Redebeitrag zur Urkundliche Übergabe der sanierten Bergbauflächen an die Stadt Zittau und die Gemeinde Olbersdorf am 7. Mai 1999 durch Dr. Wolfgang Fritz, Vorsitzender der Geschäftsführung der LMBV mbH

Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: 07.05.1999 20.00 Uhr

Olbersdorf. "Es gibt nichts Dauerhaftes außer der Veränderung." An diesen Satz, den Heraklit vor mehr als 2000 Jahren formuliert hat, wird man erinnert, wenn man die rasanten Veränderungen in den Braunkohlenregionen wahrnimmt. Hier in der südlichsten Region des Lausitzer Reviers wird einem die Veränderung besonders deutlich. Hier wurde eine neue Landschaft geschaffen, die wir, die Bergbaugesellschaft, heute Ihnen, den Anwohnern, übergeben.

Der Bergbau auf Braunkohle war Broterwerb und Basis für Gewerbe und Industrie auch in der Oberlausitz. Durch preiswerte und ausreichend verfügbare Energie aus Braunkohle konnten die Textilindu-strie und der Maschinenbau in den Städten Zittau, Görlitz, Löbau, Kamenz, Bautzen und Lauban, die als Oberlausitzer Städte-bund schon frühzeitig eine überregionale Bedeutung hatten, sich rasch entwickeln.

Gestatten Sie mir einen kurzen Rückblick. Der Bergbau auf der Lagerstätte hier im Zittauer Becken auf beiden Seiten der Neiße hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Es begann mit oberflächennahem Tiefbau, der sich bis 1730 zurückverfolgen läßt und der im 19. Jahrhundert lokale Bedeutung hatte. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde ein Tagebau mit großtechnischer Gewinnung eingerich-tet, der aber schon 1938 eingestellt wurde. Die Gewinnung im Teil östlich der Neiße konnte kostengünstiger gestaltet werden und reichte für die Versorgung aus.

Nach 1945 hatte sich die Lage völlig verändert. Der östliche Teil der Lagerstätte war nicht mehr zugänglich und der ungeheure Energiebedarf machte es nötig, unter lokaler Verwaltung den Tagebau Olbersdorf zu sümpfen und die Produktion wieder in Gang zu setzen. Schon bald wurde eine Förderung von ca. 500.000 Tonnen im Jahr erreicht, was von großer Bedeutung für die regionale Versorgung war. Mit der Eingliederung des Tagebaus in das BKW Oberlausitz konnte die Förderung weiter stabilisiert werden, so daß 1988 auch das Heizkraftwerk Olbersdorf mit 26 MW den Betrieb auf Braunkohlenbasis aufnehmen konnte.

Im Ergebnis der politischen Wende wurde aus wirtschaftlichen Erwägungen aber auch zur Vermeidung weiterer nicht reparabler Eingriffe in die Natur am 1. März 1990 ein Beschluß des Mini-sterrates der DDR zur Stillegung des Tagebaus Olbersdorf gefaßt. Der letzte Kohlenzug verließ am 30. September 1991 den Tagebau. Die Gesamtfördermenge von ca. 21 Mio. Tonnen fand ihren Absatz überwiegend bei kommunalen Abnehmern, bei kleineren industriellen Verbrauchern oder Heizkraftwerken der Oberlausitz. Die Bereitstellung von Energie durch den Bergbau, verbunden mit der Leistungsbereitschaft der hier lebenden Menschen, machte es möglich, höherwertige Ordnungssysteme in dieser reichen Landschaft zu schaffen. Die Region hat von und mit dem Bergbau gelebt.

Dies war auch zu spüren, als es an den letzten Teil des Bergbaubetriebes ging, die Sanierung. Nach Aufschluß der Lagerstätte und der Gewinnung der Braunkohle ist die Wiedernutzbarmachung ein ganz natürlicher Bestandteil des Bergbaubetriebes. Daß die hier vom Bergbau beanspruchte Fläche schnell und zügig saniert werden konnte, ist insbesondere Ihnen, den Bergarbeitern und den Bewohnern dieser Region zu verdanken. Unser Dank gilt allen Partnern, die mit ihrem Engagement die Ver-wirklichung der heute vor uns liegenden Bergbaufolgelandschaft ermöglicht haben.

Wir danken den Kommunen für ihre Mitwirkung bei dem Übergang und bitten Herrn Oberbürgermeister Kloß und Herrn Bürgermeister Förster unseren Dank an die Mitarbeiter der Stadt- und Gemeindeverwaltung weiterzureichen. Im Staatlichen Umweltfachamt Bautzen gilt unser Dank der regionalen Planungsstelle. Durch ihre konstruktive Arbeit und ihre Bemühungen wur-de der Sanie-rungsplan im Jahr 1995 genehmigt. Die Abteilungen für Naturschutz sowie für Abfall- und Wasserwirtschaft haben unsere Arbeiten stets mit Augenmaß begleitet. Dem Landratsamt Löbau-Zittau gilt unser Dank für ergebnisorientierte wasserrechtliche Genehmigungen, die durch Teilgenehmigungen den zügigen Baufortschritt in den Jahren 1996/97 ermöglichten. Das Arbeitsamt Bautzen/Zittau hat unsere Bemühungen und die der Sanierungs-gesellschaften um qualifizierte Arbeitskräfte für die Bewältigung der Aufgaben kontinuierlich unterstützt. Den Sanierungsgesellschaften sei für die zügige und gewissenhafte Durchführung der Arbeiten gedankt. Auch den Planungsbüros, die durch ihre Vorschläge zur Standsicherheit, zu den Wasser-bauwerken, zur Limnologie und zu den Altlastenstandorten ihren Beitrag dazu leisteten, daß ohne Abstriche am Sanierungsziel die Baukosten niedrig gehalten werden konnten, gilt unser Dank. Das Regierungspräsidium Dresden hat durch seine Begleitung sichergestellt, daß rau-mordnerische und wasserrechtliche Probleme lokal gelöst werden konnten.

Schließlich sei auch den Bergbehörden gedankt, die nach Erarbeitung des Abschlußbetriebsplans im Jahr 1995 diesen nach Prüfung 1996 zugelassen haben. Am 22. April 1999 wurde, nachdem alle im Abschlußbetriebsplan festgelegten Aufgaben zur Wiedernutzbarmachung erfüllt wurden, im Ergebnis einer Befahrung des Staatlichen Umweltfachamtes, des Landratsamtes und des Bergamtes das Ende der Bergaufsicht über den ehemaligen Tagebau festgestellt. Herr Ministerpräsident, ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den zuständigen Verwaltungsstellen des Freistaates Sachsen für die reibungsarme und effektive Arbeit bedanken. Ohne dieses konstruktive Zusammenwirken, das bei-spielhaft auch für andere Sanierungsobjekte ist, wäre nicht das erreicht worden, was wir heute als eine "Landschaft nach dem Bergbau" vor uns sehen.

Vom Bergbau ist eine Fläche von etwa 400 ha in Anspruch genommen worden. Als Ergebnis der Sanierung konnte ein See vor den Toren Zittaus mit einer Fläche von 60 ha geschaffen werden. Die Forst-flächen von 264 ha umschließen Naturschutzflächen, 32 ha Altwald mit regionaltypischen Gehölzen und 70 ha begrünte Tagebaurandflächen. 42 ha dieser Fläche sind von uns für die Landesgartenschau zur Verfügung gestellt worden.

Neben diesen landschaftlich reizvollen Flächen zwischen der Stadt Zittau und dem Zittauer Gebirge konnte aber auch die Grundlage für künftige Gewerbeansiedlungen geschaffen werden. Im Werkstattbereich der ehemaligen Tagesanlagen arbeitet heute eine Hydraulikfirma mit 45 Arbeitnehmern. Das Tagebaumagazin wird von einem Verpackungsunternehmen genutzt. Durch die Anlage des Campingplatzes ist mit Saisonarbeitsplätzen im Bereich des Tourismus zu rechnen. Wir sind gewiß, daß diese reizvolle Landschaft noch mehr Investoren anziehen wird, denn "Leben nach der Kohle", das ist auch eine produktive Tätigkeit der Menschen bei einem schonenden und rationellen Umgang mit den Naturressourcen.

Die Arbeiten zur Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau beanspruchten Flä-chen wurden durch das Verwaltungsabkommen zur Finanzierung der Braunkohlesanierung ermöglicht. Auf dieser Grundlage standen der LMBV Mittel des Bundes und des Landes Sachsen zur Bewälti-gung der Bergbaualtlasten auch hier in Olbersdorf zur Verfügung. Dabei konnte die LMBV als inzwischen anerkannter Projektträger für die Sanierung gewährleisten, daß die bereitgestellten Mittel in Höhe von 75 Mio. DM sparsam und effizient verwendet wurden. Das Ergebnis unserer Bemühungen sehen Sie heute vor sich.

Da die LMBV über ein engmaschiges regionales Erfahrungsnetzwerk und hoch-qualifiziertes Personal verfügt, sind ihr seit 1998 auch weitere Aufgaben durch den Freistaat Sachsen übertragen worden. Zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards sind auf dem Gelände der Landesgartenschau durch die LMBV mehrere Brücken errichtet bzw. rekonstruiert, Wege angelegt und Strandbereiche vorbereitet worden. Ein Bergbaulehrpfad stellt die Verbindung zur Vergangenheit her. In diesem Jahr werden in der Umgebung von Zittau 89 Schächte des Altbergbaus gesichert und verwahrt. Am Kummersberg, am Hasenberg, in Zittau-Süd und in Hartau werden untertägige Hohlräume durch Spezialisten verfüllt.

Mehr für die Region und die hier lebenden Menschen zu tun wurde möglich, weil das zwischen der Bundesregierung und den neuen Ländern abgeschlossene "Ergänzende Verwaltungsabkommen" es ab 1998 ermöglicht, hier im Auftrag des Freistaates Sachsen mehr zu tun als es das Bergrecht von uns fordert. Vor allem durch eine nachnutzungsorientierte Sanierung mit einem höheren Folgenutzungsstandard der sanierten Flächen schafft die LMBV Bedingungen für eine gezielte Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, aber auch für Erholung und Tourismus. Dadurch ermöglicht die LMBV eine Beschleunigung des Strukturwandels, der gerade in den monostrukturierten Bergbauregionen zu einer schrittweisen Lösung der Arbeitsmarktprobleme so notwendig ist.

Vor allem durch die effizientere Gestaltung der Prozesse der Grundsanierung haben wir die Möglichkeit geschaffen, daß bis 2002 jährlich 200 Mio. DM für solche Zusatzmaßnahmen zur Verfügung stehen. Wir können bereits heute mit Fug und Recht feststellen, in den Bergbauregionen entstehen viele neue Ideen und wir schaffen Bedingungen für ihre Erfüllung - für ein "Leben nach der Kohle". Deshalb vertreten wir die Auffassung, daß auch nach dem Jahre 2002 Mittel für einen nahtlosen Übergang der bergmännischen Grundsanierung in die Folgenutzung bereitgestellt werden sollten, und wir bitten auch die Regierung des Freistaates Sachsen, uns bei der Durchführung dieses Anliegens zu unterstützen.

Wir freuen uns, Ihnen heute eine nachhaltig nutzbare Bergbaufolgelandschaft, ganz im Sinne der Landesgartenschau, übergeben zu können. Wir verbinden damit unseren Wunsch, Ihre Unterstützung auch bei anderen Projekten im Lande Sachsen zu erhalten, um die wieder nutzbar gemachten Bergbauflächen schnell und effizient zum Nutzen der jeweiligen Region übergeben zu können.

Wir sind gewiß, daß von dem hier Geschaffenen, auch in Verbindung mit der Sächsischen Landesgartenschau, viele Impulse für die weitere Gestaltung der Region ausgehen werden. Dazu wünschen wir allen ein gutes Gelingen, Gesundheit und ein herzliches Glück auf!

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