Arsen-Altlast im Süden Brandenburgs durch LMBV beseitigt

Restloch 4 in Annahütte ist schadstofffrei, geschlossen und gestaltet  - Offizielle Übergabe durch Sts. R. Bretschneider (MIR) erfolgt

Ein druckfähiges Vorher-Nachher-Bild können Sie ggf. aus der Fotogalerie unter www.lmbv.de laden ( Fotos 975 und 974).

Senftenberg/Annahütte. Am 18. September wurde die Sanierung des Restloches 4 in Annahütte (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) offiziell abgeschlossen. Staatssekretär Reiner Bretschneider vom MIR lobte die Bemühungen aller daran Beteiligten. „10 Jahre nach Verabschiedung der Rechtsverordnung zum Sanierungsplan Annahütte-Poley ist Ende der Sanierung für die wichtigste Maßnahme (Sanierung RL 4) in Sicht.“ Die Bedeutung wird auch aus dem dafür finanziellem Aufwand deutlich: „Allein im Zeitbereich von 2003 bis heute wurden ca. 9 Mio. Euro für das Projekt benötigt“, unterstrich Staatssekretär Bretschneider. Die Sanierung der anliegenden Bergbauflächen Heye und Glaswerkspfeiler haben begonnen und werden nun ebenfalls zügig weitergeführt.

Für den Projektträger LMBV wies Sanierungsbereichleiter Manfred Kolba auf die komplexe technische Herausforderung zur Beseitigung der Arsenaltlast mitten in der Ortslage Annhütte hin. „Die LMBV hat nach der Sanierung des kontaminierten Wasserkörpers auch dem Areal des ehemaligen Restloches 4 eine aufwendige neue Kontur geben müssen. Aus einem gefährlichen Deponie-See wurde und wird in den nächsten Jahren ein attraktiv gestalteter Park und ein Stadt-wald mit niedrigen Gehölzen entstehen. Vorgesehen ist außerdem ein Wirtschafts- und Spa-zierweg vom nahe liegenden Altenheim zur Siedlung. Die noch anschließende Grüngestaltung erfolgt voraussichtlich im Frühjahr 2009. Ohne Zweifel lässt sich konstatieren, dass die Sanierung des Restloches 4 hier in Annahütte eine Erfolgsgeschichte im Rahmen der Bergbausanie-rung ist.“ M. Kolba zitierte in diesem Zusammenhang auch den Forstverwalter der Niederlausitzer Kohlenwerke in Schipkau, Rudolf Heusohn, der schon im Jahr 1929 Folgendes gesagt hatte: „Parkanlagen auf Kippen und Halden geben unserer Phantasie und unserem Schönheitsempfinden den allergrößten Spielraum.“

Auch Dr. Wolf von Tümpling, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) unterstrich: „Der unbekannten Arsenverbindung im Wasserkörper des RL 4 Annahütte die Maske zu entreißen war für die UFZ-Forschergruppe eine spannende Herausforderung - vor allem vor dem Hintergrund, dass die Forschungsergebnisse durch die Sanierung zeitnah umgesetzt werden sollten. Durch die Identifizierung des Arsens gelang es uns, ein umsetzbares und kostengünstiges Sanierungsverfahren für das Wasser zu entwickeln. Die erfolgreiche Realisierung dieser Forschungsaufgabe ist ein Beispiel dafür, dass die "Rendite" aus den Forschungsgeldern zeitnah und außergewöhnlich hoch ausfällt, wenn man die heutige "blühende Landschaft" in Annahütte sieht.“

Seit Ende 2005 wurde das knapp 4,8 Hektar große Gelände des Restloches 4 in Annahütte im Süden Brandenburgs durch die LMBV saniert. Mit Arsen und anderen Stoffen belastetes Wasser und kontaminierte Schlämme galt es zu reinigen bzw. zu beseitigen. Das Restloch entstand aus dem Südfeld des ehemaligen Tagebaus Heye 1, in dem zwischen 1934 und 1944 Braun-kohle abgebaut wurde. Nach Beendigung der Kohlenförderung füllte sich die Grube mit dem wieder ansteigenden Grundwasser, aber auch mit Regen und Abwässern aus der Umgebung. Die nahe gelegene Bleiglashütte sorgte durch die Einleitung von Arsen- und anderen Verbindungen dafür, dass im Restloch ein hochtoxisches Wasser-Schadstoffgemisch entstand. Bis in die 90er Jahre wurden zusätzlich extrem saure, schwermetall- und flouridhaltige Abwässer ein-geleitet. 

Seit 2002 haben Wissenschaftler des Umwelt-Forschungszentrums Leipzig-Halle im Auftrag der LMBV in Laborversuchen eine Lösung entwickelt, bei der das Arsen schließlich durch Sorption gebunden werden konnte. Bei der Sorption wird ein gelöster Stoff durch einen anderen festen Stoff aufgenommen. Kernstück der Sanierungsarbeiten war die Hebung und Reinigung des Restlochwassers sowie die Schlammentnahme und -entsorgung. Dabei musste das gehobene Wasser in eine extra dafür konzipierte Aufbereitungsanlage gegeben werden, deren Hauptaufgabe es war, den Arsengehalt von 0,9 auf 0,1 mg/l zu reduzieren. Das ist jener Grenzwert für die Gesamtarsenkonzentration, der es laut Auflage der Umweltbehörde erlaubte, das konditionierte Wasser in den Vorfluter Pößnitz einzuleiten.

Bei der praktischen Anwendung des Reinigungsverfahrens vor Ort konnte der Grenzwert erfolgreich unterschritten werden. Aus dem Restloch sind so insgesamt mehr als 158.000 Kubikmeter verseuchten Wassers gehoben und gereinigt worden. Hinzu kamen etwa 11.000 Kubikmeter stark kontaminierte Schlämme. Diese enthielten zum Teil Blei sowie Mineralkohlenwasserstoffe vom Glaswerk. Auch mehr als 2.000 Tonnen reine Teerablagerungen sind entsorgt worden. Abfallstoffe, die noch unter dem Areal lagern, bergen keinerlei Gaspotenziale. Nach unten ist die Grube durch eine Ton- und eine Restkohleschicht dicht, nach oben wurden die Abfälle zwei Meter überdeckt. Für die Schließung des entgifteten Restloches sind insgesamt 450.000 Kubikmeter Erdmassen herantransportiert worden.

Zurück