Bergbausanierer ehrten Hl. Barbara in Bautzen - Revierbericht der LMBV zur Braunkohlesanierung 2008

Senftenberg/Bautzen. Auf Einladung der LMBV trafen sich am 2. Dezember rund 400 Gäste in Bautzen, um die Schutzpatronin der Sanierungsbergleute gemeinsam zu ehren. Festredner des Abends war der Präsident der Landesdirektion Dresden, Dr. Henry Hasenpflug.

In seinem Revierbericht bilanzierte der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu, dass die LMBV auch in diesem ersten Jahr des vierten Verwaltungsabkommens zur Braunkohlesanierung (2008 -2012) die Projekte erfolgreich und bisher weitestgehend planmäßig vorangebracht hat. Für Projekte in Rechtsverantwortung der LMBV (§2) wurden im Jahr 2008 fast 170 Millionen Euro investiert, davon 116 Millionen Euro in der Lausitz.

Beispielhaft erwähnte Dr. Kuyumcu aus dem Lausitzer Revier die Fortsetzung der Rütteldruckverdichtung im Raum Schlabendorf zur Verdichtung von 5,5 Millionen Kubikmeter Kippenmassen in 2008, die Rütteldruck- und Fallgewichtsverdichtung für die Umverlegung der Landesstraße L60 im Raum Lauchhammer, sowie die Fallgewichtsverdichtung der Anbindungsstrecke Sedlitzer See - Schwarze Elster, wo ein 30 Tonnen schweres Gewicht jeweils aus 25 Metern Höhe fallend und zwar in diesem Jahr 40.000 mal, die Kippenoberfläche gerammt und verdichtet hat. Erwähnt wurde auch der Abschluss der Rekultivierungsarbeiten auf der bereits sanierten Abproduktenhalde Terpe auf 13,5 Hektar Fläche sowie die Fertigstellung eines so genannten „funnel and gate“-Systems zur Fassung und Reinigung des kontaminierten Grundwassers auf dem ehemaligen Kokereistandort Lauchhammer.

Auch die Flutung der Bergbaufolgeseen kommt gut voran: im Lausitzer Revier wurden bisher rund 135 Millionen Kubikmeter Flutungswasser eingeleitet; eine gute Grundlage für das Jahr 2008, das Vorjahresniveau von etwa 150 Millionen Kubikmeter zu erreichen.

Aus dem mitteldeutschen Revier wurden die umfangreichen Maßnahmen im Tagebau Mücheln/Geiseltal benannt. Zum einen die langzeitsichere Ufergestaltung der Nordböschung gegen Wellenschlag sowie zum anderen den Bau von vier Einleitbauwerken und eines Ausleitbauwerkes. Dazu gehörte auch die Fortsetzung der Verdichtungsarbeiten am Grenzkopfpfeiler des Tagebaus Wulfersdorf sowie die Böschungssicherungsmaßnahmen im Tagebau Zwenkau.

Die Flutung der Bergbaufolgeseen im mitteldeutschen Revier verläuft ebenso weitestgehend planmäßig. Besonders gut ist der Fortschritt im Geiseltalsee zu sehen, der inzwischen eine Wasserfläche von rund 1.450 Hektar aufweist. Die Abstimmungen mit der MIBRAG zur Präzisierung des weiteren Vorgehens beim Einsatz der MIBRAG-Sümpfungswässer zur Flutung der Seen im Südraum von Leipzig wurden gezielt fortgesetzt.

Die LMBV ist im Jahr 2008 auch bei der Erlangung von wasserrechtlichen Planfeststellungsbeschlüssen und -genehmigungen gut vorangekommen. So erhielt das Unternehmen ergänzende Beschlüsse für die Seenverbindungen Neuwiesener See und Partwitzer See sowie zwischen Sedlitzer See und Ilse See im Lausitzer Revier. Im mitteldeutschen Revier wurden die Bescheide für Espenhain, Witznitz und Bockwitz übergeben, nach dem bereits zum Jahreswechsel die für Golpa-Nord und Cospuden eingegangen waren. Der Beschluss für den Zwenkauer See, so hofft Dr. Kuyumcu, wird noch im Monat Dezember ausgereicht. „Dies sind alles solide Meilensteine zur weiteren Konkretisierung der Rechtssicherheit beim Aufbau unserer neuen Landschaften.“

Hinsichtlich des Grundwasserwiederanstiegs unterstrich der LMBV-Chef: „Das Grundwasser steigt infolge der planmäßigen Einstellung der Sümpfung in den ehemaligen Tagebauen in beiden Revieren großflächig auf sein vorbergbauliches Niveau an. In diesem Zusammenhang sind Vernässungsgefahren an baulichen Anlagen und Wohngebäuden nicht auszuschließen, die ohne hinreichende Beachtung des Grundwasserwiederanstiegs errichtet wurden. Die Bundesrepublik Deutschland und die Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich erfreulicherweise verständigt, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht die Betroffenen bei der Finanzierung von Sicherungsmaßnahmen zu unterstützen und zwar auf der Grundlage von Einzelfallentscheidungen. Die LMBV wurde hierzu von den Finanziers mit der Organisation der einzelnen Maßnahmen beauftragt. Für die Realisierung solcher, so genannter §3-Maßnahmen wurden in diesem Jahr rund 40 Millionen Euro, davon 25 Millionen Euro in der Lausitz investiert. Unterstreichen möchte ich die Arbeiten zur Sicherung des Barockschlosses Altdöbern, den Abschluss der Sanierung des Restloches 4 in Annahütte mit der Beseitigung arsenhaltiger Altlasten im Lausitzer Revier sowie die Sicherungsmaßnahmen in Bitterfeld, im Tagebau Nachterstedt sowie im Stadtgebiet Delitzsch im mitteldeutschen Revier.“

Die Braunkohleländer haben ihr Engagement auch im Jahr 2008 auf hohem Niveau fortgesetzt, die Bergbaufolgelandschaften frühzeitig mit vielfältigen Infrastrukturmaßnahmen für eine attraktive Nutzung vorzubereiten. Die LMBV ist dankbar dafür, dass sie für die so genannten §4-Maßnahmen als Dienstleister der Länder in diesem Jahr Projekte im Umfang von rund 28 Millionen Euro realisieren durfte, davon 15 Millionen Euro in der Lausitz. Dazu gehörten u. a.  der Bau und die Einweihung der Marina am Schlabendorfer See, der Bau und die Inbetriebnahme der Landmarke am Sornoer Kanal. Auf dem Top dieses 30 Meter hohen begehbaren Kunstwerkes aus Corten-Stahl erhält der Betrachter einen phantastischen Blick auf das entstehende Lausitzer Seenland. Eines der zahlreichen Projekte gemeinsam mit der IBA Fürst-Pückler-Land, von dem nachhaltig positive Impulse ausgehen werden.

Hierzu gehörten auch die Fertigstellung der Steganlagen bei Uhyst und Boxberg sowie die Hafenanlage bei Klitten am Bärwalder See wie auch die Einweihung  des 29 Meter hohen Aussichtsturm am Berzdorfer See, mit herrlichem Blick auf Görlitz und auf den Berzdorfer See. Aus dem mitteldeutschen Revier hob Kuyumcu die Fertigstellung des Hafens Mücheln und den Beginn der Endbauarbeiten für den Hafen Zwenkau hervor.

Sanierung schafft nach wie vor Arbeit: Die Gesamtbeschäftigungswirkung der Braunkohlesanierung beläuft sich auf 3.200 Arbeitsplätze und hat trotz des abnehmenden Umfangs auch derzeit eine beschäftigungspolitische Bedeutung für die beiden Bergbaureviere. Die Agenturen für Arbeit und die ARGEN haben in diesem Jahr 4,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.  Hierdurch konnten über 350 Arbeitnehmer beschäftigt werden. Die LMBV ermöglicht seit Jahren jungen Menschen aus den Revieren über die Braunkohlesanierung eine berufliche Perspektive. So haben im Jahr2008 wieder 20 Mädchen und Jungen ihre Erstausbildung bei der LMBV aufgenommen. 24 Auszubildende haben ihre Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Derzeit bereiten sich insgesamt 78 junge Menschen auf zukunftsfähige Berufe vor. „Das steht der Braunkohlesanierung und der LMBV gut zu Gesicht.“

Die beispielhaften Erwähnungen von Einzelprojekten des Jahres 2008 verdeutlichen, dass das Gemeinschaftsprojekt Braunkohlesanierung dem Aufbau neuer attraktiver Landschaften in geplant hohen Tempo und in guter Qualität vorangekommen ist. Der LMBV-Chef dankte an dieser Stelle allen an diesem Gemeinschaftswerk Beteiligten, den Vertretern des Bundes und der Braunkohleländer sowie den ARGEN für ihren nachhaltig engagierten Einsatz.

Die Gewässerrahmenvereinbarung mit dem Freistaat Sachsen zur Übertragung der Seen auf den Freistaat vom Januar 2008 entfaltet bereits positive Impulse. Im Ergebnis dessen sowie der sonstigen Verwertungsaktivitäten konnten weitere interessante Investitionsvorhaben entwickelt werden. Dazu gehören das für 2009 geplante Projekt „Wohnhafen Skado“ am Geierswalder See für den Bau von bis zu 20 schwimmenden Häusern, die bereits erfolgte Ansiedlung von EPV Solar Germany GmbH auf dem neu erschlossenen Gewerbe- und Industriepark Marga mit einer Investition von 45 Millionen Euro und der Schaffung von 300 Arbeitsplätzen. Dazu gehört weiter die Ansiedlung einer modernen Gießereianlage auf dem ehemaligen LMBV-Siebanlagenstandort Sabrodt mit einer geplanten Investition von über 60 Millionen Euro und einer Belegschaftsgröße von rund 400 Mitarbeitern. Dies sind „bedeutende Schritte, um in unseren Bergbaufolgelandschaften neben der vielfältigen touristischen Nutzung auch nachhaltige Produktionsstätten entstehen zu lassen“, so Dr. Kuyumcu. Er zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Verhandlungen mit dem Land Brandenburg zur Gewässerübertragung in Kürze abgeschlossen werden können.

In seinem Revierbericht informierte der LMBV-Geschäftsführer, dass die Tochtergesellschaft LMBV international GmbH nach der erst kürzlich erfolgten Aufnahme ihrer Tätigkeit Ende 2007 bereits beachtliche Erfolge vorweisen kann, die  optimistisch stimmen. Sichtbares Zeichen dafür war auch die Anwesenheit von Bergbau-Gästen aus der russischen Föderation.

Zurück