Rückblick auf 2007: Der Wandel durch Bergbausanierung gelingt - Alte Gruben verändern sich zu Neuen Seen

Bilanzpressegespräch in Senftenberg mit dem Rückblick auf 2007

Senftenberg/Leipzig. „Alte Gruben – Neue Seen: der Wandel durch die Braunkohlesanierung wird in der Lausitz und in Mitteldeutschland immer deutlicher sichtbar“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu auf dem diesjährigen LMBV-Bilanzpressegespräch am 28. April 2008 am Sitz des Unternehmens mitten im entstehenden Lausitzer Seenland.

„Gerade rund um die neuen Seen zeigen sich bereits vielfältige anfassbare Ergebnisse der langfristigen Entwicklung der Bergbaufolgelandschaften: Die Fortschritte der laut Berggesetz und Sanierungsplänen notwendigen Bergbausanierung werden für die Menschen im Lausitzer Revier zwischen Cottbus, Spremberg, Lauchhammer, Hoyerswerda und Görlitz sowie im mitteldeutschen Revier südlich von Leipzig und Halle ebenso wie rund um Bitterfeld und Delitzsch von Jahr zu Jahr nutzbarer und man sieht immer deutlicher, was aus dem Budget von 231 Mio. Euro für 2007 geworden ist.“

Gerade die stillgelegten und teilweise bereits gefluteten Tagebaue in der Lausitz sind inzwischen für die Menschen aus Nah und Fern immer mehr als neue, künstliche Lausitzer Seenlandschaft zu erfahren. „Mit der Flutung des Ilse-Sees bei Großräschen und auch des Zwenkauer Sees südlich von Leipzig hat im Jahr 2007 für die LMBV überall die letzte und dritte Phase der Braunkohlesanierung begonnen. Im Jahr 2007 wurde auch das letzte bergmännische Großgerät der LMBV außer Betrieb genommen. Die Herstellung von 46 größeren, von Menschenhand geschaffenen Bergbaufolgeseen wird bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts im Wesentlichen abgeschlossen sein“, bekräftigte Kuyumcu. Davon konnten sich die Teilnehmer des Pressetermins selbst bei einer Jeep-Tour durch das sächsisch-brandenburgische Sanierungsgebiet zwischen Kleinkoschen, Geierswalde, Bluno sowie Partwitz und Lieske überzeugen. Große Fortschritte machen auch die Flutungs- und Verwertungsarbeiten im Mitteldeutschen Revier rund um Leipzig und Delitzsch, südlich von Halle im Geiseltal sowie bei Bitterfeld. 

Erfolgreicher Akteur des Wandels: Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) ist seit 1994 als Projektträgerin für die Wiedernutzbarmachung der nicht privatisierten Braunkohleareale im Auftrag des Bundes und der ostdeutschen Braunkohleländer tätig. Die Braunkohlesanierung war daher auch im Jahr 2007 wieder ein Gemeinschaftswerk zahlreiche Partner in den Sanierungsfirmen, Ingenieurbüros, Arbeits-, Berg- und Umweltämtern, Behörden. Auch im „Steuerungs- und Budget-Ausschuss für die Braunkohlesanierung“ sowie in den Braunkohleausschüssen der Länder wurde zu einem erfolgreichen Etappenziel 2007 beigetragen.

Insgesamt rund 8,3 Mrd. Euro Bundes- und Landesmittel wurden seit 1990 bis Ende 2007 zielgerichtet für die Braunkohlesanierung eingesetzt. Davon wurden von der LMBV rund 7,8 Mrd. für die Sicherung der stillgelegten Tagebaue und weiterer notwendiger Arbeiten zur Wiedernutzbarmachung (Grundsanierung - bergrechtliche Pflichtaufgaben) aufgewandt.

Allein im Jahr 2007 wurden mehr als 231 Mio. Euro (2006: 290 Mio. Euro) für die Braunkohlesanierung bereitgestellt, davon entfielen auf Brandenburg rund 130 Mio. Euro (2006: 162 Mio. Euro), auf Sachsen 61 Mio. Euro (2006: 82 Mio. Euro), auf Sachsen-Anhalt rund 38 Mio. Euro (2006: 44 Mio. Euro) und auf Thüringen 2,1 Mio. Euro  (2006: 2,5 Mio. Euro).

Rund 172 Mio. Euro wurden 2007 für die Grundsanierung im Rahmen der bergrechtlichen Verpflichtungen der LMBV (2006: 240 Mio. Euro) ausgegeben (so genannte Projekte nach § 2). Für die Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers wurden rund 36 Mio. Euro (2006: 36,5 Mio. Euro) eingesetzt (so genannte Projekte nach § 3). Dies betraf z. B. Untersuchungen zum künftigen Grundwasserwiederanstieg um Delitzsch (Sachsen), Bitterfeld (Sachsen-Anhalt), Senftenberg sowie Lauchhammer (Brandenburg) und Burghammer sowie Spreetal (Sachsen). Schließlich wurden im Auftrag der Braunkohleländer mit mehr als 23 Mio. Euro (2006: 12 Mio. Euro) diverse Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der sanierten Landschaften realisiert (so genannte Projekte nach § 4). Dies ergibt zusammen die Gesamtaufwendungen von 231 Mio. Euro im Jahr 2007.

Fortschritte in den Regionen: Der überwiegende Teil aller Arbeiten, insbesondere die Böschungssicherung und Kippenverdichtung, die Abraummassentransporte und -anschüttungen sowie der Abriss von nicht mehr benötigten Brikettfabriken und Kraftwerken sind bereits abgeschlossen. Bei den Abbruch- und Demontagearbeiten sind nur noch zwei Prozent zu erledigen. Ähnlich groß ist das Verhältnis bei den Massenbewegungen – nur noch weniger als fünf Prozent der gesamten Leistungen sind hier künftig vor allem mit mobiler Erdbautechnik zu erbringen. Bei den Verdichtungsarbeiten sind bisher schon mehr als 91 Prozent der Arbeiten geleistet worden. Bei der reinen Rekultivierung, die in der Regel am Ende der Sanierung steht, sind rund zwei Drittel (69 Prozent) erreicht. In der Altlastensanierung sind bis jetzt ebenfalls über die Hälfte der Projekte (Erfüllungsgrad: 59 Prozent) abgearbeitet.
 
Was sind aus Sicht der LMBV berichtenswerte Kenziffern des Jahres 2007?

• Rund 12 Millionen Kubikmeter Abraummassen wurden in 2007 (2006: 25 Mio. Kubikmeter) bewegt. Das letzte Großgerät wurde außer Betrieb genommen.
• Etwa 17 Millionen Kubikmeter Kippen wurden verdichtet und damit für die Zukunft gesichert (2006: 28 Mio. Kubikmeter). Immer mehr künftige Ufer sind damit nutzbar.
• Rund 176 Millionen Kubikmeter Sümpfungswasser konnten 2007 nach Aufbereitung und Reinigung wieder mit zur Flutung herangezogen werden (2006: ca. 251 Mio.)
• Insgesamt 2,44 Mrd. Kubikmeter Fremd- und Eigenwasser wurden seit 1994 zur Flutung genutzt (Summe 1994 - 2006: 2,19 Mrd. Kubikmeter Fremd- und Eigenwasser).
• Zusammen rund 134 Mio. Kubikmeter Wasser wurden 2007 allein in der Lausitz aus den drei Flüssen Neiße, Spree, Schwarze Elster (2006: 114 Mio. Kubikmeter) und weitere 61 Mio. Kubikmeter Wasser in Mitteldeutschland aus den Flüssen Selke, Saale, Weiße Elster und Luppe zur Flutung genutzt.
• Das Volumen des Grundwasserdefizits wurde damit von 1990 mit ursprünglich 12,7 Mrd. auf rund 5,2 Mrd. Kubikmeter (2006: 5,5 Mrd. Kubikmeter) verringert.
• An 46 größeren Bergbaufolgeseen wurden zwischenzeitlich die Flutungen begonnen. Dazu zählen auch die  in 2007 begonnenen Flutungen an Ilse- und Zwenkauer See.
• Auf ca. 402 Hektar (2006: 399 ha) wurden Bäume gepflanzt bzw. hat sich Wald gegründet. Insgesamt wurden 2007 rund drei Mio. Pflanzen eingesetzt.
• 132 Hektar Flächen wurden zur Nachnutzung für Landwirtschaft vorbereitet.
• Rund 2.700 Hektar wurden durch Veräußerung einer neuen Nutzung zugeführt.

Seit rund vier Jahren ist die Flutung der Bergbaufolgeseen einer der Schwerpunkte der Tätigkeit der LMBV. Diese bis weit in das nächste Jahrzehnt reichende Aufgabe hat die LMBV zu mehr als der Hälfte (58 %) erledigt. Der Füllstand der 31 zu flutenden größeren Lausitzer Seen lag Ende 2007 im Durchschnitt bei 58 % mit einer momentanen Seefläche von 10.488 Hektar (dies entspricht rund 74 % der Endfläche dieser Lausitzer Bergbaufolgeseen von 14.227 Hektar). In diesen Seen der Lausitz befinden sich gegenwärtig bereits rund 1,3 Mrd. Kubikmeter Wasser.

Bei dieser einzigartig umfangreichen Herausforderung kommt es nicht nur auf die mengenmäßige Herstellung neuer Gewässer an, sondern vorrangig auch auf die Herstellung solcher Seen, die langfristig ohne Qualitätsprobleme in die Vorflutsysteme eingebunden werden können. Dazu wurde 2007 ein angepasstes „Flutungs- und Behandlungskonzept“ von Wissenschaftlern und Technikern formuliert, abgestimmt, zur Genehmigung beantragt und zur Umsetzung auf den Weg gebracht sowie in den Kreisen, Kommunen und Zweckverbänden kommuniziert.

Bereits vor drei Jahren hat die LMBV Gespräche mit dem Freistaat Sachsen aufgenommen, um zu klären, welche Bergbaufolgeseen von Sachsen übernommen werden. 2007 wurden diese Verhandlungen weiter vorangetrieben und Anfang 2008 einer einvernehmlichen Lösung (Gewässerrahmenvereinbarung) zugeführt. Aus Brandenburg kamen auch 2007 wieder deutliche positive politische Signale zur Übernahme von einzelnen großen Bergbaufolgeseen, so dass 2008 die konkreten Verhandlungsgespräche weiter fortgeführt werden können.

Die Einstellung vorbergbaulicher Wasserstände in den Revieren wird für die dortigen Kommunen und Eigentümer immer nachdrücklicher präsent. Zahlreiche Betroffenheiten bei öffentlichen und privaten Gebäuden werden gegenwärtig im Auftrag der LMBV erfasst (ohne Anerkennung einer Rechtspflicht der LMBV) und Lösungsvorschläge im Auftrag von Bund und Ländern durch die LMBV und von ihr beauftragten Fachleuten erarbeitet. Die jeweiligen Finanzierungsanträge für die unterschiedlichen Eigentümer werden daraufhin von der „Bund-Länder-Geschäftsstelle für die Braunkohlesanierung“ geprüft und im Bund-Länder-Gremium über die Finanzierungsanteile der öffentlichen Hand entschieden.

Die Braunkohlesanierung hat auch die in sie gesetzten beschäftigungspolitischen Erwartungen erfüllt. Mehrere tausend Menschen haben 2007 in und mit der Bergbausanierung eine anspruchsvolle Beschäftigung gefunden. Insgesamt lag die aus Bergbausanierung resultierende Gesamtbeschäftigungswirkung im Jahresdurchschnitt bei 3.500 Arbeitsplätzen (2006: 4.700).

LMBV / Mitarbeiter: In der LMBV selbst waren zum Jahresende 2007 noch 550 Bergbauingenieure, Immobilienwirte und Kaufleute (31.12.2006: 616) in Senftenberg und Leipzig beschäftigt. Im Jahr 2007 war die Konzentration von fünf auf zwei Standorte erfolgt, um auch künftig wirtschaftlich und effizient wirken zu können. Zu dieser Beschäftigtenzahl kamen zum Stichtag noch 95 LMBV-Auszubildende hinzu (31.12.2006: 132). Trotz weiter rückläufiger Beschäftigtenzahlen hat das Unternehmen auch im Jahr 2007 wieder Jugendliche erfolgreich ausgebildet. 20 neue Ausbildungsplätze wurden im Laufe des Jahres 2007 besetzt.

Der LMBV-Chef zog abschließend das Fazit: „Im Jahr 2007 wurden von der LMBV und ihren Partnern 231 Mio. Euro planmäßig und zweckentsprechend in die Zukunft der Reviere investiert, erhalten doch damit die ehemaligen Braunkohleregionen ökologisch nachhaltige und ökonomisch chancenreiche Perspektiven.“

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