LMBV: Schließen des Schachtes II stellte Verwahrende in Bischofferode dar

Messingtafel erinnert an 106 Jahre Kalibergbau am Standort

Bischofferode. Am 13. September war es am LMBV-Standort Bischofferode soweit: der endgültig betonierte Deckel auf dem Schacht II läutete das tatsächliche Ende einer mehr als 106jährigen Bergbautradition im Eichsfeld ein.

Auf dem zweiten jetzt abgedeckten Schacht befindet sich eine Messing-Tafel, die an die 106 jährige Bergmannstradition im Kaliwerk in Bischofferode erinnert. Gemeinsam wurde diese LMBV-Tafel feierlich von Bergbausanierern, Ex-Kalikumpeln und Vertretern aus Wirtschaft und Politik enthüllt. Musikalisch umrahmt wurde der emotionale Moment von dem Bleicheröder Bergmanns Blasorchester, das im Kittel gekleidet war.

Zu diesem historischen Moment war auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow vom Bergbausanierer LMBV eingeladen worden. In seinem Rückblick sprach der Thüringer Regierungschef davon, dass es mehr als 25 Jahre her gewesen sei, dass er damals als Gewerkschafter vor Ort im Kaliwerk in Bischofferode eine schlimme Zeit erlebt und auch durchlebt habe. Es sei eine Auseinandersetzung zwischen Ost und West gewesen, die auf wirtschaftlicher und emotionaler Ebene geführt wurde. Die Emotionalität der Bergleute vor Ort verstehe der Ministerpräsident bis heute. In den 80er Jahren hätten die Bürger für „Freiheit gekämpft“ und dann war in den 90er Jahren eine Entscheidung zur Stillsetzung der Kaligrube „kaltschnäuzig, über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen“, zitiert die Thüringer Allgemeine aus dem sehr persönlichen Statement von Ramelow.

Er erinnere sich auch noch genau, als der Förderturm vom Schacht II Ende Mai 2018 von den Bergbausanieren und Fachleuten aus beauftragten Firmen abgerissen wurde. Es sei für ihn „ein schlimmer Tag“ gewesen. Er selbst wollte nicht vor Ort dabei sein, da dies zu schmerzliche Erinnerungen in ihm hervorgerufen hätte. Dennoch habe genau dieser Tag auch etwas Positives gehabt: in Sondershausen sei ein neues Förderschachtgerüst aufgestellt wurden, der die auch Zukunft repräsentiere.

Seinen Respekt zollte der Landesvater den Bergleuten, die in Bischofferode unter Tage jahrelang ihr Brot verdient hatten. In dem Zusammenhang ging er darauf ein, dass der Bergbau in Thüringen wichtig und aktuell sei. Dass jetzt die richtige Zeit sei, über den Bergbau und die Rohstoffgewinnung zu sprechen. Deshalb werde auch momentan der nächste Kali-Gipfel in Sondershausen vorbereitet. Noch arbeiteten etwa 4.500 Bergleute unter Tage, sagt Bodo Ramelow. Er ging in seiner Ansprache noch auf die Rolle der für den Rückbau und die Verwahrung zuständige Bundesgesellschaft GVV und später LMBV ein. Denn sie gäbe „wichtige Impulse“ für die Bergbauregionen, ob im Kali- oder Braunkohlerevier, und arbeite an einer „perspektivischen Zukunft“. Sie sei keinesfalls „ein bitterer Totengräber.“ Die Vorbereitung für einen weiteren von ihm angestoßenen Kali-Gipfel laufen daher auch schon.

Klaus Zschiedrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der LMBV, ging in seiner Begrüßung auf den ehemaligen Förderturm ein und die Fläche, die sich unter Tage befindet ein. Über rund 54 Quadratkilometern erstreckte sich das unterirdische Grubengebäude. In wenigen Worten blickte der LMBV-Chef auch in die Zukunft. Denn für die Bergbausanierer der LMBV verbleiben in Bischofferode die langfristigen Aufgaben der Kontrolle, Nachsorge und des Monitorings der sich nun in den kommenden Jahrzehnten selbstständig flutenden Grube. „Der offene Grubenhohlraum ist inzwischen Luftgefüllt und umfasst 22 Millionen Kubikmeter“, konkretisierte Klaus Zschiedrich. Diese Verwahrung habe 25 Jahre Vorbereitungs-und Umsetzungszeit in Anspruch genommen und sei seit einigen Tagen mit dem Fertigstellen des zweiten Schachtverschlusses auf dem ehemaligen Werksgelände baulich beendet.

LMBV-Führungskraft Hubert Prühl, Leiter Zentrales Grubenwassermanagement, erinnerte in seinem bewegenden Beitrag an die für die Kalibergleute schweren Zeiten der Grubenstilllegung 1993. Er sprach von einem „Einschnitt für die Region und für das Leben der Menschen.“ Mit 227 Mitarbeitern bei der damaligen GVV hätten sie Anfang der 90er Jahre die Verwahrung angefangen, mittlerweile seien es nur noch elf LMBV-Bergbausanierer, die die letzten Schritte der Stilllegung vorbereitet und begleitet hatten. Er ging in seiner Ansprache auch auf die umfangreichen Arbeiten ein, die über die letzten Jahre von den Bergbausanierern im Kaliwerk gemeinsam mit den Schachtbauern aus Nordhausen, den Technikern der Fa. KUTEC und Vermessern von Glückauf u.v.a.m. geleistet wurden.

Hubert Prühl erinnerte die Gäste aus Wirtschaft und Politik sowie die Kali-Vereinsmitglieder auch an eine gemeinsame letzte Inspektionsbefahrung im Jahr 2017. Danach wurde der Grubenbau „schwarz geschaltet“, das heißt alle Anlagen unwiederbringlich stillgelegt. Der 13.09.2018 sei nun ein weiterer besonders emotionaler Tag für H. Prühl und die Kumpel, die dort jahrelang gearbeitet hatten. In dem Zusammenhang berichtete Hubert Prühl, dass er sich noch genau an seine erste Seilfahrt vor 40 Jahren erinnern könne, wie aufgeregt und voller Freude er war. Am Morgen, auf der Fahrt nach unten, und am Abend, auf der Fahrt wieder rauf, sei der Förderkorb jeweils abrupt gestoppt und kurz stehen geblieben. Für ihn sei damals klar gewesen, dass er diesen Job mit seinen Schwierigkeiten nicht lange machen würde. Und es seien doch vier Jahrzehnte Bergmannstätigkeit geworden, so Hubert Prühl nicht ohne Stolz auf das Geleistete.  

Fotos: Martin Klindtworth für LMBV

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