Vorlaufendes und begleitendes Monitoring zur Sicherung des ökologisch-wirtschaftlichen Mindestabflusses der Lausitzer Neiße

Gerd Richter, Leiter Wasserbau Lausitz

1. Veranlassung

Zum Nachweis der Umweltverträglichkeit der Flutungswasserentnahme aus der Lausitzer Neiße und zur Bewertung von Nutzungen entlang der Neiße, die nachweislich im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Flutungswasserentnahme stehen, soll die von deutscher Seite geplante Flutungswasserentnahme an den Standorten Deutsch-Ossig und Steinbach durch ein umfassendes, vor allem den öffentlichen Interessen Rechnung tragendes Monitoring überwacht werden. Das entspricht auch den Festlegungen der Deutsch-Polnischen Grenzgewässerkommission aus der Tagung vom 19.06. - 21.06.2001, wo gefordert wurde, dass die tatsächlichen Auswirkungen der Wasserentnahmen aus der Lausitzer Neiße zu bewerten sind und dass mit dem Monitoring vor Beginn der Wasserentnahmen anzufangen ist.

Dieses Monitoringkonzept wurde Bestandteil des durch das Regierungspräsidium Dresden erlassenen Planfeststellungsbeschluss Berzdorf vom 15.02.2002 und Planfeststellungsbeschluss Spreetal/Neißewasserüberleitung vom 03.12.2002 und ist somit fester Bestandteil der der LMBV auferlegten Nebenbestimmungen.

2. Grundlagen

Im Rahmen der Vorbereitung der Flutungswasserentnahmen aus der Lausitzer Neiße wurden sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite umfangreiche Umweltverträglichkeitsuntersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind unter anderem in folgenden Dokumentationen zusammengefasst:

• IMGW Wroclaw "Wasserwirtschaftliche Wasser- und Stoffmengenbilanz der Lausitzer Neiße"
• DGFZ e.V. Dresden "Auswirkungen der Entnahme von Flutungswasser auf das Wasserdargebot der Lausitzer Neiße"

Aufbauend auf diese Dokumente wurde durch das IMGW ein "Monitoring-Konzept über die potenziellen Auswirkungen der von der deutschen Seite geplanten Wasserentnahmen aus der Lausitzer Neiße" und vom DGFZ ebenfalls ein "Wasserwirtschaftliches Monitoringkonzept - Lausitzer Neiße" erarbeitet, die in ihren Umfängen differieren. Durch die LMBV mbH wurde im vorliegenden Monitoringkonzept, wobei weitgehend Originalpassagen des polnischen und deutschen Konzepts verwendet wurden, eine Angleichung vorgenommen.

Der Monitoringbereich erstreckt sich auf den Neißeabschnitt zwischen dem Pegel Zittau 1 (Fluss-km 194,2) und dem Pegel Guben 2 (Fluss-km 13,8) und stellen den gesamten Betrachtungsraum des Einzugsgebietes der Neiße incl. ihrer Nebenflüsse dar. Bei dieser Ausgrenzung des Betrachtungsraumes werden alle Randbedingungen der geplanten Entnahme und die Auswirkungen der anthropogenen Nutzung ausreichend gut erfasst.

Das Monitoring beginnt 1 Jahr vor der Flutung (Nullzustand), um den Ausgangszustand sicher und detailliert zu erfassen. Im Abstand von 2 Jahren ist über Inhalt und Umfang des Monitorings neu zu befinden. Dieses Monitoringkonzept wurde Grundlage des zu installierenden Monitorings auf polnischer und deutscher Seite der Lausitzer Neiße. Bestätigung fand dieses Konzept in der Sondersitzung der Vorsitzenden der deutsch-polnischen Grenzgewässerkommission vom 05.02.2002 in Berlin. Im Anschluss wurde sofort mit den Vertragsverhandlungen zwischen der LMBV und den Institutionen begonnen, um das Nullmonitoring einschließlich seiner technischen Grundlagen installieren zu können.

In der Bilanz des IMGW Breslau wurde der ökologische Mindestabfluss der Lausitzer Neiße

• an der Entnahmestelle Berzdorf mit ca. 6,47 m³/s und
• an der Entnahmestelle Steinbach mit ca. 7,60 m³/s beziffert.

Der wirtschaftliche Mindestabfluss wurde

• an der Entnahmestelle Berzdorf mit 13,3 m³/s und
• an der Entnahmestelle Steinbach mit 17,6 m³/s während der Flutung Berzdorf ausgewiesen.

Dieser wirtschaftliche Mindestabfluss wurde so gewählt, dass er keine Beeinträchtigung der Unterlieger des Flusses, außer der Wasserkraftanlagen, nach sich zieht. Wegen der besonderen staatsübergreifenden Situation hatte sich die LMBV vorbehaltlich konkreter vertraglicher Vereinbarungen bereit erklärt, den Betreibern von polnischen Wasserkraftanlagen, die infolge der geplanten Neißewasserentnahme Mindereinnahmen zu verzeichnen haben, Entschädigung zu gewähren.

3. Monitoring

Bestandteile des Monitorings

Das Monitoring soll ausgewählte Bereiche des Wasserhaushaltes, der Gewässerbenutzungen und der Biosphäre beinhalten:

1. Klimadaten
2. Oberirdische Abflüsse
3. Grundwasserstände
4. Direkte Entnahmen und Einleitungen
5. Wasserbeschaffenheit
6. Biomonitoring
7. Technisches Monitoring

Räumliche und zeitliche Zuordnung des Monitorings

Beim durchzuführenden Monitoring wird zwischen 2 Etappen, 2 Zonen und 3 Phasenunterschieden.

Etappe 1 - der Zeitraum, in dem die Wasserentnahme für die Flutung des Tagebaurestloches Berzdorf betrieben wird,

Etappe 2 - der Zeitraum, in dem die Wasserentnahme für die Neißewasserüberleitung in die Spree betrieben wird.

Parallel zum Flussverlauf erfolgt eine Einteilung in zwei Zonen.

Die Zone 1 ist der Fluss selbst einschließlich der direkten Uferbereiche auf beiden Seiten des Flusses.

Die Zone 2 ist der Bereich mit direkten und indirekten Auswirkungen der Wasserentnahmen auf einer Breite von 100 m bis 250 m, beidseitig der Neiße, in begründeten Fällen auch bis zu 1000 m.

 

Beide Zonen unterscheiden sich durch die Anzahl der Untersuchungskomponenten und die Untersuchungshäufigkeit.

In der zeitlichen Zuordnung erfolgt das Monitoring in folgenden Phasen:

Die Phase I des Monitorings erfasst den Ist-Zustand der flussnahen Umwelt. Diese Phase dient in Verbindung mit den historischen Daten und den umfangreichen Umweltverträglichkeitsuntersuchungen der Fixierung der Ausgangssituation und beginnt ca. 1 Jahr vor der Flutung.

Die Phase II erstreckt sich über den aktiven Flutungszeitraum, wobei es nach der Etappe 1 einer Reduzierung des Monitorings im Raum Berzdorf kommt und auch der Untersuchungsumfang im 2-jährigen Rhythmus präzisiert und modifiziert werden kann.

Die Phase III erstreckt sich über eine Dauer von 2 Jahren nach Beendigung der Entnahme zur Flutung des Tagebaurestloches Berzdorf bzw. zur Neißewasserüberleitung, um eventuell negative Langzeitauswirkungen aufzuzeigen.

 

 

4. Nullmonitoring

Das Nullmonitoring umfasst alle Komponenten des Monitoringkonzeptes einschließlich des Aufbaues der Datenbank und der Installierung der Technik zu den ausgewählten und abgestimmten Messpunkten entlang der Lausitzer Neiße. Die Erfassung, Bearbeitung und Auswertung aller Daten erfolgt auf polnischer Seite durch das IMGW in Breslau und auf deutscher Seite durch das DGFZ in Dresden.

Zum Stand des Messprogrammes wurde am 13. September 2002 durch das IMGW Breslau und die LMBV eine gemeinsame Befahrung an ausgewählten Hausbrunnen und Grundwas-messstellen auf polnischer Seite durchgeführt. Für Anfang April ist eine weitere Befahrung vorgesehen.

Die Erarbeitung des Nullmonitorings, auch in Teilschritten, werden in 3 Zwischenberichten der LMBV und den Arbeitsgruppen der Grenzgewässerkommission zur Bewertung zur Verfügung gestellt.

Für Ende April wurde vereinbart, eine Kurzdokumentation zum Nullmonitoring zu erstellen. Sie enthält die wichtigsten Ergebnisse und Prognosen als Grundlage für eine im Mai 2003 beginnende Flutung im Tagebaurestloch Berzdorf aus der Lausitzer Neiße.

Bis Mitte Mai wird der Abschlussbericht erstellt und nach Übersetzung sowohl der polnischen, als auch der deutschen Seite der Grenzgewässerkommission übergeben.

5. Begleitmonitoring

Im Rahmen des technischen Monitorings ist die Einrichtung von Messstellen vorgesehen, um die korrekte Wasserentnahme und die potenziellen Auswirkungen auf das Gebiet in folgender Hinsicht kontrollieren zu können:

1. Übereinstimmung der Anlagen mit den Forderungen des Ausführungsplanes,
2. Übereinstimmung der Funktionsweise der Anlagen mit der Betriebsanleitung,
3. Durchflussmessungen ober- und unterhalb der Wasserentnahmestelle,
4. Wassergütemessstellen an den Entnahmepunkten.

Ergänzt werden die allgemeinen Abflussmessungen in der Neiße durch die Messwerte, die vor (Kontrollstelle 1) und hinter (Kontrollstelle 2) jeder Flutungswasserentnahme gewonnen werden. Die Abbildung veranschaulicht das Messsystem schematisch.

(Folie 4) Messschema der Flutungswasserentnahme

Da die Flutungswasserentnahmeanlagen innerhalb von 10 Minuten von Null zur Volllast fahren können, werden diese Werte minütlich erfasst und die Messwerte dann auf überschaubare Werte gemittelt. Für diese Kontrollprofile sind Schlüsselkurven zu erstellen. Auch an diesen Standorten würden für die Bestimmung der Abflussmengen die Wasserstände erfasst und aus den Schlüsselkurven die jeweiligen Durchflüsse ermittelt.

Zur Kontrolle der Messungen in der Lausitzer Neiße erfolgt bei jeder Flutungswasser-entnahme eine separate Wassermengenmessung über Wassermengenmessgeräte in den Flutungsanlagen (Kontrollstelle 3). Durch den Vergleich von Differenzmessung im Fluss und Realmessung in der Zulaufanlage ist einerseits eine eindeutige Nachweisführung über die Entnahmemenge und andererseits über die Auswirkungen der Entnahme im Vorfluter führbar. Die Erfassung, Registrierung und Bewertung erfolgt in der Steuerzentrale der LMBV mbH und ist für das Monitoring kostenfrei abrufbar.

Im Rahmen des Technischen Monitorings werden an jeder Entnahmestelle auch Gewässerbeschaffenheitsdaten ermittelt, um damit die qualitativen Anforderungen an das Flutungswasser zu überwachen. Die deutsche Seite sichert eine automatische Übermittlung der Daten der Kontrollstellen und Wasserentnahmestellen sowie der Überwachung der Mengen- und Beschaffenheitsparameter der Ausleitungen aus dem Restloch Berzdorf an das IMGW Breslau.

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