Statement des Vorsitzenden der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu, anlässlich des Besuches des EU-Kommissars Michel Barnier am Standort Espenhain am 31.10.2002

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Sehr geehrter Herr Kommissar Barnier,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Professor Milbradt,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich über die Gelegenheit, Sie in gebotener Kürze über die Braunkohlesanierung in den neuen Bundesländern, über die "Europas größte Landschaftsbaustelle" zu informieren. Einen neulich fertiggestellten Videofilm habe ich für heute kürzen lassen. Er dauert rund 13 Minuten. Ich glaube, der Film wird in dieser Zeitspanne Ihnen mehr an Informationen vermitteln, als ich persönlich schaffen könnte. Nach der Vorführung werde ich den Wandel und die anstehenden Aufgaben schildern, die sich hier in Espenhain auf dem ehemaligen Industriestandort stellen. Nun zunächst das Video.

Meine Damen und Herren,

ich hoffe, mit dem Film konnten wir Ihnen einen Eindruck über den Wandel vermitteln, der sich in den ehemaligen Bergbauregionen vollzieht. Es ist dies ein Gemeinschaftswerk des Bundes und der Braunkohleländer, mit dem Freistaat Sachsen an der Spitze.

Für unsere Arbeiten wurden bisher rund 6,5 Mrd. Euro investiert, davon allein in Sachsen 2,7 Mrd. Euro. Für die künftigen Arbeiten veranschlagen wir weitere 2,5 Mrd. Euro, davon 0,9 Mrd. Euro im Freistaat Sachsen.

Großes finanzielles Engagement, eine gute Investition in die Rehabilitation weiter Regionen, Voraussetzung zur Schaffung moderner Infrastrukturen und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Gern nutze ich die Gelegenheit, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, mich im Namen der LMBV bei Ihnen persönlich und bei der Staatsregierung zu bedanken für Ihre Unterstützung und für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit.

Nun zum Abschluss möchte ich am Beispiel des ehemaligen Braunkohle-Veredlungsstandorts Espenhain veranschaulichen, dass wir nach zehn Jahren intensiver Arbeit auch zukünftig erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um den ehemals monostrukturierten Regionen neue wirtschaftliche Vitalität zu geben.

Der Industriestandort Espenhain wurde in den Jahren 1937 bis 1942 gebaut:

zwei Kraftwerke, zwei Brikettfabriken, zwei Schwelereien und karbochemische Anlagen zur Herstellung von Leichtöl.Im zweiten Weltkrieg wurde der Standort mit rund 1.400 Bomben aus der Luft weitgehend zerstört aber in den Folgejahren wiederaufgebaut.

Mit zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der DDR in den siebziger Jahren und vor allem achtziger Jahren führten die Verarbeitungsanlagen ein "Aschenputtel-Dasein".

Ohne eine laufende Modernisierung und mit veralteter Technik belasteten sie vor allem hier in Espenhain sehr stark die Umwelt. Daher wurden beide Schwelereien und eine Brikettfabrik bereits im Jahre 1990 und die restlichen Anlagen in 1995 und 1996 stillgelegt.

Um die Zeit der Wiedervereinigung Deutschlands arbeiteten auf dem Standort rund 7.500 Menschen.

Situation 1997: Hier sehen Sie, dass bereits einige Anlagen abgebrochen und demontiert worden sind.

Im Jahre 2002 ist die Beräumung dieser 275 ha großen Industriefläche weitgehend abgeschlossen. Auf dem Standort haben sich inzwischen 26 kleine und mittelständische Unternehmen mit über 500 Arbeitsplätzen niedergelassen. Sicherlich eine kleine Zahl gegenüber ehemals 7.500, aber immerhin ein Nukleus für neue Entwicklungen.

Der Standort ist infrastrukturell relativ gut erschlossen. Es gilt nunmehr, auch innerhalb des Standortes moderne Anlagen zur Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser sowie Abwasseranlagen zu bauen. Nur durch diese Infrastrukturmaßnahmen kann die Nachhaltigkeit der geschaffenen Arbeitsplätze gesichert und die Voraussetzungen für weitere Ansiedlungen geschaffen werden.

Ohne eine solche Maßnahme hätten wir zum Beispiel es nicht geschafft, den Windkraftanlagenbauer Vestas in Lauchhammer anzusiedeln, wie wir es im Videofilm gesehen haben.

Ohne solche Maßnahmen können auch Projekte und Netzwerke nicht realisiert werden, die Herr Minister Rasch vor mir erläutert hat.
Die Maßnahmen werden vom Freistaat Sachsen über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (zu 90 %) finanziell gefördert. Das Investitionsvolumen für den ersten Bauabschnitt beläuft sich auf 15 Mio. Euro.

Mit der Umsetzung des Standortes zu einem Gewerbe- und Industriegebiet leisten wir auch einen guten Beitrag zu einem sparsamen Haushalt anstatt hierfür Grünflächen in Anspruch zu nehmen.

Sehr geehrter Herr Kommissar Barnier, sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

wir freuen uns, dass Sie mit dem ersten Spatenstich diese für den Standort und für die Region wichtige Infrastrukturmaßnahme persönlich einleiten. Ich lade Sie dazu ein und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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