SOBA: Knappensee - Antrag auf Baustopp für bergtechnische Sanierung abgelehnt

Auseinandersetzung mit wiederholt vorgebrachten unrichtigen Argumenten der Antragsteller

Freiberg/Lohsa. Eine Bürgerinitiative hat sich Anfang Januar 2017 mit der Bitte um einen Baustopp der Sanierungsarbeiten am Knappensee an das Sächsische Oberbergamt gewandt. In der Antwort des Abteilungsleiter Christof Voigt von der Behörde vom 25. Januar 2017 heißt es u.a.: „Ihr Antrag vom 2. Januar 2017 wird hiermit abgelehnt.“

Im weiteren Verlauf des Schreibens setzt sich der Fachmann der Bergbehörde mit den wiederholt vorgebrachten unrichtigen Argumenten der Antragsteller auseinander: „Der von Ihnen zur Begründung zitierte Kernsatz „Der gesamte Sackungsbetrag erfolgt bereits beim „ersten Durchgang“ des aufgehenden Wasserspiegels vollständig und bei künftig schwankendem Grundwasserspiegel findet Setzung und Setzungsfließen nicht mehr statt.“ stammt aus der Habilitationsschrift von Herrn Dr. Reinhard Oehmig „Die Geologische Erkundung von Abraumförderbrücken-Innenkippen in Niederlausitzer Braunkohlentagebauen“ an der BTU Cottbus, März 2003, Seite 85.

Dabei handelt es sich aber nicht um eine eigene Erkenntnis von R. Oehmig, sondern um zitierte Erkenntnisse aus folgenden Quellen:

1) Arbeit von WICHTER, L. & KÜGLER, M. (2000) Beobachtung von Setzungen und Sackungen locker gelagerter Schüttungen während des Grundwasseranstiegs am Beispiel einer Kippe des Lausitzer Braunkohlentagebaus. Aus dem Sammelband Ökologisches Entwicklungspotenzial der Bergbaufolgelandschaften im Niederlausitzer Braunkohlenrevier, Verlag Teubner Stuttgart 2000, im Internet ist die Zusammenfassung zugängig unter http://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-322-87179-4_13. Wichtig zur Einschätzung ist hier, dass die Erkenntnisse aus Beobachtungen aus der Innenkippe Gräbendorf stammen von einem Zeitpunkt, als dort der Grundwasserwiederanstieg erst zu ca. 50% erfolgt war. Der beobachtete Effekt stammt aus Laborversuchen, nicht aus der Praxis der Innenkippen. Zudem handelt es sich bei dieser Innenkippe um einen Bereich, der nur gering verflüssigungsgefährdet ist.

2) Arbeit von FUCHS, K. & SCHÜLER, S. (1997) Geologische und morphogenetische Untersuchungen an Luftbildern und kippentechnologischen Unterlagen vom Innenkippenbereich des Senftenberger Sees (Insel) für den Zeitraum des Grundwasseranstiegs bis zur Gegenwart.- Dipl.-Arbeit BTU Cottbus, unveröffentlicht, 1-161, Anlagenband. Diese Arbeit ist im Internet nicht verfügbar. Allein aus dem Titel geht zweifelsfrei hervor, dass es sich hier nicht um Praxisversuche oder konkrete Kippenbeobachtung, sondern um eine Auswertung von Luftbildern und LMBV-Unterlagen handelt.

Weder die Arbeit von Oehmig noch die dort zitierten Quellen haben eine geotechnische Zielstellung noch wurden diese unter Anwendung geotechnischer Methoden oder unter Beteiligung von Geotechnikern erarbeitet noch sind die dort z.T. durchgeführten Arbeiten für den Knappensee irgendwie relevant. Die Erkenntnisse stammen aus einer einzigen nur gering verflüssigungsgefährdeten Kippe (Gräbendorf) bzw. aus Papieren der LMBV zu den Inseln im Senftenberger See. Die Erkenntnisse in Gräbendorf wurden zudem bei rund 50% des Grundwasserwiederanstieges gewonnen. Die Arbeiten berücksichtigen zudem keine Verflüssigungen im eigentlichen Sinne, sondern lediglich Sackungen. Der inzwischen erfolgte weitere Grundwasserwiederanstieg hat die Wissenschaft und die Praxis zwischen 2009 und 2012 zu der Erkenntnis geführt, dass Verflüssigungen auch ohne erkennbare äußere Initiale stattfinden können.

Alle zitierten Arbeiten sind wesentlich älter und in dieser Hinsicht eindeutig veraltet. Ich darf Sie auf folgenden Satz aus Oehmigs Habilitationsschrift, Seite 109 aufmerksam machen: „Die Porositätswerte stellen somit die Basis für die Beurteilung der maximalen Setzungs- und Sackungsbeträge dar...“.

Die umfangreiche Erkundung des Knappensees hat insgesamt – dargelegt in der öffentlich verfügbaren Unterlage zur Begründung der Erforderlichkeit der Sanierungsmaßnahmen – ergeben, dass in vielen Bereichen eine außerordentlich hohe Porosität bzw. extrem geringe Lagerungsdichte vorliegt.

Am Knappensee hat es in der Vergangenheit tatsächlich bereits mehrere Zeiten mit Grundwasserwiederanstieg gegeben, unterbrochen durch Zeiten erneuter Grundwasserabsenkung. Gesichert ist, dass dieser frühere Grundwasserwiederanstieg – warum auch immer – nicht zu der für eine gefahrlose Nutzung dringend erforderlichen Verdichtung der Bodenschichten geführt hat. Ein weiterer Beleg hierfür sind auch die erheblichen Volumenverluste bei den Verdichtungsarbeiten, die Sie in einem früheren Beschwerdebrief kritisiert haben.“ Quelle: Schreiben des Sächsischen Oberbergamt 01/2017

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