Statement von Dr. Mahmut Kuyumcu, LMBV, anlässlich der Gedenkveranstaltung in Nachterstedt am 18.07.2010

Statement von Dr. Mahmut Kuyumcu, Vorsitzender der Geschäftsführung der LMBV anlässlich der Gedenkveranstaltung in Nachterstedt am 18.07.2010

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Meyer, sehr geehrter Herr Bürgermeister Hampe, sehr geehrter Herr Pfarrer Holtz, sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger von Nachterstedt, meine sehr verehrten Damen und Herren,

im Namen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft und persönlich begrüße ich Sie alle herzlich und danke Ihnen, Frau Bürgermeisterin Meyer, für die Möglichkeit, dass ich heute anlässlich der Gedenkveranstaltung zu Ihnen sprechen darf; im Gedenken an Ilka und Peter Kollert sowie an Thomas Holzapfel-Saalfeld, die im Zuge der Böschungsbewegung am Tagebau Nachterstedt ihr Leben verloren haben.

Mein tiefes Mitgefühl gilt den Familienmitgliedern, Ihnen meine Damen und Herren, für den großen Verlust und Schmerz, den Sie seit einem Jahr erleiden; ebenso Ihnen, den Verwandten und Freunden. Ich wünsche Ihnen allen, weiterhin Kraft und Geduld, Kraft und Geduld auch für die Zuversicht für die Zukunft.

Mein tiefes Mitgefühl spreche ich ebenso Ihnen, meine Damen und Herren betroffene Anwohner, die heute vor einem Jahr ihre Häuser und Wohnungen in den frühen Morgenstunden verlassen mussten und vor allem Ihnen, von der Siedlung „Am Ring“, die seit dem ihr Zuhause haben aufgeben müssen.

Gleichzeitig möchte ich Ihnen allen, meine Damen und Herren, meine Anerkennung für Ihre persönliche Gefasstheit all die Zeit und meinen Dank für Ihren persönlichen Einsatz aussprechen, gemeinsam mit der LMBV die ungewöhnliche Herausforderung zu bewältigen, daran mitzuwirken, dass für den vielfältigen materiellen und ideellen Verlust, den Sie haben hinnehmen müssen, zumindest materiell ein vertretbarer adäquater Ersatz ermöglicht wird.

Wenn wir auch bis heute noch nicht die Unglücksursache und damit die Verantwortlichkeit kennen, so bin ich als Vertreter des hier schon seit langem tätigen Bergbauunternehmens, eines Unternehmens, das sich mit der Region verbunden fühlt, froh, dass wir die Frage der Verantwortlichkeit zunächst zurückgestellt haben und dass es uns zusammen mit Ihnen, den Betroffenen gemeinsam gelungen ist, in einer vertretbaren kurzen Zeitspanne die Grundlagen dafür zu schaffen, damit Sie, die Betroffenen, teilweise schon letztes Jahr damit beginnen konnten, den Blick nach vorne zu richten und Pläne für ein neues Zuhause und für eine neue Zukunft aufzubauen.

Gestatten Sie mir jetzt, meine Damen und Herren, Sie aus der Sicht der LMBV kurz auch über den Stand sowie den geplanten Ablauf der Ursachenermittlung und über die Perspektive des Concordiasees, zu informieren.

Die Unglücksursache kennen wir leider noch nicht, obwohl die Gutachter der LMBV und der uns beaufsichtigenden Bergbehörde, die auch der Staatsanwaltschaft Magdeburg zuarbeitet, in der Zwischenzeit ein umfangreiches Material an Altdaten und ein ebenso umfangreiches Material an neu erhobenen Daten weitestgehend ausgewertet haben.

Zwei Gründe sind dafür verantwortlich:
Zum einen liegt hier offenbar ein sehr komplexer Ursachenhintergrund vor, wo wahrscheinlich mehrere Faktoren gleichzeitig, aber in einer uns noch unbekannten Weise zusammengewirkt haben.

Zum Zweiten haben wir aus sicherheitstechnischen Gründen noch keinen Zugang zum unmittelbaren Schadensgebiet, d. h. zum Rutschungskessel und seiner Umgebung. Die Gutachter benötigen jedoch neue Informationen aus diesem Bereich, für deren Gewinnung aber der Einsatz von schweren Geräten, wie z. B. Bohrmaschinen erforderlich ist. Bei alldem muss verständlicherweise die Unversehrtheit der einzusetzenden Mannschaft stets gesichert sein. Diesen Zugang planen wir nunmehr seeseitig mit Einsatz von hochseetüchtigen Booten.

Den Betriebsplan hierzu wollen wir noch in den nächsten Tagen einreichen. Nach Genehmigung und Ausschreibung der Maßnahmen wollen wir noch im Oktober mit der Umsetzung beginnen. Die geplanten Arbeiten werden, ergänzt mit landseitigen Maßnahmen, bis etwa Mai 2011 andauern. Dann müsste die noch vorhandene Datenlücke für die Gutachter geschlossen und die Ursache wohl identifizierbar geworden sein.

In dieses Zeitfenster haben wir auch die Maßnahmen zur Bergung der Opfer, der wir heute gedenken, eingeordnet, natürlich nur in vorheriger Abstimmung mit den Hinterbliebenen.

Ab Mitte des nächsten Jahres wollen wir dann mit der Sicherung und Sanierung des beeinträchtigten Böschungsareals beginnen. Die Neugestaltung der Böschung wird voraussichtlich bis 2015 andauern. Aber nach unseren Planansätzen wird die Sanierung bis Mitte 2012 einen solchen Stand erreicht haben, dass ab etwa Juli 2012 schrittweise mit einer Zwischennutzung des Concordiasees beginnen werden können. Dieses Ziel ist gewiss ambitioniert, aber auch nach heutiger Einschätzung realistisch.

Nach Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit auf dem und um den Concordiasee und mit der schrittweisen Einführung einer Zwischennutzung kann dann das Seeland-Projekt, mit dem sich die Menschen in der Region bereits seit langem identifizieren, beginnen, sich wieder weiter zu entfalten. Gewiss muss hierfür rechtzeitig eine Reihe von Abstimmungen, vor allem zwischen der Stadt Seeland, der LMBV und dem Land Sachsen-Anhalt getroffen werden. Insbesondere sind die neuen infrastrukturellen Rahmenbedingungen am See zeitig vorzubereiten. Ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam auch diese Herausforderungen bewältigen werden.

Schließlich erwähnen möchte ich, dass wir mit Beginn der Sanierung des beeinträchtigten Böschungsareals den Concordiasee, wie ursprünglich vorgesehen, als ein Gewässer mit touristischer Nutzung so zügig wie möglich fertig stellen werden. Der Zeitpunkt zur Fertigstellung des Sees wird nach heutiger Einschätzung bei etwa 2023 bis 2025 liegen.

Meine Damen und Herren,
die Braunkohlesanierung ist ein Gemeinschaftswerk des Bundes und der Braunkohleländer, hier Sachsen-Anhalt und der zahlreichen Kommunen unter der Projektträgerschaft der LMBV. Die LMBV und ihre Mitarbeiter nehmen dabei Betroffenheiten der Bürgerinnen und Bürger an diesen Projekten der Neugestaltung von großen Landschaften stets sehr ernst, an unseren mehr als hundert Standorten im Allgemeinen, und hier in Nachterstedt im Besonderen.

Auch in diesem Sinne werden wir ebenso in Zukunft Informationsveranstaltungen hier vor Ort abhalten. Die Termine werden wir, wie bisher, mit der Stadt Seeland abstimmen.

Gestatten Sie mir zum Abschluss im Namen der LMBV und persönlich Ihnen allen für die konstruktive Zusammenarbeit Danke zu sagen. Besonders darf ich mich erneut an die Hinterbliebenen der Opfer und an die Betroffenen der Siedlung „Am Ring“ wenden.

Unterstreichen möchte ich meinen Dank auch an Sie, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Meyer, an Sie, Herr Bürgermeister Hampe, ebenso an Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der kommunalen Verwaltung, mein Dank gilt ebenso den Vertretern des Landes Sachsen-Anhalt und an Sie, sehr geehrter Herr Pfarrer Holtz. Mein herzlicher Dank gilt auch und nicht zuletzt den zahlreichen Helfern der Bergwacht, der Feuerwehr und den vielen Sicherheitskräften sowie allen Nachterstedtern.

Meine Damen und Herren,
wir Bergleute, Bergbausanierer der LMBV haben, beim Vorstellen der Ergebnisse unserer Arbeiten zum Aufbau neuer Landschaften in den Braunkohlerevieren, die vielerorts erlebbar geworden sind und auch international Anerkennung erhalten, stets mit einem gewissen Stolz berichtet. Dieser Stolz ist, seit einem Jahr durchdrungen von Demut. Mit Schmerz und Dankbarkeit haben wir diese Demut angenommen.

Möge unser Gedenken und Erinnern an Ilka und Peter Kollert sowie an Thomas Holzapfel-Saalfeld, den Bergbausanierern sowie auch uns allen Kraft und Klarsicht verleihen; Kraft und Klarsicht zum rechten Denken, rechten Reden und zum rechten Handeln! Herzliches Glückauf !

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