Der fremde Blick: "Winde wehen – oder auch nicht“ - Ein weiter Weg, ehe der Braunkohle-Grundlaststrom substituiert werden kann

München. "Durchaus ein Zeitzeichen. Die Bundeskanzlerin war höchstpersönlich zu Gast beim Neujahrsempfang des Bundesverbands Erneuerbarer Energien (BEE). Ehre, wem Ehre gebührt. Erneuerbare Energien werden, die Kanzlerin hat’s erneut herausgestellt, im Rahmen eines breiten Energiemixes ein zentraler Baustein für die Energieversorgung der Zukunft sein. 18 % des Endenergie-verbrauchs sollen bereits 2020 mit Wasser, Wind und Biomasse, Geothermie und Sonne gedeckt werden. 30 % des benötigten Stroms und 14 % der Wärme so bereitgestellt werden. Der BEE setzt noch eins drauf. Ginge es nach seiner neuen Prognose, lieferten die Erneuerbaren 2020 bereits 47 % des Stromaufkommens – wenn die Politik die entsprechenden ...Rahmen-bedingungen schaffte.

Was die Zukunft bringt, sei dahingestellt. Die Gegenwart erinnert fatal daran, dass Hochmut vor dem Fall kommt: Der Januar, gemeinhin der Monat mit der mit Abstand höchsten Windenergieproduktion, war windenergetisch ein Fiasko. Daraus ist keinem Windmüller ein Vorwurf zu machen; die Winde wehen, wie die Natur es will. Und im Januar wollte sie wenig, sehr wenig. In Deutschland gibt es inzwischen eine installierte Windkraftleistung von knapp 24.000 MW.

Doch fast das gesamte erste Januar-Drittel, als es so richtig knacking kalt war, Russland und die Ukraine ums Gas zockten und die Netz-Höchstlast beim Strom über 70.000 MW betrug, war vom Wind wenig bis nichts zu spüren. Bei zusätzlich heftigen Schwankungen im Tagesverlauf wurden zwischen 500 und 4.000 MW eingespeist. Und in der fünften Kalenderwoche sah es noch schlechter aus: Die verfügbare Leistung lag tagelang unter 2.000 MW, teilweise waren es – und nicht nur für wenige Stunden – nicht einmal 300 MW. Offenbar aus purer Verzweiflung über die erbärmlichen Zahlen wurde beim verdienstvollen Windenergiemonitor des Isets die Skalierung geändert: Sie reichte plötzlich nicht mehr bis 12.500 MW, sondern nur noch bis 3.000 MW. Optisch sah das freundlicher aus.

Kein Wort gegen die CO2-freie Windkraft. Aber die Verhältnisse im Januar bestätigen nachdrücklich die Einschätzung der Deutschen Energie-Agentur (dena), dass Windkraftwerke zwar Arbeit, aber nur sehr begrenzt Leistung ersetzen können. dena sprach von 6 %, Optimisten von 8 bis 10 %. Konventionelle Kraftwerke bleiben noch lange notwendig. Man kann es sich anders wünschen, aber der Wind bläst, wie er will, und manchmal auch längere Zeit nicht." Quelle: ZfK – Zeitung für Kommunale Wirtschaft, München, vom 07.02.2009 (gekürzte Wiedergabe)

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