LMBV stand 2012 vor neuen Herausforderungen: „Vieles im Fluss“

Senftenberg/Vetschau. Beim LMBV-Bilanzpressegespräch am 21. Mai 2013 in Vetschau blickte die Geschäftsführung der LMBV auf das Jahr 2012 zurück. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Prof. Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu, betonte dabei: „Das Jahr 2012 war durch mehrere Besonderheiten aus Sicht der LMBV geprägt, sei es durch die weitestgehende Komplettierung der Unter-suchungen zur Unglücksursache Nachterstedt, die Fortschritte zum geotechnischen Verständnis der Innenkippen-Problematik, aber auch die Bewältigung neuer auftretender Gewässergütefragen. Viele Sanierungsprozesse sind darüber hinaus noch weiter im Fluss.“

Infolge der seit Ende 2010 unerwartet aufgetretenen Instabilitäten auf Innenkippen in der Lausitz wurden vorsorglich umfangreiche Flächensperrungen in einer Größe von rund 17.000 Hektar vorgenommen, die bis heute im Wesentlichen andauern. Mit Unterstützung des aus international anerkannten Wissenschaftlern der Geotechnik aus ganz Deutschland gebildeten „Geotechnischen Beirates“ bei der LMBV erfolgten und erfolgen erneute geotechnische Analysen aller Innenkippenbereiche der Lausitz, ebenso der aufgetretenen Geländeeinbrüche sowie Feldversuche zur Konzipierung ergänzender Sanierungsmaßnahmen. Im Ergebnis konnte ein kleiner Teil der gesperrten Flächen bereits wieder eingeschränkten Nutzungen zugeführt werden. Die verbliebenen Sperrbereiche wurden hinsichtlich der möglichen Aufhebung der Sperrung bewertet und in drei zeitlich gestaffelte Kategorien eingeordnet. Die geotechnisch-hydrologisch relevanten Daten jeder Kippe werden in einem so genannten Kippenkataster dreidimensional zusammengeführt. Die Konzipierung der erforderlichen ergänzenden Sanierungsmaßnahmen zur standsicheren Gestaltung der Innenkippen soll im Jahr 2013 weitgehend abgeschlossen sein, so dass mit der schrittweisen Umsetzung ab 2013/2014 begonnen werden kann.

Die zur Ursachenermittlung des Böschungsereignisses in Nachterstedt vom Juli 2009 notwendige Erhebung neuer umfangreicher Daten sowie deren Auswertung wurden auch im Jahr 2012 mit Einsatz modernster Technik und mit hoher Intensität fortgesetzt und weitestgehend abgeschlossen. Ein Zwischenbericht des Rahmengutachters der LMBV zum Stand der Ursachenanalyse wurde Anfang Juli 2012 erstellt. Es besteht die Zielstellung, den Abschluss-bericht bis Mitte 2013 fertig zu stellen. Entsprechend hat die LMBV die vorbereitenden Planungsarbeiten zur Sicherung und Sanierung des Concordiasees eingeleitet. Der Abbruch der ehemaligen Wohnsiedlung Am Ring ist bereits zu drei Vierteln erfolgt.

Die in der zweiten Hälfte des Jahres 2012 zunehmende Eisenbelastung der Spree und ihrer südlichen Zuflüsse durch diffuse Einträge von eisenhaltigem Grundwasser im Zuge des flächenhaften Grundwasserwiederanstiegs sowie die schnelle Erarbeitung erforderlicher Abwehrmaßnahmen stellt einen weiteren Schwerpunkt der aktuellen Tätigkeit der LMBV dar. Betroffen sind zum einen der als Spreegebiet Südraum bezeichnete Bereich des Zuflusses zur Talsperre Spremberg und zum anderen das Spreegebiet Nordraum mit den Zuflüssen aus dem Sanierungsgebiet der ehemaligen Tagebaue Seese/Schlabendorf und Greifenhain/Gräbendorf. Mit Umsetzung der kurzfristig wirksamen Maßnahmen soll die diffuse Eisenhydroxid-Belastung der Spree noch zum Jahreswechsel 2013/2014 deutlich reduziert und mit mittelfristigen Maßnahmen weitgehend abgewendet werden.

„Die LMBV hat im Jahr 2012 ihre regulären Sanierungsprojekte zur Gestaltung neuer Bergbaufolgelandschaften weiter vorangebracht und hierfür insgesamt mehr als 170 Mio. Euro für alle Maßnahmen der Grundsanierung, zur Abwehr von Gefahren aus dem Wiederanstieg des Grundwassers und zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards der Bergbaufolgelandschaft eingesetzt. Das öffentliche Interesse an der planmäßigen Durchführung und dem zeitigen Abschluss von Sanierungsmaßnahmen der LMBV ist noch stärker gewachsen. Gleichzeitig werden immer mehr Bergbaufolgeseen nutzbar“, betonte LMBV-Chef Prof. Dr. Mahmut Kuyumcu. Zur Gewährleistung der Standsicherheit von gekippten Böschungen gegen Setzungsfließgefahren wurden 2012 weitere Forschungsvorhaben und Pilotversuche umgesetzt, um schrittweise gesperrte Kippenbereiche wieder nutzbar zu machen.

„Die Braunkohlesanierung wird daher auch in den kommenden Jahren ein wichtiger Faktor bei der Fortschreibung des Prozesses der Deutschen Einheit in den ostdeutschen Bundesländern sein“, unterstrich LMBV-Chef Kuyumcu. Die vorausschauenden Grundlagen dafür wurden vor fast 21 Jahren mit dem „Verwaltungsabkommen über die Regelung der Finanzierung ökologischer Altlasten zwischen der Bundesrepublik Deutschland sowie den neuen Bundesländern“ (VA I) für die erste Periode von 1993 bis 1997 schon im Dezember 1992 gelegt. Die bis heute andauernde Finanzierung ist dank des Bundes und Ländern nunmehr bis zum Jahr 2017 vertraglich gesichert.

Dazu wurde im IV. Quartal 2012 das vierte Ergänzende Verwaltungsabkommen (VA V) über die Finanzierung der Braunkohlesanierung von 2013 bis 2017 durch den Bund sowie die Braunkohleländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterzeichnet. Um die Rechtsverpflichtungen der bergbaulichen Grundsanierung zu erfüllen, stehen ab 2013 im Rahmen des VA V bis zu 770 Mio. Euro zur Verfügung, die sich Bund und Braunkohleländer im Verhältnis von 75 zu 25 Prozent teilen. Für Maßnahmen der Gefahrenabwehr aus dem Grundwasserwiederanstieg stellen Bund und Braunkohleländer je zur Hälfte einen ebenso erheblichen Gesamtbetrag von 460 Mio. Euro bereit. Dazu kommen zusätzliche Mittel der Braunkohleländer Brandenburg und Sachsen für die Erhöhung des Folgenutzungsstandards zum Einsatz.

Die Braunkohlesanierung in Ostdeutschland ist ein Gemeinschaftswerk, das die Wiedernutzbarmachung ehemaliger Abbauflächen des stillgesetzten Braunkohlenbergbaus zum Ziel hat. Dafür stellten der Bund und die Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen auch 2012 ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung. Das Jahresbudget versetzte die LMBV in die Lage, bewährte Sanierungsverfahren zur Entwicklung ökologisch nachhaltiger und wirtschaftlich attraktiver Landschaftsprojekte fortzusetzen. Allein im Jahr 2012 wurden rund 170 Mio. Euro (2011: 190 Mio. Euro) für die Braunkohlesanierung bereitgestellt, davon entfielen auf Brandenburg rund 74 Mio. Euro (2011: 80 Mio. Euro), auf Sachsen ca. 73 Mio. Euro (2011: 85 Mio. Euro), auf Sachsen-Anhalt rund 21 Mio. Euro (2011: 23 Mio. Euro) und auf Thüringen rund 2,0 Mio. Euro (2011: 2,6 Mio. Euro).

Rund 101 Mio. Euro wurden 2012 für die Grundsanierung im Rahmen der bergrechtlichen Verpflichtungen der LMBV (2011: 116 Mio. Euro) ausgegeben; dies sind die so genannten Projekte nach § 2 des Verwaltungsabkommens zur Braunkohlesanierung. Für die Realisierung dieser Sanierungsmaßnahmen verfügt die LMBV über 177 zugelassene Abschlussbetriebspläne. Davon konnten bisher bereits 39 Abschlussbetriebspläne abgeschlossen und damit ca. 6.300 ha Fläche einer Beendigung der Bergaufsicht zugeführt werden.

Die Sanierung der ehemaligen bergbaulich genutzten Anlagen und Gebäude ist fast vollständig abgeschlossen. Insgesamt 11,8 Mio. m³ Abbruchmassen wurden bisher gewonnen, separiert und einem Wiedereinbau oder einer Entsorgung zugeführt (2012: 3.000 m³). Zur Herstellung standsicherer Böschungen wurden bisher umfangreiche Massenbewegungen mittels Erdbau- und Planiertechnik durchgeführt. Für die Profilierung von Tagebaurestlöchern zur Gestaltung von Bergbaufolgelandschaften wurden dabei seit Anbeginn bereits ca. 1,8 Mrd. m³ Massen aufgenommen, transportiert und wieder eingebaut (2012: 5 Mio. m³). Zur Gewährleistung der Standsicherheit von gekippten Böschungen gegen eine Setzungsfließgefahr wurden umfangreiche Verdichtungsmaßnahmen mittels Rütteldruck-, leichter Rütteldruck-, Rüttelstopf- sowie Fallgewichtsverdichtung realisiert. Bisher wurden dabei ca. 1 Mrd. m³ Boden mittels verschiedener Technologien verdichtet (2012: 2 Mio. m³) und somit insgesamt rund 400 km „versteckte Dämme“ zur geotechnischen Sicherheit bis Ende 2012 hergestellt. Die verbleibenden Restleistungen von Massenbewegungs- und Verdichtungsmaßnahmen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Tagebaubereiche in der Lausitz.

Die Rekultivierung zur Wiedernutzbarmachung der Oberfläche ist mit ca. 80 Prozent bereits realisierter Leistungen vom Gesamtumfang her weiter vorangeschritten. Sie wird auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Betätigungsfeld bleiben. Dabei besitzen Pflege- und Bewirtschaftungsarbeiten bis zur Erreichung einer gesicherten Bestandskultur einen großen Leistungsanteil. 2012 wurden insgesamt rund 31 Hektar neue Pflanzflächen realisiert. Die Schwerpunkte lagen in der Lausitz im Bereich Ostsachsen am Tagebau Bärwalde mit 19 Hektar, bei Knappenrode mit fünf Hektar, in Brandenburg am Tagebau Seese-Ost mit einem Hektar Pflanzfläche. In Mitteldeutschland wurden Pflanzungen im Bereich Königsaue mit sechs Hektar fertiggestellt.

Im Jahr 2012 wurden insgesamt ca. 89,2 Mio. m³ Flutungswasser den Tagebaurestlöchern zugeführt, davon ca. 67,3 Mio. m³ in der Lausitz und 21,9 Mio. m³ in Mitteldeutschland. Das im Lausitzer und mitteldeutschen Revier vorhandene Wasserdefizit verringerte sich damit von ehemals 12,7 Mrd. m³ auf ca. 3,3 Mrd. m³.

Für die Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers wurden 2012 rund 48 Mio. Euro (2011: 52 Mio. Euro) eingesetzt. Hier handelt es sich um Projekte nach § 3. Dies betraf z. B. Lösungsvarianten zur Bewältigung des Grundwasserwiederanstiegs, wie die Sicherung von Gebäuden in Zschornewitz (Sachsen-Anhalt). Dort wurde ein Drainagesystem errichtet und in Betrieb genommen. In der Ortslage Zscherndorf konnte die bauliche Sanierung an vier Häusern abgeschlossen werden. Derzeitig werden Bauleistungen an 24 Häusern planmäßig realisiert.

Mit Abschluss der Sicherungsmaßnahmen in Brandenburg an Böschungen des Germaniateiches, Postteiches und Clubteiches in Hosena erfolgte im II. Quartal 2012 die uneingeschränkte Verkehrsfreigabe der angrenzenden L 58. Die Arbeiten zur Errichtung der Horizontalfilterbrunnenanlage im Gewerbegebiet von Senftenberg wurden im III. Quartal 2012 mit der Baufeldfreimachung und den Holzungsarbeiten an der Rohrleitungstrasse sowie mit dem Bau des ersten Horizontalfilterbrunnens im Bereich der Güterbahnhofstraße begonnen. Weiterhin konnte die Rohrleitung zur Ableitung des gehobenen Wassers aus dem Theaterbrunnen ins Restloch Sedlitz in Betrieb genommen werden.

In Anbetracht der komplizierten geotechnischen Vorort-Verhältnisse im Pappelweg Lauchhammer musste im Jahr 2012 eine großflächig wirkende Wasserhaltung mittels Filterbrunnen zur Erstsicherung errichtet und in Betrieb genommen werden. Die Entwässerung des anstehenden Kippenbodens erfolgte derzeit über fünf Filterbrunnen. Eine Sammelleitung führt das gehobene Wasser über eine Pumpstation in die Vorflut ab. Zur Kontrolle und Dokumentation der Grundwasserabsenkung wurden Grundwassermessstellen mit Datenloggern installiert. Die Arbeiten zur Sicherung eines Schmutzwasserkanals gegen aufsteigendes Grundwasser in Lübbenau wurden abgeschlossen.

Im Ortsteil Driewitz der sächsischen Gemeinde Lohsa wurde ein weiterer Abschnitt zur Regulierung der Vorflut fertiggestellt. Auf einer Länge von 1.250 m wurde der „Mittlere Graben“ ausgebaut. Im Rahmen der Maßnahme mussten sechs Durchlässe instand gesetzt werden. Der „Südliche Graben“ ist auf einer Länge von ca. 800 m neu gestaltet worden. Gleichzeitig wurden an diesem Graben vier Durchlässe erneuert. In der Stadt Delitzsch wurden 2012 insgesamt 31 Gebäude durch verschiedene Bauverfahren, wie Errichtung einer weißen Wanne, Kellerverfüllung und Hausanhebung gesichert. Im Stadtsicherungsprojekt Bitterfeld wurde der Betrieb der Drainagen Annahof und Bergmannshof sowie der Grundwasserreinigungsanlage planmäßig fortgesetzt. Für 19 Objekte in Bitterfeld wurden die Planungsleistungen für Sicherungsmaßnahmen gegen den Grundwasserwiederanstieg beauftragt.

Schließlich wurden im Auftrag der Braunkohleländer rund 21 Mio. Euro (2011: 22 Mio. Euro) für diverse Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der sanierten Landschaften realisiert – hier geht es um die Projekte nach § 4. Dazu gehörte u.a. der Bau von Kanälen in der Lausitz. Nachdem im I. Quartal 2012 die Tiefenverdichtung zur Stabilisierung des Bauuntergrundes für den Überleiter 11 im Bereich zwischen dem Sedlitzer See und dem Tunnelbauwerk auf einer Länge von ca. 800 m und einem Volumen von ca. 1,6 Mio. m³ mittels Rütteldruckverdichtung abgeschlossen wurde, erfolgte anschließend die oberflächennahe Verdichtung dieser Trasse mittels Fallgewicht. Das Tunnelbauwerk zur Querung der Deutschen Bahn AG und der Bundesstraße 169 wurde im II. Quartal 2012 fertiggestellt. Damit konnte auch die Freigabe der Bundesstraße 169 erfolgen.

Anfang September 2012 begann der Kanalausbau zwischen dem Tunnelbauwerk des Überleiters 11 und dem Großräschener See. Im Zuge der Baufeldfreimachung wurde vorher die Umverlegung der Betriebsstraße und der Rainitza über das Westportal des Tunnels abgeschlossen. Voraussetzung war die Herstellung der hydraulischen Durchgängigkeit der Rainitza mittels einer unterflurverlegten Betonleitung. Am Überleiter 12 erfolgten in 2012 der Kanaldurchstich zum Senftenberger See sowie die Endböschungsgestaltung. Der Bau des Schleusenbauwerkes ist fortgesetzt worden und aus bautechnischer Sicht abgeschlossen.

Am Dreiweiberner See konnten im März 2012 die Erweiterungen der Strandbereiche in Weißkollm und die Umgestaltung des Strandbereiches in Lohsa zum Abschluss gebracht und der Gemeinde Lohsa am 20. Juli 2012 zur öffentlichen Nutzung übergeben werden. Anfang November 2012 wurde mit dem Bau eines Schiffs- und Bootsanlegers am Geierswalder See begonnen. Der Abschluss dieser Arbeiten erfolgte am 17.05.2013. Die Bauarbeiten an der Schleuse des Gewässerverbundes Störmthaler-Markkleeberger See wurden im Jahre 2012 weitergeführt. Am 18.05.2013 wurde diese schiffbare Verbindung für die öffentliche Nutzung freigegeben.

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