Statement von Dr. Mahmut Kuyumcu zur LMBV-Wasserkonferenz Mitteldeutschland am 12.11.2008

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren, mit einem herzlichen Glückauf heiße ich Sie alle willkommen zu der heutigen Fachberatung der LMBV zu unserer zweiten Wasserkonferenz mit dem Thema „Stand der Integration der Bergbaufolgeseen in den Gebietswasserhaushalt des mitteldeutschen Braunkohlereviers“. Wir alle, die hier Versammelten sind die mittelbaren und unmittelbaren Entscheidungsträger und Vorbereiter für die höchst anspruchsvolle Aufgabe zum Aufbau einer neuen attraktiven Landschaft und zur Sanierung des Wasserhaushalts im mitteldeutschen Revier.

Ich begrüße Sie, meine Damen und Herren Landräte, Bürgermeister, Präsidenten und Vertreter der Berg- und Umweltbehörden, Landesdirektionen und Landesverwaltungsämtern sowie der für uns zuständigen Ministerien Sachsen-Anhalts, des Freistaates Sachsen und Thüringen. Ebenso herzlich begrüße ich Sie, die Mitglieder des Steuerungs- und Budgetausschusses der Braunkohlesanierung und seiner Geschäftsstelle sowie Sie, meine Damen und Herren aus Wissenschaft, Forschung und Technik, die, erfreulich zahlreich heute vertreten sind. Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen, unterstreichen Sie doch damit wieder einmal Ihr Bekenntnis zur gemeinsamen Verantwortung und zum gemeinsamen Wirken im Dienste der Braunkohlesanierung und zur Lösung der wasserwirtschaftlichen Aufgaben.

Meine Damen und Herren, mit diesen Wasserkonferenzen wird die Tradition der LMBV fortgesetzt, dass wir Sie über den aktuellen Stand und künftige Entwicklung der wasserhaushaltsrechtlichen Sanierung informieren; jeweils gesondert im mitteldeutschen und im Lausitzer Revier. Zum einen wird über das Erreichte und das noch zu Schaffende berichtet und zum anderen werden die interessierten Folgenutzer in ihren Planungen durch das Aufzeigen der Zeitschienen für die noch erforderlichen Maßnahmen unterstützt.

Mit dem Start der Flutung des Zwenkauer- und Ilse-Sees im März des letzten Jahres haben wir LMBV-weit überall flächendeckend die dritte und letzte Phase der Braunkohlesanierung eingeleitet. Inzwischen haben wir unsere Tagebaurestlöcher, unsere Seen hier im mitteldeutschen Revier im Durchschnitt bereits zu 75 % aufgefüllt. Die Beseitigung des Wasserdefizites in den Grundwasserhorizonten verläuft naturgemäß langsamer. Dort haben wir einen Erfüllungsstand von immerhin fast 40 Prozent.

Die mitteldeutschen Bergbaufolgeseen werden in den nächsten fünf Jahren weiterhin eins nach dem anderen fertig geflutet. So zum Beispiel der Geiseltalsee in 2010, der Störmthaler See in 2011 und der Zwenkauer See in 2013, um einige größere Seen zu erwähnen. Beim Concordiasee wird es etwas länger dauern, aber wir haben inzwischen Maßnahmen definiert, um ihn etwa 2017/2018 fertig geflutet zu haben.

In den zurückliegenden beinahe drei Jahren seit unserer ersten Wasserkonferenz im Januar 2006 haben wir hier im mitteldeutschen Revier insgesamt neun Planfeststellungsbeschlüsse und drei Plangenehmigungen erhalten; wichtige Meilensteine zur rechtssicheren Gestaltung unserer Bergbaufolgelandschaften.

Die erforderlichen Wasserbauwerke unserer Seen sind weitgehend bereits realisiert. Abgesehen von Concordiasee und Wulfersdorf haben wir im Wesentlichen keine Wasserdargebotsprobleme. Besondere wasserwirtschaftliche Herausforderungen haben wir jedoch im Südraum Leipzig zu bewältigen, da dort in einigen Seen das zuströmende Grundwasser aus Kippenmassiven ein erhebliches Säurepotenzial innehat. Nicht nur aber auch in diesem Zusammenhang unterstreichen möchte ich, dass wir in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit der MIBRAG auf der Grundlage neuer fundierter Prognosen über die Beschaffenheits- und Mengendargebotsentwicklung der Sümpfungswässer der MIBRAG, die Rand- und Rahmenbedingungen der Flutung unserer Seen im Südraum Leipzig aktualisiert haben. So werden wir den Wasserüberleitungsvertrag zwischen MIBRAG und LMBV, abgeschlossen im Jahr 1997, in Kürze entsprechend anpassen und gute sowie verlässliche Grundlagen für den weiteren Verlauf unserer Arbeiten schaffen.

Sowohl diese als auch andere Konzepte zur Flutung unserer Bergbaufolgeseen mit dem Ziel, die Seen nach Fertigflutung in genehmigungsrechtlich definierter Weise in den Gewässerhaushalt zu integrieren, sowie weiterführende Projektideen, Problemlösungen bezüglich der Wasserbewirtschaftung, der Gewässergüteentwicklung und der Ergebnisse von Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen sollen im Verlauf dieser Veranstaltung an ausgewählten Seen vorgestellt und diskutiert.

Aus diesen Vorträgen und Diskussionen und Fachgesprächen erhoffen wir uns weitere Anregungen und Impulse zur besseren Bewältigung der vor uns stehenden Herausforderungen, namentlich der Wassergüteentwicklung vornehmlich für unsere Seen im Südraum Leipzig. Ziel ist es, neben den konventionellen Verfahren auch neue innovative Methoden zur Anwendung kommen zu lassen, die genehmigungsfähig, stabil und wirtschaftlich in der Anwendung sowie nachhaltig in der Wirkung sind.

Meine Damen und Herren, mit der Wiederherstellung eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushaltes ist ein Grundwasserwiederanstieg verbunden, der in weiten Teilen wieder zu flurnahen Grundwasserständen (Grundwasserflurabstände unter 2 m) wie vor Einflussnahme durch die Entwässerungsmaßnahmen des Bergbaus führen wird. Ein Überschreiten der vorbergbaulichen Grundwasserstände ist in diesen Gebieten im Regelfall nicht zu erwarten.

Im Schutz bergbaulicher Grundwasserabsenkung errichtete Bauwerke, infrastrukturelle Objekte und Deponien wurden in vielen Fällen ohne Berücksichtigung des vorbergbaulichen Wasserstandes errichtet. Daraus erwachsen mit dem Grundwasserwiederanstieg für die nicht darauf ausgerichteten Bauwerke und infrastrukturellen Einrichtungen Probleme, die zu Vernässungen, Nutzungseinschränkungen bis hin zu Gemeingefährdungen führen können. Die Sicherung dieser Anlagen erfolgt in Abhängigkeit von der Dringlichkeit und ggf. unter Verwendung einer finanziellen Beteiligung des Handlungsstörers oder Baulastträgers. Erfreulicherweise ist auch mit dem IV. Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung die Finanzierung weiterer Maßnahmen zur Abwehr der Folgen des Grundwasserwiederanstiegs gesichert.

Sehr geehrte Damen und Herren, die entstehenden Bergbaufolgelandschaften mit ihren Wasserflächen, Naturschutz- und Waldgebieten, aber auch Land- und Forstwirtschaftsflächen sowie Flächen für die Industrie- und Gewerbeansiedlung bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Am Beispiel der bis zum Jahr 2014 entstehenden ca. 24 qkm großen Seenlandschaft unmittelbar südlich von Leipzig mit den Bergbaufolgeseen Cospuden, Markkleeberg, Störmthal und Zwenkau, die mit der Pleiße, der Weißen Elster und dem Wasserwegenetz in Leipzig verknüpft und so einen großräumigen Gewässerverbund ergeben werden, wird deutlich, dass mit langfristigen Konzepten und dem Mitwirken aller an der wasserwirtschaftlichen Sanierung im Mitteldeutschen Revier Beteiligten  eine konfliktarme Nutzung durch Tourismus und Naturschutz möglich ist. Mit dem geplanten Gewässerverbund wird diese Region schon im nächsten Jahrzehnt eine überregionale Ausstrahlung erhalten.

Die Kulturlandschaft Goitzsche ist bereits heute ein Leuchtturm geworden für Landschaften nach dem Bergbau, nicht nur in Deutschland sondern zunehmend auch im Ausland. Der Geiseltalsee, als der größte künstlicher See Deutschlands ist ebenso auf einem soliden Wege besondere Aufmerksamkeiten zu entfalten. Und andere unsere Seen werden unterschiedliche Kleinod- Merkmale ausstrahlen.

Meine Damen und Herren, die heutige Veranstaltung ist vorbereitet vom Ingenieurbereich Sanierung unter der Leitung von Klaus Zschiedrich sowie vom Sanierungsbereich mitteldeutsches Revier unter der Leitung von Grit Uhlig. Die Gesamtleitung hat Herr Zschiedrich. Ich möchte auch im Namen von Ihnen allen bereits jetzt Dankeschön sagen allen Mitarbeitern der LMBV, die diese Tagung inhaltlich und organisatorisch, ich bin mir sicher, sehr gut vorbereitet haben. Nun dürfen wir uns mit Spannung den Fach- und Diskussionsbeiträgen begeben und wünsche dieser Veranstaltung ein gutes Gelingen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und Glückauf!

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