LMBV-Sicht: Bergbausanierung ist eine Generationenaufgabe

Erwiderung auf einen Meinungsbeitrag von Dr. M. Lersow

Aus unserer Sicht - Von Dipl.-Ing. G. Scholz, Dr.-Ing. F.C. Benthaus und Dr. U. Steinhuber

Senftenberg. Die Sanierung der ehemaligen Bergbauflächen in den ostdeutschen Braunkohlerevieren ist eine der größten Umweltaufgaben der heutigen Zeit. In den zurückliegenden 20 Jahren ist in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen bereits Beachtliches geleistet worden. Es sind neue Landschaften entstanden, die von den Menschen in den Regionen und Ihren Gästen positiv angenommen und intensiv genutzt werden. Der Cospudener See südlich von Leipzig, der Goitzschesee bei Bitterfeld, der Berzdorfer See bei Görlitz oder auch das Lausitzer Seenland um Hoyerswerda zeugen beispielhaft von der erfolgreichen Arbeit aller Mitwirkenden in der Bergbausanierung.

Umfassende Mitwirkung im Prozess

Der Umfang und die Komplexität der zu bewältigenden Aufgaben, deren struktur- und regionalpolitische Effekte, landschaftliche und städtebauliche Wirkungen sowie das Volumen der eingesetzten öffentlichen Mittel gebieten eine große Transparenz der Planung, Durchführung und Kontrolle der Braunkohlesanierung.

Die Braunkohlesanierung erfolgt in einem dreistufigen System. In der ersten Stufe ist die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) für die Planung, Genehmigungsbeantragung und Realisierung der Sanierungsmaßnahmen zuständig. Sie ist das bergrechtlich verantwortliche Unternehmen und Projektträgerin der Braunkohlesanierung. In einer zweiten Stufe wird die Arbeit der LMBV von vier Regionalen Sanierungsbeiräten begleitet, die zur Sicherung der Interessen der beteiligten Braunkohleländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Einfluss auf die Inhalte und die Prioritätensetzung bei der Sanierung nehmen. In einer dritten Stufe ist der Steuerungs- und Budgetausschuss (StuBA) das Genehmigungsgremium für die Braunkohlesanierung. Er setzt sich aus Vertretern des Bundes und der Braunkohleländer zusammen. Darüber hinaus unterliegen die LMBV und die Braunkohlesanierung einer intensiven, den gesetzlichen Vorgaben entsprechenden Kontrolle, die die wirtschaftliche, nachhaltige und transparente Verwendung der durch den Bund und die Länder bereitgestellten Mittel gewährleistet.

Planungskonzept

Die Ziele der Wiedernutzbarmachung werden durch die regionalen Planungsorgane der Länder in sogenannten Sanierungsplänen oder Sanierungsrahmenplänen dargestellt, die nach breiter Mitwirkung von Behörden und Verbänden sowie öffentlicher Beteiligung als Rechtsverordnungen der Länder beschlossen wurden. Die Sanierungsarbeiten der LMBV erfolgen auf der Grundlage von bergrechtlichen Abschlussbetriebsplänen, die durch die zuständigen Behörden genehmigt werden und nicht im Widerspruch zu den Zielen der Raumordnung stehen dürfen. Für die Herstellung der  Bergbaufolgeseen werden darüber hinaus wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren geführt, die eine Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange bis auf die lokale Ebene sowie die Beteiligung aller Bürger einschließen.

Geotechnische Sicherheit schaffen

An jedem der über 200 ehemaligen Tagebaue und Restlöcher in Verantwortung der LMBV wurde eine den jeweiligen Bedingungen entsprechende Sanierungstechnologie erarbeitet, die bei der Sicherung der Böschungen die Abflachung oder die Anstützung, das Sprengen, die Rütteldruckverdichtung in verschiedenen Ausführungen bzw. eine Kombination aus verschiedenen Technologien sein kann. Eine „Standardtechnologie“ gibt es nicht. Mehr als 400 Kilometer gekippte Böschungen hat die LMBV bereits in den zurückliegenden Jahren in den Sanierungsgebieten gesichert. Die Herstellung von so genannten „versteckten Dämmen“ im Untergrund durch das Sprengen oder die Rütteldruckverdichtung hat sich bewährt. Alle bisherigen Setzungsereignisse haben an diesen Dämmen haltgemacht. Künftig sollen neue, im Geotechnischen Beirat der LMBV mit Wissenschaftlern und Sachverständigen entwickelte Verfahren des „Schonenden, oberflächennahen Sprengens“ vor allem für die hinter den Dämmen liegenden Kippenbereiche zur Anwendung kommen, um auch dort die Sicherheit herzustellen und schrittweise wieder Flächen freigeben zu können.

Wasserhaushalt und Grundwasser

Mit der Stilllegung der Braunkohlentagebaue erfolgte schrittweise und unter Berücksichtigung der jeweiligen hydrogeologischen Verhältnisse sowie des Standes der Sanierungsarbeiten die Außerbetriebnahme der Wasserhaltungen und Brunnen. Der allmähliche Grundwasserwiederanstieg setzte ein. Einen „Generalerlass zum Pumpenabstellen“ hat es nie gegeben. Vielmehr haben schon 1994 die Umweltminister der Länder vorausschauend beschlossen, dass beim Sanieren des Wasserhaushaltes die Voraussetzungen für „einen sich weitestgehend selbst regulierenden Wasserhaushalt in der Bergbaufolgelandschaft“ zu schaffen sind. Dazu sind in der Zwischenzeit über 50 größere Bergbaufolgeseen durch aktive Flutung oder durch Grundwasserwiederaufgang geschaffen worden.

Flutungs- und Behandlungskonzept

Von der LMBV wurden in enger Abstimmung mit den Behörden frühzeitig Unternehmenskonzepte für den Umgang mit den entstehenden Bergbaufolgeseen entwickelt. Dazu zählen die Flutungs-, Wasserbehandlungs- und Nachsorgekonzepte für die Bergbaufolgeseen der LMBV, die regelmäßig unter Einbeziehung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und in enger Abstimmung mit den Fachbehörden der Länder weiterentwickelt werden.

Die meisten dieser Seen stehen unmittelbar vor Abschluss der wasserwirtschaftlichen Maßnahmen und können in Kürze einer Nachnutzung zugeführt werden. Fallweise sind noch Restarbeiten erforderlich wie die Verbesserung der Wasserqualität. Diese Arbeiten werden durch die LMBV und durch die Landesbehörden mit einem großräumigen Monitoring der Oberflächengewässer/Bergbaufolgeseen und des Grundwassers überwacht.

Eisenbelastung der Spree

Durch die großflächige Grundwasserabsenkung und die enorme Massenbewegung in den Tagebauen verwitterten die im Boden verbreiteten Eisenminerale. Erst mit dem Ende des Grundwasseranstiegs werden diese nun teilweise über diffuse Zutritte in die Fließgewässer  eingetragen. Gemeinsam mit den zuständigen Landesbehörden und Fachspezialisten erarbeitet die LMBV kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, um die Verockerung der Flüsse zu reduzieren. So wurden zum Beispiel bei Vetschau in Brandenburg zwei ehemalige Absetzanlagen ertüchtigt und halten bereits große Mengen Eisens zurück. Das Aktionsbündnis „Klare Spree“ und andere Bürgervereine werden als wichtige Partner und Wissensträger eingebunden.

Hochwasserschutz und Bergbausanierung

Hochwasserschutzes ist grundsätzlich eine Landesaufgabe. Die LMBV hat in Realisierung ihrer Abschlussbetriebspläne Fragen des Hochwasserschutzes in die wasserwirtschaftlichen Planungen integriert. Verpflichtungen der LMBV aus den Regionalplanungen zum Ersatz von in Anspruch genommenem Retentionsraum werden, wie zum Beispiel im Tagebau Zwenkau, erfüllt.

Böschungsereignis von Nachterstedt

Die Böschungsbewegung in Nachterstedt am 18. Juli 2009 ist ein tragisches und einschneidendes Ereignis der Bergbausanierung im Osten Deutschlands gewesen. Das Ereignis ist durch zwei international renommierte und anerkannte Sachverständige intensiv untersucht worden, um Ursachen und Hergang zu ermitteln. Die Sachverständigen haben am 9. Juli 2013 ihre unabhängig voneinander erstellten Gutachten vorgelegt. Beide Gutachten kommen weitestgehend übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass der sehr hohe Druck im obersten Liegendgrundwasserleiter in Verbindung mit einer anomalen lokalen Rinnenstruktur im Grundwasserleiter maßgeblich die Böschungsbewegung auslöste. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend hat die LMBV in der Folge ein Rahmensanierungskonzept entwickelt und der Bergbehörde im Mai 2014 vorgelegt. Nunmehr werden die konkreten Sanierungsmaßnahmen in Form von Betriebsplanergänzungen der Bergbehörde angezeigt.

Zukunft für den Concordiasee

Erste Arbeiten am Concordiasee haben begonnen. So wurden Filterbrunnen und Wasserhaltungen zur notwendigen temporären Niedrighaltung des Seewasserspiegels errichtet, die gefährdeten Häuser an der Böschungskante abgebrochen und erste Sicherungsarbeiten am Rutschungskessel durchgeführt. Nach der Sanierung der Böschungen und Ufer kann der Concordiasee voraussichtlich 2017 wieder zur Zwischennutzung freigegeben werden. Die LMBV hat das aktuelle Rahmensanierungskonzept nach Erörterung mit dem Bergamt auch der Stadt Seenland vorgestellt. Über den Fortgang der Sanierungsarbeiten wird ab August 2014 aktuell auf der Homepage der LMBV informiert.

Sicherheit für Knappensee-Nutzer

Auch an den scheinbar idyllischen Ufern des Knappensees bei Lohsa lauern durch nicht abschließend gesicherte Böschungen versteckte, nicht sichtbare Gefahren im Untergrund. Das ist bereits seit vielen Jahrzehnten bekannt und durch Nutzungsbeschränkungen und Vorgaben für die Seenutzer berücksichtigt worden. Erst mit dem Ende des Grundwasserwiederanstiegs in der Region ist jetzt aber eine Situation entstanden, die eine gefahrlose Nutzung des Knappensees nicht mehr ermöglicht. Das Sächsische Oberbergamt beauftragte daher die LMBV mit der Vorbereitung und Durchführung von Sicherungsmaßnahmen. Durch Vereinbarungen mit den Betroffenen am See wurde versucht, die mit der Sanierung verbundenen Einschränkungen möglichst einvernehmlich zu regeln. Die gegenwärtigen Planungen weisen einen Sanierungszeitraum von acht Jahren aus. Nach der Sanierung steht dann der Allgemeinheit ein sicherer Knappensee mit gestalteten und rekultivierten Ufern zur Verfügung.

Bergbausanierung ist eine Generationenaufgabe

In der Bergbausanierung ist es notwendig, auch in den nächsten Jahren die Kompetenzen der Bundes- und Landesverwaltungen, der Behörden, Universtäten und beteiligten Unternehmen zusammenzuführen, um die komplexen Aufgaben zu erfüllen.

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