Regionalplaner informiert in Freiberg über das Leipziger Neuseenland und die Entwicklungen in der Energieregion

Freiberg. Am 17. Januar 2013 findet um 19:30 Uhr das 115. Freiberger Kolloquium statt. Vortragender ist  Prof. Dr. Andreas Berkner vom Regionalen Planungsverband Westsachsen, der gleichzeitig Honorarprofessor am Institut für Geographie der Universität Leipzig ist. Er berichtet zum Thema: „Das Leipziger Neuseenland – Entwicklung zwischen aktivem Tagebau und Landschaften nach der Kohle“.

Im europäischen, vielleicht sogar im Weltmaßstab, existiert kaum eine Landschaft, die in vergleichsweise kurzen Zeiträumen einem derart intensiven Wandel unterlag. Der Braunkohlenbergbau, der im Mitteldeutschen Revier seit über 600 Jahren umgeht und mit Brikettierung, Verschwelung und Verstromung Hochtechnologien ihrer Zeit hervorbrachte, entwickelte sich seit 1850 zunehmend zum „geologischen Faktor“. Zugleich bildete er eine der Grundvoraussetzungen für Industrialisierung, Siedlungsentwicklung und Beschäftigung. Die Kehrseite der Medaille bestand in massiven Umweltbelastungen maßgeblich durch Rauchgase, Abwassereinleitungen und ungeordnete Ablagerungen. Hinzu kamen Abbauplanungen, die etwa in der Dübener Heide bis ins 23. Jahrhundert reichten und mit gravierenden Entwicklungsrestriktionen verbunden waren. In der Folge wurde die Region Leipzig 1990 eher als „ökologische Katastrophenregion“ denn als „Region der Zukunft wahrgenommen.

Seit 1990 ist die Braunkohlenplanung als Bestandteil der Regionalplanung in Sachsen im Zusammenwirken mit Kommunen, Behörden, Bergbautreibenden, Wissenschaft, Verbänden und Bürgern damit befasst, die laufenden Rekultivierungsdefizite schrittweise abzubauen und einen Imagewandel für die „Landschaft nach der Kohle“ zu bewirken. Dabei konnten zwischenzeitlich vorzeigbare Erfolge gerade im Leipziger Neuseenland erreicht werden, für die nicht nur der Cospudener und der Markkleeberger See exemplarisch anzuführen sind. Auch bei der Sicherung von Naturschutzflächen, der Waldmehrung und dem Ausbau des touristischen Gewässerverbundes sind signifikante Fortschritte zu verzeichnen. Zudem wurden die Belange des Zukunftsbergbaus im Tagebaubereich Vereinigtes Schleenhain geordnet. Leipzig-Westsachsen kann als einer der wenigen Räume in Sachsen tatsächlich für sich in Anspruch nehmen, eine Energieregion zu sein. Andererseits bestehen bei allen Erfolgen nach wie vor auch „heiße Eisen“, die sich zwischen den Auswirkungen des Hochwassers vom August 2002 und der Rutschung Nachterstedt vom Juli 2009, den Folgen des Grundwasseranstiegs und bergbaubedingten Umsiedlungen bewegen.

Der Referent ist als Leiter der Regionalen Planungsstelle Leipzig, mit seiner Honorarprofessur an der Universität Leipzig, als Mitglied in mehreren Fachgremien und nicht zuletzt als Vorsitzender des Dachvereins Mitteldeutsche Straße der Braunkohle e.V. seit langem und in vielfältiger Weise verantwortlich in die Prozesse eingebunden, so dass er die Hauptentwicklungslinien für das Leipziger Neuseenland, gestützt auf Fallbeispiele, aufzeigen kann. Die Organisatoren des Freiberger Kolloquiums laden zum Vortrag herzlich ein. Die Veranstaltung findet im Vortragsraum der terra mineralia im Schloss Freudenstein in Freiberg statt.

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