Region: Auf Bacchus‘ Spuren am Geiseltalsee - Testfeld mit 3 reblausresistenten Wein-Reben

Erfolgreiche Sanierung ermöglicht innovative Folgeprojekte in der Region

Bad Lauchstädt. Entstanden aus dem ehemaligen Braunkohlentagebau Mücheln – einem der größten in der damaligen DDR – fasst der Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt die beeindruckende Menge von 423 Millionen Kubikmeter Wasser. Damit zählt er zu den größten künstlichen Seen Deutschlands. An seiner tiefsten Stelle misst er 81 Meter. Das Gesicht des Geiseltals hat sich, geprägt von 300 Jahren Bergbau, vor allem in den letzten Jahrzehnten noch einmal grundlegend gewandelt. Mit der Sanierung und Flutung der ehemaligen Tagebauflächen entstand hier ein einmaliges Erholungsgebiet. Begrünte Böschungen, aufgeforstete Kippen und Wasser begeistern Einwohner und Touristen gleichermaßen.

Ein Weinanbaugebiet erwartet man als Geiseltal-Besucher dennoch nicht per se. Nichtsdestotrotz werden auf dem sonnigen Südhang der Halde Klobikau seit dem Jahr 2000 Rebstöcke angebaut. Und das sehr erfolgreich. Möglich wurde dies, weil im Rahmen der von der LMBV umgesetzten Böschungsstabilisierung die Südseite der Halde entsprechend modelliert wurde.

Der Steilhang wurde auf 25 Grad Neigung abgeflacht, so dass eine optimale Sonneneinstrahlung gewährleistet wird. Es herrschen ideale klimatische Bedingungen für den Weinanbau. Ein Wald schützt die empfindlichen Reben vor Kaltluft aus Nord- und Ostrichtung. Die Wasseroberfläche des Sees schafft ebenfalls günstige Voraussetzungen für den Weinanbau, da das Wasser die Sonne reflektiert, die Wärme tagsüber speichert und nachts an den Hang wieder abgibt. Die stetige Brise vor Ort schafft ihr Übriges. Schnell abgetrocknete Pflanzen sind gegenüber Pilzerkrankungen widerstandsfähiger.

Rolf Reifert, gelernter Maschinenbauer und zunächst Hobbywinzer, erkannte das Potenzial vor Ort und begann mit dem professionellen Weinanbau auf dem ehemaligen Kippenboden. Mittlerweile führt sein Sohn die Geschicke des Unternehmens während sich der Senior, mittlerweile im Ruhestand, einem ganz besonderen Forschungsfeld widmet. Denn so günstig die klimatischen Bedingungen vor Ort sind – bedingt durch die Bergbau-Geschichte hat der Boden des Weinberges seine ganz eigenen Anforderungen. Fehlt es diesem doch an der sogenannten Organik – sprich der Humusgehalt ist zu gering. Dies wiederum zieht beispielsweise eine geringe Wasserhaltequalität des Bodens nach sich. Ziel Reiferts ist es nun, die Organik des Bodens zu verbessern. Dem Winzer ist aber auch daran gelegen, den Einsatz von Spritzmitteln, beispielsweise gegen Pilzerkrankungen zu reduzieren. Denn neben dem erheblichen finanziellen Einsatz bedeute deren Anwendung Stress für die Pflanzen und ziehe eine geringere Traubensaftqualität nach sich, so der Winzer.

Seit 2014 baut Rolf Reifert auf einem Testfeld deshalb drei neue pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen der Rebschule Freytag an, die ohne Spritzmittel auskommen sollen. Die Unkrautbekämpfung erfolgt hier mechanisch. Interessant ist nun, was währenddessen im Boden geschieht. Und an dieser Stelle kommt eine erfolgreiche Kooperation zwischen Praxisbetrieb und Hochschule zustande. Unter der Leitung von Regina Walter, Professorin im Fachbereich Anorganische und Ökologische Chemie der Fachhochschule Merseburg, wird dies seit zwei Jahren wissenschaftlich untersucht.

Viermal jährlich werden Bodenproben entnommen und von den Studierenden u.a. auf Mikroorganismen und Enzymtätigkeiten im Labor analysiert. Anhand der Ergebnisse kann der Weinbauer Reifert genau bestimmen, welche Maßnahmen in welchem Umfang notwendig sind, um die Bodenqualität zu verbessern – beispielweise das Düngen mit Rindermist oder auch das Aufbringen von Heurollen. Das Resultat ist ein naturnah hergestellter Wein. Die Verbesserung der Bodenstruktur hat jedoch auch eine weitere positive Folge. Da die Pflanzen besser wurzeln können, erhöht sich zusätzlich die Standfestigkeit der Böschung.

Bis sich die Qualität des Bodens am Weinberg jedoch optimal entwickelt hat, werden wohl noch 20 bis 30 Jahre vergehen, so Prof. Regina Walter. Es ist wie mit einem erlesenen Wein - gut Ding will eben Weile haben.

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