LMBV weist BILD-Schlagzeile vom 05.03.2015 zurück

Keine Gift-Deponie im Altdöberner See geplant – Vorstellen eines LMBV-Konzeptes vor Bürgern von Altdöbern vorgesehen

Senftenberg/Altdöbern. Die LMBV weist die Schlagzeile der BILD-Zeitung vom 05.03.2015 nachdrücklich zurück. BILD Berlin-Brandenburg titelte heute "Brandenburger See soll Gift-Deponie werden“. Dies ist inhaltlich unrichtig und entspricht nicht dem notwendigen Anspruch an eine journalistische Sorgfaltspflicht.

Bei den Überlegungen der LMBV zur Tiefenverspülung von Eisenhydroxid im Restloch Greifenhain handelt es sich um eine von mehreren möglichen Optionen zum künftigen Umgang mit in der Lausitz anfallenden Eisenhydroxidschlämmen (EHS). Diese Schlämme sind kein Gift sondern entstehen bei der Ausfällung von im Grundwasser gelösten Eisen bei Eintritt in die Fließgewässer. Das Konzept der LMBV ist ein Element aus der gesamten Kette von Vermeidung/Verwertung/Beseitigung von EHS.

Alle denkbaren Varianten (Vermeidung/Deponierung/Verwertung/Einlagerung in Tagebaufolgeseen) müssen und werden weiter gedacht und weiter untersucht. Es werden noch einige Jahre bis zur endgültig abgestimmten Strategie vergehen. Der Altdöberner See ist eine von mehreren Varianten, die nur dann greifen kann, wenn eine nachhaltige Schädigung des Wasserkörpers ausgeschlossen werden kann. Im Ergebnis der weiteren Untersuchungen werden die notwendigen Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung der TÖB erfolgen. Die Bürgerschaft wird auf dem Laufenden gehalten.

Hintergrund:

Die LMBV hat als bergrechtlich Verantwortliche für die Wiedernutzbarmachung der vom Braunkohlenbergbau beanspruchten Flächen, die Abwehr von Gefahren zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit sowie die Sanierung des beeinträchtigten Wasserhaushaltes durchzuführen. Dies schließt auch die Wiederherstellung eines ausgeglichenen, sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushalts nach Wassermenge und Wasserbeschaffenheit mit ein. Infolge des  Anstieges des Grundwassers in den ehemaligen Braunkohlebergbaugebieten und deren Exfiltration in Seen und Fließgewässern kommt es zum Eintrag von im Boden gelösten Eisen, die zu den bekannten Verockerungserscheinungen der Fließgewässer und Verschlammungen der Gewässersohlen führen.

Aufgrund der bei den Abwehrmaßnahmen anfallenden großen Mengen von Eisenhydroxidschlämmen (EHS)  müssen aus Sicht der LMBV zukünftig verschiedene neue Wege gegangen werden. Vor diesem Hintergrund hat die LMBV auf Grundlage der Prüfung möglicher technisch und wirtschaftlich umsetzbarer Maßnahmen zur Entnahme, zur Behandlung, zum Transport und zur sicheren Verbringung ein Konzept zum Umgang mit den Eisenhydroxidschlämmen im Sanierungsbereich Lausitz aufgestellt.

Die verschiedenen Maßnahmen und Wege zum Umgang mit den EHS können vom Prinzip her folgendermaßen in vier Arbeitswege unterteilt werden:

  • Vermeidung
  • Verwertung
  • Verspülung
  • Deponierung

Zur Bewältigung dieser Aufgabe wurden umfangreiche Studien in der LMBV oder in ihrem Auftrag erarbeitet sowie technische und naturräumliche Wasserbehandlungsanlagen geplant und teilweise bereits realisiert. Zum Betrieb solcher Anlagen gehört auch die gesicherte Verbringung der dort anfallenden Eisenhydroxidschlämme bzw. von Eisenhydroxidwasser (EHW).

Die Verspülung von EHW*** aus technischen Anlagen in Bergbaufolgeseen wird bereits seit Jahren durch die Bergbauunternehmen LMBV (z. B. In den WBA Rainitza, Pößnitz und Lichterfeld sowie in der WBA Schwarze Pumpe) praktiziert. Der Schlamm wird bzw. wurde dabei über Rohrleitungen in die Tiefenlagen nahegelegener Bergbaufolgeseen eingeleitet und trägt dort zur Neutralisation des Wasserkörpers bei. Daher handelt es sich hierbei auch um eine Verwertung des EHW zur Gewässerneutralisation. Beispiel dafür ist der noch nicht ganz fertig geflutete Spreetaler See, der seit 1998 zur Tiefenverspülung genutzt wird und keine negativen Auswirkungen durch die Einspülung aufweist.

In studienhaften Betrachtungen durch Wissenschaftler wurden im Auftrag der LMBV zahlreiche Tagebauseen auf Ihre Eignung für die Verbringung von EHS geprüft, mit dem Fazit: insbesondere der Altdöberner See ist als länderübergreifende EHS-Verbringungsstelle geeignet, da dort ein großes Aufnahmevolumen, eine zentrale Lage im Sanierungsgebiet und günstige geochemische Bedingungen gegeben sind.

Im Ergebnis von Untersuchungen, in der zahlreiche Tagebauseen auf ihre Eignung für die Verspülung von EHS geprüft wurden, wird nunmehr die Eignung des Altdöberner Sees als EHS-Verspülstelle weiter geprüft. Die Fakten sagen aus:

  • Der Altdöberner See der LMBV mit 880 Hektar Fläche besitzt einen neutralen   Wasserkörper ohne Versauerungsneigung, der nach vorliegenden Erkenntnissen als solcher auch dauerbeständig ist.
  • Die große Tiefe von fast 70 m und die ebenfalls sehr  hohe mittlere Tiefe von über 30 m gewährleisten, dass die oberen Seeschichten nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
  • Durch den großen Tiefenbereich besitzt der See ein sehr großes Aufnahmevolumen für eine potentielle EHS-Einspülung. Dieses große Volumen kann den gesamten EHS aus Fließgewässern und naturräumlichen Absetzanlagen aus dem Lausitzer Sanierungsgebiet dauerhaft aufnehmen und wird auch dabei nur anteilig in Anspruch genommen (angedacht sind ca. 200.000 Kubikmeter anfallender EHS zu verspülen bei einer teilweisen Aufhöhung des Seebodens von 2 bis 5 Zentimeter pro Jahr)
  • Der Altdöberner See besitzt eine zentrale Lage im Sanierungsgebiet und eignet sich daher für eine solche zentrale Verspülstelle auch aus Sicht der Transportwege.
  • Da der See noch nicht fertig geflutet ist, gibt es bisher auch noch keine Nutzungen, die damit kollidieren könnten. Dennoch nimmt LMBV mögliche Besorgnisse ernst.

Gegenwärtig ist dies alles noch im konzeptionellen Ideenstatus. Nach informellen Abstimmungen mit den Fachbehörden in Sachsen und Brandenburg, darunter dem LBGR; dem LUGV und dem SächsOBA, wurde am 30.11.2014 die zu Grunde liegenden Leitideen in einem „EHS-Konzept der LMBV“ verabschiedet, wobei der Altdöberner See ein wichtiger „Baustein“ neben anderen Ideen zur Vermeidung, Verwertung und Deponierung von EHS oder EHW  ist.

Im zweiten Schritt hatte die LMBV ihre Ideen Mitte Januar 2015 auch den Kommunalvertretern (Amtsdirektor; Bürgermeister von Altdöbern) vorgestellt und die weitere Herangehensweise unter Beteiligung der gemeinsamen Landesplanung des MIL abgestimmt. Als nächster Planungsschritt soll nunmehr eine standortkonkrete Planung einer technischen Anlage zum Verspülen des EHS-Schlammes geprüft werden.

Am Abend des 5. März 2015 findet zur Information der Anrainer und Bürger in Altdöbern eine öffentliche Infoveranstaltung zum EHS-Konzept der LMBV mit der Kommune statt.

***Eisenhydroxidwasser (EHW) ist von Eisenhydroxidschlamm (EHS) zu unterscheiden. Das EHW enthält weniger als 2-Masse-% Feststoffe und ist uneingeschränkt pumpbar. Stammt das EHW aus technischen Behandlungsanlagen mit Bekalkung, wirkt es aufgrund seiner Kalkbestandteile alkalisch und wird alkalisches Eisenhydroxidwasser (AEW) genannt.

 

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