LMBV 1999 - ein Beitrag zum Wandel im ostdeutschen Braunkohlenbergbau

Berlin/Neukirchen. “Die Veränderungen in der Braunkohleindustrie und in den Braunkohleregionen in den vergangenen Jahren sind greifbarer.” Dies sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr.-Ing. Wolfgang Fritz, auf einem Pressegespräch in Neukirchen. “Vielleicht sind einige unserer Partner, die mit uns gemeinsam die großen Herausforderungen bei der Wiedernutzbarmachung stillgelegter Produktionsstandorte der Braunkohleindustrie der ehemaligen DDR angenommen haben, uns dabei unterstützten oder auch kritisch begleiteten, der Auffassung, dass die Zeit noch zu früh ist, um vom “Wandel” zu sprechen. Natürlich bleibt noch viel zu tun, aber entscheidend ist, die Konturen einer vielgestaltigen Bergbaufolgelandschaft werden sowohl in der Lausitz als auch im mitteldeutschen Revier sichtbar. Wir kommen immer mehr zu der Überzeugung, das bestätigen auch Gespräche in den Bergbauregionen oder Presseveröffentlichungen, dass das neu Geschaffene und das sich Entwickelnde von den Menschen angenommen wird.”

Er betonte: „Mit der Erfüllung unserer bergrechtlichen Wiedernutzbarmachungsverpflichtungen schaffen wir Bedingungen und Voraussetzungen für die in den regionalen Plänen vorgesehenen Folgenutzungen. Dort, wo diese Folgenutzungen "Erholung" oder "Tourismus" vorsehen und wo das Land oder private Investoren die Entwicklung finanziell unterstützen, geht es gut voran, wie das zum Beispiel die Aktivitäten um die Tagebaue Olbersdorf oder Cospuden zeigen."

Die Ergebnisse der Arbeit der vergangenen Jahre zeigen aber auch, dass eine Folgenutzung sanierter Standorte der Braunkohlegewinnung und -veredlung für eine indu-strielle oder gewerbliche Nutzung langsamer in Gang kommt als ursprünglich gedacht. Geschäftsführer Dr.-Ing. Fritz unterstrich: "Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass die gemeinsam mit dem Land Brandenburg entwickelten und in der Zwischenzeit auch ge-nehmigten Projekte zur Entwicklung der Prioritätenstandorte in "Sonne", "Kittlitz", "Marga" und "Lauchhammer-Süd" Pilotprojekte für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe in den Bergbauregionen werden.

Fritz machte deutlich: „Mit der Beendigung der Produktion im Tagebau Meuro und im Kraftwerk Brieske sowie mit der Einstellung des Kohlefahrbetriebes vom Tagebau Zwenkau zu den VEAG-Kraftwerken Thierbach und Lippendorf (alt) wurden die letzten aktiven Betriebsstätten in die Sanierung überführt. Wir sind sehr froh darüber, dass bis zum letzten Tag zuverlässig die Verpflichtungen zur Lieferung von Rohbraunkohle, Elektroenergie und Wärme sowie zum Kohletransport gegenüber unseren Partnern erfüllt wurden. Dafür ist allen Beteiligten zu danken."

Das in den vergangenen Jahren angeschlagene hohe Tempo in der Bergbausanierung wurde fortgeführt. In der Zwischenzeit wurden rund 60 Prozent unserer bergrechtlichen Wiedernutzbarmachungsverpflichtungen erfüllt und dafür rund zehn Mrd. DM aus Mitteln des Bundes, der Arbeitsverwaltungen, der neuen Bundesländer sowie der LMBV aufgewandt.

In der bergmännischen Grundsanierung, d. h. bei der Gestaltung der Tagebauhohlräume durch Massenbewegung und Verdichtung mit Großgeräten und mit mobiler Technik sowie bei der Demontage und Verschrottung von Geräten sind über drei Viertel aller Vorlaufarbeiten für die Flutung der Tagebaurestlöcher und die Wiederherstellung eines ausgeglichenen Grundwasserhaushaltes erledigt.

Konstruktive und fleißige Arbeit aller an der Braunkohlesanierung Beteiligten verbergen sich hinter diesen nüchternen Einschätzungen, so Fritz:

- „So waren in enger Zusammenarbeit mit der Landesplanung und den Bergbehörden die Voraussetzungen für eine rechtlich gesicherte Sanierungsplanung zu schaffen. Für die aus dem Bergrecht abzuleitenden Leistungen verfügen die LMBV inzwischen fast überall über genehmigte Planunterlagen.

- Mit der Konzentration der Kräfte auf die Erarbeitung der Dokumente für die Ausführungsplanungen und die Genehmigung dieser Projekte durch unsere Zuwendungsgeber im "Steuerungs- und Budgetausschuß für die Braunkohlesanierung"(StuBa) wurde der erforderliche Vorlauf sowohl für eine überjährige Vergabe von Sanierungsleistungen als auch für die Reaktion auf neue Erkenntnisse geschaffen.

- Durch die Arbeitsverwaltungen wurden wir tatkräftig bei der Benennung von förderfähigen Arbeitnehmern für die Braunkohlesanierung unterstützt und die SAM-Mittel (Struktur-Anpassungsmassnahmen) sind ein wichtiger Pfeiler der Finanzierung der Bergbausanierung.

- Gemeinsam mit Hochschulen, Instituten und Ingenieurbüros wurden wissenschaftliche Grundlagen und neue Technologien entwickelt, um die Bergbausanierung effektiver zu gestalten und sie zu beschleunigen.

- Mit unseren Sanierungsauftragnehmern vor allem den privatisierten Sanierungsgesellschaften haben wir zuverlässige Partner, die sich den Erfordernissen des Marktes im Wettbewerb gestellt haben sowie termin- und qualitätsgerecht sowie preiswert ihre mit uns vertraglich eingegangenen Verpflichtungen erfüllen."

Der Schwerpunkt der Sanierungstätigkeit verschiebt sich immer stärker in Richtung wasserbaulicher und wasserwirtschaftlicher Maßnahmen zur Wiederherstellung eines ausgeglichenen Grundwasserhaushaltes. So sind nach den heutigen Erkenntnissen noch über 90 Prozent aller Maßnahmen zur Flutung der Tagebaue mittels Fremdwasserzuführung zu realisieren. Wir gehen auch künftig davon aus, dass die wasserrechtlichen Genehmigungen durch die zuständigen Behörden so rechtzeitig erteilt werden, dass Verzögerungen in der Sanierung vermieden werden. Beim Übergang von der aktiven bergbaulichen Produktion zum letzten Abschnitt bergmännischer Tätigkeit, der Wiedernutzbarmachung, haben die Menschen unseres Unternehmens auch ein umfangreiches Know-how angesammelt, das auch eine effektive Projektträgerschaft für Aufgaben außerhalb der bergrechtlichen Sanierung gestattet.

„Wir denken dabei vor allem an die im Auftrag der Länder erfolgreich in Angriff genommenen Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren im Zusammenhang mit dem Grundwasserwiederanstieg, an die Erhöhung des Folgenutzungsstandards oder die Sanierung in Altbergbaugebieten. So war es auch möglich, die Projektträgerschaft für die Erschließung von ausgewählten Standorten für eine industrielle und gewerbliche Nutzung in Angriff zu nehmen. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2000 auch ein deutlicher Fortschritt bei der betriebswirtschaftlich optimalen Sanierung an Schnittstellen der bergbaulichen Wiedernutzbarmachung und der Gefahrenabwehr durch Altlasten vor allem an Chemiestandorten gelingt", unterstrich Fritz.

Der Wandel in den ostdeutschen Braunkohleregionen hat begonnen. Die Besucher der "EXPO 2000" können sich an den Korrespondenzstandorten dieser Weltausstellung, so zum Beispiel in den Regionen um Bitterfeld, Leipzig, Olbersdorf, Hoyerswerda oder Brieske, von den erreichten Ergebnissen dieses Wandels überzeugen. "Das Erreichte ist Ansporn, die Arbeiten auf der größten europäischen Landschaftsbaustelle zügig fortzuführen und erfolgreich zum Abschluss zu bringen."

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