LMBV-Chef Zschiedrich zu aktuellen Fragen im Interview mit der Lausitzer Rundschau

Erstes Interview in neuer Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung der LMBV

Senftenberg/Cottbus. LMBV-Chef Klaus Zschiedrich hat in einem ersten Interview mit der Lausitzer Rundschau-Chefreporterin Simone Wendler und dem Länder/Regionen-Reporter Christian Taubert am 17.01.2014 ausführlich über den Ruhestand, gesperrte Kippenflächen und die Eisenhydroxid-Verbringung gesprochen.

Das Interview wurde am 20.01.2014 von der LR veröffentlicht. Anbei Auszüge aus der von der LMBV autorisierten Fassung. Bitte beachten Sie hinsichtlich des Textes das © der Lausitzer Rundschau. Beigestellte Fotos: Uwe Steinhuber

"An Ruhestand denkt der gelernte Lausitzer Bergmann Klaus Zschiedrich noch lange nicht... In einer Zeit, da der Bergbausanierer zusätzliche "Baustellen" bearbeiten muss. Im RUNDSCHAU-Interview nimmt das Urgestein der LMBV dazu Stellung:"

Mit 62 Jahren bereiten sich viele auf den Ruhestand vor. Was bewegt Sie, jetzt richtig Gas zu geben?

Sicher müssen sich viele Menschen auf den Ruhestand vorbereiten. Ich habe aber die Chance bekommen, am Ende meiner Laufbahn die LMBV in die Zukunft zu führen. Es ist aus meiner Sicht schon bedeutsam, nach vielen Jahren im Unternehmen seine Erfahrungen, sein Wissen und vielleicht auch die erworbene Abgeklärtheit für wichtige Prozesse einbringen zu können. Ich freue mich und bin gespannt auf die neue Aufgabe.

Herr Zschiedrich, Sie sind ein Urgestein der LMBV. Ist es ein Vorteil, von Anfang an dabei gewesen zu sein?

Wer fremd kommt, hat keine Bindungen, aber auch keine Vorurteile. Dennoch hoffe ich auf die Vorteile, die Entwicklung in den einzelnen Bereichen gut zu kennen. Auch die Verbindungen zu allen Entscheidungsträgern in Bund und Ländern gehört dazu. Deshalb werde ich diese Funktion sicher ohne lange Einarbeitungszeit ausfüllen können.

Sie übernehmen Tausende Hektar gesperrter Flächen, die schon für Landwirtschaft, Forst oder Tourismus freigegeben waren. Hätten Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?

Vor fünf, sechs Jahren hätte ich mit einem Nein geantwortet. Aber im Januar 2011 haben wir aufgrund mehrerer Rutschungen sanierter Flächen in der Lausitz all unsere Experten zusammengeführt, um Grundprobleme der Geotechnik bei der Gestaltungen der Innenkippen zu überdenken. Immerhin waren die Rutschungen mit dem bisherigen Wissen nicht zu erklären. Und das, obwohl der komplette Sachverstand nach umfangreichen Forschungen etwa im Jahre 2001 einig war, dass wir alles über Mechanik und Physik der losen Sande wissen.

Das war aber doch nicht der Fall.....

Nein, wir mussten erkennen, dass die bisherige Vorgehensweise bei der Sicherung von Innenkippen zwar den gültigen Regeln der Technik entsprach, aber doch Wissenslücken offenbarte. Für mich war dabei wichtig, dass dies offen ausgesprochen wurde. Und dass wir uns einig waren, die Forschungen dazu wieder aufzunehmen.

Wie weit sind Sie mit der Ursachenforschung?

Wir sind soweit gekommen, dass wir die Phänomene weitestgehend erklären können. Die Ergebnisse der jetzt vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen und Versuche im Labormaßstab sowie 2013 auch im Feld stimmen optimistisch, dass wir Lösungen gefunden haben und in eine Regeltechnologie überführen können.

Ein neues Verfahren, um sanierte Kippenflächen sicher zu bekommen?

Ja, es geht um das schonende Sprengen. Dabei wird mit wenig Ladung eine Verdichtung erzeugt, bei der auch Gaseinschlüsse aus der Kippe entweichen können. Die Auswirkungen auf die Geländeoberfläche sind so, dass wir nicht komplett neu mit der Rekultivierung beginnen müssen. Die neue Technologie hat sich in allen Feldversuchen bewährt. Das macht mich für die Zukunft zuversichtlich. Wir werden es aber nicht schaffen, in fünf Jahren alle Flächen zu stabilisieren und nachfolgend freizugeben...

Jüngstes Thema ist die Eisenhydroxid-Belastung der Gewässer. Ist das Problem unterschätzt worden?

Wir wussten, dass das Problem auf uns zukommt. Die Bergbaufolgeseen sind von uns frühzeitig darauf ausgerichtet worden. Die Wasserqualität wird bei Beendigung der Gewässerherstellung in der Regel die behördlich festgelegten Ausleitwerte erreichen. Neben dem Grundwasser-Wiederanstieg besteht unser Hauptproblem aber in den erhöhten Niederschlagsmengen der letztem drei, vier Jahre. Hydrologen sprechen teilweise von einem Grund-Hochwasser.

Sie haben also später mit der aufsteigenden Eisenfracht gerechnet?

Ja, unsere Prognosen haben die hohen Grundwasserstände erst für 2016/17 erwartet. Das ist jetzt deutlich früher eingetreten. Was die reine Grundwasserstandhöhe betrifft, da haben wir projektbezogen gut reagieren können. Zum Beispiel mit Filterbrunnensystemen in Hoyerswerda und Senftenberg. Ein anders Problem ist die Grundwassergüte. Durch die Belüftung des Kippenbodens entsteht aus unlöslichen Eisenverbindungen wasserlösliches Eisenhydroxid. Das wussten wir. Was wir aber nicht wussten und uns auch alle Fachleute nicht sagen konnten, war, wo die Fließgewässer eine Verbindung zu den Grundwasserleitern bekommen und damit diffuse Eiseneinträge stattfinden. An der kleinen Spree sind es zum Beispiel nur wenige hundert Meter, auf denen aber hohe Eisenfrachten unterwegs sind.

Jetzt gibt es erste Maßnahmen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Doch das wirft die Frage auf, wohin mit dem Ockerschlamm? Die Anwohner des Gräbendorfer Sees haben schon gesagt, bei uns nicht.

Der Schlamm ist nicht giftig, aber man muss ihn dauerhaft unter Einhaltung der abfallrechtlichen Vorgaben verbringen. Eine Möglichkeit wäre, ihn in bestehende Seen am Boden tief einzuspülen. Die Schlammschicht ist auch basisch und beeinflusst die Gewässergüte durch die vorhandene Pufferkapazität positiv ohne nachhaltige negative ökologische Auswirkungen.

Also ist das eher ein psychologisches Problem, wenn Anwohner das nicht wollen?

Seit Mitte der 90er wurde in Spreetal-Nordost der gesamte Eisenhydroxidschlamm aus der Grubenwasserreinigung von Vattenfall in Schwarze Pumpe eingespült. Das ist heute noch so und das Monitoring stützt dies. Der Eisenschlamm aus der Grubenwasserreinigung Rainitza wird in den Großräschener See eingespült. Auch da sehen sie nichts, weil es technologisch richtig gemacht wird und einer permanenten Überwachung unterliegt...

Um 2000 schien schon ein Ende der LMBV in Sicht. Dann traten mit Altkippenrutschungen und Spreeverockerung neue Probleme auf. Wie lange wird es die LMBV noch geben?

Bis 2017 werden wir bei der Bewältigung der Verockerung deutliche Fortschritte machen. Aber insgesamt sehen wir bis weit über 2020 noch nicht, dass unsere Arbeit beendet sein wird.

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