Historische Zäsur für Senftenberger Revier: Tagebau Meuro und Kraftwerk Brieske stellen planmäßig Dienst ein - Sanierung schließt sich 2000 an

Berlin/Brieske. Um 10.03 Uhr ging am 27. Dezember 1999 das 125-MW-Kraftwerk nach über 33jährigem zuverlässigen Betrieb planmäßig vom Netz. Den Notaus-Schalter am Turbinensatz 5 betätigten gemeinsam der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Wolfgang Fritz und Rudi Kossack, der für die Errichtung des Kraftwerkes mit verantwortlich zeichnete.

Nach fast 35 Jahren Dienstzeit und rund 330 Millionen Tonnen geförderter Rohbraunkohle sind die Felder des Tagebaus Meuro planmäßig ausgekohlt worden und heute die letzte Kohlelieferung aus dieser Grube an das privatisierte Heizkraftwerk "Sonne"/Freienhufen auf den Weg gebracht worden.

Im Gebiet um Senftenberg (Lausitz) wurde bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts begonnen, Braunkohle des ersten Lausitzer Flözes in verschiedenen Gruben abzubauen und industriell zu nutzen. Bis 1989 kamen aus allen Tagebauen der Lausitz zusammen rund 65 Prozent der Rohbraunkohle Ostdeutschlands. Die Meuroer Grube zählte mit zu den wichtigsten Tagebauen im Revier, da dort besonders hochwertige Kohle vorgefunden wurde. Der Aufschluß des Tagebaus Meuro am Stadtrand von Senftenberg begann 1958. Sieben Jahre später, 1965, ging in diesem Tagebau die Abraumförderbrücke AFB 45 in Betrieb.

Am 21. April 1965 verließ die erste Braunkohle die Grube. Mit der bereits erfolgten Einstellung der Kohleförderung und dem Stillstand der Bandanlage im Tagebau Meuro am 17.12.1999 fand die Geschichte des Braunkohlereviers um Senftenberg nun zum Jahresende ihren Abschluß - womit gleichzeitig auch der letzte aktive Tagebau der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH außer Betrieb ging.

Die Netztrennung des Kraftwerkes Brieske am 27.12.1999 war ein weiteres sichtbares Zeichen dieser Entwicklung. Um die Jahrhundertwende in der Region Senftenberg waren eine Vielzahl von Brikettfabriken und die damit verbundenen Kraft-"Centralen" entstanden, die Dampf und Strom lieferten (z.B. „Ilse", 1895, zwei Generatoren mit 250 MW bei 2000 Volt).

Später wurden umliegende Kommunen, so 1906 das Dorf Klettwitz unweit von Senftenberg, an die Centralen der Brikettfabriken angeschlossen und elektrifiziert. Bei Brieske entstanden von 1906 bis 1912 die Kesselhäuser und Dampf-Centralen von "Marga I und II" und arbeiteten trotz verschiedener Umbauten rund fünfzig Jahre.

Am 11. Oktober 1962 erfolgte die Grundsteinlegung für ein weiterentwickeltes, moderneres Hochdruckkraftwerk in Brieske. Die veralteten Kleinanlagen wurden durch das mit Entnahme-Gegendruck-Turbinen ausgestattete Werk, das gleichzeitig die Wärmeversorgung der Wohngebiete übernahm, ersetzt. Der erste Dampferzeuger wurde am 11. Juli 1966 gezündet.

Im kommenden Jahr wird der Abriß der Anlagen, einschließlich der Schornsteine, beginnen. Ziel der Sanierung ist es, das Gelände für eine erneute industrielle Nachnutzung im Rahmen des "Industrieparkes Marga" vorzubereiten.

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