Tochterfirma GVV begeht den Zwanzigsten festlich in Sondershausen mit vielen Gästen

Glückwünsche der Muttergesellschaft LMBV an GVV-Belegschaft

Sondershausen. „GVV – Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH ist nicht nur unser Firmenname, gleichzeitig umschreibt er auch unseren klar definierten Unternehmensauftrag, mit dessen Zielsetzung die Gesellschaft im Januar 1993 ihre operative Geschäftstätigkeit aufgenommen hat“, so Geschäftsführer Klaus-Dieter Bahr am 4. September 2013 in Sondershausen. “Zwanzig Jahre GVV: eine runde Zahl, ein Jubiläum und – so meine ich – auch die Erfolgsgeschichte eines Bundesunternehmens, mit der niemand bei Gründung der Gesellschaft – zumindest was ihren bisherigen zeitlichen Horizont betrifft – rechnen konnte und gerechnet hat.“ Rund 300 Gäste waren der Einladung der GVV zur Jubiläumsveranstaltung gefolgt, darunter der Umweltminister des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Hermann Onko Aeikens, die Landrätin des Kyffhäuser-Kreises Antje Hochwind, der BMF-Abteilungsleiter Dr. Bruno Kahl sowie die Spitzen von Berg- und Umweltbehörden und Partnerunternehmen.

In ihrer Festrede blickte die Geschäftsführung auf die zurückgelegte Strecke: So führten nach der Wiedervereinigung betriebswirtschaftliche Bewertungen zu dem Ergebnis, dass die überwiegende Zahl der Betriebe des Kali, Erz- und Spatbergbaus der ehemaligen DDR nicht wirtschaftlich weitergeführt werden konnten. In diesen Betrieben wurde deshalb noch in den Jahren 1990 und 1991 die Förderung eingestellt. Es verblieb die Aufgabe, die Bergwerke nach den einschlägigen berg- und umweltrechtlichen Vorschriften stillzulegen und zu verwahren. Daneben galt es, die wirtschaftlich nachnutzbaren Vermögensteile zu privatisieren. Von der Treuhandanstalt mit diesem Auftrag ausgestattet, nahm die GVV – hervorgegangen aus dem GmbH-Mantel „Gasversorgung für den Kreis Perleberg GmbH“ – im Januar 1993 zunächst mit Sitz in Erfurt als Holding von acht selbstständigen Tochtergesellschaften ihre operative Arbeit auf.

Noch im gleichen Jahr wurden diese Gesellschaften auf die GVV verschmolzen und so die Voraussetzungen für den Aufbau einer straffen Organisationsstruktur und eines effektiven Planungs- und Rechnungswesens geschaffen. Der Personalkörper der GVV betrug zu diesem Zeitpunkt über 1.500 Mitarbeiter. Im Jahr 1994 wuchs er mit der Übernahme auch des Bergwerkes Bischofferode auf rund 1.800 Mitarbeiter an. Im Vergleich dazu sind heute, 20 Jahre später, rund 125 Mitarbeiter bei der GVV beschäftigt. Zum 1. Januar 1998 verlegte die GVV im Zuge der Konzentration ihrer Aufgabenschwerpunkte auf das Südharzrevier, ihren Firmensitz zum Petersenschacht nach Sondershausen. Wo in der Vergangenheit Kali gefördert worden ist, haben sich die Aufgabeninhalte geändert. Seit diesem Zeitpunkt steht insbesondere entsprechend der Unternehmenssatzung u. a. die Verwahrung und Sicherung nicht nachnutzbarer untertägiger Hohlräume sowie deren Nutzung und Verwertung im Vordergrund. Mit Wirkung vom 1. Januar 2000 wurde die GVV eine Tochtergesellschaft der LMBV.

Das entsprechend dem Gesellschaftsauftrag der GVV sehr breit gefächerte Spektrum der untertägigen Verwahrmaßnahmen der ehemals 18 und zurzeit noch zehn Bergwerksstandorte im Freistaat Thüringen und Sachsen sowie dem Land Sachsen-Anhalt ergibt sich aus den geologischen und hydrologischen Rahmenbedingungen, den ursprünglichen Abbauverfahren und der jeweils zu berücksichtigenden Situation an der Tagesoberfläche. Vereinfacht kann dabei zwischen den Verwahrmaßnahmen des Kalibergbaus und denen des Erz- und Spatbergbaus unterschieden werden. Hierbei konzentrieren sich die Verwahrmaßnahmen des Kalibergbaus auf das Südharzrevier im Norden Thüringens. Die Verwahrstandorte des Erz- und Spatbergbaus hingegen sind räumlich weit vom Harz bis in das Erzgebirge verstreut auf das Bundesland Sachsen-Anhalt und die Freistaaten Sachsen und Thüringen. Als Verwahrschwerpunkt der GVV und damit auch mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden war die Durchführung der Versatzarbeiten in den Kalibergwerken Sondershausen, Bleicherode, Sollstedt und Bischofferode zur Abwehr von Gemeinschäden im Einwirkungsbereich dieser Bergwerke. Insgesamt sicherte die GVV in diesem Zusammenhang über 10 Millionen Kubikmeter Hohlraum – größtenteils im so genannten Eigenversatz. Die abklingende Seismizität wie auch der Senkungsverlauf an der Tagesoberfläche gibt der GVV die Zuversicht, dass es damit gelungen ist, künftige Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit nachhaltig auszuschließen.

Mit Einstellung der Förderung in den Kalibergwerken der GVV standen insgesamt 30 Tagesschächte im Thüringer Südharzrevier zur Verwahrung an. Außerdem hat die GVV die Aufgabe übernommen, zwölf Altkalischächte im Staßfurter Revier in Sachsen-Anhalt zu verwahren. Wegen ihrer hydrologischen Schutzwirkung gegen Süßwasserzuflüsse in die Grube einerseits und gegen Laugenaustritte in die Biosphäre andererseits, werden an die Ausführung von Schachtverwahrungen besonders hohe Anforderungen gestellt. Bislang hat die GVV nach diesem Prinzip der Langzeitsicherheit den größten Teil ihrer Schächte im Südharzrevier und Staßfurter Revier verwahrt. Die heute noch offenen Schächte müssen bis zum Abschluss der noch erforderlichen untertätigen Sicherungsmaßnahmen aufrecht erhalten werden, wobei nach derzeitigem Stand davon auszugehen ist, dass im Wesentlichen die Schachtverwahrungen bis 2017 abgeschlossen sein werden.

Die übertägigen Verwahrmaßnahmen in den Bergwerken der GVV orientieren sich an dem Wiedernutzbarmachungsgebot des Bundesberggesetzes. Sie umfassen den Abbruch nicht nachnutzbarer baulicher Anlagen, die Sanierung von Altlasten sowie die Sicherung von Halden und industriellen Absetzanlagen. Bis auf die noch betriebsnotwendigen Gebäude konnte die GVV auch diese Arbeiten zurückblickend im Wesentlichen zum Abschluss bringen. Die Wiedernutzbarmachung der ehemaligen Betriebsflächen steht dabei in engem Zusammenhang mit dem zweiten Gesellschaftsauftrag, der Verwertung. Die GVV hat mit den auf sie übertragenen Bergwerksbetrieben bislang über 3.000 Hektar Grund und Boden mit aufstehenden Gebäuden übernommen. Soweit diese Flächen nicht mehr für Verwahrarbeiten betriebsnotwendig oder durch Haldenaufschüttung dauerhaft belegt sind, werden sie privatisiert oder kommunalisiert. Die Privatisierung verfolgt dabei vornehmlich das Ziel, mit der Neuansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben in den monostrukturierten Bergbauregionen neue zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen.

Bislang ist es der GVV gelungen, etwa 65 Prozent ihres Flächenbestandes zu privatisieren und rund 10 Prozent zu kommunalisieren. Hiermit konnten weit über 400 Firmen angesiedelt, 6.100 neue Arbeitsplätze geschaffen sowie Investitionen von rund 364 Millionen Euro ausgelöst werden. Die dabei erzielten Erlöse belaufen sich auf rund 100 Millionen Euro. Ausgehend vom Beginn der Tätigkeit der GVV im Jahr 1993 bis zum heutigen Tage belaufen sich die Aufwendungen für die Verwahrung und Verwertung der Bergwerksbetriebe der GVV auf rund 1,1 Milliarden Euro. Lag dabei das Jahresbudget der GVV in ihren Anfangsjahren noch bei etwa 110 Millionen Euro pro Jahr, so beträgt es 2013 rund 45 Millionen Euro. „Ebenso wie die Bundesfinanzierung verlaufen auch die Länderfinanzierungen schon seit langem reibungslos und äußerst zeitnah“, so Bahr. Gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Zschiedrich sprach er anlässlich des Jubiläums allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hierfür seine Anerkennung und den besonderen Dank mit der herzlichen Bitte für ein „Weiter so!“ aus. Der Aufsichtsratsvorsitzende der GVV, Prof. Kuyumcu, betonte, dass die GVV für die Erfüllung ihres Gesellschaftsauftrages rund 1,3 Milliarden Euro investiert habe. „Eine gut angelegte Investition in unsere Bergbaureviere, eine Investition, die Dank des erfolgreichen Wirkens der GVV schon seit längerem nachhaltige Früchte trägt.“

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