Manfred Kolba: Von alten Gruben zu neuen Seen am Beispiel Tagebau Berzdorf - Kurzfassung des Vortrags am Braunkohlentag 2009

Görlitz. Anläßlich des Braunkohlentage 2009 in Görlitz präsentierte Dipl.-Ing (FH) Manfred Kolba, Prokurist und Bereichsleiter Lausitz für die LMBV den erfolgreich gemeisterten Landschaftswandel am Beispiel des Tagebaus Berzdorf bei Görlitz. Hier die textliche Kurzfassung seines Vortrages:

Die LMBV ist Projektträgerin der größten Landschaftsbaustelle Europas, auf der durch die Sanierung und Neugestaltung von 100.000 Hektar bergbaulich beanspruchter Flächen neue attraktive Landschaften mit mehr als 50 Seen entstehen. Sie haben Ihre Herkunft als Restlöcher des Braunkohlenbergbaus der Lausitz und Mitteldeutschlands. Die DDR war ehemals weltgrößter Braunkohleproduzent mit 300 Mio. t Rohbraunkohle pro Jahr. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten konnten 80 Prozent der Betriebe ihre Arbeit nicht mehr wirtschaftlich fortsetzen. Sie mussten unter geordneten Verhältnissen so rasch wie möglich stillgesetzt werden; dafür wurde das Bundesunternehmen LMBV gegründet. Zu den Aufgaben der LMBV gehörten die Ge-fahrenabwehr zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit, und die Wiedernutzbarma-chung der vom Bergbau beanspruchten Flächen sowie die  Herstellung eines sich selbst regulierenden Wasserhaushaltes.

Diese Maßnahmen der Bergbausanierung sind bereits zu über 90 Prozent realisiert. Eine Vielzahl von technisch sehr anspruchsvollen Herausforderungen ist aber noch zu bewältigen. Insbesondere sind dies die zu realisierenden Flutungsprozesse, die  Gewässergüteentwicklung sowie außerhalb der Rechtsverpflichtungen der LMBV die Wahrnehmung der Projektträgerschaft für die Abwehr von Gefährdungen durch den Grundwasserwiederanstieg. Die Flutung und Auffüllung des in über 150 Jahren Braunkohlenbergbau erzeugten Grundwasserabsenkungstrichters mit einem Volumen von 12,7 Mrd. m³ wurde bereits auf bis heute 5 Mrd. m³ reduziert. Dieser Prozess dauert weit über das Jahr 2025 an. Von 49 größeren Bergbaufolgeseen wurde an 40 die Flu-tung auf- bzw. vorgenommen. Davon haben elf Bergbaufolgeseen den Endwasser-stand erreicht und befinden sich bereits in der Nachsorgephase.

Im Zusammenhang mit dem in den Revieren einher gehenden Grundwasserwiederanstieg auf sein vorbergbauliches Niveau, insbesondere nach Einstellung der Sümpfungsmaßnahmen haben Bund und Länder ohne Anerkennung einer Rechtsverpflichtung die Finanzierung von Sofortmaßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen beschlossen. Ein Pilotprojekt für Lösungen zur Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers auf sein altes Niveau ist die von der LMBV konzipierte und umgesetzte Grundwasserhaltung im Stadtgebiet Hoyerswerda.
Mit der Sanierung besteht die Möglichkeit Synergieeffekte für die Durchführung von Maßnahmen zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards der Sanierungsflächen zu nutzen. Erfreulicherweise haben die Braunkohleländer, Kommunen und Gemeinden  solche Maßnahmen zur attraktiven Gestaltung Bergbaufolgelandschaft gemeinsam definiert. Solche von der LMBV getragenen Projekte wie der Bau von Infrastruktureinrichtungen, sowie Straßen, Radwegeverbindungen Aussichtstürme oder Hafenanlagen wurden seit 1998 begonnen. Hervorzuheben ist die gewollte Schiffbarmachung im Lausitzer Seenland und die Herstellung des Gewässerverbundes im Leipziger Neu-seenland. Für alle vorgenannten Maßnahmen haben die Braunkohleländer bisher bereits 400 Mio. € investiert.

Der Tagebau Berzdorf im Dreiländereck mit Polen und Tschechien ist ein Sanierungsprojekt mit vielen Besonderheiten und wird daher anlässlich des Braunkohlentages 2009 näher dargestellt werden. Im Jahr 1835 begann dort der Braunkohlenabbau in kleinen Tiefbauschächten. 1922 erfolgte der Abbau im Tagebauverfahren. Nach zwischenzeitlicher Stillsetzung wurde 1946 der Tagebau wieder aufgeschlossen und bis zum Jahr 1997 betrieben. In dieser Zeit wurden ca. 318 Mio. t Braunkohle gewonnen.  Ab 1953 wurde der Handschurrenbetrieb durch den Einsatz Schaufelradbaggers 33 SRs 150 abgelöst. Vorrangig  wurde ab 1958 die Braunkohle für die Verstromung im nahe gelegenen Kraftwerk Hagenwerder genutzt. In dieser Zeit wurden für die Tagebauführung ca. 360 Mio. m³ Wasser gehoben.  In den letzten Jahren erfolgte der Abbau mit einer Bandtechnologie. Für den Aufschluss und den aktiven Betrieb wurden ca. 2000 ha Land in Anspruch genommen. Eine Umsiedlung verschiedener Orte war für die Tagebauentwicklung unumgänglich. Über 1200 Menschen waren insgesamt von der Umsiedlung betroffen. Darüber hinaus wurden die Bundesstraße B99, die Bundesbahnstrecke von Görlitz/Zittau, kleinere Ortsverbindungsstraßen und der Flusslauf der Pließnitz verlegt. Eine Besonderheit der Grube war, dass die Kohleförderung von laufenden und den Betrieb störenden Rutschungen begleitet wurde.

Im März 1981 kam es unterhalb der Ortschaft Jauernick zur Rutschung mit der Be-zeichnung P. Sie erlangte durch ihr Volumen von ca. 100 Mio. m³, den langen Bewegungszeitraum sowie die Auswirkungen auf Betriebsführung und Umwelt eine außer-ordentliche Bekanntheit. Parallel zur Kohlegewinnung begann bereits 1995 die Sanierung des Tagebaues. Ziel war es, die bergtechnischen Anlagen und Böschungssysteme zu sichern und die Flutung vorzubereiten. Im Ergebnis sollte das Gebiet land-schaftlich und ökologisch eine Aufwertung erfahren. Zunächst mussten Stützanschüt-tungen in einem Umfang von ca. 105 Mio. m³ zur Stabilisierung der Böschungen vor-genommen werden. Im Jahr 2001 wurde die Untertageentwässerung eingestellt und die Strecken gesichert. Die nicht mehr notwendigen 12 Großgeräte und 35 km Bandanlagen wurden verschrottet. 34 Altlastenverdachtsflächen waren zu untersuchen, zu sichern oder zu beseitigen. In der Rekultivierung wurden zeitnah zum produktiven Prozess Bodenauf-wertungsmaßnahmen und Anpflanzungen vorgenommen. Bis 2008 konnten ca. 1.000 ha Flächen überwiegend forstlich rekultiviert werden. Bis zum Sanierungsende werden insgesamt 1.200 ha rekultiviert sein. Unter Beachtung der geotechnischen Bedingun-gen und der zu erwarteten Wind- und Wellenerosionen erfolgten geeignete ingenieur-technische Ausbauten der künftigen Uferbereiche. Das Böschungssystem am Berzdor-fer See mit einer Gesamtlänge von ca. 15 km wurde deshalb in verschiedenen Aus-bauarten und Neigungen gesichert.

Die Flutung des Restloches erfolgt hauptsächlich aus der Lausitzer Neiße als Grenzfluss zur Republik Polen (max. 10 m³/s) und aus dem nahen Flusslauf der Pließnitz (max. 2,5 m³/s). Zur Nutzung der Neiße wurde durch die LMBV ein grenzüberschreitendes Planfeststellungsverfahren mit der Republik Polen geführt. Im Zusammenhang mit dem Verfahren erfolgten umfangreiche Abstimmungen unter Beteiligungen polnischer und deutscher Fachgremien. Durch das Meteorologische Institut Wroclaw wird der Flutungsprozess im Rahmen eines grenzüberschreitenden Monitorings begleitet.
Der Berzdorfer See wird nach Abschluss der Flutung eine Wasserfläche von nahezu 960 Hektar aufweisen. Bei einer Maximaltiefe von 71 m beträgt das Volumen 330 Millionen Kubikmeter. Insgesamt wurden bis jetzt 285 Mio. m³ geflutet und ein Wasser-stand von +178,6 m NN erreicht. Die Seefläche beträgt 840 ha. Nur noch 7,5 m fehlen dem Wasserspiegel. Bis 2012 werden noch die Natürlichen Zuleiter, Wirtschaftswege, der Seeauslauf und der Rückbau der Flutungsanlage Neiße realisiert sowie Pflege und Bewirtschaftungsmaßnahmen durchgeführt.

Der Freistaat Sachsen hat sich frühzeitig für die Entwicklung der durch bergbauliche Beeinflussung geprägten Region mit erheblichen finanziellen Mitteln engagiert. Auf dieser Basis wurden bis 2008 am Berzdorfer See Projekte zur touristischen Entwick-lung mit ca. 3,6 Mio. € gefördert. Bis 2012 sind nochmals ca. 6 Mio. € geplant. Die LMBV wurde für diese Maßnahmen vom Freistaat Sachsen als Projektträgerin beauf-tragt. Ebenso wie an dafür geeigneten Lausitzer Seen gibt es in Berzdorf schon eine Zwischennutzung. Diese wird durch den Wassersportverein und die Stadt Görlitz or-gansiert.
Auch die Vereinstätigkeit des Oberlausitzer Bergleute e.V. mit der Ausstellung im Bahnhof Hagenwerder und die Aktivitäten des Vereins bergbaulicher Zeitzeugen e.V.  zum Erhalt des Baggers Schaufelradbaggers 1452 haben zu überregionalem Ansehen verholfen und ziehen viele Besucher an. Die gelungene Sanierung des Tagebaues Berzdorf durch die LMBV ist sichtbarer Beweis dafür, dass der Braukohlenbergbau mit den vielfältig nutzbaren, attraktiven Bergbaufolgelandschaften neue Chancen für eine nachhaltige wirtschaftliche und touristische Zukunft der Menschen im Revier schafft. Die angewendeten Technologien sind international beispielgebend für Bergbau- und Umweltsanierungsvorhaben in Gegenwart und Zukunft. Sie leisten einen guten Beitrag dafür, dass der deutsche Braunkohlenbergbau- und Sanierungsbergbau durch seine fortschrittlichen Abbau- und Umwelttechnologien eine hohe Akzeptanz besitzt. Weitere Informationen zur LMBV und zur Braunkohlesanierung finden Sie unter http://www.lmbv.de/. Glück auf!

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