LMBV: 99. Sitzung des Arbeitskreises Meuro/Seengebiet in Senftenberg

In-Lake-Neutralisierung von Bergbaufolgeseen zur Gewässergüteverbesserung im Fokus des Arbeitskreises

Senftenberg. Am 18. Oktober 2017 trat der Arbeitskreis Meuro/Seengebiet des Brandenburger Braunkohlenausschusses zu seiner 99. Sitzung im Ratssaal der Stadt Senftenberg zusammen.

Unter Leitung des Vorsitzenden Wolfang Klepsch wurden dabei die Themen der „In-Lake-Neutralisierung von Bergbaufolgeseen“ in der Lausitz sowie Aussagen zum Umgang der LMBV mit Eisenhydroxidschlämmen (EHS) im LMBV-Sanierungsbereich Lausitz behandelt.

Zu beiden Tagesordnungspunkten trug der erfahrene LMBV-Fachreferent für Hydrologie, Dr. Oliver Totsche (Archivfoto), aus der technischen Grundsatzabteilung die Positionen des Bergbausanierers vor.

Die Neutralisation des gesamten Seewasserkörpers durch stationäre oder mobile Anlagen wird als In-Lake-Neutralisierung bezeichnet. Da die LMBV hauptsächlich auf Inlake-Neutralisationen bei der Entwicklung ihrer entstehenden Bergbaufolgeseen setzt, zählte der Referent die Vorteile des Verfahrens auf:

  • Inlake-Neutralisation ist nur periodisch erforderlich.
  • Eine Auslaufbehandlung muss auf den maximalen Volumenstrom ausgelegt werden.
  • Keine Entsorgungskosten für anfallende Eisenschlämme.
  • Keine zusätzliche Reinigungsstufe für Ammoniumabbau notwendig, da neutraler Wasserkörper gute Lebensbedingungen für nitrifizierende Bakterien bietet.
  • Erweitern der Nachnutzungsmöglichkeiten (z.B. für Fischerei).

Dr. Totsche stellte dann die verschiedenen von der LMBV eingesetzten Neutralisationsmittel wie Branntkalk, Kalksteinmehl, Kalkhydrat und Soda vor und ergänzte dies mit Zahlen zu den bisher eingesetzten Mengen bzw. mit Beispielen zu den eingesetzten Methoden. Am Bockwitzer See wurde beispielsweise stationär Soda eingespült. Am Scheibe See wurde eine GSD-Anlage mit Branntkalk genutzt. Neben stationären Anlagen kamen bzw. kommen aber auch verschiedene mobile Neutralisationsanlagen auf den Bergbaufolgeseen zum Einsatz. Anfänglich wurde skandinavischer Technik wie die BRAHE mit Überwasseraustrag und später mit Unterwasseraustrag eingesetzt. Eine Schiffseinheit vom Typ BRAHE III ist beispielsweise auf den Restloch Meuro seit dem 14. August 2017 unterwegs, um insgesamt ca. 7.000 Tonnen Branntkalk zur Erstneutralisierung einzubringen.

Mit der Planung und dem Bau eines LMBV-eignen Gewässerbehandlungsschiffes für die ERLK wurde ein Qualitätssprung erreicht. Die Technik ist sowohl für Branntkalk, Kalksteinmehl und Kalkhydrat geeignet. Die Größenlimitierung des Schubverbandes wurde durch die Überleiter, Schleusen und Brücken im Seenland vorgegeben. Der Schubverband mit zwei Leichtern hat eine Austragsleistung von ca. 43 kt/a, ist seit September 2016 unterwegs und wird noch bis 2018 auf dem Restloch Skado (Partwitzer See) im Einsatz sein. Die „Klara“ hat seit Indienststellung bereits fast 16.500 t Branntkalk und 13.000 t Kalksteinmehl im Partwitzer See zum Gewässergüteverbessern bis Ende August 2017 eingebracht.

In seinem Fazit verwies Dr. Totsche darauf, dass bereits zehn neutralisierte Lausitzer Bergbaufolgeseen in der Nachsorgephase sind und ein Gewässer in der Initialneutralisationsphase, Derzeit liefen die Planungen der Initialneutralisierung für fünf weitere Lausitzer LMBV-Seen, wobei drei weitere Restlöcher sich noch in Prüfung dafür befänden. Laut des LMBV-Experten sei die zu erbringende Seeneutralisation der LMBV in dieser Dimension weltweit einmalig. Die erste In-Lake-Neutralisation der LMBV mit Schiff basierte noch auf skandinavischer Technologie.

Inzwischen gäbe es zahlreiche innovative Neu- und Weiterentwicklungen. Maßgebende Weiterentwicklungen hat LMBV in PuD-Vorhaben selbst vorangetrieben. Dadurch ständen unterschiedliche mobile und stationäre Techniken für die Neutralisation und Nachsorge von Bergbaufolgeseen zur Verfügung. Auch durch Effizienzsteigerung und Wettbewerb kam es dabei zu deutlichen Kostenreduzierungen. „Der Werkzeugkasten für Inlake-Neutralisationen ist aus LMBV-Sicht gut gefüllt: dem Unternehmen stehen die geeigneten Werkzeuge für die anstehenden Maßnahmen zur Verfügung. Dennoch ist jeder See ist anders und es treten immer wieder neue Herausforderungen auf.“

In seinem zweiten Beitrag erläuterte Dr. Totsche den erarbeiteten Stand der Konzeption zum Umgang der LMBV mit Eisenhydroxidschlämmen (EHS) im Sanierungsbereich Lausitz, die auf zahlreichen Gutachten und Recherchen basiere. Ausgehend von ökologischen und wirtschaftlichen Erwägungen ist der allgemeine Grundsatz beim Umgang mit EHS: Vermeidung vor Verwertung vor Verspülung vor Deponierung. Dies ist eine Anlehnung an die Abfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, wo es heißt: Vermeiden vor Verwerten vor Beseitigen.

Der Referent untersetzte dann die einzelnen „Säulen“ des Vermeidens, des Verwertens, des Verspülens und des Deponierens: Eine weitgehende Vermeidung erfolge bereits durch das Barrierekonzept im Spreegebiet Südraum und durch das Anwenden der In-Lake-Technologie statt einer Auslaufbehandlung bei den Bergbaufolgeseen. Eine Steigerung der Verwertung sei durch Kooperationen sowie durch Erschließen neuer Verwertungswege durch Pilot- und Demo-Vorhaben in der Pipeline. Jedoch sei das Vorhalten von alternativen Verbringungsmöglichkeiten weiter notwendig, da auf Dauer noch keine kontinuierliche Abnahme von EHS gesichert werden könne. Zudem werden weitere LMBV-Bergbaugewässer mit Vorbelastung zum Verspülen geprüft. Parallel erfolge eine Weiterführung der Planungen für eine eigene EHS-Monodeponie.

LMBV: Kalkfahne hinter dem LMBV-Gewässerbehandlungsschiff „Klara“ auf dem Partwitzer See

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