Zusammenfassung der von der LMBV in einem Pressegespräch am 15.07.2010 in Nachterstedt präsentierten Aussagen

Senftenberg/Nachterstedt. Auf einem von der LMBV einberufenen Pressegespräch am 15.07.2010 in Nachterstedt haben der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr Mahmut Kuyumcu, und der Leiter des vom Unternehmen beauftragten Gutachterteams, Prof. Dr. Rolf Katzenbach von der Technischen Universität Darmstadt, zum Stand und weiteren Ablauf der Untersuchungen der Böschungsbewegung vom 18.07.2009 ausführlich informiert und insbesondere folgende Aussagen getroffen:

Dr. Kuyumcu sprach erneut sein tiefes Mitgefühl für die Hinterbliebenen der Opfer der Böschungsbewegung aus. Ebenso brachte er sein Mitgefühl für die  42 Bewohner aus 23 Haushalten des Schadensgebietes zum Ausdruck, die seitdem ihr zuhause aufgeben mussten. Ihre Zusage zur unbürokratischen Hilfe an die Betroffenen hat die LMBV in der zurückliegenden Zeit so rasch wie möglich umgesetzt. Neben der Einrichtung eines Kontaktbüros vor Ort und einer finanziellen Soforthilfe wurden bisher schon mit 19 von 23 Haushalten abschließende Regulierungsvereinbarungen getroffen. Mehr als 5,5 Mio. Euro wurden dafür bereits aufgewendet, so Kuyumcu.

Zur Untersuchung der Ursachen wurde ein interdisziplinäres Team aus Vertretern der Fachrichtungen Geotechnik, Bergbautechnik, Hydrologie, Seismik, Grundwasserfragen und Altlasten zusammengestellt. In fünf Schritten erfolgt unter Leitung von Prof. Katzenbach erstens die Identifizierung der möglichen Schadenseinflussfaktoren, zweitens die Erarbeitung und wissenschaftlich Begleitung bzw. Durchführung von Erkundungsmaßnahmen, drittens die wissenschaftliche Analyse des Schadensereignisses sowie die Bewertung der vorliegenden Standsicherheitsnachweise und fünftens der Entwurf und Durchführung der Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen.

Die LMBV machte deutlich, dass die Ursachenerforschung auch für die anderen rund 50 großen Bergbaufolgeseen in Verantwortung der LMBV von Bedeutung ist, falls es zu Schlussfolgerungen kommt, die bezüglich der Sicherheit der Böschungen an anderen Standorten zu berücksichtigen wären. Bisher gibt es dafür jedoch keine Hinweise. Dr. Kuyumcu unterstrich, dass die Ursachenermittlung noch nicht abgeschlossen werden konnte, da bisher aus sicherheitstechnischen Gründen ein Zugang zum Schadensgebiet nicht möglich war, aus dem aber die Gutachter der LMBV und des Bergamtes zusätzliche und neue Informationen benötigen.

Gegenwärtig werden die Unterlagen für die weitere Erkundung des Rutschungskessels vervollständigt und in der kommenden Woche bei der Bergbehörde eingereicht. Bisher war aus Sicherheitsgründen ein Vordringen zum Rutschungskessel untersagt. Die jetzt dem LAGB zur Genehmigung einzureichende 113. Ergänzung zum Abschlussbetriebsplan sieht vor, das Erkundungsprogramm nach Prüfung und Freigabe durch die Behörde sowie nach Ausschreibung und Vergabe der Maßnahmen von Oktober 2010 bis Mai 2011 umzusetzen. Dazu sollen Bohrungen, Drucksondierung, Grundwassermessstellen und evtl. Brunnen vor und im Bereich des Rutschungskessels von einem hochseetauglichen Ponton aus niedergebracht werden, auf dem die Sicherheit der Mitarbeiter auch bei bestimmten Vorkommnissen gewährleistet sein wird. Ein gesondertes Konzept zur Bergung der Vermissten vom Böschungsunglück vom 18.07.2009 soll im Zeitraum November 2010 bis Februar 2011 umgesetzt werden.

Parallel sollen bis 2013 weitere Brunnen in Betrieb gehen, die bis Juni 2011 entstehen werden. Die Sanierung des beeinträchtigten Böschungsabschnittes  wird voraussichtlich von Juli 2011 bis 2015 andauern. Dabei sollen nach Beginn der Sanierungsmaßnahmen ab Juni 2011 im Schadensgebiet die Sicherungsmaßnahmen mit der Zeit soweit vorangebracht worden sein, dass eine Zwischennutzung des Bergbaufolgesees Concordia schrittweise schon wieder ab Juli 2012 möglich wird, so Dr. Kuyumcu. Unter Berücksichtigung dieser Maßnahmen wird das Flutungskonzept sich um einen Zeitraum von ca. vier bis fünf Jahren verlängern und bis ca. 2025 andauern. Die Flutung des Concordiasees ist in jedem Fall technisch alternativlos.

Prof. Katzenbach zeigt auf, welchen Untersuchungsfragen er sich zugewandt hat. Rund 2.500 Altunterlagen wurden ausgewertet. Dies betreffen u. a.:

A) historischen Altbergbergbau
B) umweltgeotechnischen Anomalien / Altlasten
C) hydrogeologische Anomalien
E) Seismik / Erdbeben / Energieeintrag
E) (Alt-) Infrastruktur
F) meteorologische Einflüsse
G) sonstige Einflussfaktoren.

Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen verwies Prof. Katzenbach auf bis dato nicht bekannte oder nicht vollständig verfüllte Grubenbaue im Bereich der Grube Ludwig bei Frose. Auch mögliche hydraulische Verbindungen im Untergrund zwischen Frose und Nachterstedt müssen weiter untersucht werden. Als Beispiel für Anomalien machte er auf nach der Böschungsbewegung aufgetretene Wassertrübungen im Concordiasee aufmerksam. Hinsichtlich von seismischen Einflüssen wird der Eintrag von „natural or manmade hazards“ weiter untersucht werden. Nach weitgehendem Abschluss des bisher vorliegenden sehr umfangreichen Datenmaterials liegt der Schwerpunkt der künftigen Untersuchungen auf weiteren - neuen - Erkundungen im und um den Rutschungskessel.

Die bisherigen Auswertungen lassen lediglich den Schluss zu, dass hier offenbar ein sehr komplexer Ursachenhintergrund vorliegt und mehrere Einflussfaktoren wohl gleichzeitig, jedoch uns in einer noch nicht bekannten Art und Weise zusammengewirkt haben.

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