LMBV: Schonende Sprengverdichtung im Tagebaugelände Seese-Ost kommt voran

LMBV-Projektmanager Dieter Kutzschbach, Ecosoil-Bauleiter Sebastian Dombrowe und Iris Wussmann von Antenne Brandenburg am Rand der Innenkippe Seese-Ost

Antenne Brandenburg informierte sich über Kippenverdichtung bei Groß Lübbenau

Aus sicherer Entfernung beobachtet: sSPV im Tagebau Seese-Ost

Senftenberg/ Groß Lübbenau. Am 20. Mai 2019 informierte sich die RBB-Reporterin Iris Wussmann über den Fortgang der Sanierungsarbeiten in den Tagebaufeldern Seese-Ost.

Die LMBV lässt dort Kippenboden flächendeckend mit vielen kleinen Ladungen sprengen. Sicherheit wird dabei groß geschrieben. Insgesamt werden im Tagebau Seese-Ost schrittweise fünf Teilfelder mit einer Gesamtfläche von 190 Hektar durch schonende Sprengverdichtung saniert. 2018 wurde zunächst mit Probebelastungssprengungen begonnen.

Auf den Seeser Innenkippenbereichen, vormaligen Nachbergbau-Landwirtschaftsflächen hat eine ARGE „sSPV Seese-Ost“ die Aufgaben zur Verdichtung eines zunächst rund 45 Hektar großen Areals von der LMBV übertragen bekommen. Zur auftragnehmenden ARGE gehören die Sanierungsfirmen Reinhold Meister Wasserbau GmbH, Hagn Umwelttechnik und Fa. Ecosoil-Ost GmbH.

Mitarbeiter der Fa. Ecosoil-Ost erstellen seit Ende März 2019 mit Spezialbohrtechnik auf Pistenbullies in diesem Kippenbereich ein großes Raster an Bohrlöchern, die dann jeweils schrittweise abgesprengt werden. In vier bis acht solcher Bohrlöcher werden Ladungen nahezu zeitgleich zur Detonation gebracht, so Kutzschbach. Zwischen 5 und 10 Kilogramm Sprengstoff werden bei dieser Methode je Bohrloch zur Zündung gebracht.

Bei der Detonation wird nur etwas Erde aufgewirbelt, der Kippenboden sackt zusammen und alles, was bleibt, ist eine kleine Mulde. In sicherer Entfernung ist die Sprengung kaum zu hören. Mit der noch jungen Methode der sSPV, der langjährige wissenschaftliche Untersuchungen vorausgingen, will der Bergbausanierer LMBV die schon vor vielen Jahren geschütteten Innenkippen Abschnitt für Abschnitt verfestigen, auch die Kippenböden des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Seese-Ost.

Dafür müssen dort insgesamt bis zu 800 Löcher gebohrt werden: jedes davon bis zu 27 Meter tief und bestückt mit jeweils drei Sprengladungen je Bohrloch. Die Schwierigkeit: Auf die unverdichteten Kippen dürfen nur Fahrzeuge, die nicht schwerer sind als zwölf Tonnen. Deshalb wurden sogenannte Pistenbullies mit leichter Bohrtechnik ausgestattet. Die Anrainer wurden im Rahmen einer Veranstaltung der Stadt Lübbenau im März über die vorgesehenen Arbeiten informiert, die voraussichtlich bis Oktober 2019 laufen werden.

Der zuständige LMBV-Projektmanager Klaus-Dieter Kutzschbach erläuterte vor Ort gemeinsam mit Bauleiter Sebastian Dombrowe die Arbeiten der sSPV. Der Sprengberechtigte Matthias Lange demonstrierte auch das planmäßige Zünden der in vier Bohrlöcher im Vorfeld eingebrachten Ladungen. So wird bei Sprengungen ein Mindestabstand von zwei Kilometern bis zur Bebauung eingehalten. Sprengladungen müssen mindestens drei Meter tief im Boden liegen. Und gesprengt werden dürfe maximal zwölf Mal am Tag.

Wann genau, konnte vor dem Start der Arbeiten noch nicht im Einzelnen vorhergesagt werden, jedoch werden die Anrainer wöchentlich über die anstehenden Arbeiten mit Wurfzetteln informiert. In der Regel finden die Bohr- und Sprengarbeiten Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 16 Uhr statt. Für 20 Häuser und Gebäude, so Kutzschbach, sei ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt worden. Weiterhin seien an zehn Gebäuden Schwingungsmesser angebracht worden, um zu gewährleisten, dass sich die Belastungen im erlaubten Rahmen bewegen

Das Sprengverfahren wird hinsichtlich der Schwingungseinträge überwacht. Die Bauüberwachung leisten die Experten der Fa. BIUG Beratende Ingenieure für Umweltgeotechnik und Grundbau GmbH. An mehreren Gebäuden im benachbarten Ort Groß Lübbenau finden dazu jeweils die zugesagten Schwinggeschwindigkeits-Messungen statt. Die vorlaufende Beweissicherung hatte zudem Klarheit für die Anrainer über den Ausgangszustand geschaffen. Und bislang wurden die Grenzwerte jeweils eingehalten, betonte Projektmanager Kutzschbach am 20.05.2019. Möglicherweise trotzdem wahrgenommene Schäden an der Wohnbebauung werden parallel erfasst und ggfs. entsprechend reguliert.

Der gesamte abzusprengende Bereich, so das Ziel, soll gleichmäßig verdichtet werden. Voraussichtlich sacke der Boden einen halben bis einen Meter tief ab dabei. Entsprechend viel Erdreich müsse später aufgetragen werden. Durch den Bau eines Bodenvorrates in Lübbenau habe man sich bereits mit 25.000 Kubikmeter Boden bevorratet. In einem zweiten Areal sollen auch im Wald innerhalb von Schneisen gearbeitet werden.

2020 bis 2022, so der weitere LMBV-Zeitplan, sind die Kippenverdichtungs-Sprengungen in Seese-Ost auch für die nordwestlichen landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Kippenböschung vorgesehen. Von 2023 bis 2025 geht es südlich und westlich des Kahnsdorfer Sees weiter. Ein Jahr ist eingeplant, um die durchgerüttelten Flächen aufzufüllen und an der Oberfläche mit Walzen nachzuverdichten. 2027 werden dann voraussichtlich die Areale wieder begrünt.

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