MW: Böschungsabbruch bei RDV-Arbeiten am Tagebau Nachterstedt am 28.06.2016

Erdrutsch 2016 in Nachterstedt - Wirtschaftsministerium legt Zwischenbericht vor

Magdeburg/Nachterstedt. Das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt hat einen ersten Zwischenbericht zum Erdrutsch in Nachterstedt vorgelegt. Hier Auszüge daraus:

Am 28.06.2016 kam es während der planmäßigen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten im Bereich des Südwestufers des Concordiasees im Tagebaurestloch Nachterstedt gegen 17:40 Uhr zu einem Rutschungsereignis. Es sind dabei über mehrere Minuten Erdmassen (Kippenmaterial) in einer Größenordnung von ca. 1 Mio. m³ aus der Böschung ausgeflossen und haben sich im See abgelagert. Das Ereignis fand während der Durchführung von Bodenverdichtungsarbeiten mit einem Rüttelgerät in dem noch nicht gesicherten Böschungsbereich statt.

Die vor Ort Beschäftigten (Gerätebesatzung, Radlader- und Raupenfahrer) wurden durch die von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) installierten Überwachungsmaßnahmen beim Einsetzen der Rutschung gewarnt und konnten den Arbeitsort rechtzeitig verlassen. Lediglich der Radladerfahrer, dessen Fahrzeug durch eine Trosse an der dahinter fahrenden Planierraupe gegen Abrutschen gesichert war, verletzte sich beim Sprung vom Fahrzeug und wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Zwischenzeitlich konnte der Beschäftigte das Krankenhaus ohne Befund wieder verlassen.

Unmittelbar nach dem Eintritt des Ereignisses wurden die für diesen Fall geplanten Notfall- und Sicherungsmaßnahmen für den hinter dem betroffenen Böschungsabschnitt liegenden Ortsbereich von Nachterstedt durchgeführt. Dabei wurden vorsorglich zeitweilig die Bahnstrecke Aschersleben-Halberstadt gesperrt und die Anwohner in unmittelbarer Nachbarschaft evakuiert. Dies alles verlief zügig und planvoll unter Beteiligung von Feuerwehr und Polizei. Die Notfallmaßnahmen konnten nach einer Ersteinschätzung durch die hinzugezogenen Sachverständigen und die Fachleute des Landesamts für Geologie und Bergwesen des Landes Sachsen-Anhalt (LAGB) am späten Abend aufgehoben werden.

Gegenwärtig ruhen die Arbeiten am betroffenen Bauabschnitt, um zunächst die notwendigen Untersuchungen zum Rutschungshergang und zu den im Weiteren notwendigen Maßnahmen zur Bergung des Rütteldruckgerätes zu ermöglichen. Dazu hat die LMBV eine mit entsprechenden Fachleuten besetzte Untersuchungskommission gebildet, die außerdem prüfen wird, ob das bestehenden Vorsorgekonzept und die technischen Sicherungsmaßnahmen weiterhin ausreichend sind oder weiter verbessert werden können. Das LAGB wird die vorgeschlagenen Maßnahmen prüfen und bewerten.

Zwischen LAGB und LMBV wurden am heutigen Tag folgende vordringliche Maßnahmen abgestimmt:

  • Sicherung der Wasserfläche gegen Ölverschmutzung (bereits eingeleitet),
  • Auswertung aller vorhandenen Daten zur Ermittlung der Ursache der Rutschung einschließlich der notwendigen Vermessung des Geländes einschließlich des Seebodens,
  • kurzfristige Erarbeitung einer Konzeption zur Sicherung und Bergung des Rüttelverdichters (LMBV),
  • kurzfristige Erarbeitung einer Konzeption zur Fortsetzung der Rüttelverdichtung im Bereich der Südostböschung,
  • die Arbeiten zur weiteren Verfüllung des großen Rutschungskessels von 2009 werden ab dem 30.06.2016 wieder aufgenommen,
  • Kontaktaufnahme mit Bürgern der Gemeinde hinsichtlich deren Nachfragen zu sicherheitlichen Aspekten (LAGB/LMBV).

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung - Pressemitteilung Nr.: 025/2016

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