LMBV bereitet Planfeststellungsantrag vor: Flutung des Restloches Zechau durch Grundwasseraufgang angedacht

Antworten der LMBV an die Osterländer Volkszeitung

Leipzig. Die LMBV hat auf Anfrage der Osterländer Volkszeitung kürzlich zu den geplanten Entwicklungen am Restloch Zechau Stellung genommen. Die LMBV bereitet einen wasserrechtlichen Planfeststellungsantrag mit zugehöriger Umweltverträglichkeitsstudie vor, der nach heutigem Kenntnisstand im Jahr 2015 eingereicht werden soll. Die Flutung ist einzig durch Eigenaufgang des Grundwassers geplant, es wird keine Fremdflutung durch Einleitung von Wasser aus Vorflutern geben. Die Flutung im Eigenaufgang wird sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Die Einstellung des mittleren Endwasserspiegels wird etwa um das Jahr 2100 erfolgen (bei Annahme eines Beginns der Flutung bis 2020). Dabei erfolgt in den ersten ca. 25 Jahren ein relativ schneller und gleichmäßiger Anstieg um ca. 13 m, während sich die verbleibenden ca. 1,7 m des Anstieges über die folgenden 50 Jahre verteilen. Bitte beachten Sie das Copyright der OVZ an den Fragestellungen:

Im vergangenen Jahr war mehrfach die Rede davon, dass das Tagebaurestloch Zechau geflutet werden soll. Der Tagebau wurde bereits 1959 stillgelegt. Hat es zur Flutung sogar schon eine Ausschreibung gegeben, die wieder aufgehoben wurde? Warum hat die LMBV das veranlasst?

Zur Flutung hat es bisher keine Ausschreibung gegeben, und eine solche ist auch für die Zukunft nicht vorgesehen. Die Flutung ist einzig durch Eigenaufgang des Grundwassers geplant, es wird keine Fremdflutung durch Einleitung von Wasser aus Vorflutern geben. Da auch die geotechnischen Voraussetzungen für diese Flutungsvariante bereits geschaffen sind, also keine Eingriffe in die bestehenden Böschungsgeometrien notwendig werden, um mit dem Eigenaufgang beginnen zu können, ist zur Einleitung der Flutung einzig die Außerbetriebnahme der bisher im Restloch III installierten Pumpstation nötig.

Wie lange hätte die Flutung gedauert?

Die Flutung im Eigenaufgang wird sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Die Einstellung des mittleren Endwasserspiegels wird etwa um das Jahr 2100 erfolgen (bei Annahme eines Beginns der Flutung bis 2020). Dabei erfolgt in den ersten ca. 25 Jahren ein relativ schneller und gleichmäßiger Anstieg um ca. 13 m, während sich die verbleibenden ca. 1,7 m des Anstieges über die folgenden 50 Jahre verteilen.

Wie hoch wäre das Wasser gestiegen?

Das Wasser wird einen mittleren Restlochwasserspiegel von +193,20 m NHN erreichen. Da es sich beim Restloch Zechau (das dann eine zusammenhängende Wasserfläche haben wird) um einen See in einer abflusslosen Hohlform handelt, wird dieser Wasserspiegel (witterungsbedingt) eine natürliche Schwankungsbreite von etwa 1,5 m (+192,9 m NHN bis +194,5 m NHN) aufweisen. 

Hätte das Einfluss auf das sowieso schon steigende Grundwasser im naheliegenden Schelditz gehabt und hat man deshalb Abstand von der Flutung genommen? Wenn das Auswirkungen gehabt hätte, welche?

Der Anteil des Anstieges des Restlochwasserspiegels im Restloch Zechau auf die Entwicklung des (Druck-)Wasserspiegels im Grundwasser des Rositzer Ortsteiles Zechau ist sehr gering. Bei einem modelltechnisch prognostizierten Anstieg des Druckwasserspiegels um maximal 1,5 m beträgt der Anteil der Flutung des Restloches Zechau daran weniger als ein Drittel.

Ist die Flutung ganz vom Tisch?

Die Flutung ist nicht vom Tisch, da aus Sicht der LMBV nur durch die Umsetzung der Flutung das Ziel eines quasinatürlichen, möglichst nachsorgefreien Gebietswasserhaushaltes erreicht werden kann. Die Aufrechterhaltung des (letztlich auch kostspieligen) Pumpbetriebes zur Gewährleistung des bisher vorgeschriebenen Zwangswasserspiegels von maximal +178,50 m NHN ist als anhaltender anthropogener Eingriff in den Wasserhaushalt zu bewerten und damit langfristig keine Alternative. 

Warum ist nicht schon früher geflutet worden?

Vom Auslaufen der Kohlegewinnung im Jahr 1959 bis zur Betriebseinstellung von Kraftwerk und Brikettfabrik Zechau Anfang der 90er Jahre wurden alle drei Teilrestlöcher (von denen eines inzwischen bereits verfüllt und rekultiviert ist) zur Einspülung von Asche und Kohletrübe genutzt. Der vom Bergbausanierer danach bis 1997 erarbeitete Abschlussbetriebsplan sah bereits eine zeitnahe Flutung im Eigenaufgang vor, für die 1999/2000 auch ein acht Monate dauernder Probebetrieb durchgeführt wurde. Dieser wurde nicht fortgeführt, sondern mit einer bergrechtlichen Anordnung zur Einhaltung des o. g. Zwangswasserspiegels beendet. Ursache dafür waren jedoch nicht geotechnische bzw. hydraulische Probleme oder Defizite bei der Grundwasser-Güte, sondern einzig naturschutzfachliche Fragestellungen. 

Welche Pläne hat die LMBV in Zukunft mit dem Tagebaurestloch Zechau?

Die LMBV bereitet einen wasserrechtlichen Planfeststellungsantrag mit zugehöriger Umweltverträglichkeitsstudie vor, der nach heutigem Kenntnisstand im Jahr 2015 eingereicht werden soll. Sie verfolgt nach wie vor das Ziel der Flutung im Eigenaufgang bis zur Höhe des o. g. mittleren Endwasserspiegels. Entsprechend dem Status des Restlochbereiches als Naturschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet sind keine Intensivnutzungen geplant, insbesondere keine Badenutzung.

Wie ist man bisher damit von Seiten der Bergbausanierers umgegangen?

Mit der Flutung im Eigenaufgang und dem damit einhergehenden Anstieg des Restloch-Wasserspiegels um immerhin weitere 14,70 m ist naturgemäß ein Überstauen größerer gewachsener und gekippter Böschungsbereiche verbunden, die bisher Standort terrestrischer Arten und Biotope sind. Einige von diesen sind von besonderem Wert, da sie wegen ihrer Seltenheit oder Gefährdung unterschiedlichen nationalen bzw. europäischen Schutzkategorien zugeordnet sind. Im Zentrum der Betrachtungen der Umweltverträglichkeitsstudie und ggf. einer FFH-Verträglichkeitsuntersuchung werden daher die schutzwürdigen Arten und Lebensraumtypen in den prognostisch vom Restlochsee überstauten Landflächen stehen. 

Wie lange bleibt das Restloch noch im Bergrecht?

Nach aktueller Rechtslage ist eine Entlassung aus der Bergaufsicht vor Erreichen eines stabilen Endwasserspiegels und der zugehörigen stabilen Wasserqualitäts-Parameter nicht möglich, da erst dann der nachhaltige Sanierungserfolg dokumentiert werden kann. Unter dem oben beschriebenen Flutungsszenario verbleibt das Restloch somit noch langfristig im Geltungsbereich des Bergrechts.

Stand der LMBV-Antworten - vom 25.09.2014

Historie/Hintergrund:

Das Restloch Zechau markiert das Zentrum der Braunkohlengewinnung im ca. 45 km² umfassenden Gebiet. Der Tagebau Gertrud III wurde 1930 aufgeschlossen. 1959 erfolgte nach einer Gesamtförderung von ca. 35 Mio. Tonnen die Betriebseinstellung. Nach dem Auslaufen erfolgten zwar auf ca. 65 ha Fläche Aufforstungen, eine zielgerichtete Wiedernutzbarmachung für das Gesamtobjekt unterblieb aber. In Teilbereichen erfolgten Einspülungen von Asche und Kohletrübe aus der nahen Brikettfabrik. Damit bestanden günstige Voraussetzungen für die natürliche Sukzession in der bis zu 70 m tiefen Hohlform, die durch die vorhandene Standortvielfalt befördert wurde. Das 160 ha große Naturschutzgebiet wird durch nährstoffarme Böschungspartien ebenso wie durch Quellhorizonte, Tümpel und Weiher geprägt. Besichtigungen sind nur im Rahmen geführter Begehungen möglich. Bei Stilllegung der Wasserhaltung und dem damit verbundenen Ansteigen des Wasserspiegels im Restloch bis auf ca. 190 m NN würden das Liegende sowie Teile der Böschungen unter Wasser gehen. Quelle: http://www.investoren-neuseenland.de/sites/default/files/content/lakes_short/files/kurzprofil_zechauer-see.pdf

Copyright Fotos: TLBA und Heike Layer, 2010

 

 

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