LMBV: Tagebaurestloch Großkayna wurde aus der Bergaufsicht entlassen

Runstedter See aufgrund Vorgeschichte kein Badesee

Großkayna/Leipzig. Am 30. Juli 2019 wurde für das Tagebaurestloch Großkayna offiziell die Bergaufsicht beendet. Das Ende der Bergaufsicht wurde nach einer gemeinsamen Befahrung durch das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) festgestellt.

Aus Teilflächen des Tagebaurestloches Großkayna ist der Runstedter See hervorgegangen. Seinen Namen erhielt der Bergbaufolgesee von dem Ort Runstedt, der dem Bergbau weichen musste. Die Kohleförderung wurde 1908 nördlich der Ortslage Großkayna aufgenommen, die insgesamt fast 164 Millionen Tonnen Rohbraunkohle zu Tage brachte und 1965 endete. Insgesamt wurde eine Fläche von 441 Hektar in Anspruch genommen. Das Restloch wurde ab 1969 auf Grundlage eines zentralen Beschlusses mit Industrierückständen aus den Leuna- und in den 1980er Jahren zusätzlich aus den Buna-Werken verfüllt. Diese Verkippung wurde Anfang der 90er Jahre, ohne das Ziel einer vollständigen Verkippung nur annähernd erreicht zu haben, eingestellt.

Eine besondere Herausforderung bei der Sicherung der nun verbliebenen Hohlform stellte die Westböschung des Restloches dar. Diese wird von einem ca. 2,2 km langen und über 100 m hohen Kippendamm, welcher den Runstedter See vom Geiseltalsee trennt und auf welchem die gesamte Verkehrsinfrastruktur zwischen Merseburg und den Städten und Gemeinden des Geiseltales verlegt ist, gebildet. Da der einseitige Wasserdruck des entstehenden Geiseltalsees zum geotechnischen Versagen dieses Dammes geführt hätte, entschloss man sich auch das Tagebaurestloch Großkayna zu fluten.

Nach einer 2-jährigen Fremdflutung mit Saalewasser wurde 2002 der Endwasserstand erreicht. Das Projekt zur Sicherung der so entstandenen subaquatischen Deponie wurde zusammen mit der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) Sachsen-Anhalt unter Beteiligung des GFI Grundwasserforschungsinstitut GmbH Dresden, der IBeWa - Ingenieurpartnerschaft für Bergbau, Wasser- und Deponietechnik und der IHU Gesellschaft für Ingenieur-, Hydro- und Umweltgeologie mbH erarbeitet und in Projektträgerschaft der LMBV umgesetzt. Über drei schwimmende Tiefenwasserbelüftungsanlagen, verteilt über die Seefläche, wird Luftsauerstoff in die grundnahe Schicht des Wasserkörpers geleitet. Damit wird der natürliche Abbau des aus dem Deponiekörper austretenden Ammoniums erreicht. Der Prozess wird mittels eines Grund- und Seewassermonitorings überwacht. Der technisch unterstützte natürliche Schadstoffabbau wird noch mehr als 100 Jahre andauern.

Die bergbauliche Sanierung jedoch ist abgeschlossen. Im Rahmen der Wiedernutzbarmachung wurden die Böschungen erdbautechnisch gesichert, Filterbrunnen versetzt, das Restloch geflutet und eine umfassende Begrünung und Bepflanzung realisiert.

Auch wenn der Runstedter See aufgrund seiner Vorgeschichte kein Badesee sein wird, fungiert er als Landschaftssee und ist nicht zuletzt durch die intensiv ausgebildeten Schilfbestände ein bei Freizeitsportlern und Spaziergängern beliebtes Gewässer mit einer reichen Flora und Fauna.

Wandlungen und Perspektiven, Mitteldeutsches Revier, Heft 03 – Geiseltal (PDF 25,5 MB)

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