Bakterien helfen das Wasser des Lausitzer Seenlandes zu verbessern - LMBV-Pilotvorhaben am Skadodamm zeigt erste Erfolge

Senftenberg. Der vor gut einem Jahr begonnene LMBV-Versuch mit Hilfe von Mikroorganismen das Grundwasser, welches vom Partwitzer See zum Sedlitzer See fließt, von Säure und Schwefel zu befreien, kann die ersten Erfolgsmeldungen verbuchen. Wie der zuständige Leiter der Abteilung Geotechnik  Dr.-Ing. F.-C. Benthaus heute auf Nachfrage informierte, konnte die Säurewirkung des Grundwassers im Versuchsgebiet schon zu drei Viertel abgebaut werden. Dabei gelang es, das säurefördernde Sulfat um ein Drittel zu reduzieren. Der Eisengehalt konnte sogar um die Hälfte verringert werden. Auftraggeberin des Versuches ist die Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), welche in ihrem Vorhaben von dem Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V. (FIB) und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) unterstützt wird. Der Versuch soll aufgrund des Erfolges im nächsten Jahr weitergeführt werden.

Der Skadodamm als Versuchsort wurde ausgewählt, weil sich hier eine Trennwand mit Zwischenräumen befindet. Diese eignet sich hervorragend, um dort gute Messergebnisse über den Versuch zu erhalten, da hier der genaue Fluss des Wassers bekannt ist. Im Allgemeinen lässt sich dieses Verfahren aber auch überall dort anwenden, wo Wasser unterirdisch strömt. Zudem besteht zwischen den Seen ein Gefälle von gut fünf Metern, welches zu einer guten Durchströmung des Grundwassers führt.

Der Versuch mit den Mikroorganismen wird zielgerichtet durchgeführt, um die notwendigen Qualitäten in den Gewässern der Bergbaufolgelandschaft zu erhalten. Dabei wird der real bestehende Prozess der Sulfitreduktion technisch beschleunigt. Hierbei handelt es sich um eine Umkehrung des Prozesses, welcher sich zu Beginn des Bergbaus vollzogen hat. Durch die damals notwendige Grundwassersenkung kam das Pyrit (Eisensulfit) im Grundwasser mit Sauerstoff im Berührung und spaltete sich daraufhin in Sulfat und Eisen auf, welche dann mit dem Grundwasser in die Seen gelangt waren und diese Seen saurer werden ließ.

Auch bei sanierten Bergbauseen, deren pH-Wert durch die Zugabe von Kalk neutralisiert wurde, besteht weiterhin die Gefahr der Versauerung durch zu- und nachströmendes Grundwasser. Um dies zu verhindern, wurde das Pilotvorhaben entwickelt, bei dem bereits die noch gering zufließenden Ströme vom Partwitzer See durch die Kippen zum Sedlitzer See behandelt werden. Dabei wird das fließende Grundwasser mit Hilfe von Pumpen gehoben, mit den Nährstoffen Methanol oder Glycerin sowie Stickstoff und Phosphor angereichert und durch eine der vier eingebrachten Infiltrationslanzen wieder in den Grundwasserleiter zurückgebracht. Im Boden befinden sich Mikroorganismen, die durch die Nährstoffe „gefüttert“ und somit zur Arbeit stimuliert werden. Mit ihrer Hilfe wandelt sich das im Grundwasser befindende Sulfit und Eisen zu Eisensulfid (Pyrit), welches dann im Grundwasserleiter der Kippe als mineralische Neubildung liegen bleibt. Somit wird einer Versauerung im Seekörper entgegengewirkt.

Zurzeit wird erprobt, welche Menge von Glycerin optimal für die Mikroorganismen wäre, indem die Pausen zwischen den einzelnen „Fütterungen“ vergrößert werden.

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