Ohne Gruben kein Spreewasser für Berlin - Lausitzer Rundschau vom 18.08.2008 über unterirdische Wasserflüsse im Lausitzer Seenland

Senftenberg/Cottbus. Die beiden Redakteure der Lausitzer Rundschau, Sascha Klein und Torsten Richter gingen im August 2008 der Frage nach, wie es sich mit den Zu- und Abflüssen der aktiven und stillgelegten Tagebaue im Lausitzer Revier verhält und hatten dabei auch das politische und geografische Berlin im Blickfeld: In der Online-Ausgabe der LR berichten sie: „Ein Aus des Bergbaus in der Lausitz hätte ganz gravierende Auswirkungen auf den Wasserhaushalt in der Region“, betont Arnold, Leiter der Geotechnik bei Vattenfall. In dieser Hinsicht müsse vor allem die Hauptstadt Berlin noch immer in Richtung Lausitz schauen. Denn ein Großteil des Wassers, das Vattenfall hebt, um die fünf Tagebaue in der Region betreiben zu können, fließt in die Spree. Allein in Höhe Cottbus kämen 60 Prozent des Wassers im Fluss aus den Tagebauen der Region. Ein Großteil verdunste anschließend in den Fließen des Spreewaldes. Der Rest fließe Richtung Berlin. Würde das Unternehmen plötzlich den Bergbau kurzfristig einstellen, würde es keine Einleitung mehr in die Spree geben, so Arnold. Das bedeutet, dass der Fluss in der Hauptstadt kaum noch Wasser führen würde. Deshalb kann Ingolf Arnold - Wasserexperte bei Vattenfall - in aller Ruhe behaupten: „Diese Wunden lassen sich nur mit funktionierendem Bergbau langfristig heilen.“

 

Die beiden Autoren der Lausitzer Rundschau S. Klein und T. Richter berichten in der Online-Ausgabe der LR: „…Noch warten die Anrainer am Bärwalder See – dem früheren LMBV-Tagebau Bärwalde – sehnlich auf das Jahr 2010. Dann soll das Gewässer mit einer Größe von 1299 Hektar fertig geflutet sein. Zurzeit liegt der Füllstand bei etwa 90 Prozent. Doch: Der See hätte theoretisch viel früher voll sein können. Mehr als 20 Millionen Kubikmeter des raren Flutungswassers verschwinden jährlich auf unsichtbaren Wegen. Mehr als 15 Prozent des eingeleiteten Nass’ gehen der LMBV nach der Flutung verloren. Dieses Wasser strömt gen Nordosten, in die Rekultivierungsflächen des Vattenfall-Tagebaus Nochten südwestlich von Weißwasser (Kreis Görlitz). Dort arbeiten Hunderte Vattenfall-Pumpen und sorgen dafür, den aktiven Tagebau trocken zu halten. Etwa vier bis fünf Meter kommt das einstige Seewasser aufgrund der leichten Hanglage pro Tag voran. Immerhin behindert es den aktiven Tagebaubetrieb nicht. Wird dort das kostbare Gut, das woanders nicht zum Fluten zur Verfügung steht, fehlgeleitet?“

Ingolf Arnold, Leiter der Geotechnik bei Vattenfall in Cottbus dazu: „Die Frage des Wassers war vor allem nach dem Ende der DDR ein großes Thema“, sagt er und rollt eine große Karte aus. Zu sehen ist das Lausitzer Revier mit den früheren Tagebauen Schlabendorf und Seese im Norden bis zum Tagebau Bärwalde im Süden. Mitten durch das Gebiet geht ein dicker Strich. Das Gebilde hat die Form eines Löwenkopfs. Es verläuft vom Schwarzen Schöps, einem rechten Nebenfluss der Spree, über die Große Spree, Trattendorf, Neupetershain und das Koselmühlenfließ in Richtung Spreewald. Es ist die Grenzlinie der Zuständigkeiten. Westlich der Linie ist die LMBV zuständig. Dort liegt die Lausitzer Seenkette. Östlich der Linie befindet sich der aktive Tagebau, von Jänschwalde (Spree-Neiße) im Nordosten bis Reichwalde (Kreis Görlitz) im Südosten. In diesem Gebiet  „regiert“ Vattenfall, früher die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag).

Ein Berührungspunkt zwischen Bergbausanierern und Grubenbetreibern liegt nahe des Bärwalder Sees: "Die Geologen sind sich Arnold zufolge bereits kurz nach dem Ende der DDR bewusst gewesen, dass es zwischen aktivem und stillgelegtem Tagebau „gegenseitige Beeinflussungen geben wird“. Diese seien schließlich schnell offensichtlich geworden. Immer wieder fließt Flutungswasser dorthin, wo die Bergleute das Grundwasser abgesenkt haben, um an die Kohle zu kommen. „Es ist nicht so, dass einer der anderen Seite dadurch einen Schaden zufügt. Diese Situation haben beim Vertragsabschluss zwischen der LMBV und der Laubag im Jahr 1994 alle akzeptiert“, sagt Ingolf Arnold. "

Im LR-Text heißt es weiter: „Das bestätigt Dr. Friedrich-Carl Benthaus, Leiter Geotechnik bei der LMBV. Vor allem beim Bärwalder See gibt es seinen Angaben zufolge einen hohen Wasserverlust – eiszeitbedingt. Zwischen See und Tagebau verläuft unterirdisch eine Rinne, ein früherer Fluss. Dieser ist durch die Grundwasserabsenkung trocken. Jetzt, aufgrund des steigenden Grundwasserspiegels durch den Sanierungsbergbau und die Flutung, bekommt diese Rinne das Wasser zurück, das es vor dem Aufschluss der Tagebaue unsichtbar geführt hat. Diese Fläche ist wie ein Schwamm. Je trockener, umso mehr Wasser kann sie aufnehmen. Wann sie gefüllt ist, ist offen. So lange muss sich die LMBV als Sanierer Strategien einfallen lassen, um den Wasserverlust auszugleichen. Das Unternehmen hat dies Benthaus zufolge schon vor Jahren erkannt und leitet – soweit vorhanden – mehr Wasser in das Speicherbecken ein. Selbst wenn der Bärwalder See in rund zwei Jahren seinen Endwasserstand von 125 Meter über Normalnull erreicht hat, wird dort weiterhin Wasser hineinfließen. Denn auch die Verdunstung spielt bei den Planungen eine wichtige Rolle.

Beim Bärwalder See gehen - so die Autoren - große Wassermengen unterirdisch verloren. "Von den rund 130 Millionen Kubikmetern Wasser im früheren Tagebau strömen laut Benthaus jedes Jahr etwa 20 Millionen Kubikmeter davon. Auch bei den Gewässern der Seenkette zwischen Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) und Spreetal (Kreis Bautzen) ist dieses Phänomen an der Tagesordnung. So fließen aus dem Sedlitzer See jährlich drei Millionen Kubikmeter Wasser ab, aus dem benachbarten Partwitzer See immerhin noch zwei Millionen. Das entspricht in etwa 15 Prozent der Gesamtwassermenge der jeweiligen Gewässer. Allerdings gibt es auch ehemalige Kohlegruben, in die unterirdisch Wasser zufließt. So strömen pro Jahr mehr als 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser in den Geierswalder See hinein. Das hängt laut LMBV-Angaben mit der etwas anders gearteten Geologie dieses Gebietes zusammen.

Um die Lausitzer Seenkette langfristig vor zu hohem Wasserverlust zu schützen, plant Vattenfall Europe den Bau einer rund zehn Kilometer langen Dichtwand nördlich der Bundesstraße 156 bei Proschim (Spree-Neiße). Dort werden sich voraussichtlich in 15 Jahren aktiver Tagebau und Restsee-Idylle im Abstand von nur wenigen Hundert Metern begegnen. Damit das Wasser aus der Seenkette nicht kubikmeterweise in den abgesenkten Tagebautrichter läuft, wird diese Schutzwand errichtet."

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 18.08.2008, Online-Ausgabe, bearbeitet

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