LMBV: Kleine Restlochkette ist schon Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen

Neben der Blasenbinse sind Zuckmückenlarven bis hin zur Schellente schon heimisch

Senftenberg/Plessa. Die LMBV hat von Bürgern und Medienvertretern verschiedene Fragen dazu erhalten, warum die sogenannte „Kleine Restlochkette“ zwischen Bergheider See und Schwarzer Elster nicht aktiv konditioniert werde.

In Absprache mit den zuständigen Planern und Sanierungsverantwortlichen der LMBV konnte dazu Nachfolgendes mitgeteilt werden:

Die Seen der „Kleinen Restlochkette“, beginnend am Bergheider See über die Seen des Grünewalder Lauchs einschließlich des Floßgraben bis zu seiner Mündung in den Hammergraben bei Plessa, sind aus dem ältesten und größten zusammenhängenden Tagebaugebiet der ehemaligen DDR entstanden und in mitten dieser Flächen eingebunden. Im Gegensatz zu Seen der Restlochkette um Senftenberg handelt es sich hier um relativ kleine und flache Seen. Grundsätzlich ist dabei darauf hinzuwiesen, dass der Wirkpfad vom Grundwasser in die Seen läuft, d.h. das Grundwasser in den Bereichen der Seen und der Gräben bereits sauer bzw. eisenreich ist und in die Oberflächengewässer austritt (und nicht umgekehrt).

Bei der Neutralisation von Tagebaurestseen steht neben dem Herstellen von pH-neutralen Zuständen auch die Fällung von im Wasser gelösten Eisen im Vordergrund. Das System des Bekalkens mit Schiffen, welches bei den großen Seen hervorragende Ergebnisse liefert, ist für die insgesamt 17 kleinräumigen Seen der „Kleinen Restlochkette“ nicht geeignet. Die Wasserwechselraten und der ständige Grundwasserzustrom würden den neutralen Zustand nach ca. zwei bis drei Wochen wieder in einen sauren Zustand umkehren, so dass eine erneute Neutralisationskampangne erfolgte müsste. Da die kleinen Seen zudem nicht schiffbar miteinander verbunden sind, müssten die Schiffe immer aufwendig in die Gewässer ein- und ausgehoben werden. Der Einsatz der Schiffe erfordert zudem auch das Errichten bzw. Unterhalten von Transporttrassen zu den einzelnen Seen, um das Schiff einzusetzen und die Kalktransporte durchzuführen. Dadurch würde auch technisch bedingt Unruhe in die bestehenden Reservatsbereiche eingetragen, was mit den Zielen des Naturschutzes nicht vereinbar ist.

Die LMBV hat sich nach einem ausführlichen Abwägungsprozess für das Errichten einer Wasserbehandlung am Standort Plessa entschieden. Der Standortvorteil lag unter anderem darin, dass auch aus dem ehemaligen Tagebau Plessa Grundwasser in Richtung Floßgraben fließt, welcher hohe Eisenanteile mitbringt. Gleichzeit besteht hier die Möglichkeit, auch das Wasser aus dem Binnengraben und dem Hammergraben mit zu behandeln und zu enteisen. Diese beiden letzt genannten Vorfluter tangieren auf Ihrem Fließweg durch Lauchhammer bzw. im Süden von Lauchhammer keine Seen, in welchen Maßnahmen zu Verbesserung der Wasserbeschaffenheit durchgeführt werden könnten. Somit müsste für diese Vorfluter ohnehin eine Behandlungsanlage errichtet werden.

Das die Gewässer einen niedrigen pH-Wert mit hohen Eisenanteilen aufweisen und die Tatsache, dass in ihnen keine Fische leben, ist jedoch kein Grund zur Annahme, dass die Gewässer tot sind. In diesen Gewässern finden Organismen einen Lebensraum, in dem sie bestens angepasst sind. Eisen- und sulfatreduzierende Bakterien, wie sie auch in vulkanischen Schwefelquellen oder Mooren vorkommen, besiedeln diese Lebensräume. Der niedrige pH-Wert und die meist flachen Strukturen der Seen der „Kleinen Restlochkette“ haben in den letzten Jahren bereits dazu geführt, dass auch Pflanzen wie die Blasenbinse heimisch geworden sind, wie man sie nur in Moorlandschaften finden kann. Da die Anzahl intakter Moore in Europa weiter rückläufig ist, ist es zu begrüßen, dass sich hier neue Standorte gebildet haben, welche ähnliche Lebensbedingungen aufweisen. Abgestorbene Bäume bedeuten nicht gleich, dass hier nichts lebt. Ganz im Gegenteil, diese Habitate sind Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen. Die Nahrungskette. In diesen Seen beginnt mit Einzellern, führt über Zuckmückenlarven und Wasserwanzen bis zur Schellente.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass ein wiedernutzbar gemachter Braunkohletagebau nach Abschlussbetriebsplan zunächst  keine „Bundesgartenschau“ sein kann, aber sich durchaus zu interessanten neuen Natur- oder Sukzessionsräumen entwickeln kann. Seit Jahren arbeitet die LMBV daher erfolgreich mit der NABU-Stiftung und anderen anerkannten Naturschutzverbänden bei solchen Fragestellungen zusammen. Auch die NABU-Stiftung begrüßt es, dass nach erfolgreicher geotechnischer Sicherung ehemaliger Tagebauflächen die Natur sich das Land weitestgehend wieder selbst erschließen kann. Die Beobachtung zum Entwickeln von Pionierhabitaten ist einmalig und hat gleichfalls seine Berechtigung als hochwertiges Landschaftselement.

Alle Sanierungsarbeiten im Naturschutzgebiet Grünhaus, zu dem auch die Kleine Restlochkette gehört, werden auch in enger Abstimmung mit dem Landesbergamt, den oberen und unteren Naturschutzbehörden und der NABU-Stiftung durchgeführt, um so eine geotechnisch sichere und den Naturschutzzielen entsprechende Landschaft zu gestalten. Die LMBV ist optimistisch, dass sich die angesprochenen kleinen Seen teilweise auch auf natürlichem Weg über mehrere Generationen hinweg z.B. als Kranichschutzseen erhalten lassen bzw. sich auch ins neutrale Milieu entwickeln können.

Zu der Frage „Was kommt nach der LMBV“ darf auf den § 5 des Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung VA VI verwiesen werden: Das VA VI sichert die Rahmenbedingungen bis zum Jahr 2022, zudem haben Bund und Länder vereinbart, dass sie sich rechtzeitig über den Zeitraum darüber hinaus einvernehmlich verständigen werden.

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