Interview von Benjamin Haerdle mit dem LMBV-Leiter Planung Mitteldeutschland, Bernd-Stephan Tienz, für "Neues Deutschland"

Interview von Benjamin Haerdle mit dem Leiter Planung Mitteldeutschland, Bernd-Stephan Tienz für das Neue Deutschland zur Flutung in Mitteldeutschland

ND: Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) gestaltet rund 100.000 ha Fläche in Ostdeutschland neu. 20 neue Gewässer entstehen in den alten Tagebaulöchern alleine um Leipzig herum. Wann werden die Flutungen beendet sein?

Tienz: Mit der Flutung des Tagebausees Zwenkau bis zum Jahr 2014 sollten die Arbeiten der LMBV im Leipziger Raum im Wesentlichen abgeschlossen sein. Daran schließt sich die bergbaubedingte Gewässernachsorge an, das kann dann noch bis zum Jahr 2030 dauern.

ND: Was wird konkret untersucht?

Tienz: Menge und Qualität der Wasserkörper müssen noch optimiert werden. Durch den mehr als 150 Jahre lang dauernden Abbau der Braunkohle wurde das Grundwasser auf einer Fläche von 700 Quadratkilometer bis in eine Tiefe von 60 Metern abgesenkt. Dieser Grundwassertrichter muss nun wieder aufgefüllt werden. Da  die Mibrag noch die Tagebaue Profen und Schleenhain betreibt, werden wir südlich von Leipzig die natürlichen Grundwasserstände wohl erst bis zum  Jahr 2100 wieder vollständig  erreichen. Bei der Wassergüte ist vor allem das Problem der Versauerung durch Pyritoxidation zu beachten. Um die Qualität der Tagebauseen zu verbessern, kann man Flusswasser oder gut gepuffertes Sümpfungswasser aus noch aktiven Tagebauen einleiten.

ND: Die Versauerung gilt als klassisches Sanierungsproblem und tritt zum Beispiel am Zwenkauer See auf. Was kann man dagegen auch chemisch unternehmen?

Tienz: Der Zwenkauer See im Südraum von Leipzig wird seit vorigem Jahr mit Wasser aus  dem Tagebau Profen geflutet. Ab 2011 soll zusätzlich Flusswasser aus der Weißen Elster eingesetzt werden. Mit diesem alkalischen Flutungswasser wird der Versauerung des Sees begegnet. Das reicht aber nicht. Deshalb müssen wir hier in den nächsten Jahren auf eine andere Methode zurückgreifen, die wir bereits im Tagebau Witznitz genutzt haben: die sogenannte In-Lake-Neutralisierung. Dabei wird z. B. Brandtkalk mit Wasser gemischt und großflächig über den See verteilt. Bis Ende der Flutung 2013/2014 werden wir damit einen neutralen ph-Wert erreichen und somit auch die Anbindung des Sees an die Leipziger Fließgewässer sichern.

ND: Muss jedes Tagebauloch so aufwändig geflutet werden?

Tienz: Nein, nicht überall im Süden Leipzigs ist mit einer Versauerung zu rechnen. Beim Kulkwitzer, Cospudener oder auch Markleeberger See, die bereits erfolgreich in der Folgenutzung sind, traten derartige Probleme in diesem Umfang nicht auf.

ND: Durch den Grundwasseranstieg besteht auch die Gefahr, dass Altlasten das Grundwasser kontaminieren könnten. Wie kann man das Risiko mindern?

Tienz: Zusammen mit der Landesdirektion Leipzig haben wir mehr als 1.000 Altlastverdachtsfälle auf mögliche Folgen des Grundwasseranstieges im Raum Leipzig überprüft. Das Ergebnis: Fast überall können wir Entwarnung geben. Handlungsbedarf gibt es aber etwa im Stadtgebiet Delitzsch. Durch den Betrieb einer früheren chemischen Reinigung  ist es zu erheblichen Grundwasserkontaminationen mit leichtflüchtigen Chlorkohlenwasserstoffen gekommen. In Auswertung detaillierter Sanierungsuntersuchungen wird hier eine kurzfristige Sanierung mittels Air-Sparging-Verfahren vorbereitet.

ND: Im Jahr 2000 trat die Europäische Wasserrahmenrichtlinie in Kraft. Welche Folgen hat das für die Flutung der Tagebaue?

Tienz: Direkte Auswirkungen hat das derzeitig noch nicht. Unser Anspruch war schon immer, die bestmögliche Wasserqualität zu erreichen - allerdings in Abhängigkeit, ob das technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Bergbauseen im Leipziger Raum stellen nun aber etwa Neues dar. Deshalb können nicht alle Ziele der Wasserrahmenrichtlinie wie zum Beispiel ein guter ökologischer Zustand bis zum Jahr 2015 erfüllt werden. Hier laufen noch Gespräche, ob der Zeitpunkt auf das Jahr 2027 verschoben oder ob für die Tagebauseen ein neuer Gewässertyp definiert werden soll.

Bernd-Stephan Tienz ist Leiter der LMBV-Planung im Mitteldeutschen Revier.

Das Interview führte Benjamin Haerdle. (Alle Rechte)

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