhaus Hohenmölsen
Prof. Dr. Andreas Berkner und Andy Haugk, Bürgermeister der Stadt Hohenmölsen
Auditorium der Veranstaltung
Beitrag von Bernd-Stephan Tienz
Gemeinsam: Prof Dr. A. Berkner, Dr. A. Diesener und Dipl.-Ing. B.-S. Tienz
Buchausgabe am 25. Februar 2022
LMBV-Markscheider Marco Schade und Andreas Schumann, Bergbrüderschaft Meuselwitz-Rositzer Braunkohlerevier e. V.
Temporäre Einschränkungen durch die Verwahrung von Brauchwasserleitungen in Espenhain
Leipzig. Zur sicheren Nachnutzung der genutzten Flächen des Industriestandortes Espenhain müssen Schleusen- und Brauchwasserleitungen verwahrt werden. Dieser Aufgabe stellt sich die LMBV seit 2019, mittlerweile steht der Beginn des 3. Bauabschnittes bevor. Davon sind einige Anwohnerinnen und Anwohner in der Straße des Friedens in Espenhain unmittelbar betroffen: Im Zeitraum vom 7. Februar bis 30. Juni 2022 werden dort die ehemaligen Brauchwasserleitungen verwahrt. Die Maßnahme läuft vom ehemaligen Wasserwerk der Braunkohlenveredlung Espenhain ausgehend bis in die Gemeinde Espenhain.
Zunächst wird der Erdaushub für 42 Baugruben mit einem Volumen von 2,50 Meter x 2,50 Meter x 2,50 Meter erfolgen. Nach der Anlieferung von ca. 2.200 Tonnen Braunkohlenfilterasche und dem Absaugen von ca. 1.250 Kubikmeter Streckenwasser innerhalb der Rohrleitungen wird die sogenannte Verwahremulsion hergestellt werden. Davon sollen etwa 2.700 Tonnen in die Brauchwasserleitungen eingebracht werden, sodass die alten Wasserrohre Mitte des Jahres verfüllt und dauerhaft gesichert sind. Diese kommen von der Wasserhaltung des ehemaligen Tagebaues Espenhain und versorgten sowohl die ehemalige Veredelungsstätte mit Betriebswasser für die einzelnen Produktionsprozesse.
Der vierte und letzte Bauabschnitt befindet sich zurzeit in Planung. Er wird zwischen der Gemeinde Espenhain hin zum Stausee Rötha realisiert werden.
Auftragnehmer ist die Firma S+R Bohrtechnik & Tiefbau GmbH.
Bergrechtliche Grundlage für die Maßnahme ist die 17. Ergänzung zum Abschlussbetriebsplan – K – Kraftwerk: Verwahrung von Brauchwasserleitungen außerhalb der Braunkohlenveredlung Espenhain vom 01.04.2019. Finanziert wird sie über den § 2 des Verwaltungsabkommens Braunkohlesanierung.
Verwahrung von Brauchwasserleitungen in Espenhain 3. Bauabschnitt, Foto: LMBV/Christian Bedeschinski
Aktuelle Maßnahmen am Störmthaler Kanal
Leipzig/Markkleeberg. Zu den Gefahrenabwehrmaßnahmen am Störmthaler Kanal wurde zuletzt im Dezember 2021 berichtet. Hiermit erhalten Sie weitere Informationen zu den derzeit – in Abstimmung mit allen Beteiligten – laufenden Maßnahmen im Bereich zwischen Markkleeberger und Störmthaler See:
Um den Störmthaler Kanal nachhaltig sanieren zu können, müssen zunächst die Ursachen für die festgestellten geotechnischen Defizite ermittelt werden. Dafür wurde durch die LMBV eine Aufgabenstellung erarbeitet. Das Gutachten zur Ursachenermittlung soll bis Ende dieses Jahres vorliegen.
Die baulichen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Wassereinstau im unteren Vorhafen der Kanuparkschleuse auf Markkleeberger Seeseite wurden Ende 2021 begonnen. Sie wurden bis Ende Januar 2022 umgesetzt. Nach Einschätzung des Sachverständigen für Geotechnik ist es notwendig, die bereits geschädigten Böschungsbereiche durch einen Stützkörper aus Wasserbausteinen zu sichern. Erst im Nachgang kann der weitere Wassereinstau im Unterhafen erfolgen. Auf diese Weise werden die anhaltenden Erosionsausspülungen minimiert.
Das Überschusswasser aus dem Störmthaler See wird mittels einer Heberleitung übergeleitet. Ihr entscheidender Vorteil im Vergleich zur Ableitung über Bypässe liegt darin, dass die Wasserabgabe direkt in den Störmthaler Kanal hinter dem unteren Querbauwerk, also in den Kanalabschnitt ohne Böschungsinstabilitäten, erfolgt.
Entlang des Kanals werden 24 Drucksondierungen im Auftrag der LMBV durchgeführt werden. Sie dienen der Erkundung der geotechnischen und hydrogeologischen Randbedingungen und Prozesse. Daraus lassen sich weitere Entscheidungen und Planungen seitens LMBV ableiten.
Gegenwärtig wird der geotechnische Bericht durch den Sachverständigen für Geotechnik zum aktuellen Sachstand der Gefahrenabwehr erstellt.
Unabhängig davon wird das bisherige umfassende Monitoring der Grundwasserstände, Vermessungspunkte im Gelände und am Bauwerk sowie der Porenwasserdruckgeber unterhalb der Schleuse fortgesetzt. Die LMBV führt weiterhin wöchentliche Sicherheitsbegehungen durch. Bislang gab es keine Auffälligkeiten.
Impressionen vom Bau des Stützkörper aus Wasserbausteinen im Unterhafen des Störmthaler Kanals, Fotos: LMBV/Anika Dollmeyer
Neu gebauter Stützkörper aus Wasserbausteinen im Unterhafen des Störmthaler Kanals, Foto: LMBV/Falk Bräuer
LMBV plant Sichern und Erhalten der Deutzener Wasserkugel
Leipzig. Entsprechend des Beschlusses des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. November 2016 gilt der Wasserturm Deutzen als „ein bedeutendes Kulturdenkmal aus der Industriegeschichte der Region“ und hat Seltenheitswert. „Seine Konstruktion mit einem kugelförmigen Wasserbehälter auf der sich verjüngenden Stahlkonstruktion sei ungewöhnlich; zumindest in Sachsen seien ähnliche Wassertürme nicht bekannt.“
Die Erhaltung dieses Industrie-Kulturdenkmals sei dem Bundesunternehmen LMBV daher zumutbar, so wie das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig vom 16. April 2014 bereits feststellte. In Umsetzung dessen müssen zunächst die behördlichen Abstimmungen für diesen Zeitzeugen der bergbaulichen Wasserversorgung durch den Bergbausanierer fortgeführt werden.
Um die erforderlichen Sanierungsleistungen beauftragen zu können, wurde deren Finanzierung im Rahmen der bergbaulichen Grundsanierung über das Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung beantragt und muss durch die Gremien der Braunkohlesanierung noch genehmigt werden. Parallel dazu ist die LMBV bestrebt, die Wasserkugel nach der Instandsetzung an einen Dritten zu übertragen.
Die Entwurfsplanung wurde am 22. Oktober 2021 von der LMBV bei den Trägern öffentlicher Belange zur Beteiligung eingereicht. Erst nach Rücklauf aller Stellungnahmen, was voraussichtlich noch mehrere Monate dauern wird, können die abgestimmten Inhalte in der Planungsunterlage ergänzt und die Genehmigungsplanung - also der Bauantrag - erstellt werden. Im Anschluss muss seitens LMBV ein „Bergrechtlicher Änderungsantrag zum Abschlussbetriebsplan zum Erhalt der Wasserkugel“ verfasst und zusammen mit der Genehmigungsplanung bei der zuständigen Genehmigungsbehörde eingereicht werden. Hierbei rechnet die LMBV aus heutiger Sicht mit einer zügigen Bearbeitung noch in diesem Jahr.
Danach folgen die weiteren Ausführungsplanungen und die Ausschreibung. Wenn alles planmäßig läuft, könnte die umzusetzende Baumaßnahme Ende 2023/Anfang 2024 beginnen. Das Projekt wird circa zwölf Monate zur baulichen Umsetzung benötigen. Im Moment liegt nur die Entwurfs- und noch keine Genehmigungsplanung vor; daher können noch keine belastbaren Angaben zu den Kosten gemacht werden.
Gemäß dem Stand der Entwurfsplanung zur Sanierung der Wasserkugel Deutzen sind derzeit vorgesehen: Demontage des Bauwerks, Instandsetzung der einzelnen Elemente, Ersatzneubau des Fundaments, Montage der Elemente unter Denkmalschutzauflagen. Nach dem Einrichten der Baustraße wird zunächst ein hoher Kran aufgestellt werden müssen, um mit der Demontage beginnen zu können. Die einzelnen Segmente - fachsprachlich Schüsse - sollen dann am Boden instandgesetzt, mit Korrosionsschutz versehen und wieder montiert werden.
Die Wasserkugel wurde zuerst 1925 in Gräfenhainichen aufgestellt und dann 1938 nach Deutzen gebracht, wo sie der Wasserversorgung des Braunkohlewerkes diente. Sie ist das letzte Element, das vom Braunkohlenwerk stehen geblieben ist und stellt zugleich eine weithin sichtbare Landmarke dar. Der etwa 60 Meter hohe Stahlgitterturm mit der 200 Kubikmeter fassenden Kugel ist inzwischen als bedeutendes Kulturdenkmal aus der Industriegeschichte der Region anerkannt. Der Hochbehälter stammt von der Firma Klönne in Dortmund und gilt als charakteristisch für die Ingenieurkunst des frühen 20. Jahrhunderts.
Wasserkugel Deutzen – Relikt des Bergbaus in Verantwortung der LMBV | Foto: Dr. Uwe Steinhuber 2021
Wasserturm Deutzen mit Wasserkugel – Industriedenkmal in Verantwortung der LMBV | Foto: Dr. Uwe Steinhuber 2021