Informationen zum Tagebau Nachterstedt

Bereits im Jahre 1828 wurden die Braunkohlevorkommen im Raum Aschersleben entdeckt und der Braunkohlenabbau im Tiefbau begonnen. Während in den ersten Jahrzehnten die Kohle ausschließlich im Tiefbau gewonnen wurde, begann ab Anfang 1856 die Umstellung vom Tiefbauverfahren auf den Abbau im Tagebaubetrieb. Damit war Nachterstedt einer der ersten größeren Tagebaue im Mitteldeutschen Revier.

In Ergänzung der Braunkohlenförderung entstand im Raum Nachterstedt ab dieser Zeit die weiterverarbeitende Industrie. So wurde 1858 eine Schwelerei errichtet, 1885 entstand eine Paraffinfabrik und kurze Zeit später im Jahre 1888 die erste Brikettfabrik. Der Tagebau Nachterstedt wurde kontinuierlich entwickelt und bis in das Jahr 1965 betrieben. Energie- und Rohstoffprobleme in der DDR zwangen zur Auskohlung noch vorhandener vormals im Abbau unwirtschaftlicher Randfelder. Der Abbau in diesen Zusatzfeldern wurde 1975 begonnen und 1994 im Baufeld Schadeleben mit der Restgewinnung freigelegter Kohle endgültig eingestellt.

In Übereinstimmung mit der Regionalplanung wurde der „Abschlussbetriebsplan Tagebau Nachterstedt/Schadeleben und Tagebau Königsaue“ (ABP) am 07.10.1992 dem Bergamt in Sachsen-Anhalt übergeben und von diesem am 30.09.1993 zugelassen. Das Ziel der Wiedernutzbarmachung ist die Herstellung eines Landschaftssees mit intensiver touristischer Nutzung. Nach der Genehmigung des ABP wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt.

Am 18.07.2009 ereignete sich an der Südböschung des  eine großräumige Böschungsbewegung, bei der drei Doppelhaushälften und drei Bewohner der Wohnsiedlung "Am Ring" in die Tiefe gerissen wurden. Insgesamt gerieten rd. 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich in Bewegung, wodurch ein großräumiger Rutschungskessel entstand.

Die Unglücksursache von Nachterstedt wurde in den zurückliegenden Jahren mit hoher Intensität und unter Einsatz modernster Technik untersucht. Nach einer intensiven Planungs- und Genehmigungsphase wurde das so genannte seeseitige Erkundungsprogramm im Frühjahr 2011 aufgenommen, um von seetüchtigen Pontons aus mittels Kernbohrungen und Sondierungen neue Daten aus dem unmittelbaren Rutschungskessel und seiner Umgebung zu erheben, zu denen es landseitig aus sicherheitstechnischen Gründen noch keinen Zugang gab. Hiermit und mit weiteren landseitigen Erkundungsmaßnahmen wurde die noch bestehende Datenlücke zur Ursachenermittlung, soweit im nachinein möglich, geschlossen.

2013 konnte das Gutachten zur Unglückursache von Prof. Dr. Rolf Katzenbach vorgelegt werden. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Ursachenermittlung wurde ein Sanierungskonzept aufgestellt und seit 2013 umgesetzt.

Am 28.06.2016 ereignete sich während der planmäßigen Sanierungsarbeiten im Bereich der Südwestböschung eine großräumige Setzungsfließrutschung, die eine Neuplanung der Sanierung der südwestlichen Kippenböschung erfordert.

In Auswertung der Ursachen dieser Setzungsfließrutschung erfolgte eine bodenmechanische Überprüfung der Dimensionierung der geplanten und hergestellten Rütteldämme. Daraus folgend ist bereichsweise eine Anpassung der Breiten der festgelegten Rüttelstützkörper vorzunehmen.

Mit der seit Februar 2017 vorliegenden 1. Aktualisierung des Rahmenkonzeptes zur Sanierung des Tagebaurestloches Nachterstedt/Schadeleben wurden der Stand der Sanierungsarbeiten, die Ergebnisse der durchgeführten Erkundungsmaßnahmen und die geänderten Randbedingungen zusammengestellt, die jeweiligen Auswirkungen auf die Sanierungstechnologien beschrieben sowie die aktualisierten Sanierungskonzepte und zeitlichen Abläufe für die einzelnen Sanierungsabschnitte dargestellt.

Im Bereich "Sanierungskonzept" wird die geplante Sanierungsstrategie entsprechend des Rahmenkonzeptes kurz erläutert. Darüber hinaus sind weiterführende Informationen und Zeitschienen für die einzelnen Sanierungsabschnitte dargestellt.

Der Stand der Sanierungsarbeiten kann auch über die interaktive Karte abgerufen werden. In der Rubrik "Info-Archiv" können alle zum Thema Nachterstedt erschienenen LMBV-Informationen chronologisch nachgelesen werden.

Die weitere Flutung und die touristische Nutzung des Concordiasees bleiben das Ziel der bergbaulichen Wiedernutzbarmachung des ehemaligen Tagebaues Nachterstedt.

*aktualisiert am 14.07.2017