Auszüge aus dem Statement von Dr.-Ing. M. Kuyumcu auf der Pressekonferenz am 23. Juli 2009 vor Ort

"Im Namen der LMBV und aller unserer Mitarbeiter möchte ich zunächst unser tiefes Mitgefühl und Beileid den Angehörigen von Frau und Herrn Kollert sowie von Herrn Holzapfel-Saalfeld zum Ausdruck bringen. Unser Mitgefühl gilt auch den Bewohnern von Nachterstedt. Insbesondere den 40 Betroffenen, die seit dem Unglück nicht mehr in ihre Wohnungen können. Unmittelbar nach dem tragischen Unglück ist unser Geschäftsführer Dr. Hans-Dieter Meyer mit unserer Leitungsebene und zuständigen Fachkräften nach Nachterstedt gefahren. Zusammen mit dem Katastrophenschutz und der Bergbehörde haben sie die weiteren Sicherungsmaßnahmen konzipiert und umgesetzt. Dazu gehörte auch die Festlegung des Absperrbereiches rund um den Concordia-See zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit. Ich selbst konnte aufgrund eines Auslandsaufenthaltes, erst ab Sonntagnachmittag, den 19. Juli 2009 vor Ort sein."

Folgende fünf Hauptaussagen traf der LMBV-Chef:

1) Übernahme der Verantwortung zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit

Mit der Aufhebung des Status des Katastrophenschutzes am Donnerstag, den 23. Juli 2009 übernimmt die LMBV gemeinsam mit der Gemeinde und unter der Aufsicht der Bergbehörde die Aufgabe, die öffentliche Sicherheit im Absperrbereich zu gewährleisten. Alle erforderlichen Übergaben und Übernahmen sind abgestimmt.

2) Schnelle und unbürokratische Unterstützung der Betroffenen

Bereits am Sonntagabend habe ich den Betroffenen in der Bürgerversammlung eine unbürokratische Unterstützung zugesagt und diese in der Versammlung am Montagabend im Beisein der Bürgermeisterin Frau Meyer näher konkretisiert. In Folge haben wir am Dienstag, dem 21. Juli 2009 in Nachterstedt ein Kontaktbüro der LMBV für betroffene Bewohner eingerichtet. Gleichzeitig haben wir mit der Sofortunterstützung der Betroffenen begonnen. Mit der Aufnahme und Abwicklung der individuellen Schadenserfassung wurde bereits begonnen. Ab Montag, den 27. Juli haben alle Betroffenen die Möglichkeit in bereits vereinbarten Einzelterminen mit Vertretern der LMBV und der Gemeinde die individuelle Schadenserfassung vorzunehmen. Ziel ist es, den Ersatz für das verloren gegangene Hab und Gut so rasch wie möglich zu gewährleisten. Dies betrifft auch das Immobilienvermögen. Bei der Schadenserfassung unterstützt uns die Gemeinde. 

Nach Erörterung der Sicherheitssituation mit den Sachverständigen haben wir das abgesperrte Wohnareal mit sieben verbliebenen Wohnhäusern bzw. 13 Wohnungen für unbewohnbar erklärt. Sobald wie möglich werden wir für dieses Areal eine Sicherungs- und Sanierungskonzeption umsetzen. Die Schadensregulierung der LMBV erfolgt unabhängig von der noch festzustellenden Ursache für das Unglück.

3) Ursachen des Unglücks so schnell wie möglich identifizieren

Die LMBV setzt alles daran, so schnell wie möglich die Ursachen des Böschungsversagens zu ermitteln. Die Ursachen kennen wir noch nicht. Wir unterstützen auch die Untersuchungen der Behörden und der Staatsanwaltschaft. Transparenz hat für uns einen hohen Stellenwert. Wir bemühen uns, erste Untersuchungsergebnisse schon in einigen Wochen vorzustellen. 

Die LMBV führt die Braunkohlensanierung, die Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau beanspruchten Flächen der unwirtschaftlichen Betriebe der Braunkohlenindustrie der ehemaligen DDR stets nach dem neuesten Stand der Technik aus. Dabei ziehen wir stets staatlich anerkannte Sachverständige hinzu. Erst nach Zulassung bzw. Genehmigung der erforderlichen Maßnahmen durch die zuständigen Behörden, gegebenenfalls mit deren Auflagen, werden die Maßnahmen umgesetzt. Auch Erfolgskontrollen werden durchgeführt und von den Behörden abgenommen. Bei den Sicherheitsstandards wurden von Anfang an keine Abstriche gemacht, um etwa Kosten zu reduzieren. Dieses Prinzip gilt auch für unsere Finanziers, den Bund und die Braunkohleländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

4) Schlussfolgerungen für Nachterstedt und andere Standorte

Nach der Identifizierung der Ursachen werden wir auf Grundlage dieser unverzüglich die erforderlichen Schlussfolgerungen für Nachterstedt – aber auch für die anderen Standorte ziehen. Derzeit gibt es aber keine Erkenntnisse und auch keine Anhaltspunkte, dass an anderen Orten ein derartiges Böschungsversagen auftreten könnte oder die öffentliche Sicherheit nicht gewährleistet sei. Nach unseren Informationen ist dies auch die Beurteilung der für uns zuständigen Behörden in den Bundesländern. Wir wissen, dass es dennoch entsprechende Fragen gibt. Seien Sie bitte versichert, dass wir die Fragen und Sorgen der Bewohner ernst nehmen. Es ist die Pflicht des bergrechtlich verantwortlichen Unternehmens LMBV und der sie beaufsichtigenden Bergbehörden stets für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit Sorge zu tragen. 

Es gilt, nach Identifizierung der Ursachen, die erforderliche Sanierungskonzeption für den beeinträchtigten Böschungsbereich aber auch für den restlichen Tagebau Nachterstedt zu entwerfen und so rasch wie möglich umzusetzen. Die geplante Nutzung des Concordia-Sees ist nach wie vor das Ziel. "Wir haben in den letzten Jahren mit großem Stolz die Braunkohlesanierung vorangetrieben. Dieser Stolz und unsere weitere Arbeit wird nach dem tragischen Ereignis in Nachterstedt von Demut durchdrungen sein."

5) Informationsarbeit der LMBV

"Wir werden an den seit Tagen stattfindenden Bürgerversammlungen unter der Leitung der Stadtverwaltung für die Betroffenen weiter teilnehmen und sie weiterhin tatkräftig unterstützen. Die Versammlung wird ab nächste Woche jeden Dienstagabend stattfinden. Ebenso werden wir über das Kontaktbüro der LMBV jede betroffene Person und jede betroffene Familie individuell bzgl. der Schadensregulierung betreuen."

"Um Fragen so schnell wie möglich zu beantworten, werden wir für Bürger und Journalisten eine Hotline in unserem Internetauftritt einrichten. Wir wollen damit die Möglichkeit bieten, wichtige Fragen direkt an uns zu stellen. Des Weiteren stellen wir dort einen Fragen- und Antwortenkatalog zur Verfügung, in dem Antworten auf häufig gestellte Fragen gegeben werden. Journalisten werden wir in Zukunft zu regelmäßig stattfindenden Pressegesprächen einladen, um sie ausführlich über den jeweiligen Stand der Erkenntnisse und Maßnahmen zu informieren."

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