Sorgen um Grundwasserwiederanstieg bei Nachterstedt - LMBV-Antwort an Gaterslebener Anfrager und Mitteldeutsche Zeitung

Mit Schreiben vom 18.3.2010 informierte die Redakteurin R. Lotzmann über die Anfrage eines Lesers aus Gatersleben. Dieser befürchtet durch den weiter ansteigenden Wasserspiegel des Concordiasees eine Vernässung der Ortschaft Gatersleben inklusive der dort befindlichen Wohnhäuser und bittet um Auskunft zur weiteren Entwicklung.

Als Vertreter der lokalen Presse bat R. Lotzmann die LMBV um die Beantwortung der o. g. Frage, wozu diese am 7.4.2010 wie folgt Stellung nahm:

Das Regionale Teilgebietsentwicklungsprogramm (TEP) für den Planungsraum Nachterstedt „Seeland“ (1994) ging von einem Endwasserstand von +105 m NHN für die Restlochseen (Concordiasee und Königsauer See) aus.  Überschusswasser sollte über ein natürliches Gefälle zu einem Vorfluter abgeleitet werden sollte, um den vorgenannten Endwasserstand zu halten.

Aus fachlich-hydrologischen Gründen und im Ergebnis entsprechender Untersuchungen wurde der ursprünglich geplante Wasserstand für die Seen in den Tagebaurestlöchern Nachterstedt und Königsaue um 2 Meter , d.h. auf +103 m NHN reduziert. Im Grundwasserwiederanstiegbereich um die Tagebaurestseen werden hierdurch lokal für den stationären Endzustand größere Grundwasserflurabstände und damit ein geringeres Vernässungsrisiko für nicht angepasste Bausubstanz erreicht als nach den Zielen des Regionalen Teilgebietsentwicklungsprogramms zu erwarten war.

Um die Folgen  des Grundwasserwiederanstiegs auf die verschiedenen Schutzgüter wie z. B. Häuser, Straßen, Ver- und Entsorgungsleitungen zu erfassen und zu bewerten wurden durch die LMBV zahlreiche Grundwassermessstellen im Umfeld der ehemaligen  Tagebaue Nachterstedt und Königsaue errichtet. Auf der Grundlage  eines Geohydrologischen  Modells werden die  Grundwasserströmungsverhältnissse  und der Grundwasserwiederanstieg berechnet: Die gemessenen Grundwasserstände und aktuelle Randbedingungen wurden zum Modellabgleich genutzt und das Modell somit seit Beginn der 90er Jahre ständig nach den neuesten Erkenntnissen weitergeführt.

Gatersleben liegt im westlichen Randbereich des Grundwasserwiederanstiegsgebietes um die ehemaligen Tagebaue Nachterstedt/Königsaue. Für Teilbereiche der Ortslage werden bei mittleren Grundwasserneubildungsraten Grundwasserflurabstände von ≤ 2 m im Endzustand prognostiziert. Daher wurden in den Jahren 2004 und 2005 Bestandsaufnahmen von 460 Gebäuden durchgeführt, d. h. es wurde der aktuelle Zustand auf das Vorhandensein von Schäden geprüft und eine Einmessung des tiefsten Punktes des Gebäudes (in der Regel Oberkante Kellerfußboden) vorgenommen.

Nach Verschneidung des Gebäudetiefpunktes mit dem prognostizierten Endstand des Grundwassers wurden 30 Gebäude ermittelt, bei denen sich der Grundwasserspiegel ≤0,5 m unter der Oberkante des Kellerfußbodens einstellen wird und somit als vom Grundwasserwiederanstieg betroffen gilt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Keller unter Wasser stehen werden, da lokal verbreitete bindige Deckschichten in vielen Fällen das Wasser von den Gebäuden abschirmen und nur der Druck der Wassers die genannte Höhe besitzt.

Die Selke wird abhängig von ihrem Wasserstand den Grundwasserstand, besonders im westlichen Teil von Gatersleben, beeinflussen, dies geschieht aber unabhängig vom allgemeinen Grundwasserwiederanstieg.

In diesem Jahr wird mit den fortgeführten Modellergebnissen und unter Berücksichtigung der bis Ende 2009 durchgeführten hydrogeologischen Untersuchungen mit der Errichtung von zusätzlichen Grundwassermessstellen in den nordwestlichen Randbereichen des Concordiasees eine erneute Berechnung erfolgen, um zu präzisieren, wie die Grundwasserspiegelentwicklung an den einzelnen Gebäuden in Gatersleben verläuft. An allen Gebäuden, an denen das Schutzziel verletzt wird, werden durch die LMBV Untersuchungen und Planungen vorgenommen, wie die Gebäude geschützt werden können. Solche Untersuchungen fanden bisher beispielhaft an verschiedenen Objekten in Gatersleben statt (Unterdamm, Neuer Weg, Am Anger, Schulstraße, Lange Straße). Bisher waren noch keine Einflüsse durch den Grundwasserwiederanstieg erkennbar.

Die bisherigen Probleme sind meist technisch bedingt und resultierten aus einem unzureichenden baulichen Zustand der Objekte oder werden hydraulisch von der Selke verursacht (Hochwasser, Mittelwasser, Abflussgang).

Der weitere Grundwasserwiederanstieg wird in Gatersleben durch die vorhandenen Grundwassermessstellen überwacht.

An gefährdeten Gebäuden wird die LMBV rechtzeitig Planungen zur Gefahrenabwehr vornehmen und Maßnahmen zum Schutz der Gebäude im Vorfeld des einsetzenden Grundwasserwiederanstiegs ergreifen. Die Untersuchungen / weitere Planungs- und Realisierungsleistungen werden im Auftrag des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt von der LMBV mbH als Projektträgerin für Maßnahmen zur Gefahrenabwehr infolge des Grundwasserwiederanstieges koordiniert.

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