Statement von Friedo Ulpts, Kaufmännischer Geschäftsführer der LMBV anlässlich des ersten Spatenstichs zur Bitterfelder Wasserfront am 08.08.2003 an der Goitzsche

Es gilt das gesprochene Wort!

Vor einem Jahr standen hier an dieser Stelle viele Menschen aus der Stadt Bitterfeld und blickten mit Sorge und Furcht auf die Wassermassen, die in den Tagebau Goitzsche fluteten und ihn in kürzester Zeit im wahrsten Sinne des Wortes bis an den Rand voll laufen ließen. Die Menschen und die Stadt entgingen nur knapp einer Katastrophe.Heute stehen wir an der gleichen Stelle. Heute erfüllen uns nicht Sorgen, sondern Freude darüber, dass nunmehr die Baumaßnahmen zur Erschließung der Bitterfelder Wasserfront beginnen. Dies ist für die Entwicklung der Goitzsche-Region und die Stadt Bitterfeld eine ganz besonderer Meilenstein.

Ein besonderer Meilenstein für die Region war sicherlich auch die in 1991 beschlossene Stilllegung der bis dahin aktiven Tagebaue Goitzsche und Holzweißig. Es hinterblieb eine vom Tagebaubetrieb stark in Mitleidenschaft gezogene Landschaft. Als ein Beispiel dafür möchte ich auf die verbliebenen Tagebauhohlformen verweisen. In Summe haben sie ein Volumen von ca. 340 Mio. m³. Anzusprechen ist auch, dass als Folge der beschlossenen Stilllegung ca. 1.300 Menschen in die Arbeitslosigkeit fielen. Im Rahmen der nachfolgenden Sanierung gelang es Gott sei Dank, hiervon wieder einen großen Teil in die Beschäftigung zu bringen. Kurzum, die Ereignisse des Jahres 1991 waren für die Stadt und die Region eine bittere Zäsur.

Aber die so genannte „Stunde 0“ beinhaltet auch immer die Chance für einen erfolgreichen Neubeginn. Eine solche lag darin, dass entsprechend dem Bundesberggesetz der Bergbautreibende verpflichtet ist, die durch den Bergbau in Anspruch genommene Fläche am Ende wiedernutzbar zu machen. Bergbaubetreiber war in diesem Falle die LMBV, der nach der Wende neben dem Eigentum an den stillgelegten Tagebauflächen auch die bergrechtliche Verpflichtung zur Wiedernutzbarmachung der durch den Bergbau in Anspruch genommenen Flächen zuwuchs. Die Konkretisierung dieser Verpflichtung ist in den Abschlussbetriebsplänen für die Tagebaue Goitzsche und Holzweißig durch die Vorgabe u. a. folgender Sanierungsziele dokumentiert:

• Herstellung ökologisch stabiler Landschaftsseen
• Schaffung eines Restlochverbundes und der Anbindung an die Vorflut
• Wiedernutzbarmachung und Rekultivierung von Kippen- und Tagebaurandflächen

Die LMBV nahm den sich aus ihrer Verpflichtungslage ableitenden Sanierungsauftrag engagiert auf. Fortan hatte die Stadt/die Region in ihr einen verlässlichen Partner.Die Sanierungsmaßnahmen begannen 1991/93. Wesentliche Teile sind bereits heute abgeschlossen. Noch nachlaufende Sanierungsmaßnahmen werden ca. 2010 beendet sein.Gestatten Sie mir, einige wesentliche Sanierungsmaßnahmen, die in einer der größten Landschaftsbaustelle Deutschlands durchgeführt wurden, zu nennen: Es wurden

• Böschungen mit einer Gesamtlänge von ca. 60 km gesichert,
• Massen in einer Größenordnung von ca. 50 Mio. m³ bewegt,
• cirka 1,1 Mio. m³ Massen verdichtet,
• cirka 235 ha land- und forstwirtschaftliche Flächen hergestellt und
• eine Wasserfläche von ca. 2.400 ha geschaffen.

Bis 2002 wurden in der Goitzsche für die Bergbausanierung 250 Mio. EUR eingesetzt. Ab 2003, also mit Beginn des dritten Verwaltungsabkommens, bis zum Abschluss der Sanierung sind nochmals rund 45 Mio. EUR erforderlich. Die Finanzierung dieser Baukosten tragen der Bund und das Land Sachsen-Anhalt im Verhältnis von grob 75 % zu 25 % auf der Grundlage des zwischen Bund und den Braunkohleländern geschlossenen Verwaltungsabkommens. In Summe schultern die Öffentlichen Hände damit in der Goitzsche-Region eine Zukunftsinvestition von rund 300 Mio. EUR.

Begleitend zur Sanierung wurde in engster Abstimmung zwischen Kommunen und LMBV auch die Chance genutzt, frühzeitig und in Verzahnung mit der Sanierungsplanung ein ganzheitliches Nutzungskonzept für die Goitzsche-Region zu erarbeiten. Ziel war es dabei, unterschiedliche Nutzungsvorstellungen zusammenzufügen, um so Kommunen und potenziellen Investoren eine abgestimmte Grundlage für weiterführende Planungen und Vorbereitungen zur Folgenutzung an die Hand zu geben.

Das Konzept „Landschaftspark Goitzsche“ wurde so geboren. Es steht für einen der Erholung dienenden Naturraum unter dem Leitbild „einzigartige Kunst- und Kulturlandschaft mit hoher touristischer Attraktivität“. Beleg für diesen Anspruch sind unter anderem die bereits im Rahmen der EXPO 2000 realisierten und vom Land Sachsen-Anhalt über das so genannte 2b-Programm finanzierten Landschaftskunstobjekte, die in Form und Ausmaß in Deutschland ihresgleichen suchen. Als Beispiel dafür möchte ich den Bau

• der schwimmenden Seebrücke mit Pegelturm und
• des Agora-Parkes mit seiner Arena, dem Begegnungsort und seiner Spielstätte nennen.

In diesem Zusammenhang entstanden auch die Ideen für die Bitterfelder Wasserfront. Es ist ein Projekt, das neben der Gestaltung einer markanten Uferform die Entwicklung unterschiedlicher Nutzungen am innenstadtnahen Seeufer vorsieht. Die LMBV, die dort mit 20 ha größte Flächeneigentümerin ist, unterstützt dieses Projekt ausdrücklich.

Insofern haben zur Realisierung dieser für die Region Bitterfeld imageprägenden Entwicklungsmaßnahme die Stadt und die LMBV im Mai dieses Jahres eine Vereinbarung über die Durchführung der Maßnahmenkomplexe

• Ufersicherung und Ausbau der Uferlinie und
• Erschließung und Baufreimachung des Teilgebietes Große Mühle

abgeschlossen. Damit ist es gelungen, unter Einsatz umfangreicher Fördermittel, einer finanziellen Beteiligung der LMBV und von Drittmitteln den Grundstein für neue Nutzungen aus dem Bereich Freizeit und Erholung in dieser exklusiven Lage am See zu setzen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Bergbausanierung und eine Vielzahl weiterer engagierter Aktivitäten haben direkt vor den Toren Ihrer Stadt einen Rohdiamanten zu Tage gefördert. Er funkelt bereits. Um ihn richtig zum Strahlen zu bringen, sind gewiss noch weitere Schritte notwendig. Einen großen Schritt gehen Sie heute mit der Eröffnung der Baumaßnahmen zur Herstellung der Bitterfelder Wasserfront voran.

Die LMBV wünscht der Stadt für die Baumaßnahmen gutes Gelingen und für das Projekt „Bitterfelder Wasserfront“ selbst großen Erfolg.

Glückauf!

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