LMBV: Aus der Bergaufsicht entlassen: Ehemalige Kohleverbindungsbahnen in Thüringen

Leipzig. Im Borna-Leipziger Revier existierte ein ausgedehntes schmalspuriges Gruben- und Kohlenbahnnetz mit einer Spurweite von 900 mm. Dieses war das größte zusammenhängende Schmalspurnetz in Europa. Es umfasste zur Zeit seiner größten Ausdehnung 726 Kilometer Gleise, davon ca. 215 Kilometer rückbar –

innerhalb der Gruben – und 511 Kilometer stationäre Gleise der Kohlenverbindungsbahnen. Das Streckennetz reichte von den Tagebauen Zwenkau und Cospuden am südlichen Stadtrand von Leipzig bis zu den Brikett- und Veredlungsstandorten im Meuselwitz-Altenburger Raum in Thüringen.

Seit 1998 verkehrt vorrangig an Wochenenden und Feiertagen zwischen Meuselwitz und Regis-Breitingen die Traditionsbahn vom Verein Kohlebahnen Meuselwitz e.V. Die Schmalspurbahn 900 mm fährt auf den Gleisen von vier ehemaligen Grubenbahnen, die früher aus den Tagebauen die Rohkohle in die Brikettfabriken und Kraftwerke transportiert haben. Drei Strecken befinden sich in Thüringen und eine in Sachsen. Für alle drei Thüringer Strecken ist seit Dezember 2018 die Bergaufsicht beendet.

Die ehemaligen thüringischen Kohleverbindungsbahnen, die bis zur Beendigung der Bergaufsicht in Verantwortung der LMBV lagen, werden hier einmal näher vorgestellt:

Strecke G

Im Dezember 2018 wurde für die 12,4 km lange Strecke G als letzte Kohleverbindungsbahnstrecke Thüringens die Bergaufsicht beendet. Sie schließt die Lücke zwischen den Strecken M und N in Ost-Westrichtung und verbindet somit Haselbach und Wintersdorf. Ab dem Gleisdreieck bei Winterdorf verläuft die Strecke G in südlicher Richtung nach Rositz und weiter nach Zechau. Sie verband die Tagebaue des Bornaer Reviers in Norden mit den Bunkern der Kohleveredlungswerke im Raum Rositz. Dazu zählten die Brikettfabrik Rositz und Zechau, das Teerverarbeitungswerk Rositz sowie das Kraftwerk Rositz. Auf der Strecke wurden auch Transport- und Werkstattfahrten durchgeführt, ebenso Abraumtransporte beim Aufschluss des Tagebaus Haselbach sowie bei der Verkippung des Aschespülbeckens Zechau. Der Abschnitt zwischen den Kohlebahnstrecken M und N ist heute noch in Betrieb. Er wird vom Verein Kohlebahnen Meuselwitz e.V. für Traditions- und Sonderfahrten genutzt. Von Wintersdorf bis Zechau wurde die Strecke G zurückgebaut und die Trasse in die umgebende Landschaft integriert.

Strecke N

Für die ca. 13,3 km lange Strecke N ist seit Juli 2018 die Bergaufsicht beendet. Sie verläuft von Wintersdorf vorbei an Meuselwitz nach Zipsendorf und weiter nach Staschwitz/ Mumsdorf. Die Strecke diente in Verbindung mit anderen Strecken zur Beförderung von Rohbraunkohle zwischen den Tagebauen Waltersdorf und später Gröba zu den Brikettfabriken in Haselbach und Regis. Über den Streckenabschnitt Meuselwitz – Staschwitz/Mumsdorf wurde das Kraftwerk Mumsdorf mit Braunkohle beliefert. Auch große Mengen Abraum wurden auf der Strecke N transportiert. Der Abschnitt zwischen Wintersdorf und Zipsendorf führt durch das Schnaudertal und wird im Volksmund auch als „Schnaudertalbahn“ bezeichnet.

Zwischen dem Anschluss an die Strecke G bei Wintersdorf und dem Kohlebahnhof Meuselwitz wird die Strecke N vom Verein Kohlebahnen Meuselwitz e.V. für Traditions- und Sonderfahrten genutzt. Die restlichen Gleistrassen wurden zurückgebaut und in die umgebende Landschaft integriert. Die Fußgängertunnel westlich von Heureka und südwestlich von Falkenhain wurden nach Rückbau der Kohlebahnstrecke funktionslos und abgebrochen.

Strecke M

Im Kammerforst südlich vom Haselbacher See schließt die Strecke M an die Strecke G an und verläuft um den Haselbacher See bis zur Landesgrenze Thüringen/Sachsen. Für die ca. 4,2 km lange Strecke wurde im Februar 2017 die Bergaufsicht beendet. Die Strecke M diente zur Beförderung von Rohbraunkohle zwischen den ehemaligen Tagebauen Waltersdorf und später Gröba zu den Brikettfabriken in Haselbach und Regis. Das Tonwerk in Haselbach wurde über die Strecke M mit Ton aus den Tonabbaugebieten bei Haselbach beliefert. Dieser Streckenabschnitt wird umgangssprachlich auch als „Tonbahn“ bezeichnet. Die Streckenabschnitte in Richtung Tonhalde wurden zurück gebaut und in die umgebende Landschaft integriert. Der überwiegende Teil der Strecke wird jedoch vom Verein Kohlebahnen e. V. Meuselwitz für Traditions- und Sonderfahrten nachgenutzt.

Strecke E

Im August 2015 erfolgte die Beendigung der Bergaufsicht. Die Strecke E war eine Verbindungsbahn zwischen den Tagebauen Schleenhain, Haselbach und Groitzscher Dreieck von Heuersdorf bis Prößdorf/Falkenhain im Abschnitt Thüringen. Zunächst wurden Abraummassen aus dem Tagebau Schleenhain in das Restloch Haselbach transportiert, später Abraummassen aus dem Tagebau Groitzscher Dreieck zum Restloch Haselbach. Die Verbindung wurde dann zum Kohleaustausch unter den Tagebauen und zu Transport- und Werkstattfahrten weiter genutzt. Heute existieren keine Gleisanlagen mehr. Die Trasse wird abschnittsweise als Weg genutzt sowie in die umgebende Landschaft integriert.

Bergbau- und Eisenbahngeschichte wird fortgeschrieben

Seit über 20 Jahren trägt der Verein Kohlebahnen Meuselwitz e.V. mit seiner meist ehrenamtlichen Arbeit zum Wiederaufbau und Erhalt der Bergbau- und Eisenbahngeschichte bei. Er betreibt das oben beschriebene 15 Kilometer lange Stück der ehemaligen Kohleverbindungsbahn zwischen Meuselwitz und Haselbach. Im Sitz Meuselwitz verwaltet und pflegt der Verein ein technisches Museum mit bergmännischen Exponaten, Dokumenten und historischen Zügen. Darüber hinaus baut der Verein seit 2003 eine Modellbahnanlage auf.

Zukünftig ist im Rahmen einer §4-Maßnahme ein neuer Verknüpfungspunkt in Regis-Breitingen geplant. Ziel ist es, eine Verbindung der Verkehrswege von der Deutschen Bahn, Bus, Tourismusbahn und Individualverkehr zu schaffen, um die Anbindung über den öffentlichen Nahverkehr an die Ballungsgebiete Leipzig und Zwickau zu verbessern und zusammen mit dem ehemaligen Tagebau Haselbach, heute Haselbacher See, ein interessantes Ausflugsziel zu schaffen.

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