Inhalte und Ergebnisse der 2. LMBV-Wasserkonferenz in Leipzig - Klares Bekenntnis zur gemeinschaftlichen Verantwortung für Bergbaufolgeseen

Bitte SPERRFRIST 12.11.2008 12:00 Uhr beachten!

Leipzig. Die 2. Fachberatung der LMBV am 12. November zum Thema „Stand der Integration von entstehenden Bergbaufolgeseen in den Gebietswasserhaushalt des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers“ wurde von rund 200 Experten in Leipzig besucht.

Die LMBV sieht darin ein klares Bekenntnis zur gemeinsamen Verantwortung für die Lösung der wasserwirtschaftlichen Aufgaben in der neu entstehenden Seenlandschaft im Mitteldeutschen Braunkohlerevier, so Pressesprecher Dr. Steinhuber. Durch diese Fachberatung wurde die Tradition der LMBV fortgesetzt, dass sie sowohl im Mitteldeutschen als auch im Lausitzer Braunkohlenrevier über Stand und Entwicklung der wasserhaushaltlichen Sanierung informiert. Zum Einen wurde über das Erreichte und das noch zu Schaffende berichtet und zum Anderen wurden die interessierten Folgenutzer in ihren Planungen durch das Aufzeigen der Zeitschienen für die noch erforderlichen Maßnahmen unterstützt.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu, betonte in seiner Begrüßung, dass "im Zuge der erfolgreich voranschreitenden Sanierung der Bergbaufolgelandschaften die Schwerpunkte der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeit der Seenmacher von der LMBV im Realisieren von Maßnahmen zur Wiederherstellung des Wasserhaushaltes, der Altlastensanierung, insbesondere der Boden- und Grundwassersanierung an Standorten der thermischen Kohleveredlung und zur Gefahrenabwehr von Folgen des Grundwasserwiederanstieges liegen. Seit 1996 werden Flutungs- und Wasserbehandlungskonzepte erarbeitet und kontinuierlich den geänderten Randbedingungen angepasst. Der nunmehr erreichte Stand der Planung, Genehmigung und Umsetzung der Flutungs- und Wasserbehandlungsmaßnahmen, die eingetretenen Füllstände in den Bergbaufolgeseen, die Beschaffenheits- und Mengendargebotsentwicklung entsprechend den bisherigen regionalen Flutungskonzepten im Nord-, West- und Südraum des Mitteldeutschen Sanierungsgebietes sowie der in der Zwischenzeit gewonnene Erkenntniszuwachs waren auch hier Anlass für die Fortschreibung der Flutungs-, Wasserbehandlungs- und Nachsorgekonzepte."

LMBV-Pressesprecher Dr. Uwe Steinhuber fügte hinzu: "Sowohl das aktualisierte Flutungskonzept für den Südraum Leipzig, das die komplexe Bewertung und Anpassung des Flutungsregimes unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffenheits- und Mengendargebotsentwicklung der Sümpfungswässer der MIBRAG mbH sowie die Steuerung der zu erreichenden Wasserqualitäten in den zu flutenden Tagebauseen und die Einhaltung der behördlich festgelegten Ausleitgrenzwerte beinhaltet, als auch die aktualisierten Konzepte für den Nord- und Westraum werden bis Ende 2008 von der LMBV fertig gestellt. Gleichzeitig wurde auch der mit der MIBRAG 1997 geschlossene Wasserüberleitungsvertrag den neuen Erkenntnissen angepasst und kürzlich erst fortgeschrieben."

Auch im Entwurf vorliegenden Konzepte - ebenso die damit verbundenen weiteren Aufgaben sowie weiterführende Projektideen, Problemlösungen - bezüglich der Wasserbewirtschaftung, der Gewässergüteentwicklung und der Ergebnisse von FuE-Projekten wurden im Verlauf dieser Veranstaltung vorgestellt und diskutiert.

Bei diesen auf die Flutung und das Stabilisieren des Wasserstandes sowie auf die Entwicklung der Wasserbeschaffenheit im See ausgerichteten Aufgaben wird verstärkt auf die Ergebnisse der langjährigen, seit 1996 laufenden und durch das BMBF geförderten Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Wasserbeschaffenheit zurückgegriffen. Die Ergebnisse finden jetzt verstärkt in Pilot- und Demonstrationsvorhaben ihren Niederschlag, in denen Grundlagen für die großtechnische Anwendung der Forschungsergebnisse geschaffen werden. Damit werden Handwerkszeuge für die Gestaltung der Wasserbeschaffenheit entwickelt und getestet, die genehmigungsfähig, stabil und wirtschaftlich in der Anwendung sowie nachhaltig in der Wirkung sind.

Zusammenfassend stellte Presssprecher Dr. Uwe Steinhuber fest: "Die zur Regulierung des Wasserhaushaltes in den Seen notwendigen baulichen Maßnahmen sind weitgehend realisiert. Jetzt bedarf es verstärkt der Optimierung der Steuerung unter dem Blickwinkel einer effektiven wasserwirtschaftlichen Nachsorge."

Der Presssprecher weiter. "Mit der Wiederherstellung eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushaltes ist ein Grundwasserwiederanstieg verbunden, der in weiten Teilen wieder zu flurnahen Grundwasserständen (Grundwasserflurabstände unter zwei Meter) wie vor Einflussnahme durch die Entwässerungsmaßnahmen des Bergbaus führen wird. Ein Überschreiten der vorbergbaulichen Grundwasserstände ist in diesen Gebieten im Regelfall nicht zu erwarten."  Im Schutz bergbaulicher Grundwasserabsenkung errichtete Bauwerke, infrastrukturelle Objekte und Deponien wurden in vielen Fällen ohne Berücksichtigung des vorbergbaulichen Wasserstandes errichtet. Daraus erwachsen mit dem Grundwasserwiederanstieg für die nicht darauf ausgerichteten Bauwerke und infrastrukturellen Einrichtungen Probleme, die zu Vernässungen, Nutzungseinschränkungen bis hin zu Gemeingefährdungen führen können. Die Sicherung dieser Anlagen erfolgt in Abhängigkeit von der Dringlichkeit und ggf. unter Verwendung einer finanziellen Beteiligung des Handlungsstörers oder Baulastträgers. Auch mit dem IV. Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung (VA BKS) ist die Finanzierung weiterer Maßnahmen zur Abwehr der Folgen des Grundwasserwiederanstieges gesichert. Die Grundsätze für die § 3 – Projekte für Hilfen zur Abminderung der Folgen des Grundwasserwiederanstiegs im Rahmen des VA BKS wurden aktualisiert und in der Fassung vom 18.03.2008 vom StuBA (Steuerungs- und Budgetausschuss des Bundes und der Braunkohleländer) genehmigt. Diese Maßnahmen im Auftrag von Bund und Ländern laufen unter Projektträgerschaft der LMBV, sind Bestandteil der Projektplanung der LMBV und entsprechend dem Fortgang des Grundwasserwiederanstieges zeitlich eingeordnet. Die die Projekte beeinflussenden Bedingungen werden im Zuge der weiteren Gestaltung der Arbeitsabläufe optimiert und angepasst.

Dr. Steinhuber unterstrich: "Im Ergebnis dieser Fachberatung werden die strategische Herangehensweise und die kurz- und mittelfristigen Maßnahmen der LMBV zur weiteren Flutung und zum Erreichen der durch die Landesplanung und das Wasserhaushaltsgesetz bestimmten Wasserbeschaffenheitsziele in den Bergbaufolgeseen des Mitteldeutschen Braunkohlereviers wissenschaftlich begründet und die notwendigen Entscheidungen gemeinsam mit den genehmigenden und verfahrensführenden Behörden getroffen. Erst nach der Genehmigung durch die zuständigen Behörden und die Finanziers werden die  Maßnahmen realisiert."

Die aktualisierten Konzepte, die Umsetzung der Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik für die Wasserbeschaffenheitsentwicklung gewinnen natürlich auch unter Beachtung der EU–WRRL und unter dem Blickwinkel einer sich an die Herstellung der Gewässer anschließenden Nachsorge zur Stabilisierung der erreichten Zustände eine hohe Bedeutung.

Der LMBV-Sprecher schlussfolgerte: "Die entstehenden Bergbaufolgelandschaften mit ihren Wasserflächen, Naturschutz- und Waldgebieten, aber auch Land- und Forstwirtschaftsflächen sowie Flächen für die Industrie- und Gewerbeansiedlung bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Am Beispiel der bis zum Jahr 2014 entstehenden ca. 24 Quadratkilometer großen Seenlandschaft unmittelbar südlich von Leipzig mit den Bergbaufolgeseen Cospuden, Markkleeberg, Störmthal und Zwenkau, die mit der Pleiße, der Weißen Elster und dem Wasserwegenetz in Leipzig verknüpft und so einen großräumigen Gewässerverbund ergeben werden, wird deutlich, dass mit langfristigen Konzepten und dem Mitwirken aller an der wasserwirtschaftlichen Sanierung im Mitteldeutschen Revier Beteiligten eine konfliktarme Nutzung durch Tourismus und Naturschutz möglich ist. Mit dem geplanten Gewässerverbund wird diese Region schon im nächsten Jahrzehnt eine überregionale Ausstrahlung erhalten."

Hintergrund zur LMBV:

In der LMBV waren zum Stichtag 30.09.2008 noch 523 Bergbau-Ingenieure, Immobilienwirte und Kaufleute an zwei Standorten – 355 in Senftenberg und 168 in Leipzig – beschäftigt, darunter insgesamt 276 Frauen (ohne die Zahl weiterer Mitarbeiter, die bereits in der Altersteilzeit-Ruhephase sind). Zu dieser Beschäftigtenzahl kommen noch die insgesamt 78 LMBV-Auszubildenden hinzu, die mit der LMBV einen Ausbildungsvertrag haben. Gegenwärtig steuern die zusammen 600 Mitarbeiter und Auszubildenden rund 800 Projekte in der bergbaulichen Grundsanierung und Flutung der Bergbaufolgeseen, bei Maßnahmen zur Verbesserung der Nachnutzung sowie bei der Gefahrenabwehr aus dem Wiederanstieg des Grundwassers. Bund und Braunkohleländer haben die Weichen für die Arbeit der LMBV für die kommenden Jahre bereits frühzeitig gestellt und den Inhalt und den Finanzrahmen der Braunkohlesanierung im Rahmen eines Drittes Ergänzendes Verwaltungsabkommen (sog. VA IV) für den Zeitraum von 2008 bis 2012 bereits im Jahr 2007 definiert.

 

 

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