Aktuelle Antworten der LMBV auf Fragen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur "Verockerung der Spree"

Aktuelle Antworten der LMBV-Unternehmenskommunikation auf Fragen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur "Verockerung der Spree" mit dem Stand vom 28.02.2013:

1. Stammt das Eisenhydroxid, das die Spree „verockert“, aus den Altkippen der LMBV?

Die „Verockerung“, d. h. die Veränderung der Flusswasserqualität, die auch visuell durch die Ockerfärbung des Flusswassers wahrgenommen wird, entsteht dadurch, wenn eisenhaltiges Wasser ab einer bestimmten Konzentration in den Fluss gelangt. Das farblich zunächst neutrale eisenhaltige Wasser verändert seine Farbe, weil im Zuge der weiteren Sauerstoffaufnahme das bereits gelöste Eisen im Wasser sich zu Eisenhydroxid verwandelt.
Die - derzeitige - „Verockerung“ der Spree und ihrer Zufließe entsteht größtenteils durch den diffusen Eintritt von eisenhaltigem Grundwasser in bestimmten Gewässerabschnitten im Zuge des großräumigen Grundwasserwiederanstiegs im Einwirkungsbereich der wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegten Braunkohlenbetriebe nach der Wiedervereinigung.
Die Verockerung entsteht aber auch durch eine anderweitige temporäre Grundwasserabsenkung z. B. die landwirtschaftliche Melioration in den großflächigen Feucht- und Moorgebieten des Spreewaldes.
Dieses Phänomen des Eisenaustrages entsteht schließlich auch seit Jahrhunderten durch den Einfluss der natürlichen Grundwasserspiegelschwankungen in den Lausitzer Böden, die geogen Pyrit (FeS2) enthalten.

2. Der Aktionsplan, den Sie zum Thema „Verockerung der Spree“ vorgestellt haben, beschreibt Maßnahmen, die Sie gegen die Konsequenzen oder „Symptome“ der Verockerung der Spree ergreifen (Abbaggern usw.). Sehen Sie keine Handlungsmöglichkeit bei der Ursache der Probleme, also in den ehemaligen Tagewerken?

Die LMBV als berg- und wasserrechtlich verantwortliches Unternehmen hat die Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau beanspruchten Flächen vorzunehmen.
Auf der Grundlage der bestehenden gesetzlichen Vorgaben hat die LMBV die Realisierung aller Maßnahmen in berg- und wasserrechtlichen Verwaltungsverfahren einer behördlichen Genehmigung zu unterziehen. Die im Rahmen der Herstellung von Bergbaufolgenlandschaften entstehenden Seen entsprechen von Wasserstand und Wasserbeschaffenheit den behördlichen Festlegungen und wirken im gesamten Gewässerverbund stabilisierend.
Der derzeitige Maßnahmekatalog der LMBV beinhaltet neben einer Reihe von Abwehrmaßnahmen wie z. B. der Enteisung des Flusswassers aber auch umfangreiche Maßnahmen der Quellbehandlung oder Quellbeseitigung.
Bei der Quellbehandlung wird in der Regel das eisenhaltige Wasser kontrolliert gefasst und behandelt bevor es durch diffuse Einträge in das Flussgewässer gelangt. Das erfolgt z. B. durch das Anlegen von Brunnen, Drainagen und Gräben an ausgewiesenen Flussabschnitten.
Die Quellbeseitigung erfolgt z. B. durch die Inlake-Behandlung der betroffenen Seen oder die Unterbindung des Zustromes mittels Dichtwände.

3. Sollten Ihrer Einschätzung nach auch Konsequenzen aus den aktuellen Problemen auf die Arbeit in den aktiven Tagwerken gezogen werden? Wird dort (genug) Prävention geleistet?

Nach unserer Einschätzung hat der aktive Bergbau heute alle Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik in die bergbauliche Gestaltung seiner Betriebsflächen einfließen lassen.
Die Aufgaben der Braunkohlesanierung in Verantwortung der LMBV sind jedoch stark geprägt von der Bewältigung der Folgen des Bergbaus vor der Wiedervereinigung mit erheblichen Eingriffen in Natur und Umwelt.

4. Von wann an waren Ihnen die Probleme bekannt? Warum haben Sie nicht früher reagiert?

In Abstimmung mit den Berg- und Umweltbehörden werden seit 1996 umfangreiche wasserwirtschaftliche Konzepte zur Herstellung eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushalts in den bergbaubeeinflussten Regionen erarbeitet.
Über dafür geschaffene Grundwassermodelle wurden in den vergangenen Jahren umfangreiche Daten über Wasseranstieg, Wasserbeschaffenheit und das Strömungsverhalten erhoben, die in den wasserwirtschaftlichen Jahresberichten des Unternehmens ausgewiesen sind.
Seit 2008 wird auf der Grundlage zuvor entwickelter Prognosen an definierten Fließgewässerabschnitten die Entwicklung des lokalen diffusen Grundwasserzutrittes in den Gewässerkörper untersucht, um die kritischen Stoffkonzentrationen und Zuflüsse lokal auszuweisen.
Die Datenerhebungen haben erst in den letzten Monaten eine Qualität geliefert, auf deren Grundlage technisch-wirtschaftlich nachhaltigen Lösungen konzipiert und umgesetzt werden konnten. Dabei wirkten die starken Niederschläge der Jahre 2010/11 beschleunigend auf den Grundwasserwiederanstieg und damit auf die stärkere Entwicklung der diffusen Eiseneinträge.

5. Warum haben Sie die Studie zur Verunreinigung der Spree erst nach einem Antrag des MdBs Herrn Neskovic veröffentlicht? Warum haben Sie dem Antrag einer Bürgerin, die schon zuvor Einsicht nach dem Umweltinformationsgesetz gefordert hatte, nicht stattgegeben?

Die LMBV hatte zunächst auf ihrer Homepage Kurzfassungen der Studien zu allen wesentlichen Ergebnissen veröffentlicht. Die LMBV hält an ihrer Auffassung fest, dass damit die Öffentlichkeit angemessen informiert wurde.
Die LMBV hat sich dennoch zur Veröffentlichung der gesamten Studie entschieden, da sich in der Öffentlichkeit zunehmend der falsche Eindruck verbreitete, dass die LMBV wichtige Inhalte vorgenannter Ausarbeitungen verheimliche bzw. unterdrücke. Im Übrigen ist die LMBV nicht gehalten, eine Veröffentlichung nach dem Umweltinformationsgesetz vorzunehmen.
Mit diesem Schritt soll ein weiterer Beitrag der LMBV zur Versachlichung der Diskussionen über die Beeinträchtigung der Wasserqualität der Spree und ihrer Zufließe insbesondere die Umsetzung der erforderlichen Abwehrmaßnahmen der LMBV geleistet werden.

6. Wie viele Jahre wird es Ihrer Einschätzung nach dauern, bis die Spree nicht mehr „verockert“ ist?

Mit dem veröffentlichten Maßnahmekatalog der LMBV und der Realisierung der darin aufgelisteten Maßnahmen wird sich die Wasserqualität der Spree zeitnah deutlich verbessern.
Nach heutiger Einschätzung durch die Fachleute der LMBV, deren Gutachter und der Behörden ist die Angabe einer Jahreszahl gegenwärtig nicht möglich.
Es ist davon auszugehen, dass mit dem Wirksamwerden der mittelfristigen Maßnahmen in wenigen Jahren das Problem der Verockerung bewältigt wird.

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