LMBV: Zur Geschichte des Bergheider Sees – Vom Restloch zum Landschaftssee

Bergheider See vor der Flutung des Tagbaurestloches Klettwitz-Nord 2000

Wo einst Bergheide stand, erstreckt sich heute ein Landschaftssee

Aus dem zwischen 2001 und 2014 gefluteten Restloch der LMBV entstand der Bergheider See als Landschaftssee der Bergbausanierer mit einer Gesamtfläche von rund 320 Hektar. Namensgebend war der 1985 an dieser Stelle abgebaggerte Ort Bergheide mit einst 1.600 Einwohnern. Dieser Landschaftssee wird im nördlichen Bereich künftig vorrangig für den Tourismus genutzt, der südliche Teil bleibt dem Naturschutz vorbehalten.

Über eine unter anderem aus der Schwarzen Elster gespeiste 16 Kilometer lange Pipeline gelangte das Flutungswasser in den Bergheider See. Das kostbare Nass wurde zuerst über den Ferdinands- und den Südteich in Lauchhammer geführt und von dort über die Flutungsleitung in die Grubenwasserreinigungsanlage bei Lichterfeld. Von hier aus erfolgte die Einleitung in den entstehenden Bergheider See. Nach Erreichen des Endwasserstandes verfügt der See nun über ein Volumen von fast 40 Millionen Kubikmetern Wasser.

Flutungsbeginn der LMBV war offiziell am 7. September 2001. Mehrere Mio. Kubikmeter Grundwasser, Oberflächenwasser und Vorflutwasser aus der Schwarzen Elster haben dazu beigetragen, das Restloch des Tagebaus Klettwitz-Nord in dreizehn Jahren zu fluten. Das Flutungsende konnte am 19.05.2014 festgestellt werden. Der optimale Zielwasserstand liegt bei 107,5 m NHN. Der Ausgangswasserstand lag bei 62,00 m NHN.

Folgende Eckdaten - Ist-Zahlen IV. Quartal 2018 - liegen zum Bergbaufolgesee vor:

  • Wasserstand 107,39 m NHN
  • Seevolumen : 39,82 Mio. m³
  • Wasserfläche: 320,90 ha
  • pH-Wert liegt derzeit bei 2,89.

Zu den hydrologischen Randbedingungen gehört, dass ab einem Wasserstand von 107,45 m NHN der Auslauf in Richtung Heidesee anspringt. Der Verbindungsgraben zum Heidesee wurde Ende 2015 für eine Kapazität von 1,00 m³/s fertiggestellt. Seine Sohle liegt auf dem Höhenniveau von 107,40 m NHN. Zu den noch zu erledigenden Randbedingungen gehören die Sicherung von Filterbrunnen im Bereich Kleine Restlochkette und die Realisierung des Überleiters Restloch 131 Süd zum Restloch 113 – dies wurde im III. Quartal 2018 begonnen und wird bis Mitte 2019 dauern.

Die Wandlung des Restloches des Tagebaus Klettwitz-Nord zum Bergheider See mit Besucherbergwerk F 60

Die Wandlung des Restloches des Tagebaus Klettwitz-Nord zum Bergheider See ist fast abgeschlossen. Der Tagebau Klettwitz-Nord wurde ab 1984 schrittweise als Ersatz für den auslaufenden Tagebau Klettwitz aufgeschlossen. Er sollte damit die Rohkohlenversorgung für die Brikettfabriken in Lauchhammer und teilweise der Brikettfabriken in Senftenberg und Brieske übernehmen. Daraus ergaben sich hohe Anforderungen an die Ausstattung und Leistungsfähigkeit der im Tagebau einzusetzenden Gewinnungsgeräte und Förderanlagen.

Im Zeitraum von 1988 bis 1992 konnten dann im Tagebau Klettwitz-Nord, südlich des Ortes Lichterfeld gelegen, schon etwa 13 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden, bevor der Tagebau vor dem Hintergrund der Energiewende und Neuordnung der deutschen Energielandschaft angehalten wurde. Innerhalb der ehemals für den Abbau vorgesehenen Grenzen befindet sich daher noch immer ein gewinnbarer Vorrat von 234 Millionen Tonnen. Die Aufschlussbaggerung erfolgte aus dem Grenzschlauch des Tagebaus Kleinleipisch, westlich des ehemaligen Ortes Bergheide. Damit wurden auch die Voraussetzungen zur Einrichtung des Montageplatzes für die Abraumförderbrücke bei Lichterfeld geschaffen.

Die Aufschluss- bzw. Vorschnittmassen sind in den ausgekohlten Tagebauen Kleinleipisch und Klettwitz verkippt worden. Eine der größten beweglichen technischen Anlagen der Welt ging im Tagebau Klettwitz-Nord in Dienst. Für die Abraumbewegung wurde die von der Firma TAKRAF hergestellte Abraumförderbrücke Klettwitz-Nord vom Typ F 60 mit zwei Eimerkettenbaggern vom Typ Es 3750 eingesetzt. Mit über 500 Metern Länge und ca. 80 Metern Höhe wog sie im betriebsfähigen Zustand rund 13.600 Tonnen.

Die Abtragshöhe betrug, wie die Typbezeichnung verrät, ganze 60 Meter. Die F 60-36 im Tagebau Klettwitz-Nord ist eine von fünf fast baugleichen Seriengeräten. Nach der knapp dreijährigen Montage vor Ort ging sie im März 1991 in Betrieb. Mit ihren zwei angeschlossenen Baggern als „Zuarbeiter“, die heute noch im LEAG-Tagebau Welzow-Süd arbeiten, hatte sie eine Förderleistung von 29.000 Kubikmetern pro Stunde (50.000 Tonnen). Dies entspricht dem Volumen eines sieben bis acht Meter hohen Körpers mit der Grundfläche eines Fußballfeldes.

Die Abraumförderbrücke ist eine den Tagebau überspannende Stahlkonstruktion mit eingebauten Bandanlagen, die die Gewinnungsseite und die Verkippungsseite direkt miteinander verbindet. Auf der Gewinnungsseite sind ein oder zwei Bagger an die Brücke angeschlossen, die den Abraum zu den Förderbändern der Brücke transportieren. Über diese Bänder wird der Abraum auf die gegenüberliegende Seite der Grube befördert und dort verkippt. Die Förderbrücke dient ausschließlich der Freilegung der Braunkohle und nicht deren Förderung. Für letzteres sind die unterhalb der Brücke arbeitenden Kohlenbagger zuständig.

Der Gedanke eines Besucherbergwerks rückte in den Folgejahren in den Vordergrund, zu dem die Brücke nun gemeinsam mit der LMBV und der IBA entwickelt wurde. Die Abraumförderbrücke wurde dazu aus dem Tagebau hinaus noch einmal an ihren heutigen Standort verfahren. Aufwändige technische Vorbereitungen gingen der Aktion voran, die von fast 5.000 Schaulustigen beobachtet wurde. Sie stellt ein beeindruckendes Zeugnis der Bergbautechnik des 20. Jahrhunderts dar. Nach der Stilllegung der F 60 war deren Sprengung geplant. Während vieler Gespräche zwischen den beteiligten Akteuren wurde schnell klar: Die F 60 muss der Nachwelt erhalten bleiben.

Von diesem Erfolg ermutigt, öffnete man Ostern 2000 das Areal rund um die F60 für Besucher. Im September 2000 besuchte Bundeskanzler Gerhard Schröder die LMBV und auch die F60. Ihm konnte ein schlüssiges Konzept aus Besucherbergwerk, künftigem See und Erholungslandschaft vorgestellt werden und ein Einblick in die Bergbausanierung bei der Restlochgestaltung gegeben werden. Das heutige Besucherbergwerk F 60 war als Abraumförderbrücke in Lichterfeld bei Finsterwalde einst eine der größten beweglichen technischen Anlagen der Welt. Seit 1992 stand sie still und fungiert nun seit 2002 als begehbares Besucherbergwerk und Veranstaltungsort.

1998 hatte die Gemeinde Lichterfeld- Schacksdorf bereits die Förderbrücke, den Werkstattwagen und rund 70 Hektar Fläche im Umfeld von der LMBV gekauft. Im Februar 2000 fuhr der Stahlriese die letzten 400 Meter aus dem Tagebau heraus an seinen vorgesehenen heutigen sicheren Standort am Nordufer des künftigen Bergheider Sees und wurde in der folgenden Zeit zum Besucherbergwerk umgebaut. Die LMBV übernahm im Auftrag des Landes Brandenburg die Montage des 80 Meter über dem Erdboden schwebenden Aussichtscontainers und die Umrüstung von circa 1.300 Metern Laufstegen zu einem touristischen Rundweg in luftiger Höhe. Anfangs gab es Schnuppertouren, später Rundläufe. Bei der Eröffnung mussten fast 4.000 Besucher geführt werden, die voller Erwartung vor ihm standen, so Olaf Umbreit vom Förderverein Besucherbergwerk F 60 e. V.

Seit der Eröffnung 2002 kann die Brücke, die weiterhin unter Bergrecht steht, zu Fuß erklommen werden. In Lichterfeld steht dieser Gigant der Technik: 502 Meter lang, 204 Meter breit, 80 Meter hoch und 11.000 Tonnen schwer. Mit Veranstaltungen wie dem Lichtwechsel bis hin zu Rock- und Klassikkonzerten bietet die F60 die Kulisse für eine Vielzahl kultureller Events. Mit ihren jährlich etwa 65.000 bis 70.000 Besuchern hat sich die auch als liegender Eiffelturm der Lausitz bekannte Förderbrücke zu einem touristischen Magneten in der Bergbaufolgelandschaft entwickelt. Am 28.10.2016 wurde bereits der Millionste Gast seit der Eröffnung begrüßt.

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