LMBV: Polnische Partner zum gemeinsamen Forum bei Bitterfeld begrüßt

Themen der Regionalplanung und der kommunalen Möglichkeiten stehen auch dieses Jahr auf der Agenda

Bitterfeld/Senftenberg. Anlässlich des 4. Polnisch-Deutschen Forums der LMBV konnte der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Klaus Zschiedrich, u.a. die Prof. Kastelewicz und Prof. Cala von der Berg- und Hüttenmännischen Universität in Krakau, der AGH, herzlich begrüßen.

Zusammen mit der AGH richtet die LMBV in Brehna-Sandersdorf bei Bitterfeld das nun schon vierte Polnisch-Deutsche Forum aus. Es hat sich schon ein bewährter Rahmen aus einer Tagung und anschließenden Befahrungen in den jeweiligen Regionen entwickelt.

Zschiedrich erinnerte daran, dass das erste Polnisch-Deutsche Forum im März 2012 in Wisla-Jawornik in den Beskiden an der polnisch-tschechischen Grenze stattfand. „Bereits hier wurde die Themenpalette, die auch heute noch von Bedeutung ist, festgelegt. So sind geotechnische Fragen, der Wasserhaushalt, die Nachnutzung, und regionale Wünsche und Möglichkeiten der Kommunen durchgehende Fragestellungen.“

Gerade Themen der Regionalplanung und der kommunalen Möglichkeiten stehen auch dieses Jahr auf der Agenda. Daher nimmt auch der Vize-Marshall der Wojewodschaft Kleinpolen, Professor Stanislaw Sorys, an der Tagung teil. Er wird begleitet von Frau Skotnika, die als Direktorin für Tourismus und Sport im Büro des Marshalls tätig ist. Begrüßt wurden auch der Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Bitterfeld-Wolfen, Armin Schenk sowie auch Professor Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle Westsachsen.

„Ein wichtiges Thema des diesjährigen Forums ist der Umwelt- und Naturschutz. Wir freuen uns daher, dass Jolanta Prazuch, die stellvertretende Regionaldirektorin für Umweltschutz aus Kattowitz an der Tagung teilnimmt.“ Dieses Mal sind bei Forum auch Vertreter der LEAG, der BTU Cottbus, des Forschungsinstituts für Bergbaufolgelandschaften aus Finsterwalde sowie des IBA-Studierhauses Großräschen von deutscher Seite bei der Veranstaltung präsent ebenso wie Vertreter aus Belchatow, Turow, KGHM, Lafarge und Cemex, von Rathdowney und Modul Polska sowie zahlreicher Universitäten und Kommunen.

Das zweite Forum wurde im Mai 2013 bei der LMBV in Senftenberg organisiert. Die Befahrungen gingen zu den Lausitzer Bergbaufolgeseen südlich von Senftenberg, mit Besichtigung der Landmarke Rostiger Nagel am Rosendorfer Kanal, der Rütteldruckverdichtung am Silbersee und schließlich des Berzdorfer Sees mit Mittagessen in der Sachsenhütte. Das dritte Polnisch-Deutsche Forum fand im Braunkohlenrevier Belchatow statt. Tagungsort war die Gemeinde Kleszczow. Zschiedrich freute sich, dass sowohl Vertreter der PGE aus Belchatow als auch aus der Gemeinde Kleszczow und der Gemeinde Kleczew heute hier anwesend sind. Die Befahrungen führten in das Braunkohlerevier Konin. wo der aktive Tagebau Jozwin IIb besichtigt und die gelungene Rekultivierung und Gestaltung eines attraktiven Naherholungsgebietes im ehemaligen Tagebau Jozwin IIa begutachtet werden konnten. Allen die dabei waren sind natürlich auch die Dimensionen des Tagebaus Belchatow und die interessanten Nachnutzungskonzepte einschließlich eines Skihanges auf der Außenhalde in guter Erinnerung.

Diesmal tagt das Forum im mitteldeutschen Braunkohlenrevier. Es ist ein Revier mit großer Geschichte und herausragender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Die natürlichen Bedingungen, wie oberflächennahe Kohleflöze, Wasserreichtum durch Flüsse wie die Mulde und die Pleiße, Sande und Tone als leicht verfügbare Baumaterialien und eine große Anzahl an potenziellen Arbeitskräften, förderten den Aufbau einer leistungsstarken Braunkohlenindustrie ab den 1850er Jahren. Und so verwundert es nicht, dass in der Stadt Halle, circa 30 km von hier, die Interessenvertretung der deutschen Braunkohlenindustrie, der Deutsche Braunkohlenindustrieverein DEBRIV im Jahr 1885 gegründet wurde.

Auch die Entwicklung der chemischen Industrie ist eng mit der Braunkohlenförderung hier im mitteldeutschen Revier verbunden. Zu DDR-Zeiten war das Bitterfelder Revier von großer Bedeutung, war doch die Braunkohle der einzige heimische Energieträger. Die Stadt Bitterfeld selbst hatte hierbei den unrühmlichen Ruf als eine der schmutzigsten Städte Europas erworben. „Oberbürgermeister Armin Schenk wird Ihnen sicherlich nachher beweisen, dass diese Zeiten vorbei sind. Und morgen auf der Exkursion können Sie den Wandel selbst erleben.“ Mit dem Tagebau Goitzsche und der Stadt Bitterfeld sind in der jüngsten Vergangenheit auch zwei gewaltige Hochwasserereignisse verbunden. In den Jahren 2002 und 2013 bedrohten diese die Stadt Bitterfeld und die umliegenden Gemeinden. Das Hochwasser im Jahr 2002 führte zur vorzeitigen, vollständigen Befüllung der Seen. Die Auswirkungen des zweiten können Sie morgen auf der Exkursion erleben.

Die Braunkohlesanierung, als Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der vier Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat ihren bedeutenden Anteil an diesem Wandel. "Die zuständige LMBV-Bereichsleiterin des Sanierungsbereiches Mitteldeutschland, Grit Uhlig, wird dies weiter untersetzen." Die Koordination des Bundes und der vier Länder erfolgt in der Geschäftsstelle des Steuerungs- und Budgetausschusses, dessen Leiter, Dr. Gero von Daniels, die Moderation des Vormittags zu übernimmt. „Wir hören dabei Erfahrungen aus der Region und aus Polen. Gespannt sind wir auf den Vortrag zum geplanten Seenland in Tarnow, deren Initiator Bürgermeister Marian Zalewski ebenfalls heute anwesend ist. Danach folgen Fachvorträge. Prof. Cala und Vize-Marshall Stanislaw Sorys haben die Aufgabe übernommen, den Tag zusammenzufassen und die Diskussion zu leiten.“

Der zweite Tag beginnt mit einer Fahrt in die Goitzsche-Landschaft. Die Führung dort erfolgt durch Jens Heidecke von der BUND Wildnis-Stiftung. Danach geht es mit dem Bus weiter zum ehemaligen Tagebau Gräfenhainichen und der Stadt aus Eisen, Ferropolis. Eine Führung durch den Betreiberverein erläutert die Geschichte. Der benachbarte Tagebau Gröbern, gehört zu den Tagebauen mit der kürzesten Betriebszeit. Er hatte nur eine aktive Laufzeit von neun Jahren (1984 bis 1993). Der weitaus größte Teil des Feldes blieb unberührt. Ein privater Investor, die Blausee-Gesellschaft, entwickelt an diesem See ein eindrucksvolles Nachnutzungskonzept. Im dortigen Restaurant Waldelefant findet der Tagesabschluss statt. Am Freitag wird der ehemalige Tagebau Zwenkau erkundet und seine Hochwasser-Schutzfunktion erläutern.

Bilder: LMBV/Annika Dollmeyer, LMBV/ J.F.

Zurück