Ein Leben für den Bergbau - Walter Karge geht in Ruhestand

Senftenberg. Im Leben von Walter Karge spiegeln sich fast 50 Jahre Lausitzer Braunkohlewirtschaft. Der gebürtige Senftenberger hat damals die Begeisterung beim Aufschwung der Kohleindustrie erlebt und war beim "Winterkampf" dabei. Seit Mitte der 90er Jahre ist er mit der Umgestaltung der Bergbaulandschaft beschäftigt. Am 1. Juli nun geht der 63-jährige Länderbereichsleiter Brandenburg des Sanierungsunternehmens LMBV in den Ruhestand.

Karge ist ein Bergmann, wie er im Buche steht. Kräftige Statur, gebräuntes Gesicht, gutmütige Augen, weiße Haare. Beim Sprechen setzt der Hobbyboxer die Hände ein, aber sparsam. Sein Vater, ein Friseur, vermittelte ihm eine wichtige Grundhaltung: "Wenn ich später eine Arbeit übernahm, habe ich sie auch richtig gemacht." Stolz spricht Karge von der Ehre der Bergleute, die "mit vollem Herzen hinter ihrer Arbeit stehen".

Diese Einstellung hat tiefe Wurzeln. 1955 begann Walter Karge im Braunkohlenwerk "Franz Mehring" in Brieske bei Senftenberg mit einer Lehre als Maschinenschlosser für Anlagen und Geräte. Ende der 50er Jahre arbeitete er auf der Förderbrücke im Tagebau Niemtsch. "Ich stand damals praktisch auf dem Grund des heutigen Senftenberger Sees", lächelt Karge verschmitzt. Es folgten vier Jahre Studium der Bergmaschinentechnik in Zwickau. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen.

Weitere Erfahrungen sammelte er im Tagebau Meuro - wo jetzt der Ilse-See entsteht - und beim Bergamt Senftenberg als Fachingenieur für Tagebaugroßgeräte. "In den 70er und 80er Jahren wurden die Großtagebaue Jänschwalde und Welzow-Süd aufgeschlossen, undzehntausende Menschen strömten in die Region", erzählt Karge. "Damals gab es einen Ruck bei der Fördermenge in der Lausitz bis auf 200 Millionen Tonnen im Jahr." Mit teilweise schlimmen Folgen für Mensch und Natur: "Die Arbeits- und Lebensbedingungen verschlechterten sich, und die Rekultivierung kam nicht mehr mit der Kohleproduktion mit."

Nach der politischen Wende wurde Karge 1992 bei der neu gegründeten Lausitzer Braunkohle AG Betriebsdirektor der Tagebaue Meuro und Klettwitz-Nord. Einige Jahre später stand er in Brandenburg an der Spitze des bundeseigenen Sanierungsunternehmens Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), in deren Regie die nicht privatisierten Tagebaue fielen. Tausende Bergleute bangten damals um ihre Arbeit. "Am schlimmsten für mich war es, die vielen Kündigungen zu unterschreiben, denn einige Kollegen kannte ich schon sehr lange", erinnert sich Karge an diese unruhige Zeit.

Inzwischen ist die Sanierung der zerstörten Lausitzer Landschaft fast zu Ende, und in den früheren Kohlegruben entsteht eine Seenkette. "Diese gewaltige Arbeit konnte nur durch die Bergleute und die leistungsfähigen Tagebaugroßgeräte in so kurzer Zeit geschafft werden", schätzt Walter Karge ein. Wenn er am 1. Juli in den Ruhestand geht, freut er er sich schon auf die Zeit ohne Terminkalender. Dann will er mit seiner Frau öfter verreisen, ein gutes Buch lesen und etwas Abstand gewinnen von fünf Jahrzehnten Arbeit im Lausitzer Bergbau.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Autor Peter Jähnel

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