Informationen zur Sanierung am Knappensee

Nicht nur der sächsische Teil der Lausitz ist durch locker gelagerte Abraummassen aus dem früheren Bergbau gekennzeichnet. Die Standsicherheit dieser Halden- und Kippenbereiche war in der Vergangenheit wegen der großflächigen Absenkung des Grundwassers gegeben. Seit Beginn der 1990er Jahre steigt das Grundwasser nach Einstellung der Braunkohlenförderung in umliegenden Tagebauen. Davon betroffen sind auch die drei Tagebauseen Knappensee, Mortka und Silbersee. Die Standsicherheit des Geländes wird dadurch immer stärker beeinträchtigt. Mögliche Folgen sind Böschungsrutschungen oder flächenhafte Geländebrüche.

In den Uferböschungen am Knappensee stehen in weiten Bereichen Kippenböden an. Ein Großteil der sich im Hinterland anschließenden Böschungen ist Bestandteil der Innenkippe des ehemaligen Tagebaus Werminghoff I. In einer Vielzahl von durchgeführten geotechnischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass das vorhandene sandige Kippenmaterial überwiegend locker bis bereichsweise sehr locker gelagert ist und weitere für eine Verflüssigungsgefährdung maßgebende Eigenschaften aufweist.

Zeugnis der Verflüssigungsgefährdung des Materials sind u. a. die im Zeitraum des Tagebaubetriebes aufgetretenen Rutschungen. Auch die 2005 aufgetretene Rutschung Koblenzer Straße, die sich etwa 600 Meter östlich des Knappensees befand und bei der in Bezug auf die zu sichernden Uferbereiche vergleichbares Kippenmaterial beteiligt war, ist ein Nachweis für die vorhandene Verflüssigungsgefährdung.

Wird eine Setzungsfließrutschung ausgelöst, so verläuft der Rutschungsprozess lawinenartig und großräumig in Sekunden bis Minuten ab. Für Leib und Leben sowie Sachwerte bleibt keine Reaktions-, Rettungszeit sowie Zeit zur Ergreifung von Schutzmaßnahmen. Die Rutschungsereignisse selbst können über Schwallwellen weitere Rutschungen an gegenüberliegenden Ufern auslösen, so dass in Folge eines Ereignisses zusätzlich fast alle Uferbereiche des Knappensees bezüglich einer Sekundärrutschung akut gefährdet sind. Angesichts mehrerer Schadensereignisse, die sich in den letzten Jahren insbesondere auch auf Innenkippenflächen der Lausitz ereignet haben, und deren mit dem Knappensee ähnlichen geotechnischen Situation ist das Risiko einer langfristigen Fortführung der Nutzung der Kippenflächen allein mit der bisherigen Handhabung der Einhaltung von Verhaltensanforderungen und Geboten ohne partielle Verbesserung als nicht vertretbar einzuschätzen.

Das von den lockeren Kippenböden ausgehende geotechnische Risiko bleibt ohne geotechnische Sicherungs- und Verbesserungsmaßnahmen latent bestehen. Entsteht innerhalb des wassergesättigten Kippenkörpers ein Porenwasserüberdruck, so kann sich daraus ein Setzungsfließen bzw. ein Geländeeinbruch infolge Verflüssigung ausbilden. Die damit einhergehenden Gefährdungen und Schadensausmaße sind durch bereits gegangene Geländeeinbrüche (infolge Verflüssigung) bzw. Verflüssigungsereignisse nachvollziehbar dokumentiert.

Aus Untersuchungen sowie Schadensereignissen ist bekannt, dass allein mit wachsender Liegezeit der Kippe keine Abnahme der Verflüssigungsgefährdung einhergeht. Vor allem unter Beachtung der Tatsache, dass sich mit wachsender Zeit die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Setzungsfließens am Knappensee, bei dem Personen, Sachgüter und Schutzgüter massiv zu Schaden Sachgüter und Schutzgüter massiv zu Schaden kommen, stetig erhöht, ist die Ergreifung von Maßnahmen zu deren Beseitigung dringend geboten. Gegenüber dem Sachstand in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist das SächsOBA heute in der Lage, über Sanierungstechnologien und die dazugehörige Technik zu verfügen, um die Setzungsfließgefahr zu beseitigen.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) führt in den nächsten Jahren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Knappensee durch. Ziel dieser Maßnahmen ist die vollständige Herstellung dauerhaft standsicherer Ufer, Böschungs- und Hinterlandbereiche an dem Gewässer. Vorhandene Gefahren für Leben, Gesundheit und das Eigentum als Folgen des seit vielen Jahrzehnten beendeten Bergbaus sollen nach der Sanierung ausgeschlossen sein. Das Sächsische Oberbergamt als zuständige Polizeibehörde beauftragte die LMBV mit der Durchführung der Maßnahmen. Die komplexe Sanierung soll ab dem Jahr 2014 im Rahmen eines Folgeabkommens zur Braunkohlesanierung durchgeführt werden. Die gegenwärtigen Sanierungsplanungen gehen von einer Sanierungsdauer von acht Jahren aus. Die Nutzung des Sees wird während der Sanierung nicht möglich sein.

Für den Zeitraum der Sanierungsmaßnahmen wird es erhebliche Nutzungseinschränkungen geben, die über die bereits heute vorhandenen deutlich hinausgehen. Daraus resultieren viele Betroffenheiten, die sehr unterschiedlich sein können. Im Rahmen der Sanierungsvorbereitung werden alle Betroffenen hierzu rechtzeitig und umfassend informiert. Aus diesem Grund erfolgte bereits im Mai 2012 die Einrichtung eines Bürgerbüros in Koblenz am Knappensee. Hier stehen Betroffenen und auch interessierten Bürgern nach Anmeldung kompetente Ansprechpartner zur Verfügung, um vorhandene Fragen zur Sanierung, aber auch zu möglichen Entschädigungen zu klären. Stand: 03.03.2014