Optimiertes Flutungs- und Behandlungskonzept

Lausitzer Sanierungsschiff auf neuem Kurs
Auszugsweise Wiedergabe eines Beitrages von Kathleen Weser in der Lausitzer Rundschau vom 13.09.2007

Um das Versauern der Gewässer des Lausitzer Seenlandes zu stoppen, muss die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) umsteuern. Im Spätherbst soll das Sanierungsschiff mit einem optimierten Flutungs- und Behandlungskonzept für die Seen der Bergbaufolgelandschaft einen neuen Kurs einschlagen. „Die geänderte Strategie ist nicht zuletzt ein Resultat umfangreicher wissenschaftlicher Untersuchungen“, sagt Chef-Geotechniker Friedrich-Carl Benthaus.

Seit Jahren versuchen die Sanierer, den natürlichen Prozess der Versauerung aufzuhalten. Denn die Gewässer des Lausitzer Seenlandes sollen künftig vor allem touristisch genutzt werden und Badegäste anlocken. Deshalb wird fieberhaft daran gearbeitet, das Wasser zu neutralisieren. Doch dafür müssen die großen Bergbaufolge-Gewässer schneller als bisher vorgesehen „in ein dynamisches Gleichgewicht gebracht werden“, bringt Benthaus die grundlegend neue Erkenntnis der Forschungen auf den Punkt. Das weiterentwickelte Flutungskonzept ziele deshalb darauf ab, die derzeit noch sehr großen Wasserspiegel-Differenzen zwischen den Seen zu beseitigen. Denn nur so sei der Zustrom von sauren Kippenwässern in die Seen wirksam zu begrenzen.

Der bisherige Flutungsfahrplan sieht vor, die Gewässer der Lausitzer Seenkette bis zum Jahr 2018 schrittweise nach einander auf die Endwasserstände zu bringen. Praxis-Versuche haben allerdings gezeigt, dass bei dieser Strategie nur geringe Chancen bestehen, die Wasserqualität entscheidend positiv zu beeinflussen.

Große Hoffnungen hatten die Sanierer in eine reaktive Wand gesetzt. „Der Versuch, das mit gelösten Sulfaten belastete Wasser bereits vor dem Zustrom in die Gewässer in den Kippenbereichen zu behandeln, wo die Schadstoffe mineralisiert werden, ist als solcher nur teilweise erfolgreich gewesen“, erklärt Benthaus. Die reaktive Probe-Wand aus jeweils 75 Meter langen Abschnitten und bis zu 24 Meter tief in das Erdreich eingerüttelten Kraftwerksaschesäulen am Skadodamm zwischen dem Sedlitzer und dem Partwitzer See habe nicht die erhoffte Wirkung gebracht. „Im Labormaßstab waren die belasteten Wasserpartikel an der Wand mustergültig gebunden und ausgefällt worden. Im Großversuch ist die Reaktion allerdings nicht so intensiv gewesen wie erwartet. Zwei Millimol der Sulfatverbindungen je Liter sind im Skadodamm zeitweise abgebaut worden. Das ist schon eine Größenordnung“, sagt der Fachmann. Doch bezogen auf die Wassermengen in den Seen sei das bei weitem nicht ausreichend. Die reaktive Wand musste deshalb als großflächig wasserverbessernde Maßnahme ausgeschlossen worden.

Dennoch zeigt sich der Chef-Geotechniker der LMBV mit dem Ergebnis des Versuches nicht unzufrieden. Im Gegenteil: Die Asche habe sich in der Kippe zwar nicht wie gedacht ausgebreitet und gewirkt. Doch sie sei in Verbindung mit dem Wasser ausgehärtet und habe den See-Körper komplett abgedichtet. „Nebeneffekt dieses Großversuches am Skadodamm ist, dass damit ein sehr preiswertes Verfahren gefunden worden ist, Kippenbereiche nach innen und außen gegen saure Ströme zu sichern. Und dies mit der bereits vorhandenen Technologie der Rütteldruckverfahren“, erklärt Benthaus. „Für die lokale Steuerung der Wasserflüsse in der zentralen Lausitzer Seen kette zwischen Spreetal-Nord mit einem Endwasserstand von 107 Metern über Normalnull und dem Sedlitzer See mit 101 Meter wird das noch sehr wichtig werden“, sagt er.

„Sehr ermutigend“ seien dagegen die Ergebnisse von Versuchen am Rande des Ilse-See-Auslaufes Sedlitz (Oberspreewald-Lausitz) zum vom Verein für kerntechnische Analytik (VKTA) Dresden-Rossendorf entwickelten Verfahren der elektrolytischen Sulfatabtrennung. „Hierbei wird nicht versucht, Stoffe ins Wasser zu bringen, um über chemische Reaktionen unerwünschte Substanzen herauszuholen“, erklärt Benthaus den Ansatz. Vielmehr seien Teilmengen des aus dem Sedlitzer in den Ilse-See abströmenden Wassers in der Grubenwasserreinigungsanlage Rainitza über Elektrolyse-Zellen geleitet worden.

Dabei entstehende Ammoniumsulfat-Verbindungen seien als Rohstoffe für die Düngemittelherstellung verwendbar. Auch die dabei anfallende Schwefelsäure sei für die chemische Industrie interessant. „Bei dieser Art der Gewässersanierung würde kein Abfall produziert, sondern sogar ein sinnvoller Einsatz der herausgefilterten Stoffe möglich sein“, erläutert Benthaus.
Noch schwanke die Wasserqualität nach dieser Behandlung erheblich. „Es ist schwer, die Anlage auf den Punkt zu fahren“, formuliert der Fachmann das noch zu lösende Problem. Die Eisen-Werte und der Abbau von sauren Sulfatverbindungen seien jedoch sehr gut. Im nächsten halben Jahr solle die Versuchsanlage mit neuen Parametern getestet werden. „Dieses Verfahren ist allerdings definitiv ungeeignet für die Behandlung des Wassers im See-Körper“, so der Geotechniker. „Lediglich an Stellen, an denen See-Wasser in die öffentliche Vorflut geleitet werden muss, könnten so die Sulfatmengen am Auslauf enorm reduziert werden.“ Hier seien strenge gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Dies rechtfertige auch den Einsatz der relativ aufwendigen Technologie.

Eine günstige Variante gegen die Versauerung wird am Wasserspeichersystem Lohsa (Landkreis Kamenz) erprobt. Hier sei noch viel Erde zu bewegen. Dabei werde dem losen Kippensand Kalk beigemischt, um saure Ausflüsse in das Gewässersystem auszuschließen. „Die mit dem aufgehenden Wasser gelösten Sulfate kommen in intensiveren Kontakt mit dem neutralisierenden Kalk“, erklärt Benthaus den Effekt. Die Fachleute versprechen sich von der Methode seinen Angaben zufolge eine nachhaltigere Wirkung auf die Wasserqualität, als sie beispielsweise am Restloch Burghammer (Landkreis Kamenz) erreicht worden ist. In diesem sind Kalkablagerungen vom Seegrund aufgenommen und im Gewässer verbreitet worden. Der ph-Wert des Wassers konnte dadurch deutlich verbessert werden. Allerdings nur für kurze Zeit. „Hier ist schnell klar geworden, dass diese Methode erst kurz vor dem Erreichen des Zielwasserstandes bei einem beruhigten Umfeld ohne größeren Wasserzustrom aus den Kippenbereichen Sinn hat“, schätzt der Chef-Geotechniker der LMBV ein. Deshalb seien etwa niveaugleiche Wasserstände in den Seen der Restlochkette wichtig.

Vor diesem Hintergrund hat die LMBV den Plan geschmiedet, ein Sanierungsschiff auf Kurs zu bringen. Statt bislang vorgesehener großtechnischer Wasserreinigungsanlagen in den Seen und an deren Ausläufen werde nun geprüft, „das Reinigungsgerät zum Problem zu bringen“, sagt Benthaus. Der Grundgedanke sei, den Umstand, dass die Lausitz bald sieben miteinander verbundene Seen haben wird, bereits für die Gewässersanierung zu nutzen. Gegenwärtig ist eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, mit der ergründet werden soll, ob mehrere stationäre Anlagen durch eine mobile ersetzt werden können, die von See zu See fährt. „Am Jahresende werden wir belastbare Ergebnisse dazu haben, ob dies funktioniert“, so Benthaus. „Jeder der Seen hat Stellen, die unterschiedlich stark versauern. Denn der Zustrom aus der Kippe ist nicht überall gleich“, erklärt der Geotechniker. Die Kalkmengen per Schiff gezielter einzubringen, verspreche eine sensiblere Behandlung, die zudem die Kosten senken könnte.

Die Anrainer-Kommunen und Investoren des Lausitzer Seenlandes sollen in Kürze über den neuen Sanierungsfahrplan informiert werden. „Wir bereiten für das letzte Quartal dieses Jahres eine Lausitzer Wasserkonferenz mit vielen Partnern vor, während der neue Strategien für die Flutung und Behandlung der Seen vorgestellt und diskutiert werden sollen“, kündigt LMBV-Unternehmenssprecher Dr. Uwe Steinhuber an.

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