LMBV: Offizieller Baustart für die Sanierung des Altlastenprojektes Rositz-Schelditz

Erster Baggerbiss durch Ministerin Siegesmund erfolgt

Erfurt/Rositz. Die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund vollzog am 18. Oktober 2019 den ersten Baggerbiss und gab damit den offiziellen Startschuss zur Sanierung des Altlastenprojektes im Rositzer Ortsteil Schelditz.

Die Grußworte sprachen neben der Ministerin die LMBV-Sanierungsbereichsleiterin Grit Uhlig und der Rositzer Bürgermeister Steffen Stange.

Bei der Auftaktveranstaltung anwesend waren Vertreter des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN), des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN), des beauftragten Ingenieurbüros UEZ Consult, des Landratsamts Altenburger Land, der Verwaltungsgemeinschaft Rositz, der Bürgerinitiative Schelditz und der Projektträgerin LMBV.

Die Sanierungsarbeiten beginnen an der ehemaligen HO-Verkaufsstelle, in jenem Teilbereich, von dem bisher regelmäßig die stärkste Luftbelastung für das angrenzende Wohngebiet ausging. Nach den voraussichtlich dreiwöchigen Abrissarbeiten am Gewerbeobjekt wird die Baugrube temporär verfüllt und begrünt werden. Ab Frühjahr 2020 folgt der Abriss von acht weiteren Gebäuden in der Straße der Chemiearbeiter und der Talstraße. Darunter befindet sich auch der angrenzende Wohnkomplex Straße der Chemiearbeiter Nr. 2 bis 8.

Die geplanten Gefahrenabwehrmaßnahmen umfassen neben den Objektsicherungen auch Flächenmaßnahmen, insbesondere die Umverlegung des Gerstenbaches, die Anhebung der Talstraße, den Einbau einer Wasserhaushaltsschicht, die Verlegung von Drainagen sowie die Grundwasserreinigung und Ableitung in den Gerstenbach. Nach gegenwärtigen Stand der Planung und Erkundung ist mit einem Abschluss der investiven Maßnahmen im Jahr 2024 zu rechnen.

Bauausführende Firma für den Abbruch des HO-Gebäudes in der Straße der Chemiearbeiter 2a ist Baggerbetrieb Burkhardt GmbH aus Thonhausen. Die Baugrunderkundung und geotechnische Untersuchung zur Planung der komplexen Sanierungsvarianten erfolgt über die Firma Baugrunderschließung Grimme GmbH aus Meuselwitz. Die Maßnahme läuft von Juli 2019 bis voraussichtlich 1. Quartal 2020. Nötig sind u. a. Trockenbohrungen sowie die Errichtung von zahlreichen Grundwassermessstellen/Gütemessstellen. Parallel dazu erfolgen Raumluftmessungen und bodenphysikalische Laboruntersuchungen durch die Firma Hubert Beyer Umwelt Consult aus Leipzig sowie Grundwasserbeschaffenheitsuntersuchungen durch die Firma Eurofins Umwelt Ost aus Jena.

Grundlage für die Gesamtmaßnahme ist eine 2018 getroffene Vereinbarung zur gemeinsamen Finanzierung und Sanierung des Areals zwischen dem Freistaat Thüringen und der LMBV. Die Finanzierung seitens LMBV erfolgt über den § 3 des Verwaltungsabkommens zur Braunkohlensanierung.

Hintergrund

Das Altlastenprojekt Rositz-Schelditz ist deutschlandweit beispiellos. Die Kombination aus unterschiedlichen Ursachen und Zuständigkeiten sorgte für jahrelanges Ringen um eine rechtssichere Lösung. Schadstoffe eines ehemaligen Teerverarbeitungswerks Rositz befanden sich nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte in mehreren Metern Tiefe im Boden. Mit dem Grundwasserstrom wurden sie nach Schelditz verlagert und mit dem Grundwasseranstieg nach oben gedrückt. Ursache für den Grundwasserwiederanstieg ist insbesondere die schrittweise Einstellung des Braunkohletagebaus.

Der Freistaat Thüringen und die LMBV hatten sich nach intensiver Zusammenarbeit darauf verständigt, die großflächige Sanierung gemeinsam zu finanzieren. Eine entsprechende Vereinbarung war am 16. Februar 2018 von LEG-Geschäftsführer Andreas Krey sowie den LMBV-Geschäftsführern Klaus Zschiedrich und Dr. Hans-Dieter Meyer im Beisein der Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund unterzeichnet worden. Insgesamt investieren Bund und Land ca. 13 Millionen Euro in die Maßnahme.

Das Übereinkommen zur nachhaltigen Abwehr der Gefahren durch den Grundwasserwiederanstieg berücksichtigt auch den Ankauf nicht mehr nutzbarer Immobilien. Sieben private Wohnhäuser, ein ehemaliges Gewerbeobjekt und ein Wohnblock der Wohnbaugesellschaft Rositz sind durch den Wiederanstieg von kontaminiertem Grundwasser mit Schadstoffen belastet. Sie sind deswegen nicht mehr nutzbar und müssen zurückgebaut werden.

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